Registerschaltung bei Hohner Concerto III T

von A Klatt, 30.01.16.

  1. A Klatt

    A Klatt Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 30.01.16   #1
    Hallo an alle Concerto III N - BesitzerInnen!

    Bei dem Hohner Concerto III N funktioniert die Registerknöpfe im Diskant streckenweise nicht mehr ganz, d.h. wenn man nicht richtig kräftig drauf haut, springt der vorherige Schalter manchmal nicht mehr ganz zurück.
    Manchmal passiert das allerdings auch, wenn man sehr kräftig drauf drückt. Garantie ist eigentlich noch gegeben, aber der Akkordeonmensch sagt, dass ist normal bei diesem Modell.
    Wäre ja blöd für Menschen, die nicht mehr so viel Kraft aufwenden wollen oder haben.

    Ich hoffe, diese Frage hat nicht schon jemand gestellt - finden konnte ich jedenfalls nichts dazu ...

    Viele Grüße aus dem Norden!
     
  2. Arrigo

    Arrigo Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 30.01.16   #2
    Hallo,

    jetzt müsste man wissen, was du unter viel und wenig Kraft verstehst.
    Ich kenne ein Concerto III N und eine Verdi III N, (also zu wenig, um es verallgemeinern zu können,) aber bei diesen ist es schon so, dass man den Schalter von oben bis unten mit konstantem (geringem) Widerstand reindrücken muss, im Gegensatz zu meiner Morino IV S und meiner Guerrini Superior, wo nach einem kleinen Anfangswiderstand, der Schalter von alleine reinflutscht.
    Mit dem kleinen Finger schalten, kann aber bei jedem Akkordeon ein Problem sein.
    Wenn natürlich Schmutz zwischen den Registerschiebern ist, oder die Befestigungsschraube zu stark angezogen ist, kann das Umschalten sehr schwer gehen.

    Wie schwer geht es denn nun?

    Viele Grüße aus dem Süden!
     
  3. maxito

    maxito Mod Akkordeon Moderator HFU

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    Erstellt: 30.01.16   #3
    Das passiert bei älteren Instrumenten durchaus. Denn im Laufe der Zeit kommt Staub und eventuell auch Oxidation in die Schiebermechanik. Vielleicht sind auch die Stimmstöcke zu stramm montiert?

    Es kann also an vielen Ecken liegen, dass die Register nciht mehr sauber schalten und schwergängig sind.

    Im Normalfall laufen die aber recht gut und sind mit einem Finger gut zu schalten und zwar so, dass der Chor sauber umgeschaltet wird und die Registerdrücker auch ganz durch geschaltet sind und nicht auf halbem Weg stehen bleiben.

    Was für die schwergängigkeit die wirkliche Ursache ist, kann man nur feststellen, wenn man das Instrument im Detail prüft. Ich würde das richten lassen, denn du läufst sonst Gefahr, dass über kurz oder lang eventuell die dünnen Schieberlammelen verbogen werden (falls die schwergängig sind) oder die Registerdrücker und die zugehörige Hebelmechanik Schaden nehmen, den man dann nicht mehr einfach reparieren kann.

    Gruß, maxito
     
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  4. polifonico

    polifonico Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 30.01.16   #4
    Hallo,

    manchmal liegt es auch gar nicht an den Registerschaltern,
    sondern an einem "Schaltkasten" mit verharztem Schmierstoff.
    Das kommt besonders bei Akkordeons vor, die länger unbenutzt im Koffer standen.

    Man muß also was reparieren :
    Dazu bitte das Verdeck abnehmen , nun sieht man die Registerklappen und das dahinter laufende Schiebegestänge.
    Wenn hier nichts auffällig verbogen oder oxidiert ist , oder durch Schmutz klemmt,
    muß man die Registerschalter abnehmen.
    Dazu lassen sich zunächst seitlich Schrauben lösen.
    Die Registerschater sollten nicht aufgeschraubt werden, der ganze Block muß komplett raus.
    Zur linken Seite laufen nun drei Arme, die jeweils mit einer runden Metallfeder festgeklemmt sind.
    Diese vorsichtig mit einer feinen Schraubenzieherspitze abziehen (und aufpassen, daß sie nicht wegschnalzen...)
    Jetzt sind die drei Hebel am Schaltkasten frei. Sie übertragen die Registerwahl nach innen und bewegen die kleinen Schienen unter den Stimmstöcken.
    Wenn die Hebel hier frei laufen, ohne jeden Widerstand ist das Problem in der gerade abgeschraubten Registermechanik.
    Sollte hier ein oder mehrere hebel klemmen, gibt es jetzt zwei Möglichkeiten :

    Das Schmiermittel ist verharzt und die Achsen im Schaltkasten drehen sich nicht sauber ?
    Die Schieber unter den Stimmstöcken sind verklemmt.

    Letzteres halte ich für eher unwahrscheinlich, da sie bei der Concerto aus fein gleitendem Kunststoff sind.
    Da man jetzt sowieso sehr viel abbauen muss, wird man das jedoch schnell feststellen.

    Bitte die Blagnägel an der Diskantseite ziehen und das Diskant abnehmen.
    Die drei Stimmstöcke vorsichtig abnehmen.
    Es gibt zwei Versionen : entweder laufen die Schieber in einer feinen Nut im Fuß des Stimmstocks,
    oder sie sind darunter befestigt.
    Auf jeden Fall greift von unten ein Metallmitnehmer in eine Öse an dem Schieberende, was seitlich herausragt.
    Sie lassen sich mit den Stimmstöcken abheben, oder herausnehmen, wenn diese abgebaut sind.
    Alle bitte sorgfältig prüfen, ob sie frei in ihrer Bahn gleiten.
    Sollte hier mal Sand oder gar Öl eingetreten sein, wäre das eine mögliche Fehlerquelle.
    Möglich wäre auch ein Fremdkörper, der unter einer Klappe in den Tonkanal gerutscht ist.
    Ich würde aber annehmen, daß hier alles glatt läuft.

    Also ist es der Schaltkasten.
    Man kann diesen nicht öffnen, da die Kunststoffhältften verklebt sind.
    Da er auch verhindert, daß Luft aus dem Instrument nach außen bläst,
    sind die Achsen sehr stramm eingesetzt.
    Wenn diese sich nun schwer bewegen, ist es das alte Wachs im Inneren.
    Ich habe bei zwei Instrumenten da selbe Problem genau hier gehabt.
    Zu Anfang kann man die Achsen mal leicht erwärmen , indem man eine Lötkolbenspitze daran hält und
    immer mit dem Finger prüft, ob sie nicht zu heiß werden.
    Dabei bewegt man die Achsen, soweit es geht, so viel wie möglich.
    Parallel nimmt man feines Waffenöl, wie Ballistol und betupft vorsichtig mit einem Q-Tip
    die Achsen. Es dauert ziemlich lange, man muß viel wärmen, tupfen und noch mehr drehen,
    doch irgenwann flutscht es wieder !

    Unbedingt vermeiden, daß Öl an andere Stellen als die Achsen kommt !

    Alles wieder zusammenbauen und weiterspielen.
    Viel Erfolg.
     
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  5. A Klatt

    A Klatt Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 31.01.16   #5
    Ganz herzlichen Dank für eure Antworten, besonders polofonico!

    Wie stark drücken? Schon ordentlich mit Schwung, so dass ein schnelles Umschalten zwischen zwei Liedern nur zeitverzögert möglich ist. Aber vor allem bleibt ja auch der vorherige Schalter halb stecken.
    Im Vergleich zu einem anderem, älteren Hohner Concerto III Akkordeon, dass auch nicht mehr so topp ist, ist deutlich mehr Kraft erforderlich. Dass womöglich durch Nicht-Behebung etwas noch Blöderes passieren könnte, kann ich mir vorstellen. Allerdings ist es natürlich kein schöner Gedanke bei einem Akkordeon, welches für 750 Euro gekauft wurde und jetzt ja auch erst einmal glücklich machen sollte ...

    Ich werde es aufmachen und schauen, ob ich eine Fehlerquelle erkennen kann.
     
  6. Wil_Riker

    Wil_Riker Helpful & Friendly Akkordeon-Mod Moderator HFU

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    Erstellt: 31.01.16   #6
    Hallo,

    wenn "Garantie" auf dem Instrument ist (vermutlich meinst Du "Gewährleistung" eines gewerblichen Verkäufers), hat dieser kostenlos nachzubessern und sich nicht herauszureden. Deshalb würde ich in diesem Fall die Finger davon lassen, sonst bekommst Du vielleicht zu hören, Du hättest etwas kaputtrepariert, für das er nicht mehr aufzukommen braucht.
     
  7. HLW

    HLW Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 01.02.16   #7
    Hallo,

    das Problem ist typisch für die Modellreihen Concerto III N, III S und III T.
    Es liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit an verharztem Schmierstoff im Register-Steuerkasten.

    Nachhaltig lässt sich das Problem nur beheben, wenn der Steuerkasten zerlegt und die Wellen vom alten Schmierstoff gereinigt werden. Und das ist meines Erachtens leider keine Arbeit für den Laien.
    Mit der Zuführung von etwas etwas ÖL an die Steuerwellen lässt sich nur kurzfristig Abhilfe schaffen. In einigen Monaten kommt das Problem wieder und es wird sich noch verstärken. Der zu hohe Schaltwiderstand führt ohne Reparatur zudem ggf. zu Schäden an der Registermechanik.

    Mein Rat:
    Reparatur durch Reinigung der Steuerkastenwellen ist erforderlich und das sollte der gewerbliche Verkäufer im Rahmen der Gewährleistung erledigen. Es ist drauf zu achten, dass auch tatsächlich die Wellen ausgebaut und gereinigt werden (nicht nur die Soft-Version mit etwas ÖL).


    Grüße

    HLW
     
  8. A Klatt

    A Klatt Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 02.02.16   #8
    Ja, wenn aufgemacht und dran rumgemacht, dann keine Gewährleistung mehr - das ist ja bei allen "Geräten" so.

    Ich finde auch, dass der Satz "das ist so bei der Akkordeonreihe" nicht davor schützt, eine Reparatur durchzuführen. Die Frage ist, was tun, wenn der Händler es nicht tut. Bevor ich den Rechtsweg bestreite, löse ich das Problem womöglich aber eher selber ... Not nice.

    Vielen, vielen Dank für die Antworten. Entscheiden muss man immer selbst - aber es leichter, wenn man die fachliche Meinung anderer dazu hört!
     
  9. polifonico

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    Erstellt: 02.02.16   #9
    Hallo,

    bei den Register Steuerkästen, die ich zu reparieren hatte, waren die Gehäuse fest verbunden .
    Das heißt, die Kunststoffhälften sind unter Hitze verschweißt. Man wird sie eigentlich nicht mehr öffnen können, ohne sie zu zerbrechen.
    Ich bin nicht sicher, ob diese z.B. in Hohner Werkstätten komplett ersetzt werden , sollte diese noch als Ersatzteil vorhanden sein.

    Bei mir hat die Reparatur lang gehalten,
    mein Bruder spielt die eine Concerto immer noch.

    Vielleicht würde ich heute alternativ bei einem sehr hartnäckigen Fall,
    das Schaltwerk so weit wie möglich ausbauen.
    Dann jeweils an einer schmalen Seite oben und unten ein kleiner Loch bohren.
    Das würde ich dann mit Bremsenreiniger ausspülen (vorher bitte testen, ob er nicht den Kunststoff angreift).
    Also im Grunde so ähnlich, wie zu Ostern, beim Eier ausblasen.
    Dann erst Ballistol einsprühen , bis alles wieder glatt läuft und das Gehäuse mit einem modernen harzfreien Schmiermittel füllen ( wie man es z.B. bei Tretlagern von Rennrädern verwendet ).
    Die beiden Bohrlöcher kann man dann mit einem kleinen Tupfer aus der Heißklebepistole wieder verschließen.

    Bitte unbedingt das Akkordeongehäuse von allen Ölen und Reinigern schützen,
    Celluloid ist sehr empfindlich !

    Gruss,

    Ludger
     
  10. Wil_Riker

    Wil_Riker Helpful & Friendly Akkordeon-Mod Moderator HFU

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    Erstellt: 02.02.16   #10
    Hallo,

    diese Aussage ist schon sehr gewagt ;). Ich habe selbst 10 Jahre lang ein III S gespielt, und im Bekanntenkreis schwirrt eine Handvoll III Ns herum, die allesamt nicht dieses Problem vorweisen.

    Wieso Rechtsweg? Ein seriöser Händler wird ohne nachzufragen nachbessern, ohne dass man gleich die Anwalts-Keule herausholen muss.
     
  11. polifonico

    polifonico Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 02.02.16   #11
    Hallo,

    das Problem haben nicht die Instrumente, die gespielt werden,
    sondern die, die lange nicht gespielt wurden.
    Also Instrumente, die einige Jahrzehnte unbewegt in der Ecke standen !

    Gruss,

    Ludger
     
  12. Wil_Riker

    Wil_Riker Helpful & Friendly Akkordeon-Mod Moderator HFU

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    Erstellt: 02.02.16   #12
    Hallo Ludger,

    lt. HLW hörte es sich so an, als das das Problem Modell-spezifisch :nix:.
     
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