Playback oder Musikerehre???

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Bowhunter

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Hallo Zusammen,

zuerst bitte ich die MODs meinen Thread in die passende Sparte zu verschieben - ich habe leider nicht die passende gefunden.

Kann mich noch dran erinnern, es war irgendwann Anfang der 90er als bei Milli Vanilli der Playback hing - Riesenskandal - und für die Band hatte es schwerwiegende Folgen. Heute ist Playback Standard und niemand regt sich darüber auf.

Der Grund, weswegen ich heute einen Thread eröffne ist, dass ich am Wochenende auf einer Faschingsveranstaltung mit einer Band als "Aushilfsgitarrist" gespielt habe (irgendwo in Thüringen in einem Dorf). Wobei Band ist schon wieder zu viel gesagt - es waren eine Sängerin und ein Sänger mit einem Keyboard, das aber nur als Sequenzer fungierte. Alle Spuren wurden mit dem Keyboard eingespielt, Schlagzeug, Bass, Gitarren, auch Gitarrensoli...
Teilweise richtig gitarrenlastige Songs kamen nur vom Keyboard, gottenschlechter Sound, erinnerten mich an bisschen an mein erstes Bontempi-Keyboard für 10 Mark vom Flohmarkt... und auch noch schlecht eingespielt. Ich mußte nur oben stehen, gut aussehen und so tun, als würde ich Gitarre spielen.
Die Witze waren so flach, dass sie schon gegraben haben, teilweise stark rassistisch, keine Peinlichkeit wurde ausgelassen (also im Faschingsprogramm, damit hatte die Band nichts zu tun). Die "Band" hat danach gespielt, das Publikum ging ab. Das ganze hatte noch nicht mal das Niveau von einem schlechten Alleinunterhalter. Was soll's, ich habe die Kohle genommen. Bin ja noch... ähm.. ich fühle mich na noch jung.

Es war nicht das erste mal, dass ich (Voll-)Playback gespielt habe (aber das erste Mal mit diesem Duo), ... aber das sind nur Aushilfsjobs. Und diese Bands, die einen Playback-Musiker buchen, spielen immer Vollplayback. Oft sind die Frontgesänge auch nicht live (z.B. wenn Sänger und Sängerin stimmlich angeschlagen sind), dann gibt es einen Schalter, den der/die Sänger/in per Fuß betätigen kann, und dann ertönt die eigene, im Studio aufgenommene Stimme...

Es ist schon etwas länger her, zu meinen Studienzeiten habe mal in Unterfranken bei einer Rock/Top40 - Coverband gespielt. Wir hatten relativ regelmäßige, schlecht bezahlte Gigs (ca. 25/ Jahr), aber es war alles live, und wir hatten eine Mordsgaudi! Unser PA-Verleiher erzählte uns, dass eine andere Top40-Band (die damals richtig fett für viel Kohle unterwegs waren) bis zu 80% Playback spielen. Auch die Geigensoli der studierten Violinistin kamen vom Sequenzer...ganze Chöre, Bass, Gitarren, Keyboards sowieso, etc... damals schon (ca. 2006)

In meiner Jugend habe ich mit offenem Mund vor der Bühne gestanden und den Musikern auf die Finger geschaut - ja, ich war einer, der nicht tanzte - aber damals hatte Livemusik noch eine ganz andere Qualität.
Und nein, ich bin keiner, der sagt, dass früher alles besser war. Heute gibt es immer noch klasse Bands und klasse Musiker/innen (gendergerecht!). Nur sieht man die nicht mehr so oft wie früher.
Früher musste man sein Instrument beherrschen, um auf einer Bühne (in einem Tanzzenter) stehen zu dürfen. Heutzutage reicht es, wenn man eine Gitarre halbwegs halten oder hinter'm Keyboard stehen kann ohne dabei einzuschlafen.

Der Keyboarder mit dem ich auf der Faschingsveranstaltung "gespielt" habe erzählte mir, er hat eine Liveband gesehen, wo der Gitarrist keine Saiten auf seiner E-Gitarre hatte, und so den kompletten Gig performt hat!!!
Mir ist auch schon passiert, dass ich mit meiner Strat ohne Kabel oder Sender auf der Bühne Stand und eine komplette Runde gespielt habe, ohne, dass es aufgefallen wäre, obwohl die Leute direkt vor mir getanzt haben (war 'n Abi-Ball). Hatte auch keinen Amp auf der Bühne, nur ein Boss GT-10 (ich nenne das Teil nur "blaues Licht" nach dem Motto: "Was ist das?" "Blaues Licht." "Und was macht es?" "Es leuchtet blau."). Selbstverständlich war das Teil nicht an die Stagebox angeschlossen, sondern hat nur für blaues Licht gesorgt. Ich würde nie (!!!) einen Gig mit einem GT-Irgendwas spielen!

Die Krönung: habe mal auf einer High Society Veranstaltung gespielt, unser Basser (der auch richtig spielen kann) hat den ganzen Abend aus Spaß immer nur den selben Ton gespielt. Es hat keinen gestört und aufgefallen ist es auch nicht.

(Ach ja, ich spiele fest in zwei Coverbands (die eine spielt auch überregional im 350-400 km Umkreis) - alles live, auch die Fehler)

Ist das Publikum heute wirklich so anspruchslos? Vor 15-20 Jahren hätten wir solche "Musiker" noch mit der neunschwänzigen Katze von der Bühne geprügelt. Heute sind solche Mogelpackungen die Normalität, vor allem im Bereich der Stimmungsmusik



Was meint ihr zum Thema???


Viele Grüße,
Bowhunter
 
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Das Publikum bekommt das, was es wünscht. Wenn es sich mehr für "die Stimmung" auf der Veranstaltung als für die Musik interessiert, dann bekommt es "die Stimmung". Die Leute essen Fast Food, sehen RTL II, weshalb sollen sie dann nicht auch von Playback-SHOWS begeistert sein? Das spiegelt sich auch in der Sprache wider: Die Leute haben nicht gesungen, musiziert oder anders vorgetragen, sie haben "performt". Ganz einflusslos ist dass Publikum auch nicht. Es will aber offenbar nicht mehr.
 
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LP Hannes

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Wenn sich schon keiner über rassistische Witze aufregt ...was erwartest Du dann noch von einem Publikum ???

Man soll nie "nie" sagen, aber ich spiel lieber über ein GT-Irgendwas als ohne Kabel auf die Bühne zu gehen. Versteh das nicht falsch, aber an Deiner Stelle hätte ich die Kohle eingesteckt und nie wieder ein Wort drüber verloren.:embarrassed:
 
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Wenn du Geld für eine Performance bekommst, dann bring auch im Rahmen dieser Vorstellung dein Bestes ... und wenn das "Posen ohne Kabel" ist, dann eben das.

Der Bassist, der nur 1 Note den ganzen Abend spielt "verarscht" das Publikum mehr als eine Band, die ihre Performance mit Playback - aber passendem Gebahren dazu! - abzieht.
Wenn ich so was als "Publikum" sehe, dann bin ich sauer, weil ich als "Konsument" nicht ernst genommen werde.

Dass große Akts und Sänger mit ihrem Gehampel - Verzeihung: Tanzen und Choreographie ;) ) - nicht dabei auch noch live singen können, sollte wohl jedem klar sein.
Schaut euch mal die Videos bei YT aa, wo das originale Bühnensignal vom Mikro aufgenommen wurde ... :rolleyes:

btw: @Bowhunter Wie kommst du dazu das Thema einfach i-wo "abzuladen" ohne dir mal Gedanken über eine richtige Platzierung zu machen? Ich finde es etwas dreist, ein Thema i-wo hinzuklatschen und dann zu schreiben "Mods, macht mal ..." :(
Benutz dann wenigstens die Meldefunktion oder frag einfach vorher mal.
 
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Bassyst

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Danke für den Einblick, ich finds interessant :D. Die Entscheidung "Playback oder Musikerehre" ist genauso sinnvoll wie "Brötchen verdienen oder Kunst schaffen". Manchmal brauch man halt leider einen unangenehmen Job, um das echte Leben zu finanzieren.

Ich verstehe gar nicht, warum das Publikum noch eine "Playback-Coverband" benötigt. Da wäre das Geld für einen guten DJ doch irgendwie besser investiert. Scheint mir ein Relikt aus vergangenen Tagen zu sein.

Hatte auch keinen Amp auf der Bühne, nur ein Boss GT-10 (ich nenne das Teil nur "blaues Licht" nach dem Motto: "Was ist das?" "Blaues Licht." "Und was macht es?" "Es leuchtet blau."). Selbstverständlich war das Teil nicht an die Stagebox angeschlossen, sondern hat nur für blaues Licht gesorgt. Ich würde nie (!!!) einen Gig mit einem GT-Irgendwas spielen!

Schade, die Teile sind als gutsortierte Effektsammlung in Verbindung mit einem Röhrenamp durchaus hör- und brauchbar, gerade live ist das einfache Handling Gold wert. Nur die Amp-Simulation ist altbacken und Cab-Simulation fehlt ja komplett.
 
Captain Knaggs

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Das ist weder was neues, noch ist das selten.

Der Musikantenstadl funktioniert seit gefühlten 100 Jahren so;)
 
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omnimusicus

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Noch ein "früher war alles besser"-Thread ... :mad:

Nein, es gab "früher" auch verdammt schlechte Bands. Das weiß ich sehr gut, weil ich teilweise mit dabei war :-D
Nur gab's keine echte Alternative.

Genauso gibt's auch heute einfach schlechte Bands. Da ist mir ein Playback manchmal tatsächlich lieber.
Der Anspruch an Live-Musik ist nach meiner Erfahrung eher gestiegen als gesunken.

Ganz direkte Erfahrung: Letztes Jahr habe ich kurzfristig bei einer Hochzeitstanzband ausgeholfen. Die war so grottenschlecht, daß es mir auf der Bühne teils einfach peinlich war.
An der Band war alles echt. Inklusive Gitarrist, der aufhört zu spielen, wenn er nicht mehr weiter weiß ... Da habe ich mich eher gefragt, ob ich in den letzten Jahren zu verwöhnt bin, was Live-Niveau angeht.

Ich sehe es auch eher wie @peter55. Letztlich geht es um Unterhaltung, Performance. Musik ist ein Teil davon. Wie die Unterhaltung dann im Detail realisiert wird, ist sekundär. Wenn posen ein Teil davon ist, dann ist das so. Muß aber nicht schlecht sein.
 
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Bowhunter

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Wie kommst du dazu das Thema einfach i-wo "abzuladen" ohne dir mal Gedanken über eine richtige Platzierung zu machen? Ich finde es etwas dreist, ein Thema i-wo hinzuklatschen und dann zu schreiben "Mods, macht mal ..." :(

Es war nicht meine Absicht die MODs oder andere Forumsmitglieder zu verärgern.

Benutz dann wenigstens die Meldefunktion oder frag einfach vorher mal.

mache ich beim nächsten mal wenn ich nicht weiter weiß

Ich verstehe gar nicht, warum das Publikum noch eine "Playback-Coverband" benötigt. Da wäre das Geld für einen guten DJ doch irgendwie besser investiert. Scheint mir ein Relikt aus vergangenen Tagen zu sein.

Musikalisch stehen beiden auf einem Level, der DJ ist ein Paar Scheine billiger.

Schade, die Teile sind als gutsortierte Effektsammlung in Verbindung mit einem Röhrenamp durchaus hör- und brauchbar

Ja, in Verbindung mit einem guten Amp, am besten mit der 4-Kabel Methode. Die Effekte des GT sind brauchbar, ber die Ampsounds (Preamp-Sektion) sind unterirdisch
--- Beiträge wurden zusammengefasst ---
Noch ein "früher war alles besser"-Thread ... :mad:

Nein, das ist ein "Früher war alles echter" Thread ;)
 
V Twin

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Hast du damit Geld verdient? Wenn ja, ist doch alles gut. Du wurdest für Fake bezahlt und hast Fake geliefert.

Gewagte These: du spielst "ehrlich" in 2 Coverbands: da bist du auch nur Fake und tust so als wärst du Slash oder Santana oder so.
(übrigens spiele ich selber in ner Coverband:whistle:)

stark rassistisch

Das ist allerdings ne andere Nummer. Klar, du hättest vom Vertrag zurückzutreten können. Aber erstens wärst du bei deinen Kollegen durch gewesen und zweitens hättest du wahrscheinlich auf die Fresse gekriegt. War ja Osten...
Blöde Situation aber wahrscheinlich hast du alles richtig gemacht.
 
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Das muss wohl jeder für sich entscheiden, wie er/sie dazu stehen oder sich verhalten mag. Ich hätte so einen Gig von vornherein abgelehnt - aber bei mir geht das auch, weil ich die Musik ausschließlich als Hobby betreibe. Ausserdem bin ich alles andere als ein Mordsperformer, ich steh' halt da und spiele einfach, ich hätte für so ein Projekt überhaupt keinen Wert.

In meinem Hauptjob dagegen musste ich schon Dinge tun, hinter denen ich nicht stand. Oder durfte die ganze Wahrheit einfach nicht sagen. Und da konnte ich es mir nicht leisten, abzulehnen - das Konto war fast leer, die Miete wollte bezahlt werden, und es musste was zu essen auf den Tisch. Fand ich das gut? Nein. Ist mir in dem Moment ein Weg eingefallen, wie ich aus der Nummer rauskomme? Leider auch nicht. Also habe ich es getan.

Wäre ich Berufsmusiker (bzw. Berufsmusikant), und so ein Playbackjob wäre die einzige Möglichkeit, über die Runden zu kommen, würde ich es wohl tun. Notgedrungen.
 
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Bowhunter

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Gewagte These: du spielst "ehrlich" in 2 Coverbands: da bist du auch nur Fake und tust so als wärst du Slash oder Santana oder so.

Nicht ganz... ich spiele nur die Songs von Slash und anderen Rockstars (Van Halen, Toto, Journey, Queen, Foreigner, etc.... Santana haben wir nicht im Programm). Ich versuche nicht diese Künstler zu imitieren, ich performe nicht (sonst würde ich mich ja ständig verspielen), sondern ich interpretiere ihre Songs auf meine (bescheidene) Art.

Ich hätte so einen Gig von vornherein abgelehnt - aber bei mir geht das auch, weil ich die Musik ausschließlich als Hobby betreibe.

Ich hatte an dem Samstagabend eh nichts besseres vor, außerdem war die Gage verlockend.
Wenn ich mit meinen live spielenden Coverbands unterwegs bin, reicht die Gage für Sprit und Proberaummiete (auch nicht immer); wenn's gut läuft, ist auch mal 'n Kasten Bier für den Proberaum drin. Für Playback-Gehampel (performen) wird man richtig bezahlt. Da ist es echt schwer Nein zu sagen.
 
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Hallo zusammen !

Kurz zu mir vorab: Hab vor ca. 30 Jahren im Duo Tanzmusik mit Sequenzer gemacht (ich war jung und brauchte das Geld). Das hat damals sehr gut funktioniert. Das Publikum war glücklich und wir wurden ganz gut bezahlt. Ich habe aber immer zum
"Playback" die Intros, Synth-Lines usw. gespielt. Trotzdem hat es mich irgendwann nicht mehr befriedigt so maschinenabhängig zu sein. Also hörte ich irgendwann auf.
Ca. 10 Jahre später wurde ich für eine Cover-Band angefragt und Grundsatz war von Anfang an: Ohne MIDI's/Backings usw. zu spielen. Das mache ich seitdem und bin glücklich damit. Was geht wird gespielt, und was nicht machbar ist, wird weggelassen/umarrangiert/von einem Kollegen mit übernommen - oder wird der Song gar nicht gespielt.
Seit zwei Jahren bin nun wieder in einer Tanz/Partyband am Start und auch hier: nur 100 % Live. Es ist uns allen wichtig dass das auch so bleibt. Selbstverständlich kann so was aber nur gut klingen, wenn jeder dahinter steht und musikalisch
auch halbwegs weiß was er tut - wenn dann noch die Arrangements so gemacht werden dass es es passt, wird das auch vom (gar nicht so unkundigen) Publikum bemerkt und oft honoriert. Und wenn nur 2 Leute nach dem Gig kommen und sagen
"was eine geile Livemusik" hat es sich m.E. gelohnt den schwierigeren Weg zu gehen. Außerdem macht es uns allen auch einen Höllenspaß die Songs so zu erarbeiten, das wir selbst damit zufrieden sind und nicht nur damit der Song irgendwie gespielt wird.
Und wenn während der Probe plötzlich ein 3-Stimmiger Chor "von irgendwo" kommt, sieht man schön das Grinsen auf den Musiker-Gesichtern ;-) - ich hoffe ihr wißt was ich meine

Also abschließend: Von mir MUSIKEREHRE !

PS: habe schon schöne Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit DJ gespielt - da hat jeder gemacht was er besten konnte und alle waren glücklich.

ciao

bluebox
 
Charvelniklas

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Bei dem Szenario, das Bowhunter im Eingangspost beschreibt, wäre ich mir sicher ziemlich blöd vorgekommen. Ich mag gute Liveperformances und da gehört für mich im Regelfall mehr dazu, als nur auf der Bühne zu stehen und zu singen/spielen. Wenn das Singen/Spielen ganz wegfällt, hätte ich vielleicht das Gefühl, mich konsequent selbst zu verarschen. Ob ich das könnte, würde ich erst dann rausfinden. Für eine ordentliche Bezahlung würde ich vielleicht versuchen. Aber rein intuitiv find ichs total Banane ;)

Ich finde Playback aber nicht grundsätzlich falsch oder unmusikalisch. Wenn ich in einer Besetzung bestimmte Dinge nicht abdecken kann, aber gerne auch live machen möchte und sie vor allem meine eigene kreative Arbeit sind, dann spricht für mich nichts dagegen, sie beim Liveauftritt zusätzlich einzuspielen. Für mich hat das nichts mit "unehrlich" zu tun, weil es ja immer noch eine authentische Eigenleistung ist und zur Musik gehört. Wenn der Part einfach gut ist und die Besetzung das nicht auch noch leisten kann, finde ich es toll, nicht darauf verzichten zu müssen. Meine Musikerehre fühlt sich dadurch nicht verletzt ;)

Den Reiz, 100% "echt" zu spielen, verstehe ich aber auch.
 
Bowhunter

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Klar ist Playback nicht grundsätzlich Beschiss.

Habe mal vor langer Zeit in einer Top40-Band gespielt, wir hatten keinen Keyboarder. Deswegen kamen die Keyboardsounds vom Sequenzer. Es war aber für jeden erkennbar, weil wir auf der Bühne ja gar kein Keyboard hatten.

In einer anderen Band hatten wir zwar einen Keyboarder, der live gespielt hat - aber da viele Songs mehrere (teilweise 3-4) Keyboardspuren hatten, ließ er den Sequenzer mitlaufen und er spielte live dazu. War völlig okay.
 
omnimusicus

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Prinzipiell schon ein interessantes Thema - und es gibt auch ziemlich unterschiedliche Zuhörer, wie ich im Laufe der Jahre feststellen konnte.

Klar, es gibt die Zuhörer - wie oben beschrieben - wo der Unterschied von DJ oder Band fast völlig egal ist.

Aber dann gibt's auch wieder andere Fälle, wo wirklich nur Live-Musik ankommt. Da werden auch gerade die Fehler honoriert.
Auch z.B. wieder selbst erlebt mit einer Alt-Herren-Combo, wo ich ausgeholfen hatte. Die hatten sich einen Geburtstags-Job mit einem DJ geteilt. Die Band eigentlich mittelprächtig, der DJ hat richtig gute Partysongs ausgepackt. Getanzt wurde aber ausschließlich bei der Band. Und da war nicht mal viel Bewegung auf der Bühne.

Oder jetzt an Silvester: Da habe ich bei einer Jam-Session in einer Kneipe mitgemacht. Völlig planlose Improvisationen.
Aber die Zuhörer wurden unruhig, wenn längere Zeit Pause gemacht wurde. Die wollten dort auch nur Live-Musik.

Manchmal kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Oder: Man darf sein Publikum nicht unterschätzen ... :-D
 
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Vorweg, ich bin jetzt schon seit über 35 Jahren im Bereich Tanzmucke unterwegs, kenne die Szene ganz gut, und habe auch die Veränderungen alle mit erlebt.
Bis Ende der 80er war immer alles live, die Technik hätte es gar nicht hergegeben. Dann kamen die erste ernst zu nehmenden Arranger Keyboards, die anfangs noch Styles hatten, mit denen man fehlendes Drum, Bass und andere Instrumente ersetzen könnte. Dann kamen die ersten Keyboards, die auch Midifiles abspielen konnten. Und da begannen die ersten Alleinunterhalter und Duos den Markt für sich zu erobern, weil sie‘s könnten. Die Leute haben‘s akzeptiert, weil sie halt viel Geld gegenüber einer vollbesetzten Band mit 4 oder mehr Musikern sparen konnten. Weil’s halt so bequem war, man sich ohne viel Aufwand ein riesiges Reperoire ohne viel Proben, sogar ohne besondere spielerischen Fähigkeiten zulegen konnte, kamen immer mehr von diesen Mini-Bands aus den Löchern. DJs waren damals noch nicht so angesagt.
Zu allem Übel fingen da aber auch voll besetzte Bands an, Midifiles einzusetzen, und nicht nur, um einzelne Instrumente zu ersetzen, sondern so oft auch zum Voll-Playback zu spielen. Weniger Proben, bessere Qualität, größeres Repertoire, und auch die Option, mit beliebigen Aushilfsmusikern auf die Bühne zu gehen.
Ich hab tatsächlich auch zweimal bei so einer Band ausgeholfen, fand ich echt peinlich, ist nicht meins, obwohl es natürlich schnell und einfach verdientes Geld ist. Aber ich hätte genauso gut auch meine Frau schicken können, die hätte sogar besser auf der Bühne ausgesehen als ich. Das einzige, was noch live kam, war der Gesang. Aber auch das wurde bald kein Thema, weil anstatt Midifiles, Audio eingesetzt werden konnte und so auch der Gesang aus der Konserve kommen konnte.

Ich hab‘s heute Nachmittag bereits an anderer Stelle hier erwähnt, dass ich mal auf einen Mittwoch einen Anruf von einer Sängerin bekam, die für Samstag einen Ersatz-Keyboarder für einen Gig suchte. Auf meinen Einwand, dass das zeitig wohl kaum machbar wäre, weil ich erst einmal die Setliste bekommen müsste, mich darauf vorbereiten und mindestens einmal mit der Proben wollte, bevor ich auf die Bühne gehe, kam tatsächlich die Frage, ob ich etwa keine Midifiles hätte, womit das Telefonat für mich erledigt war. Das hätte ja geheißen, dass ich das gesamte Programm liefern müsste, so gut hätte man mich gar nicht bezahlen können ;)

Wie gesagt, ich mache das seit über 35 Jahren, zu Bestzeiten waren es mal bis zu 150 Gigs pro Jahr, mittlerweile sind es vielleicht noch 12 Gigs, weil a. sind die Nachfragen nach einer kompletten Band mit 5 Musikern nicht mehr in dem Umfang da, b. wollen wir bzw. ich nicht mehr so häufig spielen, suchen uns die Gigs lieber aus, und c. ich muss nicht mehr davon leben.
Aber es war immer alles live, wobei ich den Einsatz eines Arranger-Keyboards ohne Midifiles auch noch als Live-gespielt betrachte.
Ja, wir können nicht die Repertoire Bandbreite eines DJs liefern, wollen wir auch nicht. Und solange das die Leute akzeptieren, weil sie tatsächlich eine Live-Band wollen, machen wir das auch noch weiter.
 
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Ich hatte an dem Samstagabend eh nichts besseres vor, außerdem war die Gage verlockend.
Wenn ich mit meinen live spielenden Coverbands unterwegs bin, reicht die Gage für Sprit und Proberaummiete (auch nicht immer); wenn's gut läuft, ist auch mal 'n Kasten Bier für den Proberaum drin. Für Playback-Gehampel (performen) wird man richtig bezahlt. Da ist es echt schwer Nein zu sagen.

Naja, dann sieh es halt positiv: Du hast es ausprobiert und weisst nun, dass es nicht wirklich Dein Ding ist.
Wenn allerdings die Gage verlockend ist - warum nicht, Du musst da halt sehenden Auges hineingehen, also im vollen Bewusstsein, was Dich erwartet.
Mit persönlich geht es gar nicht so sehr um die Musikerehre, sondern nur um das eigene Vergnügen. Und um einen gewissen Qualitätsanspruch (ohne macht es mir keinen Spass). Ich habe das Glück, dass die Dinge, die mir Vergnügen bereiten, einen gewissen Marktwert haben - meine Coverband (die ich aus anderen Gründen grade verlasse, d.h. ich lasse das so langsam auslaufen, mein Nachfolger wird grade eingearbeitet, beim nächsten Gig in 14 Tagen übergeben wir den "Staffelstab" von mir zu ihm auf der Bühne) spielt überwiegend sehr gut bezahlt. Und zwischendrin ein paar Gigs zum reinen Spass. Meine Hauptband spielt eigene Musik, da spielst Du grade am Anfang für wenig bis keine Gage. Und mein Nebenprojekt spielt rein improvisierte Musik, dafür werden wir wohl niemals Geld sehen :)
 
Bowhunter

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Ja, mit eigener Musik ist es auch so eine Sache... lang her, da war ich noch Zivi; Wir haben Deutschrock gespielt, auf Eintritt ... vom Veranstalter gab es ein Pizzabaguette und 3 Bier als Gage.
Beim Auftritt sah man immer die selben 20 Personen, davon 2/3 Freundinnen und Kumpels der Band. Eintritt 3 Mark, CD für 8 Mark :)
Aber das waren die geilsten Gigs in meinem Leben!!!

Später, um mein Studium irgendwie zu finanzieren (ohne Bafög), stieg ich bei einer Bierzelt-Stimmungsband ein. Die Gage war okay, soviel habe ich mit Musik nie davor und nie danach verdient. Das Programm bestand hauptsächlich aus Ballermann-Scheiß und Volkstümliches, viel Show gemacht, verkleidet, Publikum animiert (Polonaise, ich mit der Gitarre voran) etc... Aber jeden Abend habe ich das Gefühl gehabt, ich müsste auf die Bühne kotzen. Dabei habe ich alles live gespielt.
 
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Martman

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Der Grund, weswegen ich heute einen Thread eröffne ist, dass ich am Wochenende auf einer Faschingsveranstaltung mit einer Band als "Aushilfsgitarrist" gespielt habe (irgendwo in Thüringen in einem Dorf). Wobei Band ist schon wieder zu viel gesagt - es waren eine Sängerin und ein Sänger mit einem Keyboard, das aber nur als Sequenzer fungierte. Alle Spuren wurden mit dem Keyboard eingespielt, Schlagzeug, Bass, Gitarren, auch Gitarrensoli...
Teilweise richtig gitarrenlastige Songs kamen nur vom Keyboard, gottenschlechter Sound, erinnerten mich an bisschen an mein erstes Bontempi-Keyboard für 10 Mark vom Flohmarkt... und auch noch schlecht eingespielt. Ich mußte nur oben stehen, gut aussehen und so tun, als würde ich Gitarre spielen.
Na geil.

Nicht nur MIDI-File-Vollplayback, sondern das auch noch mit geringstmöglichem Budget. So liest es sich für mich.

An MIDI-Files kauft man natürlich nicht die guten, teuren, die eigens für hochkarätige Entertainer-Keyboards (Tyros-Klasse) programmiert wurden, sondern solche, die mit jedem General-MIDI-tauglichen Klangerzeuger funktionieren. Und da die billigsten. Oder noch besser, man "besorgt" sie sich (saugt sie sich aus zweifelhafter Quelle aus dem Netz oder kopiert sie sich von irgendjemandem).

Um sie abzuspielen, zieht man sich aus der Bucht die billigste Tischhupe, die man kriegen kann, die MIDI-Files abspielen kann.

Klingt zwar kacke, merkt aber keiner, weil a) im Publikum nicht ein einziger Musiker sitzen wird und b) das Publikum geschlossen besoffen sein wird.

Der Bassist, der nur 1 Note den ganzen Abend spielt "verarscht" das Publikum mehr als eine Band, die ihre Performance mit Playback - aber passendem Gebahren dazu! - abzieht.
Wenn ich so was als "Publikum" sehe, dann bin ich sauer, weil ich als "Konsument" nicht ernst genommen werde.
Du ja. Du bist seit Jahrzehnten erfahrener Musiker.

Im typischen Publikum solcher Gruppen gibt es aber keine Musiker, schon gar keine Mupo, die auf sowas achten würde. Außerdem, wie gesagt: Meistens sind die eh alle besoffen. Der Leadsänger könnte sich einen Schluck genehmigen, wenn er gerade singen soll, derweil sein Gesangspart ungerührt aus der PA kommt – selbst das wird nicht mal die Hälfte der Leute merken.

Ich verstehe gar nicht, warum das Publikum noch eine "Playback-Coverband" benötigt. Da wäre das Geld für einen guten DJ doch irgendwie besser investiert.
Bei solchen Krauterveranstaltungen am Arsch der Heide merkt wahrscheinlich meistens nicht mal der Veranstalter, daß das Vollplayback ist. Und wenn: scheißegal, ist billig.

DJ fühlt sich für das Publikum (geschätzt mehr Ü50 als U50) zu sehr so an, als wären sie versehentlich auf einem Rave gelandet. Unabhängig davon, was er tatsächlich "auflegt".


Martman
 

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