Pop, Rock & Co. Review: How To Sing Better - Ken Tamplin


durza
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Hallo Zusammen!

Da ich bisher im Forum noch nichts dergleichen gesehen habe und ich mir das Programm letzte Woche gekauft habe, habe ich mir gedacht, einmal ein ein bisschen umfassenderes Review über das Programm von Ken Tamplin - How To Sing Better (Than Anyone Else) zu schreiben. Ich habe nicht viele Reviews dazu gefunden, die meisten waren von der Seite selbst oder kamen mir nicht so vertrauenswürdig vor, deshalb möchte ich nun einmal eines erstellen, um denjenigen, die sich noch überlegen, das Programm zu kaufen, die Entscheidung leichter zu machen.

Zuerst einmal zu mir: Weshalb habe ich dieses Programm gekauft? Was erwarte ich davon?
Ich singe nun seit etwa anderthalb Jahren, also noch nicht sonderlich lange. Davor hatte ich keine Ahnung vom Singen, habe aber seitdem kontinuierlich (nebst GU) probiert, mehr über die Stimme zu lernen und mir selbst vieles beizubringen. Deshalb habe ich also tausende Tutorials gelesen/geschaut, zahlreiche Bücher gekauft, aber all das hat mir nicht richtig weitergeholfen. In der Theorie verstand ich zwar recht gut, wie alles funktionieren sollte, aber ich hatte keine Ahnung, wie ich das anwenden musste. Ich hatte zwar eine nicht so schlechte Range (F#4-B4), aber die hohen Noten waren sehr anstrengend, nicht immer da und klangen nicht wirklich gut. Ausserdem hatte ich keine Ausdauer. Dies war mein Hauptproblem. Ich konnte nicht einen ganzen Song durchsingen. Deshalb erwarte ich von dem Programm jetzt, dass ich endlich lerne, meine Stütze zu brauchen und nicht mehr zu pressen.

Gekauft habe ich das Programm mit PayPal für 229$ (sie nennen es 2015 Sale, allerdings ist irgendwie das ganze Jahr durch irgend ein Sale). Man musste nach dem Bezahlen einige Angaben machen wie Name, Land usw. aber auch wer die Vorbilder sind, was man verbessern möchte usw. Etwa 2min später nach Ausfüllen des Formulars kam eine Mail mit den ganzen Links, wo ich mir das Programm downloaden konnte. Das Paket besteht aus:

How To Sing Better Vol. 1-3
Pro Pack 1-4
Zugang zum KTVA Forum

Der Download dauert etwas, da die Files sehr gross sind (entpackt etwa 30 GB, gezippt 15 GB), aufgeteilt in 9 kleine Zip Dateien von 500MB-2.5GB.
Man soll (logischerweise) mit Vol. 1 anfangen. Darin sind die Grundlagen des Singens erklärt, wie Haltung, Stütze, aber auch Resonanzeinstellung und Vokalmodifikationen. Es gibt einen Ordner mit 32 kleinen Videos, sowie eine PDF-Datei und die Ordner mit den Audio Dateien zum Üben. Es wird empfohlen, zuerst die PDF Datei zu lesen, dann alle Videos zu schauen und erst dann mit den Übungen anzufangen. Ausserdem soll man immer wieder auf die Videos zurückgreifen und sich vergewissern, dass man alles richtig macht. Es wird empfohlen, während des Übens immer einen kleinen Spiegel mitzuhaben. Er zeigt es in den Videos wirklich gut und verständlich, so dass man es gut nachmachen kann. Ausserdem kann man sich selbst aufnehmen wie man die Übungen macht und dies im Forum posten, wo einem geholfen wird. Auf das Forum komme ich aber später noch zurück.

Die Übungen bestehen aus Skalen, ähnlich wie Singing Success. Allerdings zeigt er eine Übung, mit der man die Zwerchfellatmung trainieren soll. Zu Beginn soll man die Übungen probieren, nur in der Bruststimme zu machen und nicht zu bridgen. Später soll man das ganze workout 2 mal machen, das erste mal mit Wechsel in die Kopfstimme, das zweite mal nur in der Bruststimme. Damit will er erreichen, dass die Bruststimme gestretcht wird und man das late bridging übt, also das späte Wechseln in die Kopfstimme. Seine Begründung dazu: Wenn man immer early bridging trainiert, ist es schwer, später hoch in der Bruststimme zu singen. Wenn man aber late bridging trainiert, kann man auch early bridging machen. Er achtet sehr auf die Atmung und die Haltung, was mir persönlich sehr geholfen hat. Man soll die Übungen 5-6 mal pro Woche machen, man kann sie auch 2 mal täglich machen, wenn man schnell weiterkommen will.a

In den Pro Packs gibt es sehr viel Zusatzmaterial, was nicht unbedingt nötig, aber nützlich ist. So sind darin zB. Übungen zum Ausbilden der Kopfstimme, zahlreiche Videos, in denen Ken erklärt, wie man wie berühmte Sänger singt, dazu noch Gitarrentutorials (Akkorde), Songwriting Tipps, Tipps zum Schreiben von Lyrics, wie man Vocals aufnehmen soll, eine Liste mit Kontakten von ihm im Musikbusiness, Rock/Pop-Singing, usw. Es hat ziemlich viel! :D

Zum Forum: Man muss sich separat registrieren für das Forum und dann eine Mail an den Support senden, um als Pro User freigeschaltet zu werden und Zugang zu allen Unterforen zu erhalten. Hier gab es für mich ein Problem: Ich habe mit der Kreditkarte meines Bruders bezahlt und deshalb war der Zutritt für diese Mail reserviert. Doch der Support war sehr freundlich und vor allem schnell (nach 2min kam schon eine Antwort!), so dass dieses Problem schnell beseitig war. Es gibt zu jeder einzelnen Übung ein Unterforum, wo man eigene Aufnahmen hochladen kann und sich von anderen Usern Tipps geben lassen kann.

Was ich bisher gemerkt habe: Es hat mir geholfen, die richtige Resonanzstellung zu finden und vor allem zu merken, wie sich eine richtige Stütze anfühlt. Bisher habe ich meine Bauchmuskeln immer zu fest angespannt. Gestern konnte ich mit Leichtigkeit ein h' in der Bruststimme singen.

Ausserdem gibt es die Möglichkeit, Skype Stunden mit Ken zu nehmen. Im Forum schwärmen alle davon. Allerdings ist es ziemlich teuer... ich glaube so um 300$.

Ken betont jedoch, dass dies keine Wundermethode sei und man ohne Arbeit nicht weiterkommt. Dies finde ich schon einmal gut, da es ja eh nicht glaubwürdig wäre, wenn er etwas anderes behaupten würde. Er sagt aber, dass, wenn man die Übungen richtig ausführt, die Stimme sehr schnell stärker wird und sie so schnell wachsen wird wie noch nie (okay, vielleicht ein wenig übertrieben von ihm, ich werd's ja sehen).

Mein Eindruck: Bisher sehr gut! Man bekommt ziemlich viel Material für den Anfang und es dauert einen Moment, bis man alle Videos angesehen hat. Was ich gut finde, ist, dass auch so Themen wie Stütze, Mundstellung und Vokalmodifikation in der Höhe intensiv behandelt werden, denn das ist das, was mir in Singing Success und Raise Your Voice gefehlt hat.

Seine Methode nennt ehr Open Throat Technique, also mithilfe von Vokalübungen übt man, den Hals ganz locker und offen zu lassen, zusammen mit den Zwerchfellübungen kann man damit schon recht bald gute Erfolge erzielen.

So, das war's einmal für's erste, ich werde jetzt einmal einige Wochen damit arbeiten und dann noch einmal schreiben, ob sich was getan hat.

EDIT: Soeben wurde mein Vorstellungsthread im KTVA Forum editiert, da ich darin Singing Success und Raise Your Voice erwähnt habe. Anscheinend mögen sie keine Konkurrenz.^^
 
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Hallo,

Vielen Dank für das ausführliche Review. Interessant mal zu erfahren, wie das Prozedere so abläuft. Ich würde mich freuen, wenn du auch mal ein paar eigene soundfiles hinzufügst. Denn die Theorie klingt ja immer gut und eine Woche ist noch kein sehr langer Erfahrungszeitraum ;)

Zum letzten edit: warum wundert mich das nicht? ;)
 
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Ich will ja hier nicht die gute Laune verderben, aber verstehe ich das richtig? Du hast GU und jetzt schon das dritte von diesen Programmen angeschafft, weil du im Unterricht nicht voran kommst? Nur mal so, um das Offensichtliche gesagt zu haben: wie wäre es mit einem besseren GL?
 
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So habe ich es nicht verstanden. Er hat sich das Paket Vol 1-3 gekauft. Also in einem Stück, nicht nach und nach. Allerdings erst letzte Woche - da halte ich ein Resümee noch für etwas verfrüht. Daher wünsch ich mir ja auch paar Demos.

Ob der GU in der Vergangenheit liegt oder noch aktuell ist, ist tatsächlich nicht ersichtlich. Ich tippe mal nicht mehr aktuell.
 
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Aber er erwähnt doch auch Singing Success und Raise Your Voice, das hatte ich gemeint. Also 3 verschiedene. Alleine für den Preis dieser ganzen Programme kann man sich etliche Monate echten GU leisten - naja, jeder wie er mag...
 
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Raise Your Voice ist nicht wirklich ein "Programm". Das ist eher so ein Heftchen in dem eine ganze Reihe Übungen drin sind und viel viel Werbung und Gastbeiträge. Da gibt es keine Videos und auch kein gestaffeltes Konzept, mit dem man etwas lernen könnte.

Singing Success genießt einen sehr gemischten Ruf, weil es sich doch primär am sogenannten "commercial sound" orientiert und oftmals gerade für Rock-Sänger, die hoch in der Vollstimme singen wollen, eher ungeeignet ist. Dabei ist auch wichtig, dass sich Singing Success zwar an SLS orientiert, aber doch noch etwas anders von der Ausrichtung ist. Gerade der Übergang von den anfangs sehr "leichtmassigen" Phonationen (die es so auch bei SLS, aber auch bei anderen Programmen wie TVS gibt) zu den "schwereren" Phonationen ist bei Singing Success sehr schwach.

Ich kenne das Programm von KT nur aus zweiter Hand, aber anders als andere Programme orientiert er sich sehr früh in Richtung schwererer Phonationen, scheint aber gerade die dafür wichtigen Themen Stütze und Vokalmodifikation sehr gut zu erklären. Zumindest in dem Umfeld, in dem ich mich so bewege, genießt das Programm einen wesentlich besseren Ruf als Singing Success. Ken selbst hingegen polarisiert ein wenig, insbesondere wegen seiner "Aggressivität" gegenüber anderen Programmen und Lehrmethoden.

Ein "offenes" Forum, in dem auch viele KT-Schüler vertreten sind, gibt es übrigens hier:

http://www.themodernvocalistworld.com/
 
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Gekauft habe ich das Programm mit PayPal für 229$

Wieviel ist das denn umgerechnet in €?



Später soll man das ganze workout 2 mal machen, das erste mal mit Wechsel in die Kopfstimme, das zweite mal nur in der Bruststimme. Damit will er erreichen, dass die Bruststimme gestretcht wird und man das late bridging übt, also das späte Wechseln in die Kopfstimme. Seine Begründung dazu: Wenn man immer early bridging trainiert, ist es schwer, später hoch in der Bruststimme zu singen. Wenn man aber late bridging trainiert, kann man auch early bridging machen.

Häh??
Gilt diese Aussage jetzt so pauschal?
Oder bezieht sich das auf den Übergang der Männerstimmen ins Falsett?
Oder bezieht es sich auf Frauenstimmen?

Diese Aussage kommt mir doch recht verallgemeinernd und auch fragwürdig vor. Die Praxis zeigt, daß ein Großteil der Schülerinnen in der ersten Zeit erst einmal gut zu tun hat, die Kopfstimme überhaupt zu finden, richtig einzusetzen und weiche Übergänge durch die Lagen zu trainieren. Das ist dann wohl eher das "Early bridging", das da bei mir am Anfang steht. Zu späte Übergänge provozieren nach meiner Erfahrung in der unausgebildeten Stimme Brüche und Jodler.
Nach meiner Erfahrung erschließt sich das Belting ("Late Bridging") für viele Frauenstimmen viel leichter, wenn schon eine gute Kopfstimme und die Fähigkeit weicher Übergänge vorhanden ist. Die Gefahr zu drücken und zu schreien ist dann viel geringer.

In der Männerstimme verhält es sich natürlich etwas anders. Aber am Anfang übt man doch auch eher in der Mittellage, wo es noch gar keinen "Übergang in die Kopfstimme" - was damit auch immer gemeint ist - gibt.



Ken betont jedoch, dass dies keine Wundermethode sei und man ohne Arbeit nicht weiterkommt.

Tja, so ist es doch für uns alle ;-)






Seine Methode nennt ehr Open Throat Technique, also mithilfe von Vokalübungen übt man, den Hals ganz locker und offen zu lassen, zusammen mit den Zwerchfellübungen kann man damit schon recht bald gute Erfolge erzielen.



"Offene Kehle Technik" - Das sollte wohl für so gut wie alle seriösen Gesangstechniken gelten.






EDIT: Soeben wurde mein Vorstellungsthread im KTVA Forum editiert, da ich darin Singing Success und Raise Your Voice erwähnt habe. Anscheinend mögen sie keine Konkurrenz.^^

Nicht schön - Aber auch nicht verwunderlich, leider
 
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Häh??
Gilt diese Aussage jetzt so pauschal?
Oder bezieht sich das auf den Übergang der Männerstimmen ins Falsett?
Oder bezieht es sich auf Frauenstimmen?
So viel ich weiß gilt bei Ken Tamplin Bruststimme = Vollstimme und Kopfstimme = Randstimme. "early" und "late" bridging ist dann natürlich auch sehr relativ. Da müsste man wissen auf welchen Noten er den Übergang empfiehlt, aber wenn die "late bridging" Übung ganz ohne Übergang in die Kopfstimme auskommt, kann es eigentlich nicht besonders hoch gehen.

Wegen dieses Ansatzes ist das Programm tatsächlich häufiger in der Kritik und die meisten anderen Programme ziehen das "early" bridging vor, aber es gibt wohl tatsächlich Leute, bei denen Kens Methode besser funktioniert. Er macht halt beides parallel, während andere eher zuerst "early" und dann "late" bridgen.

Auf der Gegenseite kenne ich aber auch KT-Schüler, die sagen, dass sie zwar mit viel Masse nach oben kommen, später aber Probleme haben softer oder mit early bridging zu singen. Man kann eben nicht alles haben ;-)

Meine Meinung dazu ist: Wenn man "early bridgen" will muss man eben early bridging trainieren und wenn man "late bridgen" will muss man late bridging trainieren. Solche Aussagen wie : "Wenn man late bridging kann, kann man auch early bridging" und umgekehrt, finde ich eher zweifelhaft.

Mein Argument dafür zuerst "early bridging" zu machen wäre eher, dass man damit im Falle von Fehlern der Stimme weniger Schaden zufügt, als dass man dann "automatisch" auch das jeweils andere kann.
 
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Wieso man "hoch in der Bruststimme" singen soll, erschließt sich mir beim besten Willen nicht.
 
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Wieso man "hoch in der Bruststimme" singen soll, erschließt sich mir beim besten Willen nicht.
Wie gesagt, er meint damit Vollstimme und keine Resonanz. Im englischen Sprachraum ist das relativ gängig die Begriffe synonym zu verwenden.
 
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Wie gesagt, er meint damit Vollstimme und keine Resonanz. Im englischen Sprachraum ist das relativ gängig die Begriffe synonym zu verwenden.


Das ändert vermutlich nichts an Bells - und meiner - Befremdung ;-)

Die Erfahrung aus der Praxis zeigt, daß es in den allermeisten Fällen eine gute Idee ist, von unten her frühzeitig mischen zu lernen. Es kommt natürlich immer auch darauf an, wer vor einem steht und wie die Ausgangslage ist. Aber selbst bei den ganz dünnen Sopränchen fange ich nicht gleich mit Belting an oder damit "mit Vollstimme höher zu kommen". Zumal eine solche manchmal auch erst gefunden werden muss.

Muskulär betrachtet sollen der "Vocalis" und der "Crico" möglichst fein zusammenarbeiten.

Wichtig ist mir also immer - und das prüfe ich in der ersten Probestunde - daß tiefe und hohe Lage nahtlos und weich verbunden werden können. Die meisten AnfängerInnen haben da zunächst Schwierigkeiten - und das gar nicht so selten deshalb, weil sie versuchen, mit der Sprechstimme hoch zu kommen.
 
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Das ändert vermutlich nichts an Bells - und meiner - Befremdung ;-)

Die Erfahrung aus der Praxis zeigt, daß es in den allermeisten Fällen eine gute Idee ist, von unten her frühzeitig mischen zu lernen. Es kommt natürlich immer auch darauf an, wer vor einem steht und wie die Ausgangslage ist. Aber selbst bei den ganz dünnen Sopränchen fange ich nicht gleich mit Belting an oder damit "mit Vollstimme höher zu kommen". Zumal eine solche manchmal auch erst gefunden werden muss.

Muskulär betrachtet sollen der "Vocalis" und der "Crico" möglichst fein zusammenarbeiten.

Wichtig ist mir also immer - und das prüfe ich in der ersten Probestunde - daß tiefe und hohe Lage nahtlos und weich verbunden werden können. Die meisten AnfängerInnen haben da zunächst Schwierigkeiten - und das gar nicht so selten deshalb, weil sie versuchen, mit der Sprechstimme hoch zu kommen.

Der Unterschied bei Bruststimme und Vollstimme ist halt, dass die Bruststimme normalerweise maximal bis A4 geht und tendenziell egal bei welcher Technik spätestens um F#4 verlassen werden sollte. Die Vollstimme geht noch eine ganze Ecke höher und es ist nicht unbedingt ein technischer Fehler hoch in der Vollstimme zu singen, hoch in der Bruststimme zu singen aber schon.

Aber von der Reihenfolge her find ich es auch auch seltsam. Es gibt aber tatsächlich Leute bei denen das Problem beim "bridgen" vor allem darin besteht, dass sie die Vollstimme zu früh komplett loslassen, die also nicht die Sprechstimme pushen, sondern einen relativ frühen Flip ins Falsett haben. Bei solchen Leuten kann Kens Herangehensweise wahrscheinlich helfen.

Letztendlich geht es wie bei allen anderen auch darum, dass TA (Vocalis) und CT (Crico) zum einen kräftiger werden uns zum anderen koordinierter. Die allermeisten arbeiten zuerst an der Koordination und dann an der Kraft. Bei KT wird beides gleichzeitig gemacht. Ich denke mal es kommt sehr darauf an, wie genau er das vermittelt. Dazu kann ich nichts sagen, weil ich das Programm eben nur über Dritte kenne.
 
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Der Unterschied bei Bruststimme und Vollstimme ist halt, dass die Bruststimme normalerweise maximal bis A4 geht und tendenziell egal bei welcher Technik spätestens um F#4 verlassen werden sollte. Die Vollstimme geht noch eine ganze Ecke höher und es ist nicht unbedingt ein technischer Fehler hoch in der Vollstimme zu singen, hoch in der Bruststimme zu singen aber schon.


Das ist mir alles bekannt ;-)
Insofern wird die Vollstimmfunktion beim singen immer als eine Art "Mixed Voice" genutzt, denn die reine Bruststimme hat nur einen ganz kleinen Umfang.

Aber von der Reihenfolge her find ich es auch auch seltsam. Es gibt aber tatsächlich Leute bei denen das Problem beim "bridgen" vor allem darin besteht, dass sie die Vollstimme zu früh komplett loslassen, die also nicht die Sprechstimme pushen, sondern einen relativ frühen Flip ins Falsett haben. Bei solchen Leuten kann Kens Herangehensweise wahrscheinlich helfen.

Hmmm, ich unterrichte Gesang alles in allem seit ca 14 Jahren. Ich hatte kaum je einen männlichen Schüler, der einfach mal so "zu früh" ins Falsett gekommen ist. Die Männerstimme hat sowieso einen größeren Umfang in "Vollstimme" als die Frauenstimme. Das heisst, man ist da schon recht weit oben bevor das "Problem" überhaupt auftauchen kann. Bis dahin hab ich in der Mittellage längst an hinterem Raum und entsprechender Weichheit gearbeitet, sonst verbrüllen sich Männerstimmen sehr leicht - und es kickst oben, wenn das brüllen nicht mehr geht.
 
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Das ist mir alles bekannt ;-)
Insofern wird die Vollstimmfunktion beim singen immer als eine Art "Mixed Voice" genutzt, denn die reine Bruststimme hat nur einen ganz kleinen Umfang.
Ja und genau das meint KT wenn er von "chest voice" spricht, eben keine "reine Bruststimme" wie wir das jetzt vielleicht verstehen würden. Andere würden dazu halt "mixed voice" sagen. Das kommt immer ein wenig darauf an, ob für einen wahrnehmungstechnisch die Resonanz eher entscheidend ist oder die Stimmfunktion. Entscheidend ist nur, dass es nicht die Randstimme ist.

Das typische Szenario mit "zu früh ins Falsett" sieht ungefähr so aus, dass man als Mann z.B. eine saubere Sirene macht, bei der dann allerdings der Wechsel ins Falsett schon irgendwo zwischen A3 und D4 passiert.

Die Frage ist nun welchen Weg man einschlägt, um das Falsett in der Höhe zu entfernen. Mein Favorit wäre über die Kompression (Twang), Ken Tamplins Ansatz ist über die Intensität (Stütze und Masse).
 
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Die Frage ist nun welchen Weg man einschlägt, um das Falsett in der Höhe zu entfernen. Mein Favorit wäre über die Kompression (Twang), Ken Tamplins Ansatz ist über die Intensität (Stütze und Masse).

Ich unterrichte beide Wege und auch den Weg ins Falsett. Es kommt immer darauf an, was ein Schüler will und wie sein Stand ist. Und es ist außerdem eine stilistische Frage, ob ein Sänger an einer bestimmten Stelle Falsett oder Twang oder Belt wählt.
 
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Ich unterrichte beide Wege und auch den Weg ins Falsett. Es kommt immer darauf an, was ein Schüler will und wie sein Stand ist. Und es ist außerdem eine stilistische Frage, ob ein Sänger an einer bestimmten Stelle Falsett oder Twang oder Belt wählt.
Genau, aber bei KT ist die Zielsetzung des Programms ganz klar "Vollstimme in der Höhe" und dafür scheint es auch ein gewisses Publikum zu geben.

Seine Behauptung, dass man dann die anderen Sachen automatisch auch kann, finde ich aber äußerst fragwürdig.
 
durza
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Wow, hier hat sich ja ganz schön viel getan. :D Tut mir leid, war die letzten Tage nicht zu Hause und konnte nicht zurückschreiben. Deshalb gehe ich jetzt einmal die Posts durch

Hallo,

Vielen Dank für das ausführliche Review. Interessant mal zu erfahren, wie das Prozedere so abläuft. Ich würde mich freuen, wenn du auch mal ein paar eigene soundfiles hinzufügst. Denn die Theorie klingt ja immer gut und eine Woche ist noch kein sehr langer Erfahrungszeitraum ;)

Werde ich ganz klar machen! Allerdings bin ich wie schon gesagt erst eine Woche drin, also wird es sich momentan wohl noch nicht lohnen. :D Ich dachte eher, so eine Art Log zu schreiben, in dem ich meine Erfahrungen mit dem Programm niederschreibe, während ich es mache, das Review also nach und nach vollständiger wird.

Ich will ja hier nicht die gute Laune verderben, aber verstehe ich das richtig? Du hast GU und jetzt schon das dritte von diesen Programmen angeschafft, weil du im Unterricht nicht voran kommst? Nur mal so, um das Offensichtliche gesagt zu haben: wie wäre es mit einem besseren GL?

Ja hast du richtig gehört. Ich werde nächstes Jahr mit GU aufhören, da ich bisher wirklich das meiste zu Hause gemacht habe. Allerdings finde ich es einfach angenehm jemanden zu haben, der genau zuhört und sagt, wenn etwas noch nicht so gut ist. Sie sagt mir vor gewöhnlich was nicht so gut ist und ich probiere dann dies zu lösen, in dem ich Bücher lese und recherchiere.

Raise Your Voice ist nicht wirklich ein "Programm". Das ist eher so ein Heftchen in dem eine ganze Reihe Übungen drin sind und viel viel Werbung und Gastbeiträge. Da gibt es keine Videos und auch kein gestaffeltes Konzept, mit dem man etwas lernen könnte.

Stimmt genau. Obwohl darin sehr viele nützliche Tipps stehen, vor allem über die Stimmgesundheit und Stimmbildung, gibt es nicht wirklich einen Plan, den man durcharbeiten muss. Es gibt die 3 Isolation Exercises, also Übungen die man immer von einem Ton aus macht, aber ich fand das ganze nicht so gut erklärt und gebracht hat es mir (ausser guter Warmup Routine) nicht so viel. Mir fehlte auch das Thema Stütze. Es wird zwar beschrieben, wie man mit dem Bauch atmen muss und so weiter, aber es gibt keine Übungen zur Stütze. Meiner Meinung nach ist das Buch eher für erfahrenere Sänger

Singing Success genießt einen sehr gemischten Ruf, weil es sich doch primär am sogenannten "commercial sound" orientiert und oftmals gerade für Rock-Sänger, die hoch in der Vollstimme singen wollen, eher ungeeignet ist. Dabei ist auch wichtig, dass sich Singing Success zwar an SLS orientiert, aber doch noch etwas anders von der Ausrichtung ist. Gerade der Übergang von den anfangs sehr "leichtmassigen" Phonationen (die es so auch bei SLS, aber auch bei anderen Programmen wie TVS gibt) zu den "schwereren" Phonationen ist bei Singing Success sehr schwach.

Ich kenne das Programm von KT nur aus zweiter Hand, aber anders als andere Programme orientiert er sich sehr früh in Richtung schwererer Phonationen, scheint aber gerade die dafür wichtigen Themen Stütze und Vokalmodifikation sehr gut zu erklären. Zumindest in dem Umfeld, in dem ich mich so bewege, genießt das Programm einen wesentlich besseren Ruf als Singing Success. Ken selbst hingegen polarisiert ein wenig, insbesondere wegen seiner "Aggressivität" gegenüber anderen Programmen und Lehrmethoden.http://www.themodernvocalistworld.com/
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Singing Success war mein erstes Programm. Damals kannte ich mich noch relativ schlecht aus mit dem Singen (oder immerhin schlechter als jetzt). Es ist gut für Pop-Musik, aber für meine Zwecke (Rock/Metal) ungeeignet.

Das stimmt. Er zeigt genau, wie man stützen soll und zeigt eine spezielle Übung, die mir sehr geholfen hat. Vokalmodifikationen in der Höhe sind auch schon ein wichtiger Teil von Volume 1. Man übt die einzelnen Vokale und er zeigt ganz genau (Nahaufnahme), wie man die Vokale bildet, und wie man sie verändert in der Höhe. Und falls man sich dann immer noch nicht sicher ist, kann man immer noch eine Aufnahme ins Forum stellen und bekommt relativ schnell (bei 2 Stunden später) eine Antwort mit Feedback. Bisher bin ich also mit dem Support mehr als zufrieden.

Häh??
Gilt diese Aussage jetzt so pauschal?
Oder bezieht sich das auf den Übergang der Männerstimmen ins Falsett?
Oder bezieht es sich auf Frauenstimmen?

Diese Aussage kommt mir doch recht verallgemeinernd und auch fragwürdig vor. Die Praxis zeigt, daß ein Großteil der Schülerinnen in der ersten Zeit erst einmal gut zu tun hat, die Kopfstimme überhaupt zu finden, richtig einzusetzen und weiche Übergänge durch die Lagen zu trainieren. Das ist dann wohl eher das "Early bridging", das da bei mir am Anfang steht. Zu späte Übergänge provozieren nach meiner Erfahrung in der unausgebildeten Stimme Brüche und Jodler.
Nach meiner Erfahrung erschließt sich das Belting ("Late Bridging") für viele Frauenstimmen viel leichter, wenn schon eine gute Kopfstimme und die Fähigkeit weicher Übergänge vorhanden ist. Die Gefahr zu drücken und zu schreien ist dann viel geringer.

Dies gilt für Frauen- und Männerstimmen. Bei den Männern ist der höchste Ton in Volume 1 bei den Übungen ein h'. Er sagt, er wolle, dass man die Bruststimme bis h' oder c' oder wenn es geht sogar d" stretcht (in späteren Volumes - natürlich nur für Tenöre oder hohe Baritöne). Seiner Meinung nach kann man nicht mehr belten, wenn man zu früh die Kopftstimme runterbringt.


Und zu der Diskussion, ob es jetzt gut ist zuerst late bridging zu üben oder nicht, wir werden es ja sehen. :D Werde auf jeden Fall regelmässig posten, wie es so läuft und ob sich was tut.
 
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Sie sagt mir vor gewöhnlich was nicht so gut ist und ich probiere dann dies zu lösen, in dem ich Bücher lese und recherchiere.

Klingt, als hätte sie keinen Bock. Ist das wirklich GU, den du bezahlst? Oder nur 'ne Bekannte, die dir Tipps gibt? Denn eigentlich wäre die Lösung der Probleme ihre Aufgabe.
 
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