Erfahrungen mit Ken Tamplin - How To Sing Better (Than Anyone Else)?

  • Ersteller Ersteller Strato Incendus
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  • #61
Tja, die Suche geht weiter. :D

Ist ja nur die Frage was du genau suchst und was du lernen möchtest. Meiner Erfahrung nach bringen BĂŒcher oder Lehr-DVDs sehr wenig, da sie nicht auf deine Schwachstellen hin ausgerichtet sind. Dich richtig weiter bringen können nur sehr gute Lehrer, oder das Lernen von Songs wenn du locker singen kannst. Aber auch da ist zur Vorsicht geraten. Ich hatte ein Jahr lang Unterricht bei einem Lehrer, der in diesem Thread auch schon genannt wurde. Er hat auch mehrere BĂŒcher raus gebracht. Habe bei ihm als kompletter AnfĂ€nger (spiele allerdings seit 20 Jahren Gitarre) begonnen. Parallel habe ich seine BĂŒcher gelesen. Er hat quasi nur das unterrichtet was er in seinen BĂŒchern erklĂ€rt. Nach einiger Zeit dachte ich mir, das hĂ€tte ich mir auch sparen können, hĂ€tte ich nur aus seinen BĂŒchern gelernt. HĂ€tte zwar lĂ€nger gedauert aber wĂ€re gĂŒnstiger gewesen und hĂ€tte das selbe gebracht. Ich habe einige Schwachstellen, die ich selbst gemerkt habe und ihn gefragt wie wir daran arbeiten. Aber da kam nichts, es ging immer nur weiter nach seinen Methoden aus seinem Buch. Außerdem gab er irgendwann zu, dass er nicht gut singen kann, habe ihn aber nie gehört.
Irgendwann kam mir das sehr merkwĂŒrdig vor und habe mir einen richtigen SĂ€nger als Gesangslehrer genommen. Der richtet den Unterricht exakt nach meinen BedĂŒrfnissen aus. Ich bekomme immer Übungen die genau auf mich abgestimmt sind. Und siehe da, es wird stĂ€ndig besser. Aber das, was ich mir in diesem Jahr falsch angewöhnt habe, wird noch ne Zeit dauern bis ich es mir wieder abgewöhne.
Also wenn ich jemand einen Tipp gebe soll, BĂŒcher oder DVDs bringen nicht viel. Ein gutes Buch wie das von Mark Baxter reicht völlig aus und sonst sollte man in einen guten Lehrer investieren. Selbst wenn man nur eine Stunde im Monat nimmt ist das viel besser als jeder noch so hoch gelobte DVD Kurs.
Aber hier sollte man vorsichtig sein, nur ein Lehrer der auch ein SĂ€nger ist, weiß wie man ein SĂ€nger wird. Bei den anderen scheinen die Methoden wohl nicht zu funktionieren, wenn es bei ihnen selbst nichts gebracht hat.

*** edit by antipasti: kann öffentlich ins Gesangslehrerverzeichnis ***
 
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antipasti
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  • #62
Das mag ja sein, aber das konnte / kann ich ja nicht selbst beurteilen, solange ich keinen Einblick in das Programm habe. ;) Darum vielen Dank an Shred from Hell! ;D

@broeschies: TVS habe ich ja auch, ich habe es letztes Jahr fĂŒr um die 151 € gekauft, aber ich meine mich zu erinnern, dass es zu der Zeit, als ich es gekauft habe, in US-Dollar nicht viel tiefer lag als KTVA jetzt (das im Moment so bei 299 $ liegt, rechne das mal in € um, ist dann vielleicht knapp oberhalb von SingingSuccess). Ich gehe hier ja nicht von der ĂŒberteuren Gold Bundle-Version mit Internet Lessons aus; die kosten nĂ€mlich auch beim lieben Herrn Lunte einiges mehr. ;)

An CVT hatte ich ja auch zuerst gedacht, noch bevor du mir von Tamplin erzĂ€hlt hattest. Allerdings habe ich auch die sehr zweigeteilten Meinungen ĂŒber das Programm von Frau Sadolin gelesen, und einige der Demonstrationen auf YouTube (gerade die zum Screaming & Co.) fand ich da leider auch nicht so ĂŒberzeugend.

Tja, die Suche geht weiter. :D

Wenn du TVS schon hast, dann halte dich doch einfach daran. Die grundlegenden Dinge lernst du da genauso wie bei Tamplin, Sadolin & Co. Wenn du die Grundlagen erstmal richtig drin hast, kannst du dir immer noch ein Programm auswĂ€hlen, das vielleicht deine individuelle Route noch etwas mehr verfolgt. Dann kannst du auch viel besser beurteilen, welches Programm nun zu dir passt. Ich hab TVS fĂŒr umgerechnet ca. 80€ gekauft, war aber wie gesagt im Angebot. Die Skype-Lessons sind bei so ziemlich jedem dieser "Programm-Lehrer" deutlich zu teuer imo (meist so zwischen 60 und 80$).

Das Klangideal, das jeweils angestrebt wird, ist im Vergleich zur eigentlichen Technik absolut zweitrangig. Ich benutze z.B. TVS fĂŒr die grundlegenden Dinge, auch weil ich die Übungen dort deutlich besser finde als bei den anderen Programmen. FĂŒr das "Arbeiten am Klangbild" benutze ich CVT, weil es einfach eine sehr große Vielfalt an Techniken zur Klangformung bietet. In Sachen Technik ist halt wichtig zu wissen, dass "early bridging" NICHT heißt ins Falsett zu bridgen, sondern in die Kopfstimme. Deshalb gibt's ja auch diese Lektion "Falsetto is NOT your head voice". Und dieses (early) bridging zu lernen ist absolut notwendig, um eine gute Gesangstechnik auszubilden, selbst wenn man hinterher versuchen will alles im "Overdrive"-Modus zu singen (was nur sehr sehr wenige SĂ€nger machen). Genau genommen heißt "early bridging" nur, dass man nicht im "Overdrive"-Modus singt (was auch Tamplin nicht macht). Bei Lunte gilt in Anlehnung an Estill halt "Overdrive" = "Belting".

Diese "early vs. late bridging"-Debatte zwischen Tamplin und Lunte is absolut mĂŒĂŸig, weil es eigentlich nur darum geht mit mehr Masse in der Kopfstimme zu singen. Die grundlegende Technik ist aber die selbe. Tamplins Argument ist halt, dass, wenn man zu wenig Masse nutzt die Gefahr besteht ins Falsett zu gehen, Luntes hingegen ist, dass wenn man zu viel Masse benutzt, die Gefahr besteht in den Overdrive zu gehen. Aber letztendlich ist ihre grundlegende Position sehr Ă€hnlich. Man darf nicht mit zu viel Masse in die Kopfstimme gehen (Overdrive), aber auch nicht mit zu wenig (Falsett). Es lĂ€uft dann auf das hinaus, was sowieso in jedem Gesangsprogramm der absolut zentrale Inhalt ist: nĂ€mlich die Mischstimme!

Mir scheint, dass du dich viel zu sehr an diesem early vs. late bridging (Fake Belt vs. Mix-Belt) Thema aufhÀltst, was aber letztendlich nur zwei Koordinationen innerhalb des selben Grundmechanismus (Mischstimme) sind. Lediglich Overdrive ist ein anderer Grundmechanismus, denn Overdrive ist weder early noch late bridging, sondern beinhaltet genau genommen gar kein bridging, sondern ist ein möglichst langer Verbleib in der Bruststimme.

Es wĂ€re vielleicht auch gar nicht schlecht, wenn du mal eine Hörprobe posten wĂŒrdest. Ich habe nĂ€mlich ein bisschen den Verdacht, dass dir der Unterschied zwischen Kopfstimme und Falsett noch nicht ganz klar ist (das genau zu verstehen ist zugegebenerweise auch delikat, v.a. weil eine "light head voice" im Power-Metal-Style sehr Ă€hnlich klingt wie Falsett).
 
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  • #63
dass dir der Unterschied zwischen Kopfstimme und Falsett noch nicht ganz klar ist

Ich wĂŒrde eher sagen, das kommt mal wieder drauf an, wie jemand diese Begriffe jeweils definiert. Ich weiß, dass Lunte die beiden Wörter in besagter Lektion "Falsetto is NOT your head voice" so benutzt. Aber im Prinzip sagt er da ja nur aus, dass Falsett EINE der beiden Möglichkeiten ist, wie man in der Randstimme singen kann (die andere ist entsprechend die Variante mit Twang). "Head Voice" ist bei ihm also der Oberbegriff fĂŒr das Singen in der Randstimme, und da gibt es entweder Falsett oder Twang (letzteres natĂŒrlich in verschiedenen Abstufungen, von "Fast-Falsett" hin zum Quack Mode bei ĂŒbertrieben viel Twang).

Ich verstehe also ehrlich gesagt nur nicht ganz, warum du just diese beiden Begriffe miteinander vergleichst. Es gibt resonanzbezogen sicherlich Unterschiede zwischen Brust- und Kopfstimme, es gibt Unterschiede zwischen den "vibratory mechanisms", wie Lunte sie nennt, M1 (Vollstimme) und M2 (Randstimme), und man kann innerhalb der Randstimme wiederum unterscheiden zwischen Falsett und Twang.

Es gibt natĂŒrlich auch Leute wie Kevin Richards, die eben nur dann von "Head Voice" sprechen, wenn man die Randstimme mit Twang benutzt, vermutlich deshalb, weil sie auf das Falsett in ihrem Gesang gar nicht oder nur selten zurĂŒckgreifen; demnach wĂ€re fĂŒr sie nur "eine mit Twang belegte Randstimme eine richtige Randstimme" ;D . Da heißt "Head Voice" = "Randstimme mit Twang", und Falsett ist eben Randstimme im Falsett.

Das deutsche Wort Kopfstimme heißt ja streng genommen wieder etwas anderes, wie ich an mehreren Stellen hier im Forum bereits erfahren durfte, da geht's ja erstmal nur um die Resonanz, d. h. auch beim Singen in der Vollstimme kann man sich von der Resonanz her durchaus bereits in der Kopfstimme befinden. Im Prinzip kann "Kopfstimme" also gleich drei Sachen bedeuten, entweder Randstimme mit Falsett, oder eben Randstimme mit Twang, oder aber Vollstimme mit Kopfanteil (und eben meist auch mit Twang).

Wenn man also "bridging" nicht zwangslĂ€ufig als "Wechsel in die Randstimme" versteht, sondern nur als "Einpflegen der Kopfresonanz", dann ist es logisch, dass man damit frĂŒher anfangen muss, wenn sich ein Lied dauerhaft in hoher Lage befindet, wĂ€hrend man bei einzelnen Spitzentönen durchaus auch mal auf Overdrive zurĂŒckgreifen kann. Beim Power Metal wĂ€re das der Extremfall; da sind ja viele Lieder permanent in so hoher Lage, dass man nicht nur frĂŒh in die Kopfresonanz, sondern meistens auch schon frĂŒh in die wirkliche Randstimme wechseln muss.

Ich verlinke nochmal zwei Beispiele von Ten:
When Only Love Can Ease the Pain - https://www.youtube.com/watch?v=F-lXJAEe0aQ

Hier wĂŒrde ich sagen (im Refrain): Kopfstimme ja, aber natĂŒrlich noch kein Falsett, sondern Vollstimme

Wenn man diesen permanenten Wechsel zwischen f' und gb' im Overdrive-Modus versucht, ist man nach dem ersten Refrain im A**** (spreche aus Erfahrung ^^). Da wĂ€re also nach meinem VerstĂ€ndnis ein frĂŒhes Wechseln in die Kopfresonanz angebracht, damit die Stimme insgesamt leichter wird und man nicht das GefĂŒhl hat, stĂ€ndig Gewichte stemmen zu mĂŒssen, aber deshalb geht man noch lange nicht in die Randstimme rĂŒber.

Hier liegt also das Zentrum des Liedes zwischen db' und gb', das ist also noch in der Vollstimme machbar, aber man muss die Stimme eben durch starke Kopfanteile "leichter machen". Bei wirklichen Power Metal-Songs hingegen kommt es oft schonmal vor, dass ein db' nicht das Zentrum des Tonumfangs, sondern die absolute Untergrenze ist - und da bietet es sich dann im Zweifel an, beim fis' o. À. tatsÀchlich schon in die komplette Randstimme zu wechseln.

Wie etwa hier: Freedom Call - Warriors of Light
https://www.youtube.com/watch?v=PavCTWHyjZU

Kopfstimme ja, aber auch kein Falsett, sondern eben Twang. Und Lunte verstehe ich tatsĂ€chlich so, dass er genau das standardmĂ€ĂŸig macht, obwohl er in einem seiner neueren Videos anerkennt: "The advantage of bridging late is simply - it sounds cool!". In seinen Lectures spricht er auch immer nur von "Chest Voice" (bzw. M1) und "Head Voice" (M2) und macht da mWn keine Unterscheidungen zwischen "modal voice" und "chest voice", d. h. er schreibt zwar viel ĂŒber die Wichtigkeit der Nutzung von ResonanzrĂ€umen, aber er lĂ€sst sich nicht groß ĂŒber Unterschiede zwischen reiner Bruststimme und Vollstimme mit viel Kopfanteilen bzw. der viel beschworenen Mischstimme aus.

Dazu könnte ich nĂ€mlich mal wieder eine andere Lecture von ihm anfĂŒhren: "Mixed Voice is dead!" :rolleyes: Genau damit versucht er schließlich, solchen Verwirrungen vorzubeugen.

Wenn man also Luntes Technik anwenden und frĂŒh in die Kopfstimme wechseln will, ohne damit zwangslĂ€ufig sein Prinzip zu ĂŒbernehmen, auch frĂŒh in die tatsĂ€chliche Randstimme zu wechseln, muss man eine gewisse Transferleistung vollbringen. ;) Man kann sich dann sicherlich das "Intrinsic Anchoring Set" zu Herzen nehmen und sich mit Twang, Apfelbissstellung & Co. die Last beim Belten erleichtern, so weit es geht, aber man bleibt eben in der Vollstimme, also kann man z. B. "Lift up pull back" nicht so einfach ĂŒbernehmen (obwohl der Gedanke an dieses "ZurĂŒcklehnen" sicherlich ein wenig hilft, um bei den höheren Tönen nicht doch wieder in den Overdrive zu verfallen).

Dann gibt's auch noch Songs, wo weder das eine noch das andere unbedingt nötig ist.

We Rule the Night - https://www.youtube.com/watch?v=uVEIfSHW6yw
derselbe Song live (Halbton tiefer): https://www.youtube.com/watch?v=xJMat0WByow

Bei diesen QuintsprĂŒngen hingegen von c' auf g' (auch, wenn es recht viele sind) funktioniert auch zuweilen noch der Overdrive, obwohl ich da auch manchmal versuche, mit oben genannter Strategie heranzugehen, will mich ja nicht unnötig quĂ€len. Leider habe ich im Moment noch das GefĂŒhl, dass ich das "Umschalten" zwischen Methode a) und b) nicht so ganz auf Kommando hinbekomme, obwohl ich bei beidem durchaus weiß, wo ich hin will.

Darum will ich hier hoffentlich verstĂ€ndlicherweise keine Hörprobe von z. B. "When Only Love Can Ease the Pain" hochladen, solange ich bei dem noch ab und zu spĂŒrbar in den Overdrive abrutsche. Das klingt dann immer eher nach "Warum versuchst du ĂŒberhaupt, da oben zu singen, deine Stimme ist doch in Wirklichkeit wahrscheinlich viel tiefer, bleib doch lieber unten..." und so weiter und so fort. :D

Wenn's also ums Unterscheiden von Begrifflichkeiten geht, wĂŒrde ich nicht unbedingt sagen, dass die eigene Hörprobe dazu am besten geeignet ist, sondern eher das AnfĂŒhren verschiedener SĂ€nger, die jeweils unterschiedliche Techniken möglichst in Reinkultur anwenden, damit auch der letzte D*pp den Unterschied hört und erkennt.
 

  • #64
Wenn man also Luntes Technik anwenden und frĂŒh in die Kopfstimme wechseln will, ohne damit zwangslĂ€ufig sein Prinzip zu ĂŒbernehmen, auch frĂŒh in die tatsĂ€chliche Randstimme zu wechseln, muss man eine gewisse Transferleistung vollbringen. ;) Man kann sich dann sicherlich das "Intrinsic Anchoring Set" zu Herzen nehmen und sich mit Twang, Apfelbissstellung & Co. die Last beim Belten erleichtern, so weit es geht, aber man bleibt eben in der Vollstimme, also kann man z. B. "Lift up pull back" nicht so einfach ĂŒbernehmen (obwohl der Gedanke an dieses "ZurĂŒcklehnen" sicherlich ein wenig hilft, um bei den höheren Tönen nicht doch wieder in den Overdrive zu verfallen).

Diese Transferleistung ist tatsĂ€chlich sehr gering, denn der einzige Unterschied ist die Masse. Der Unterschied zwischen "Kopfstimme in Vollstimme" und "Kopfstimme in Randstimme" ist wesentlich geringer als der Unterschied zwischen "Kopfstimme in Randstimme" und "Falsett". NatĂŒrlich ist Falsett nur "eine andere Technik" um die Kopfstimme zu singen, aber was das Video aussagen soll ist, dass es eine deutlich andere Technik ist.

Bei den Techniken ist es sogar eher umgekehrt. Das "lift up pull back" ist einfach nur eine Übung fĂŒr das Abschlanken. Das brauchst du in jedem Fall (ausgenommen evtl. vom Overdrive), egal welche Art von Bridging du am Ende anstrebst. Das Intrinsic Anchoring hingegen ist eine Technik, die eher auf eine BeschrĂ€nkung der Masse ausgerichtet ist. Das brauchst du beim Singen mit grĂ¶ĂŸerer Masse nicht unbedingt, da brauchst du vor allem Appoggio, also eine tiefe StĂŒtze im RĂŒcken, die große Teile des IA ersetzt. Diese Technik ist auch im TVS-Buch, allerdings erst in der Version 2.5.

Rob Luntes Anschauung ist etwas vereinfacht. Er sagt ja auch, dass das "mixed voice is dead"-Prinzip vor allem gedacht ist, um fĂŒr weniger Verwirrung zu sorgen. FĂŒr ihn gilt deshalb 'head' = M2 und 'chest' = M1, weil es die von ihm prĂ€ferierten Konfigurationen sind. Aber natĂŒrlich kann man auch in der Bruststimme randstimmig (m2) singen und in der Kopfstimme vollstimmig (m1).

So gesehen gibt es in der Kopfstimme drei Konfigurationen:

1. M1 in der Kopfstimme
2. 'connected' M2 in der Kopfstimme (wobei 'connected' v.a. vollstÀndiger Stimmlippenschluss und Aktivierung der Bruststimmmuskulatur bedeutet, Twang alleine macht noch kein 'connected')
3. Falsett in der Kopfstimme

Was ich sagen will ist, dass der Unterschied zwischen 1 und 2 extrem gering ist und nur in einer leicht erhöhten Masse bei 1 besteht. In deinen Beispielen singt z.B. der SĂ€nger von Ten in Modus 1 und der von Freedom Call in Modus 2. Diese beiden Modi sind sehr Ă€hnlich und ein Transfer ist relativ leicht, wenn man die jeweilige Technik richtig beherrscht. Modus 3 ist aber sehr anders, typisch fĂŒr AnfĂ€nger und ein Transfer von 3 nach 1 oder 2 ist im Prinzip der wesentliche Inhalt von "Singen lernen". Und zu diesem Transfer gehört eben mehr als "nur" Twang, auch wenn das teilweise bei Lunte so rauskommt. V.A. wichtig ist eben auch das Anchoring, egal ob intrinsic (v.a. in Modus 2) oder extrinsic (v.a. in Modus 1).
 
  • Ersteller
  • #65
Okay, das heißt aber nach wie vor:

Ten, "When Only Love Can Ease The Pain" --> Vollstimme, aber mit viel Kopfstimmen-Anteil
Freedom Call, "Warriors of Light" --> Randstimme, connected (also Twang + Anchoring)

Oder habe ich da was falsch verstanden?

Denn wenn der SÀnger von Ten da tatsÀchlich schon in der Randstimme wÀre, könnte er noch deutlich höher singen und vor allem auch öfter (und alle SÀnger, die ich als Randstimmen-Fetischisten kenne, machen das dann auch ^^, s. Freedom Call).

Zum Vergleich: FrĂŒher hat der Mann noch einen ganzen Tacken höher gesungen, bis h' teilweise, aber das hat er zu den Zeiten von "When Only Love Can Ease The Pain" auch nicht mehr gemacht.

Gary Hughes - Vigilante (1989): https://www.youtube.com/watch?v=aSq4J3mr4Wo

Einzelne Randstimmen-Geschichten gab's natĂŒrlich auch, die waren dann aber entweder nochmal deutlich höher (bis gis'') oder aber Falsett und daher immer deutlich von der Vollstimme zu unterscheiden.

Heute geht er meistens sogar nur noch bis d' ^^, ein g' quetscht er sich hier nur noch vereinzelt raus:

Ten - Gunrunning (2012): https://www.youtube.com/watch?v=tcOT5Czb7rI

Das "lift up pull back" ist einfach nur eine Übung fĂŒr das Abschlanken.

Das ist das, was ich meinte mit "der Gedanke an dieses 'ZurĂŒcklehnen' hilft". ;D Damit man eben nicht aus Versehen in den Overdrive verfĂ€llt. Und mir ist auch klar, dass man das immer braucht, aber wenn man bei "Lift up pull back" in Luntes Sinne tatsĂ€chlich auch schon in die Randstimme wechselt, braucht man ja auch normalerweise an der Stelle auch schon deutlich weniger Atemdruck als in der Vollstimme. Und das Prinzip darf man eben nicht einfach ĂŒbernehmen, schĂ€tze ich. Mir ist schon klar, dass man auch beim hohen Singen in der Vollstimme einen Großteil der Luft zurĂŒckhĂ€lt (eben stĂŒtzt), aber etwas mehr als in der Randstimme braucht man halt doch.

Ich merke den Unterschied einfach daran, dass ich meine höchsten Randstimmen-Töne oft dann am besten rauskriege, wenn ich sie spontan und ohne sĂ€ngerischen Zusammenhang mache, d. h. mir gerade keine Gedanken ĂŒber StĂŒtze und Co. mache; wenn man z. B. auf dem Sofa sitzt, irgendeine Musiksendung guckt und ausprobiert, ob man den Ton, den der-/diejenige da im Fernsehen singt, auch trifft. ^^ Ich will nicht soweit gehen zu sagen, diese Töne wĂŒrden sogar komplett ohne StĂŒtze klappen, aber auf jeden Fall braucht man in der Randstimme deutlich weniger davon.

Und wenn man das Prinzip eben auch ĂŒbernimmt (Lunte wird in seiner Demo von "Lift up pull back" ja auch wirklich leise und hauchig, geht also spĂŒrbar ins Falsett), dann könnte man mit dem Teil in der Vollstimme Probleme bekommen. ;) Alles andere kann man natĂŒrlich ĂŒbertragen.

Davon abgesehen sagt Lunte aber auch, dass Lift up pull back nur eine "Übergangslösung" ist und nicht das gewĂŒnschte Endresultat (das soll ja eine durchgĂ€ngige "seamless bridge" sein, bei der man den Übergang nicht mehr merkt, also nix mit leiser werden). Auch, wenn die Transferleistung am Ende vielleicht gar nicht so groß ist, wenn man die marginalen Unterschiede einmal kapiert hat UND vor allem auch mal selbst nachempfinden konnte, so bin ich doch mit Sicherheit nicht der Einzige, der die ErklĂ€rung "bridge early" tatsĂ€chlich erstmal so versteht, dass man nicht nur frĂŒh in die Kopf-, sondern auch tatsĂ€chlich in die Randstimme wechseln soll (und da Lunte ja selbst, wie du woanders schonmal gesagt hast, tatsĂ€chlich meist schon bei e' in der Randstimme ist, meint er das ja vielleicht sogar so).

Mich stört bei ihm jedoch immer noch ein bisschen, dass er eben diese alternative Umsetzung, die du ja offensichtlich aus seiner Technik ziehen kannst, selbst nicht so klar thematisiert. Als wolle er alle SchĂŒler eher zum randstimmigen Ansatz hin fĂŒhren (weil der halt der gesundheitlich "sicherere" sein soll). Die Transferleistung besteht also immer noch zumindest darin, sich aus dem Programm selbst "zusammenzuklauben", was von den Techniken man denn nun auf einen vollstimmigeren Ansatz ĂŒbertragen kann und was nicht.

Deshalb hattest du mir ja auch ursprĂŒnglich Tamplin empfohlen (ohne dich hĂ€tte ich den ja gar nicht kennen gelernt ;D ), eben fĂŒr Leute, denen dieser grĂ¶ĂŸtenteils randstimmige Ansatz nicht so zusagt; darum auch dieser Thread hier als Nachfrage. Da hatte ich aber auch gedacht, du hĂ€ttest das Programm selbst und hĂ€ttest es deshalb quasi "weiterempfohlen" ;).

Die eine Rezension von Shred from Hell / Qualmsteen (Name hat sich offenbar geĂ€ndert ^^) war ja schonmal extrem hilfreich, ein paar mehr Meinungen wĂ€ren natĂŒrlich schön, aber sollten tatsĂ€chlich nicht mehr User das Programm selbst besitzen, gibt das womöglich auch bereits einen gewissen Aufschluss ĂŒber dessen wahrscheinlich eher geringe QualitĂ€t... :o
 
  • #66
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  • #67
Okay, das heißt aber nach wie vor:
Ten, "When Only Love Can Ease The Pain" --> Vollstimme, aber mit viel Kopfstimmen-Anteil
Freedom Call, "Warriors of Light" --> Randstimme, connected (also Twang + Anchoring)
Ja. Wichtig ist halt, dass die Gemeinsamkeit (das 'connected') grĂ¶ĂŸer ist als der Unterschied (Vollstimme vs. Randstimme).

Ich merke den Unterschied einfach daran, dass ich meine höchsten Randstimmen-Töne oft dann am besten rauskriege, wenn ich sie spontan und ohne sĂ€ngerischen Zusammenhang mache, d. h. mir gerade keine Gedanken ĂŒber StĂŒtze und Co. mache; wenn man z. B. auf dem Sofa sitzt, irgendeine Musiksendung guckt und ausprobiert, ob man den Ton, den der-/diejenige da im Fernsehen singt, auch trifft. ^^ Ich will nicht soweit gehen zu sagen, diese Töne wĂŒrden sogar komplett ohne StĂŒtze klappen, aber auf jeden Fall braucht man in der Randstimme deutlich weniger davon.
Hier ist es sehr wichtig, welche Töne genau gemeint sind. Randstimmen-Töne werden generell nicht mehr oder weniger gestĂŒtzt als Vollstimmentöne. Allerdings kann man Töne oberhalb von e'' sehr laut und stark singen ohne dabei Bruststimmenanteile einzupflegen, weshalb hier weniger StĂŒtze erforderlich ist. Der Unterschied "gestĂŒtzt" vs. "wenig/nicht gestĂŒtzt" ist gerade der Unterschied zwischen Falsett und 'connected' und nicht der Unterschied zwischen Randstimme und Vollstimme. Die Töne ab e'' werden halt von den meisten SĂ€ngern im Falsett gesungen, d.h. wenig gestĂŒtzt. In der Vollstimme muss allerdings mehr 'gepusht' werden in den Höhen (nicht mehr gestĂŒtzt).

Die Lift-up-pull-back-Geschichte ist wie gesagt nur eine isolierte Übung fĂŒr das Abschlanken bzw. den Tilt, keine komplette Gesangstechnik.

Mich stört bei ihm jedoch immer noch ein bisschen, dass er eben diese alternative Umsetzung, die du ja offensichtlich aus seiner Technik ziehen kannst, selbst nicht so klar thematisiert. Als wolle er alle SchĂŒler eher zum randstimmigen Ansatz hin fĂŒhren (weil der halt der gesundheitlich "sicherere" sein soll). Die Transferleistung besteht also immer noch zumindest darin, sich aus dem Programm selbst "zusammenzuklauben", was von den Techniken man denn nun auf einen vollstimmigeren Ansatz ĂŒbertragen kann und was nicht.

Deshalb hattest du mir ja auch ursprĂŒnglich Tamplin empfohlen (ohne dich hĂ€tte ich den ja gar nicht kennen gelernt ;D ), eben fĂŒr Leute, denen dieser grĂ¶ĂŸtenteils randstimmige Ansatz nicht so zusagt; darum auch dieser Thread hier als Nachfrage. Da hatte ich aber auch gedacht, du hĂ€ttest das Programm selbst und hĂ€ttest es deshalb quasi "weiterempfohlen" ;).
Das liegt einfach daran, dass diese "alternative Umsetzung" einfach nur "mehr Druck" beinhaltet, sonst ist alles gleich. Und wie gesagt: Ab 'Pillars 2.5' und wahrscheinlich noch mehr mit 'Pillars 3.0' geht er auch deutlich stĂ€rker auf Techniken ein um mit mehr Bruststimmen-Muskulatur in der Kopfstimme zu singen, was letztlich zur physiologischen "Vollstimme" fĂŒhrt.

Auf das Programm von Tamplin hatte ich v.a. hingewiesen, weil er ein anders Klangbild unterrichtet, die grundlegende Technik ist aber die selbe. Der zweite Grund ist halt, dass man bei ihm frĂŒher lernt mit mehr Brustmuskulatur zu bridgen, woran du ja offensichtlich interessiert bist. Das heißt aber nicht, dass man es bei Lunte nicht lernt. Und wie gesagt, letztendlich ist diese "early bridging"/"late bridging" Geschichte nichts wirklich grundlegendes. Ein guter SĂ€nger wird in der Regel sowieso beides können. Die Frage ist nur, was man zuerst lernen will. Und hier ist die Aussage von Rob halt ganz klar, dass es das early bridging sein sollte, weil man einfach weniger Schaden anrichtet, wenn man es falsch macht.
 
  • #68
Statt einer unermĂŒdlichen und sicher auch nicht ganz billigen Suche nach dem besten Buch bzw. der besten DVD wĂ€re doch einfach mal herkömmlicher Unterricht eine Option, oder? ;)
Meine Rede, aber ich fĂŒrchte, da stĂ¶ĂŸt man auf taube Ohren. Manchmal habe ich den Eindruck, daß gerade diese Suche bei manchen das eigentliche Lernen völlig ersetzt. Böse Zungen könnten sogar behaupten, man muß sein Handwerk bereits wirklich gut beherrschen, um ĂŒberhaupt beurteilen zu können, ob ein solches Machwerk nun einen Wert hat oder nicht :gruebel:
 
  • #69
FYI:
Mein Gesangslehrer kommt eher aus der Klassik (obwohl er sich auch mit Jazz recht viel befasst hat) und macht daher solche Eskapaden wie Tamplin selbst nicht; wie ja schon an verschiedenen Stellen diskutiert wurde, ist ja offenbar ab einer gewissen Tonhöhe das Ganze fĂŒr einen Bariton oder Bass nicht mehr zu machen, wenn man das klassische Klangideal beibehalten will. Ich werde ihn sicherlich noch einige Dinge zu Kopf- bzw. im Besonderen Nasenresonanz fragen, dass er mal urteilt, wie gut das bei mir klappt, und das kann ich dann als Grundlage verwenden, um eben an Mix und damit dann auch am Belt zu arbeiten. Aber direkt von ihm lernen werde ich das wahrscheinlich nicht.
Dass der Unterricht gerade scheinbar unbefriedigend ist, wundert mich gar nicht. Wenn man neben dem Unterricht statt zu ĂŒben lieber ĂŒbers Mischen philosophiert und allerlei kommerzielle Gesangslehrmethoden in Einzelteile zerlegt, bremst man sich nur selbst aus. Ich finde es auch verwunderlich, dass man wenn es bereits um Stilistik geht, ausgerechnet bei einem Lehrer bleibt, der die gewĂŒnschte Stilistik nicht lehrt. Power Metal Gesang hat mMn jedenfall nur marginal mit Klassik zu tun und schon gar nichts mit Jazz. Der Wechsel zu einem Lehrer, der sich mit der Pop und Rockgesangsstilistik auskennt, wĂ€re jetzt angebracht statt so viel Zeit und Geld in unpersönlichen DVDs und BĂŒcher zu verbraten.
 
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  • #70
@Vali: Da hast du was falsch verstanden: Der Unterricht bei meinem GL ist momentan eher Musiktheorieunterricht zur Vorbereitung auf diverse Musikhochschul-AufnahmeprĂŒfungen (ich hatte mWn in einigen anderen Threads auch mal von den Vorbereitungskursen dafĂŒr berichtet). Und diese Theorie, gerade auch das, was nicht speziell Gesangs-, sondern allgemein Musiklehre ist, konnte er mir bisher sehr gut vermitteln. Deshalb bin ich da geblieben und darum habe ich ja auch schon öfters gesagt, fĂŒr Musiktheorie ist ein aus der Klassik stammender Lehrer imho oft besser geeignet.

NatĂŒrlich kann man vieles von den grundlegenden musiktheoretischen Dingen auch sicherlich von einem Contemporary-Lehrer lernen, aber da gibt es halt einfach gewisse Regeln nicht, die man in der Klassik leider dann doch beherzigen muss (denn egal, ob man sein Instrument auf Klassik oder Jazz/Rock/Pop ausrichtet, Bach-ChorĂ€le muss man an den Hochschulen z. B. auf jeden Fall immer machen).

Und weil wir uns eben viel auf die theoretischen Aspekte konzentrieren MÜSSEN, bleibt fĂŒr die gesangliche Praxis im Moment weniger Zeit. ;)

statt zu ĂŒben lieber ĂŒbers Mischen philosophiert und allerlei kommerzielle Gesangslehrmethoden in Einzelteile zerlegt,

Ich frage mich, wie hier immer so viele Leute auf Formulierungen wie "anstelle...", "anstatt zu ĂŒben" etc. kommen. Wer sagt denn, dass ich nicht ĂŒbe, nur weil ich auch Zeit habe, hier zu posten? ;) Wenn man gerade mit dem Abi durch ist und bis zum Ende des Schuljahres erstmal frei hat, bleibt natĂŒrlich sowohl Zeit fĂŒrs Üben des Gesangs als auch fĂŒr Hochschul-Vorbereitungen als auch eben fĂŒrs Posten im Forum.

Außerdem gucke ich nun schon wahrlich nicht jeden Tag hier rein, deshalb bin ich dann auch immer ĂŒberrascht, wenn ich wieder in einen Thread hinein schaue und eine ganze Reihe von BeitrĂ€gen ist dazu gekommen, die mir genau das vorwerfen.

Wer behauptet denn immer, dass "Posten im Forum" und Üben am Instrument / Gesang sich gegenseitig ausschließen? Dann mĂŒssten ja alle, die hier ein bisschen mehr schreiben, notorische Übungs-SchwĂ€nzer sein. XD

Und ich kann auch nichts grundsĂ€tzlich Bedenkliches daran erkennen, Dinge auch mal zu hinterfragen und von einer anderen Seite zu betrachten, als die Lehrmeinung einer einzelnen Person einfach blind zu ĂŒbernehmen. FĂŒr einen Lehrer ist es natĂŒrlich sicherlich einfacher, wenn ein SchĂŒler letzteres einfach tut (ist jetzt nicht böse gemeint); doch wofĂŒr besteht schließlich heutzutage der Oberstufen-Unterricht hauptsĂ€chlich aus Diskussionen, um SchĂŒler dazu zu erziehen, ihre eigene Meinung zu vertreten? ;) An den Gymnasien mĂŒssen sich die Lehrer ja auch an das ein oder andere Nachbohren oder die ein oder andere schlagfertige Antwort von Seiten der SchĂŒler gewöhnen.

Auch damals bei meinem Gitarrenlehrer habe ich natĂŒrlich die Sachen geĂŒbt, die er mir gegeben hat, aber mir darĂŒber hinaus auch noch andere StĂŒcke etc. angeeignet. Und erfahrungsgemĂ€ĂŸ bin ich damit immer sehr viel schneller voran gekommen, als Leute, die sich ausschließlich auf das beschrĂ€nkt haben, was ihr Lehrer ihnen aufgetragen hat und nicht noch darĂŒber hinaus was gemacht haben. Manchmal schadet's schließlich einfach nicht, eine zweite Meinung einzuholen, deshalb hat mich ja broeschies auch wohl auf KTVA ĂŒberhaupt erst hingewiesen; man hĂ€tte ja auch einfach sagen können, ich halte mich an meinen Gesangslehrer und vielleicht noch TVS und gut. Aber auch mein GL der Auffassung: "Frag zehn Leute und du bekommst zehn verschiedene Antworten."

Und solange es kein eindeutiges Richtig und Falsch gibt (außer eben, wenn man dann wirklich auch klassisch singen will und nicht nur die klassische Theorie braucht), schaden mehrere Meinungen sicherlich nicht; die können zwar manchmal verwirren, aber dann muss sich eben jeder aus den verschiedenen Lehrmeinungen das zusammensuchen, was am besten fĂŒr ihn/sie funktioniert.
 
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  • #71
Dass klassischer Gesangsunterricht in Sachen Musiktheorie besser sein soll, wurde ja schon mehrfach widersprochen. Es kommt nicht darauf an, ob Klassisch oder Contemporary, sondern auf den Lehrer. Ich kenne viele Contemporary Lehrer, die große Ahnung von Musiktheorie haben und Klassiker, die auf Schulniveau hĂ€ngengeblieben sind. Es gibt sogar Contemporary Lehrer, die klassische Musik studiert haben. Davon abgesehen sind mir deine Absichten immer noch schleierhaft. Eigentlich macht man es so, dass man zum Gesangsunterricht geht, weil man was Praktisches lernen will und zwar das was man auch wirklich praktisch tun will. Theorie erarbeitet man sich im Unterricht nebenbei und selbststĂ€ndig mit Literatur. Du scheinst es genau andersrum zu machen: Du gehst in einen Unterricht, wo du praktisch nicht das lernst, was du aber praktisch tun willst (nĂ€mlich Power Metal singen), aber im praktischen Unterricht Musiktheorie lernen willst, und zu Hause erarbeitest du dir theoretisch, was du eigentlich praktisch machen willst. :confused: Das wĂŒrde nur Sinn machen, wenn du Gesangslehrer oder Gesangstheoretiker werden willst, aber so wird man nur schwer zum SĂ€nger.
Ich wĂŒrde an deiner Stelle also lieber Pop/Rock GU nehmen und mir gute Literatur zur Musiktheorie besorgen und Seminare/Fortbildungen dazu besuchen. Wer Musiktheorie lieber praktisch begreifen will, sollte mMn lieber Klavier oder vielleicht Gitarre lernen, wo man bestimmte Notenkonstellationen und Tonabfolgen im wahrsten Sinne des Wortes besser begreifen kann. Ich bin mir sicher, dass du so grĂ¶ĂŸere Fortschritte machen wĂŒrdest.

Was das Lernen von Technik angeht, bin ich weiterhin dafĂŒr auf der Linie des Lehrers zu bleiben. Privat kann man AusflĂŒchte machen wie man will, ja man soll es auch, aber das Erarbeiten von Gesangstechniken sollte nicht in mehreren Methoden gleichzeitig gemacht werden, weil man sich da schwer in die Quere kommen kann und sich ausbremst. Besonders gefĂ€hrlich sind eben solche BĂŒcher und DVDs neben andersartigen Unterricht, weil es wegen fehlender Kontrollinstanzen zu MissverstĂ€ndnissen kommen kann oder gar zu WidersprĂŒchen zwischen zweier Methoden. Viele Köche verderben den Brei (was natĂŒrlich nicht heißt dass man mehrere KĂŒchen nacheinander probieren kann). Sinn wĂŒrde sowas nur machen, wenn das Buch/die DVD ein Begleitwerk des Unterrichts ist. Sich mit KTVA eingehend zu beschĂ€ftigen, ist mMn nur sinnvoll, wenn man komplett autodidaktisch unterwegs ist, begleitend GU nach KTVA hat oder sich halt damit nur theoretisch befassen will.

Und wer spricht ĂŒberhaupt von "Posten im Forum"? Ich finde zumindest nichts. Du bist ja aktuell kein Gesangsstudent, aber schreibst wirklich sehr viel ĂŒber verschiedene Methoden, aktuell Schwerpunkt TVS, scheinst also viel Zeit und natĂŒrlich Geld zum Erwerb der dazugehörigen Literatur/DVDs investiert zu haben, hast noch Zeit andere SĂ€nger so tief ins Klangdetail auseinander zu klamĂŒsern, wie ich es bei einem werdenden SĂ€nger kaum erlebt habe. Sich so tief in sowas einzuarbeiten muss Unmengen Zeit in Anspruch genommen haben und das Recherchieren und Ausprobieren weiterer Methoden noch mehr. Das ist nur nachvollziehbar, wenn man es beruflich nötig hat. Aber andere hĂ€tten in dieser Zeit bei einem passenden Lehrer nach ein paar Stunden ihren ersten geilen Power Metal Scream gemacht, singen in einer Band, schreiben eigene Lieder und feilen an ihrer kĂŒnstlerischen IdentitĂ€t. Und was bringt dir die ganze zeitraubende Recherche? Du weißt viel ĂŒber Gesang, kannst es praktisch aber kaum umsetzen. Wer wirklich ein SĂ€nger werden will, braucht natĂŒrlich auch ein gewisses Maß an Theorie (und hier lĂ€sst sich vorzĂŒglich darĂŒber debattieren), aber zu einem gewaltigen Teil Praxis, Praxis, Praxis, Praxis und nochmal Praxis.

Ich und andere, die in diese Kerbe hauen, meinen es damit nicht böse mit dir, sondern wollen den Gedanken einwerfen, ob es nicht auch leichter geht (und sich finanziell mehr rentiert) deine Ziele zu erreichen. Das was ich von dir so lese, bereitet mir jedenfalls Fragezeichen ĂŒbern Kopf :confused: Warum tut er sich das an? Warum ist er bereit hunderte Dollar fĂŒr etwas auszugeben, was er fĂŒr gĂŒnstiger vor Ort und mit individueller Betreuung kriegen könnte?
Bei broeschies ist es was anderes, weil er autodidaktisch unterwegs ist, keine Gelegenheit hat fĂŒr GU und solche Methoden besser sind als gar keine Anregungen und er konnte außerdem schon immer gut singen.
 
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  • #72
Das was Vali schreibt ist, was ich auch andeuten wollte. Es ist nicht unsinnig sich erstmal wirklich an ein Programm bzw. einen GL zu halten, auch wenn es fĂŒr dich vielleicht nicht die perfekte Methode ist. Um die Grundlagen zu erlernen reicht es allemal. Und danach bist du wahrscheinlich nochmal deutlich besser in der Lage zu beurteilen, welches Programm ĂŒberhaupt zu dir passt. Die Grundlagen sind insbesondere bei MĂ€nnern sogar so universell, dass du die durchaus auch im klassischen GU lernen kannst (bei Frauen ist der Unterschied da noch ne ganze Ecke grĂ¶ĂŸer). Wie gesagt, auch Rob Lunte wurde z.B. in seinem Musikstudium klassisch ausgebildet.

Was die Grundlagen sind, da halte ich es normalerweise mit der CVT-Definition, nĂ€mlich: 1. Atemanbindung, 2. Twang, 3. Ausbalancieren des Kehlkopfes. Diese drei Sachen kriegst du in so gut wie jedem GU und jedem Programm auf irgendeine Weise beigebracht, ggf. unter anderen Namen und mit anderen Methoden. Wenn du diese Grundlagen erstmal beherrschst, hast du immer noch genug Zeit dich in eine bestimmte Stilistik zu vertiefen und kannst dann wahrscheinlich auch wesentlich besser entscheiden, womit du am ehesten weiterkommst. Und dafĂŒr auch nochmal der Hinweis: Orientiere dich nicht zu sehr am Sound oder Klangbild, denn das ist nicht vielmehr als das, ein einfaches Klangbild eben. Klangbilder sind i.d.R. wesentlich leichter zu lernen als die grundlegende Technik. Und bei der Wahl des Pogramms/GL ist es viel viel viel wichtiger, dass es/er/sie dir die grundlegende Technik möglichst auf deine BedĂŒrfnisse zugeschnitten vermittelt und nicht, welches Klangbild da unterrichtet wird.

Was deine BedĂŒrfnisse sind, das findest du aber nur raus, indem du es einfach ausprobierst, und dich erstmal in ein Programm oder in den GU stĂŒrzt. Mit der Zeit wirst du merken, mit welchen Übungen/Konzepten du Fortschritte machst und mit welchen nicht. Bei mir persönlich ist es bspw. der Twang. Die anderen beiden Grunlagen (Atemanbindung, Kehlkopf balancieren) habe ich nahezu intuitiv gehabt. Beim Twang (bzw. allgemein bei der Kompression) lag aber immer meine grĂ¶ĂŸte Baustelle. Daher ist fĂŒr mich das Lunte-Programm mit seinem starken Twang-Fokus ideal, das hĂ€tte ich vorher aber nie im Leben gewusst und das hĂ€tte mir auch ĂŒbers Forum keiner sagen können. Ein GL hĂ€tte es vielleicht im direkten Unterricht herausgefunden.

Wenn du mit einer Kombination aus Selbststudium und GU lernen willst, bietet es sich an ein Programm zu nehmen, zu dem es auch passende GLs in deiner NĂ€he gibt. Bei TVS gibt es da 3 oder 4 in Deutschland, bei CVT schon einige mehr. Zu anderen Programmen gibt es das auch. Da ist dann der große Vorteil, dass du im GU und im Selbststudium mit den gleichen Konzepten/Übungen und Begriffen arbeitest.

Was die Musiktheorie angeht, kann ich das ein wenig nachvollziehen. Das hat aber denke ich wesentlich weniger damit zu tun, dass Contemporary-GLs nicht dazu befĂ€higt wĂ€ren, sondern mehr damit, dass es unter ihnen wesentlich mehr Quereinsteiger gibt, wĂ€hrend bei klassischen GLs hĂ€ufig ein "verschulter" Ausbildungsweg mit Musiktheoriestudium etc. zugrunde liegt. Aber es gibt natĂŒrlich auch Contemporary-GLs, die eine musiktheoretische Ausbildung haben.

Ansonsten wĂŒrde ich Vali voll zustimmen. Da du die Möglichkeit hast GL im 1:1 Unterricht zu nehmen, wĂŒrde ich sie auch genau dafĂŒr nutzen. Denn Musiktheorie lĂ€sst sich ja dann doch auch in theoretischer Weise lernen. Ich bin zwar definitiv der Meinung, dass man singen im Selbststudium lernen kann, aber es ist auch in den meisten FĂ€llen weniger effektiv. Ich selber habe halt nur 2 Stunden "Freizeit" in der Woche und nutze die dann fĂŒr meine Bandprobe, schließlich macht es auch wenig Sinn super singen zu können und es dann nirgendwo zu tun ;) Ansonsten wĂŒrde ich sicherlich auch GU nehmen. So finden meine Übungssitzungen im wesentlichen im Auto auf dem Weg zur Arbeit statt :D
 
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  • #73
BTW, hier ist noch sozusagen die "Transfer-Übung" zwischen TVS-Randstimme und Vollstimme. TatsĂ€chlich reicht genau diese eine Übung um (mit viel Training natĂŒrlich) den Transfer zu bewerkstelligen. Das Umformen des Vokals Richtung "u", das er am Ende demonstriert, brauchst du dabei nur fĂŒr einen klassischen Sound, ansonsten reicht der "Hold" auf "BA" oder "BÄ". Genau diese Übung ĂŒberfĂŒhrt die Lunte-Technik (in CVT "Neutral" genannt) in die Tamplin-Technik (bei CVT "Curbing" genannt). Was gemacht wird, ist schlicht und einfach eine stĂ€rkere Aktivierung der Bruststimme, aber aus einer kopfdominanten Position heraus.

Genau diese Übung wird auch als neues Onset in Pillars 3.0 drin sein, gerade um diesen "Transfer" zu ermöglichen (neben dem Appoggio, das schon in 2.5 drin ist).

http://www.youtube.com/watch?v=JOBT2bytRoA

Am Anfang ab 0:40 zeigt er halt als Basis den Übergang in die Randstimme. Seine anderen Videos sind auch sehr interessant und zeigen oft Sachen wie man auf Basis von TVS den Sound (der ja in der Basisversion einigen nicht so gefĂ€llt) auf die eigenen WĂŒnsche abzustimmen, z.B. auch das hier:

http://www.youtube.com/watch?v=aJVOm5SFbv4
 
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  • #74
Hach, damit hatte ich gerechnet. ;) Nicht böse sein, ich weiß, dass es in einem Forum immer schwerer ist, weil man ja nicht alles ĂŒber das Individuum am anderen Bildschirm weiß und wissen kann. Da mĂŒssen auch standardisierte Antworten kommen, aber ich glaube, hier bildet man sich teilweise ein Urteil ĂŒber mich, das eher aus persönlichen EinschĂ€tzungen bzw. Vorstellungen gebildet wird.

Man weiß nicht alles ĂŒber jeden User, also fĂŒllt man die LĂŒcken mit Vorstellungsdenken - und tappt dabei zwangslĂ€ufig zuweilen in Klischees, geht mir ja auch so.

Hier im Forum zum Beispiel wollen mich offenbar momentan viele als Theoretiker ansehen bzw. darstellen, der viel schreibt und wenig ĂŒbt, warum auch immer. Na gut, dann Folgendes, Zeile fĂŒr Zeile:

Dass klassischer Gesangsunterricht in Sachen Musiktheorie besser sein soll, wurde ja schon mehrfach widersprochen

Wie gesagt, es kommt drauf an, WAS fĂŒr Musiktheorie. GrundsĂ€tze der Harmonielehre (Akkordbildung, Mehrstimmigkeit etc.) gelten in Klassik und Contemporary, darum geht's auch nicht, das haben wir schon in der Schule gelernt. Aber wenn man auf Tonsatzregeln o. Ă€. guckt, sind z. B. bei Jazz-BlĂ€sersĂ€tzen oft sture Parallelbewegungen angesagt, wĂ€hrend bei klassischen ChorĂ€len immer eher die Gegenbewegung als Ideal angestrebt wird und bestimmte Dinge eben sogar streng verboten sind.

Ein Contemporary-Lehrer, der ursprĂŒnglich aus der Klassik kommt, weiß das sicherlich auch noch und kann es einem auch erklĂ€ren, aber er steckt garantiert nicht mehr so tief darin, wenn er es in seinem tĂ€glichen Leben eben nicht mehr so oft anwenden musste wie ein Klassiklehrer, der sich dann eben auch in der klassischen Literatur auskennt und dir spontan 5 Beispiele zur Demonstration vorfĂŒhrt.

Und wie gesagt, ich finde es zwar auch ungerecht, aber mit einer reinen Klassik-Ausrichtung kĂ€me man an den meisten Musikhochschulen durch, zumindest fĂŒr die Aufnahme. Mit einer reinen Jazz/Pop-Ausrichtung aber nie. ;)

Eigentlich macht man es so, dass man zum Gesangsunterricht geht, weil man was Praktisches lernen will und zwar das was man auch wirklich praktisch tun will.

Wenn's allein nach dem ginge, was ich fĂŒr meine Musik als Hobby WILL, wĂŒrde ich natĂŒrlich zu einem Contemporary-Lehrer gehen. ;) Leider muss man als Gerade-Abiturient auch irgendwo seine berufliche Zukunft im Blick haben: Musikhochschulen stellen nun einmal gewisse Anforderungen, gerade auch bei der Theorie, und mit einem Musikstudium auf Lehramt sind die durchschnittlichen Erfolgschancen immer noch höher als als sog. "freischaffender KĂŒnstler."

Zum Erfolg im viel beschworenen "Musikbiz" gehören ja nun leider nicht nur eingĂ€ngige Songs und eine saubere technische Umsetzung dieser, sondern auch eine gehörige Portion GlĂŒck (ob man von einem Label "entdeckt wird", dann die Frage, ob der Musikstil, den man spielt, in deren Augen zeitgemĂ€ĂŸ ist etc.)

Und ein Lehrer, der mir einerseits was im Gesang, andererseits aber auch was am Klavier und in der Musiktheorie vermitteln kann, scheint mir demnach nach wie vor am passendsten.

Wer Musiktheorie lieber praktisch begreifen will, sollte mMn lieber Klavier oder vielleicht Gitarre lernen

Tu ich beides schon lÀngst (und ernsthaft so seit 2008). Mein GL ist halt auch Pianist und eben auch Klavierlehrer, und viele der musiktheoretischen Dinge erklÀrt er mir dann auch praktisch am Klavier (und wenn's die ganz banalen Dinge sind wie Generalbass oder ChorÀle spielen, dabei keine Quint- und Oktavparallelen machen etc.). Gerade deshalb finde ich ja die praktische Anbindung der ganzen Theorie so wichtig. Zumal eben beim Musikstudium (etwas unfairerweise) JEDER singen und klavierspielen können muss, aber die Pianisten brauchen mittlerweile meist kein zweites Instrument mehr.

mir gute Literatur zur Musiktheorie besorgen und Seminare/Fortbildungen dazu besuchen

Ich habe mir natĂŒrlich schon vor langer Zeit auf den Rat meines GLs zur Musiktheorie das Buch "Allgemeine Musiklehre" von Wieland ZiegenrĂŒcker zugelegt und konnte mir damit vieles auch einfach im Selbststudium anlesen, genau, wie du es auch gesagt hast. Aber damit man es auch richtig VERSTEHT und nicht nur mal gelesen hat, braucht's eben doch manchmal einen Lehrer, der einem zeigt, wie man das anwendet und warum gewisse Regeln existierten etc.

Sonst könnte man sich ja auch den Geschichtsunterricht in der Schule sparen, das kann man sich ja genauso alles selbst anlesen. :D (Witzigerweise sah unser Geschi-Unterricht tatsĂ€chlich grĂ¶ĂŸtenteils so aus, aber egal.)

Vorbereitungskurse und Seminare gibt's an den Musikhochschulen natĂŒrlich auch, und da gehe ich auch hin. Leider haben die sich bisher meist als Crash-Kurse herausgestellt, die einige Dinge nur sehr schnell erklĂ€ren (immerhin gewöhnt einen das schonmal ans Studien-Tempo), und dabei entweder oberflĂ€chlich sind, ober aber gleich so tief in ein bestimmtes Detail gehen, dass man es als Noch-Nicht-Student nicht versteht. Also braucht man doch wieder einen individuellen Lehrer, der's einem dann nochmal vernĂŒnftig und grundlegend beibringen kann.

Was das Lernen von Technik angeht, bin ich weiterhin dafĂŒr auf der Linie des Lehrers zu bleiben.

Bei den Dingen, die er mir zeigt, mache ich das ja auch so. Er hat mir bisher auch immer gesagt, dass ich das meiste, was er mir zeigt, sehr schnell (meist in der selben Gesangsstunde) in die Praxis umsetzen kann. Aber neben dem Singen gibt's eben auch noch einige musiktheoriebezogene bzw. klavierbezogene Dinge zu lernen, s. oben.

weil man sich da schwer in die Quere kommen kann und sich ausbremst

Da stimme ich dir grundsĂ€tzlich zu, aber bisher tangieren sich diese Bereiche noch nicht großartig: Mit der Randstimme haben wir bei meinem GL bisher noch nicht groß gearbeitet, also kann ich mich da auf TVS stĂŒtzen. Bei TVS bin ich dafĂŒr bisher noch nicht mit hohem Vollstimmengesang in BerĂŒhrung gekommen - aber dazu werde ich mir jetzt mal die von broeschies verlinkten Videos angucken. Was klanglich-geschmackliche Dinge angeht (heller / dunkler in allen Facetten), halte ich mir im Unterricht natĂŒrlich an meinen GL, ĂŒbernehme das auch teilweise in meine eigene Musik - aber wenn ich es dafĂŒr eben unpassend finde, verĂ€nder ich's auch mal.

GrundsĂ€tzlich ist mein GL zum GlĂŒck der Auffassung: "Es darf am Ende, klingen wie du willst. Aber du musst sagen können: 'Es klingt so, WEIL ich das will, und nicht, weil ich's nicht anders kann oder nicht besser weiß.'"

aber schreibst wirklich sehr viel ĂŒber verschiedene Methoden, aktuell Schwerpunkt TVS, scheinst also viel Zeit und natĂŒrlich Geld zum Erwerb der dazugehörigen Literatur/DVDs investiert zu haben

Nein, ich besitze von diesen Methoden nur TVS 2.0 (das "Zen of Screaming" von Melissa Cross zÀhle ich jetzt nicht wirklich dazu, das gehört ja nicht zu dieser Reihe superteurer Programme; es vermittelt zwar viele Basics, lÀsst einen dann aber imho irgendwie im Regen stehen).

Wenn ich mal auf CVT-Begriffe oder Ă€hnliches zurĂŒckgreife, dann nur deshalb, weil broeschies sie mir erklĂ€rt hat. ;)

wenn man komplett autodidaktisch unterwegs ist

Nun, davon wird hier im Forum doch mindestens ebenso oft abgeraten. ;) Denn dann ergeben sich zwangslĂ€ufig Unklarheiten und Fragen, gerade weil man eben als Autodidakt gezwungen ist, auch mal auf mehrere Methoden parallel zurĂŒckzugreifen (ich kenne das alles bereits von der Gitarre, da war es genauso). Und im Endeffekt lautet die Antwort dann immer: "Geh zu einem guten Lehrer, der kann dir das beibringen." ;)

hast noch Zeit andere SĂ€nger so tief ins Klangdetail auseinander zu klamĂŒsern, wie ich es bei einem werdenden SĂ€nger kaum erlebt habe.

Das hat eigentlich nichts mit Zeit zu tun, das geschieht parallel beim normalen Musik-Hören, im Zug auf dem Weg zur Schule, im Auto, wo auch immer. Es gibt bekanntlich analytische und emotionale Hörer. Ich wĂŒrde mich eher zu letzterem und meinen Bruder eher zu ersterem zĂ€hlen, da er ein absolutes Gehör hat und daher auf Anhieb Tonart und maximale/minimale Tonhöhe des Gesangs in einem Song erkennt. Das heißt aber natĂŒrlich auch, ich kann ihn schnell danach fragen ;). Im Prinzip geht's bei diesen Beurteilungen anderer Songs/SĂ€nger doch immer nur um eine SCHNELLE Beurteilung: "Kann ich das mit meinen jetzigen Kenntnissen singen, ja oder nein?"

Und das im Forum aufzuschreiben dauert auch nicht viel lÀnger, ich tippe schnell. ;)

Sich so tief in sowas einzuarbeiten muss Unmengen Zeit in Anspruch genommen haben und das Recherchieren und Ausprobieren weiterer Methoden noch mehr.

Ähm, nein, tut es ehrlich gesagt nicht. ;) Wie gesagt, ich habe mich einfach daran gewöhnt, beim Musikhören auf solche Sachen zu achten.

ihren ersten geilen Power Metal Scream gemacht

Habe ich auch, und war sogar schon öfters (meist bei gis'', das ist bereits höher als der meiste Power Metal, den ich so höre, oder sogar h''), und keiner meiner beiden Lehrer hĂ€tte mir das zeigen können. ;) DafĂŒr waren/sind beide viel zu sehr Kopfstimmen-VernachlĂ€ssiger; das verdanke ich TVS und wieder mal dem Anhören diverser Power Metal-Bands.

Die hohen Screams laut und durchsetzungsfÀhig hinzubekommen ist ja auch gar nicht das Schwierigste, sondern das Singen zwischen e' und c'' in der Randstimme, wenn es so klingen soll, als wÀre man immer noch in der Vollstimme - da will Lunte einen ja auch hinbringen.

singen in einer Band

Tue ich.

schreiben eigene Lieder

Tue ich, und zwar schon seit Jahren (reicht fĂŒr ĂŒber 2 CDs voll, konnte nur noch nicht alles vollstĂ€ndig aufnehmen, aber das ist halt gerade das Problem, wenn man VIELE eigene Lieder hat).

feilen an ihrer kĂŒnstlerischen IdentitĂ€t

Tue ich, eben gerade weil ich meine eigenen Songs habe. Mich verstellen, eine Fassade aufbauen oder jemand anderen imitieren war nie mein Ding, kann ich ehrlich gesagt auch nicht. Deshalb rege ich mich ja so auf ĂŒber die ewigen Hinweise: "Du weißt, du wirst niemals wie SĂ€nger XY klingen." Das will ich nĂ€mlich gar nicht, ich finde, man sollte froh sein, etwas eigenes zu sein. Aber von der technischen Seite sollte man sich imho durchaus an seinen Vorbildern orientieren, nur eben nicht so sehr von der stilistischen.

Ich bin ja grundsĂ€tzlich froh ĂŒber Kritik, aber ich hoffe, du verstehst also, dass ich auf solche Aussagen in dieser Form reagiere, wenn mir jemand vorwirft, bestimmte Dinge angeblich nicht zu tun, obwohl er das gar nicht wissen kann. Vielleicht habe ich meine musikalischen Erzeugnisse, Mitwirken in Bands und eigenen Songs ja auch einfach noch nicht so oft erwĂ€hnt, das ist ja nun auch wiederum nicht deine Schuld, das geht einem nunmal als Foren-Nutzer so.




Warum ist er bereit hunderte Dollar fĂŒr etwas auszugeben, was er fĂŒr gĂŒnstiger vor Ort und mit individueller Betreuung kriegen könnte?

Nochmal: Ich habe erstmal nur nach Beurteilungen des Programms gefragt, und zwar vor allem von Leuten, die KTVA eben selbst besitzen. Motivation dafĂŒr war, dass broeschies es mir empfohlen hat. Da bin ich noch weit davon weg, mir das Ding auch zuzulegen; bei mehreren verschiedenen Rezensionen wĂŒrde ich erstmal die Quintessenz heraus- und meine eigenen SchlĂŒsse ziehen.

Danke also nochmal an Qualmsteen fĂŒr die aufschlussreiche Bewertung. Verschiedene Kommentare von ein paar weiteren KTVA-Besitzern wĂ€ren zwar noch schöner gewesen, aber wenn das Programm eben sonst keiner hat, geht's halt nicht anders.

Und was bringt dir die ganze zeitraubende Recherche? Du weißt viel ĂŒber Gesang, kannst es praktisch aber kaum umsetzen.

Sorry, aber woran machst du das fest? ;) Ich sehe mich sicherlich nicht als wahnsinnig tollen SĂ€nger an, aber gehört hast du mich ja schließlich noch nicht. ;)

Und nein, ich lade jetzt garantiert keine Hörprobe allein fĂŒr den Zweck hoch, mich mal wieder zu rechtfertigen oder zu beweisen. Wegen dieser Debatte sind wir nĂ€mlich mal wieder recht weit vom Ursprungsthema abgekommen. Außerdem bin ich grundsĂ€tzlich immer vorsichtig damit, meine eigenen Songs irgendwo hochzuladen, da ich eben im Moment noch nicht die Möglichkeit habe, mich eindeutig als Urheber gesetzlich abzusichern. (Wir hatten ja mal einen schönen Thread ĂŒber dieses Problem.)

Ich wĂŒrde eher sagen, es ist umgekehrt: So vieles weiß ich eigentlich nicht, einiges davon habe ich schließlich auch erst von hier aus dem Board.

Praxis, Praxis, Praxis, Praxis und nochmal Praxis.

Und damit sind wir wieder beim eigenstĂ€ndigen Ausprobieren angelangt, was eben darĂŒber hinausgeht, sich allein nach dem zu richten, was man von seinem Lehrer bekommt, und was mich auch bei der Gitarre schon immer deutlich schneller vorwĂ€rts gebracht hat. Bei gerade mal 90 Minuten Unterricht alle 14 Tage (war von seinem Terminkalender so festgesetzt, geht nicht anders) kĂ€me ich ansonsten nĂ€mlich garantiert deutlich langsamer weiter; und wenn der Unterricht dann auch noch feiertagsbezogen oder durch die Ferien ausfĂ€llt, wird's ja noch weniger.

Vieles lernt man dadurch ja auch einfach unbewusst. Wie gewisse Dinge sich begrifflich unterscheiden, lerne ich dann teilweise erst von hier, und wenn sich z. B. dann als Fachsprache das CVT-Jargon etabliert hatte, versuche ich, mich daran anzuschließen, um begriffliche Verwechslungen zu vermeiden.


So, genug der ewigen Rechtfertigungen. Genau dadurch komme ich leider stĂ€ndig auf diese Mammut-BeitrĂ€ge. ;) Ich weiß, grundsĂ€tzlich meint es hier keiner böse. Ich will nur vermeiden, dass man voreilig SchlĂŒsse ĂŒber Personen zieht, weil man glaubt, sich Dinge, die man von einem bestimmten Menschen nicht weiß, einfach erschließen zu können, ohne, dass man ihn kennt. Sowas kann man dann nĂ€mlich nur schlecht auf sich sitzen lassen, weil es teilweise einfach "falsch kombiniert" ist.
 
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  • #75
ich glaube, hier bildet man sich teilweise ein Urteil ĂŒber mich, das eher aus persönlichen EinschĂ€tzungen bzw. Vorstellungen gebildet wird.
Aus welchen EinschÀtzungen und Vorstellungen wenn nicht persönlichen soll man denn sonst zu einem Urteil kommen? ;)

Hier im Forum zum Beispiel wollen mich offenbar momentan viele als Theoretiker ansehen bzw. darstellen, der viel schreibt und wenig ĂŒbt, warum auch immer.
Du, das hat wenig mit "wollen" zu tun, so hast du dich hier eben verkauft. ;) Wenn so viele das einheitlich wahrnehmen, dann liegt das kommunikative MissverstÀndnis wohl eher nicht bei den Rezipienten. ;)



Ich muss jetzt trotzdem nochmal nachfragen und verzeih mir, wenn ich diesen letzten Mammutpost nur ĂŒberflogen und so vielleicht etwas ĂŒbersehen habe, aber ...

... habe ich das jetzt richtig verstanden, dass du einen Gesangslehrer hast, bei dem du praktische Musiktheorie lernst und gleichzeitig ergÀnzende Lehrsysteme suchst, um damit die Theorie des Singens zu lernen?


Bitte nicht falsch verstehen, das ist nur die (vielleicht missverstandene) Quintessenz, die hÀngen geblieben ist und wenn ich das so rekapituliere klingt es einfach so ... verdreht? Ist nicht böse gemeint.
 
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  • #76
... habe ich das jetzt richtig verstanden, dass du einen Gesangslehrer hast, bei dem du praktische Musiktheorie lernst und gleichzeitig ergÀnzende Lehrsysteme suchst, um damit die Theorie des Singens zu lernen?

so hab ich's zumindest auch verstanden. Umgekehrt wĂ€re es wahrscheinlich gĂŒnstiger.
 
  • Ersteller
  • #77
Aus welchen EinschÀtzungen und Vorstellungen wenn nicht persönlichen soll man denn sonst zu einem Urteil kommen?

Das meine ich ja mit "in einem Forum ist das immer schwierig". ;) Trotzdem wĂ€re es halt schön, wenn keine voreiligen SchlĂŒsse gezogen werden, nur weil ich nicht in jedem Post nochmal extra betone: "Ach ja, ĂŒbrigens, natĂŒrlich singe ich auch in meiner Band, natĂŒrlich schreibe ich eigene Lieder etc., also denkt nicht, ich sei ansonsten untĂ€tig." Wenn das gerade fĂŒr das Thema nicht relevant ist, kĂ€me es mir eher deplatziert vor, und wĂŒrde ich immer wieder drauf hinweisen, kĂ€me ich mir auch irgendwie eingebildet vor gegenĂŒber den Leuten, die eben nicht das GlĂŒck haben, dass sie so schnell ein paar Mitmusiker gefunden haben oder die eben vielleicht keine eigenen Songs schreiben, ihre Talente aber dafĂŒr woanders haben.

Wenn so viele das einheitlich wahrnehmen, dann liegt das kommunikative MissverstÀndnis wohl eher nicht bei den Rezipienten

Mag wohl sein. Allerdings ist dieser Thread ja nun auch schon mehrere Seiten lang, und wie du schon gesagt hast, die meisten haben nicht unbedingt alles mitverfolgt, bzw. lÀngere BeitrÀge werden oftmals nicht komplett gelesen (zugegeben, der letzte war wirklich lang ^^, aber eine andere Möglichkeit habe ich nicht gesehen). Dadurch kommt's dann auch leider einfach, dass ich bestimmte Klarstellungen solcher MissverstÀndnisse andauernd wiederholen muss (wie z. B. diese Bruce Dickinson-Geschichte, die ich gar nicht ins Spiel gebracht habe).

Ich sehe schon ein, dass das u.a. damit zu tun hat, dass ich noch keine Hörprobe hochgeladen habe. Aber ich gehe umgekehrt auch nicht bei den anderen Usern, die das noch nicht gemacht haben, davon aus, dass sie kaum praktische Erfahrung hÀtten. ;)

... habe ich das jetzt richtig verstanden, dass du einen Gesangslehrer hast, bei dem du praktische Musiktheorie lernst und gleichzeitig ergÀnzende Lehrsysteme suchst, um damit die Theorie des Singens zu lernen?

Nicht ganz. GrundsĂ€tzlich bin ich ja damals erstmal aus gesanglichen GrĂŒnden zu dem Lehrer hin, um den Unterricht bei ihm erstmal auszuprobieren. Er hatte sich aber halt auch die Vorbereitung auf Musikhochschul-AufnahmeprĂŒfungen auf die Fahnen geschrieben, und als ich das Stichwort habe fallen lassen, ist der Unterricht dann erstmal theoretischer geworden, und wie gesagt, ich bin auch froh darĂŒber, denn einige der komplizierteren musiktheoretischen ZusammenhĂ€nge hĂ€tte ich mit Sicherheit durch Anlesen alleine nicht in der Tiefe verstanden.

Das bedeutet aber auch, dass eben das eigene praktische Singen durch den anderen Stoff im Unterricht öfters mal auf der Strecke bleibt (bei anderthalb Stunden alle 14 Tage). Vali hat ja sogar gesagt: "Du bist ja aktuell kein Gesangsstudent", und wenn ich das Wort "Student" jetzt nicht wörtlich nehme, sondern einfach als "bei einem Lehrer Lernender" verstehe, dann hat sie gewissermaßen Recht.

Mein GL ist momentan, wie du schon erkannt hast, erstmal hauptsĂ€chlich fĂŒr die (klassische) Musiktheorie zustĂ€ndig, weil man die nunmal an den Hochschulen braucht. Seine Funktion als Gesangslehrer erfĂŒllt er natĂŒrlich auch, aber im Moment weniger als jemand, der einem aktiv Neues beibringt, sondern eben erstmal nur eher als "Kontrollinstanz" - genau das, was beim alleinigen Lernen mit DVDs immer fehlt, die Sicherheit, das man nichts falsch macht :). Und da sind wir bei dem Punkt angekommen, wo die Kombination mit einer DVD wieder interessant wird; eben gerade, weil viele davon behaupten, Wundermittel zu sein, und wĂ€hrend einige Übungen manchmal wirklich helfen, gibt es andere, wo ich dann gut seine unabhĂ€ngige Meinung einholen kann: "Stimmt das wirklich oder mache ich damit vielleicht doch eher was falsch?"

"Falsch" bedeutet fĂŒr mich in dem Fall ĂŒbrigens immer nur "stimmbandschĂ€digend" oder auf andere Weise gefĂ€hrlich, gilt nicht etwa fĂŒr Dinge, die nur Geschmackssache sind. Solange man weiß, dass man seine Stimme nicht in Gefahr bringt, kann man schließlich auch ungehindert frei herumprobieren, und das ist ja gerade das, was z. B. sing-it immer wieder vorschlĂ€gt (zumal die Kontrollinstanz bei mir eben auch gegeben ist).

Ich bin z. B. im Januar dann tatsĂ€chlich auch mal dazu gekommen, dieses Lied hier mit ihm zu ĂŒben (ich hab's ja schon ein paar Mal verlinkt):
https://www.youtube.com/watch?v=uVEIfSHW6yw

Weil ich eben Probleme mit dem g' hatte und deshalb dachte, ich mache bestimmt irgendwas falsch. Bei ihm im Unterricht habe ich auch definitiv nicht alle g's getroffen, trotzdem meinte er, technisch hĂ€tte ich das StĂŒck drauf (und dabei war ich an dem Tag nicht mal gut in Form, bin einen Tag darauf fĂŒr mehr als einen Monat im Krankenhaus gelandet). Stattdessen wollte er dann lieber an der Performance etc. feilen. Also habe ich das dann mit ihm geĂŒbt, ich merke aber leider immer noch nicht so richtig, was mir das gebracht haben soll. Ich finde "Arbeiten an der Performance" zwar grundsĂ€tzlich gut, weil dieser Teil sicherlich oft vernachlĂ€ssigt wird; aber fĂŒr mich kommen die SouverĂ€nitĂ€t und das selbstbewusstere Auftreten bei einem Song von alleine, wenn ich weiß, dass ich ihn technisch beherrsche und mir ĂŒber die Töne selbst keine Gedanken mehr zu machen brauche. Das GefĂŒhl hatte ich aber eben bei oben genanntem StĂŒck noch nicht, auch, wenn er meinte, ich hĂ€tte es technisch auf dem Kasten.

Letzteres hat mich dann aber natĂŒrlich erstmal dazu angehalten, in der Form weiter zu singen, einfach in der Hoffnung, dass es durch Übung irgendwann besser wird. Stimmprobleme gab's damit auch nicht, aber es klang eben oft angestrengt und nicht immer unbedingt schön. ;) Da mein GL ja aber keine weiteren technischen RatschlĂ€ge zu dem StĂŒck parat hatte, habe ich ĂŒberlegt: "Gibt's da nicht vielleicht doch noch einen Kniff, der es ein bisschen leichter macht?"

Umgekehrt wĂ€re es wahrscheinlich gĂŒnstiger.

Es geht mir ja nicht um ein "umgekehrt" (beim GL nur gesangliche Praxis, Theorie nur durch Selbststudium), sondern um ein "sowohl als auch". Ich sagte ja bereits, ich sehe nicht, warum das eine und das andere sich gegenseitig ausschließen mĂŒssen.

Wenn ich mir die Musiktheorie komplett im Alleingang angeeignet hĂ€tte, wĂ€re mir da mit Sicherheit genauso leicht ein Fehler unterlaufen, als wenn ich komplett im Alleingang am Gesang arbeiten wĂŒrde. Wenn sich dieser Fehler dann fortgesetzt hĂ€tte und ich deshalb im Zweifel sĂ€mtliche theoretischen AufnahmeprĂŒfungen in den Sand setzen wĂŒrde (die kosten immer ca. 30 € pro Teilnahme), wĂ€re das im Zweifel gar nicht mal gĂŒnstiger. :rolleyes:


PS: Ich sehe gerade, dass die Eingangsfrage womöglich auch zu einem MissverstĂ€ndnis gefĂŒhrt hat, aber aktiv "auf der Suche" nach einem weiteren Lehrsystem bin ich erstmal nicht. Ich frage halt nur ĂŒber das nach, worĂŒber ich im Forum gestolpert bin, und das war jetzt in dem Fall KTVA (auch wenn ich mich aufgrund der Rezension von Qualmsteen eigentlich schon weitgehend davon abgewandt habe), und CVT, weil broeschies das ja nun öfters als hilfreich zitiert und er ja auch von der Robert Lunte-Technik kommt. ;)
 
  • #78
Hallo Strato Incendus

ich glaube viele hier stossen sich auch einfach daran, wie du die Begriffe verwendest. Wenn du sagst, dass du "in den Gesangsunterricht gehst, um Musiktheorie zu lernen" dann beisst sich das schon in sich.

Gesangsunterricht ist definiert als "Stimmbildung + interpretatorische Arbeit an den StĂŒcken"
also das erlernen der Technik (=Stimmbildung) und die musikalische Gestaltung der StĂŒcke die man erarbeitet. Musiktheorie gehört nicht dazu (obwohl natĂŒrlich am Rande auch mal die eine oder andere Frage dazu besprochen werden kann).
Viele Gesangslehrer werden in diesem Bereich (obwohl sie es mal gelernt haben) auch nicht mehr so super sattelfest sein. Sie sind SĂ€nger und PĂ€dagogen fĂŒrs Singenlernen, Musiktheorie aber gehört sicher nicht mehr zu ihrem tĂ€glichen Brot!

Bei uns am Konservatorium z.B. gibt es einen Musiktheoriekurs fĂŒr Laienmusiker der von einem Pianisten und Komponisten gehalten wird. Ein Lehrer also, der von seiner Ausbildung und seiner tĂ€glichen TĂ€tigkeit her perfekt geeignet ist um dies zu unterrichten!

Und da dein Lehrer (auch) Pianist ist, kennt er sich sicher gut in Musiktheorie aus. HÀttest du also geschrieben "ich gehe zu einem Pianisten in den Theorieunterricht und, da der auch (klassischer) GL ist, machen wir auch noch etwas Stimmbildung, ansonsten lerne ich Contemporary autodidaktisch" hÀtten man sich hier vermutlich viel weniger gewundert :)

Ich persönlich wĂŒrde es zwar auch umgekehrt machen: Singenlernen bei einem lebendigen Menschen und die Theorie aus BĂŒchern, aber da muss natĂŒrlich jeder fĂŒr sich selber entscheiden, wie es einem am besten passt und wie man am schnellsten vorwĂ€rts kommt.
 
  • Ersteller
  • #79
Zugegeben, die AbkĂŒrzung GL ist in dem Zusammenhang verwirrend. Ich verwende sie halt, weil ich ursprĂŒnglich durchaus des Gesangs wegen zu ihm gegangen bin und das auch eigentlich das ist, was er hauptsĂ€chlich macht (zumindest mit seinen anderen SchĂŒlern, habe ich so den Eindruck), aber es hat sich im Moment halt dazu entwickelt, dass er eher ein Theorielehrer geworden ist, eben weil er das halt auch kann (er unterrichtet auch zeitweise an Hochschulen). Sollte ich dann vielleicht doch lieber mit "TL" abkĂŒrzen? ^^

Naja, das wird ja zum GlĂŒck nicht auf ewig so bleiben. Sobald die ganzen EignungsprĂŒfungen durch sind - ob ich sie dann bestanden habe oder nicht - kann man sich sicherlich auch nochmal intensiver dem Gesang selbst widmen. Und dann eben gucken, ob der Unterricht noch zu meinen eigenen Vorstellungen passt oder eben nicht. Wenn ich an einer der Hochschulen angenommen werde und es mich im Zweifel ganz woanders hin verschlĂ€gt, muss ich mich da sowieso neu umgucken. Aber dann hat man ja auch von der Hochschule aus Unterricht im entsprechenden Gesangsfach.
 
  • #80
Was auch immer du machst, verfestige dich nicht zu sehr auf die Begriffe Modalstimme und Randstimme. Das ist im Wesentlichen nur ein Klangbild ohne wirklichen technischen Unterschied. Es ist nicht so, dass man sich entscheidet: "Das singe ich in Randstimme" und das lieber in Modalstimme. Man entscheidet sich vielmehr fĂŒr eine LautstĂ€rke (Atemdruck) und eine gewĂŒnschte Klangfarbe. Bei richtiger Technik ergibt sich daraus dann automatisch die Modal- oder Randstimme, je nach Tonhöhe.

Genau genommen ist es auch physiologisch noch nicht ganz klar, wann genau ĂŒberhaupt in die Modal- oder Randstimme gewechselt wird, denn bisher sind diese Begriffe ja nur ĂŒber das EGG definiert (also die LĂ€nge der Schließ-/Öffnungsphasen) und haben nahezu keinerlei direkt praktische Relevanz.

TatsĂ€chlich wird inzwischen in mehreren Veröffentlichungen angenommen, dass die "echte" Modalstimme (also eine Schwingung, bei der die Stimmlippen "im Ganzen" schwingen) im Contemporary-Gesang so ziemlich bei a' und im klassischen Gesang etwa bei c'' schlicht und einfach zu Ende ist, und zwar unabhĂ€ngig vom Stimmfach. Es wird nĂ€mlich angenommen, dass der Schwingungsmodus im Wesentlichen durch die DruckverhĂ€ltnisse oberhalb und unterhalb der Stimmlippen zustande kommt. Dabei wird der Druck oberhalb der Stimmlippen durch Twang reguliert (Verengung des oberen Ansatzrohres = höherer Druck oberhalb) und unterhalb durch AktivitĂ€t der TA-Muskulatur und den Atemdruck (das, was auch "Kompression" genannt wird). Klassische SĂ€nger können nach dieser Theorie etwas höher in der Modalstimme singen, weil sie den Kehlkopf stĂ€rker absenken, was eine entsprechende Balance mit "mehr Druck von unten" ermöglicht. Contemporary-SĂ€nger (auch Tenöre!) hingegen wechseln i.d.R. spĂ€testens zwischen g' und ais' in die Randstimme. Durch Aktivierung der TA-Muskulatur (siehe die Übung in dem Video) können auf dieser Höhe trotzdem noch die Schlussphasen verlĂ€ngert werden. Dadurch ist die Schwingung aber nicht mehr wirklich frei und es gibt auch z.B. kein natĂŒrliches Vibrato mehr. Es bleibt dann aber trotzdem Randstimme, denn der Vocalis-Muskel ist zwar aktiv, schwingt aber nicht mehr mit.

Dadurch, dass sich klassische SĂ€nger aber sozusagen eine lĂ€ngere Modalstimme "erkaufen", verlieren sie die Möglichkeit kraftvoll in der Randstimme zu singen. Denn das Absenken des Kehlkopfes zieht den 1. Formanten so weit runter, dass Klassiker frĂŒhzeitig in den Resonanzmodus "Falsett" wechseln. Bei Contemporary-SĂ€ngern ist es anders. Dort wird der 1. Formant in der Regel erhöht (das macht der stĂ€rkere "Bite" bei glechzeitig weniger "GĂ€hnen"). Das fĂŒhrt dazu, dass ein Contemporary-SĂ€nger frĂŒher in die Randstimme wechseln muss, dafĂŒr aber wesentlich höher "kraftvoll" singen kann (belten), denn der Grundton lĂ€uft erst spĂ€ter in den 1. Formanten hinein.

FĂŒr das Stimmfach entscheidend ist aber weiterhin und vor Allem die Form des Vokaltraktes. Denn diese bestimmt das Klangbild und die Wahrnehmung der Vollstimme als solche (im Sinne von "vollem Klang"). Die derzeitige physiologische Definition von Randstimme und Modalstimme ĂŒber das EGG ist fĂŒr die Gesangspraxis nahezu ungeeignet, deshalb halten sich auch immer noch die meisten Programme/Lehrer an die traditionellen Begriffe: Bruststimme/Kopfstimme/Falsett, die sich inzwischen auch physiologisch immer besser abgrenzen lassen oder benutzen gleich ein System, dass sich im Wesentlichen auf die Formung des Ansatzrohres bezieht (so wie CVT).
 
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