[Review] James Neligan NA72MJCBB

von Zottelviech, 14.10.08.

  1. Zottelviech

    Zottelviech Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 14.10.08   #1
    Schönen Abend zusammen!
    Ich möchte euch meine James Neligan NA72 vorstellen. Die Gitarre habe ich in der Bucht für etwa 130 Taler erworben, bei einem Listenpreis von 459,90€ auf den ersten Blick ein ziemliches Schnäppchen. Ob sich diese Hoffnung bewahrheitet hat sei Inhalt dieses Reviews, vorweg einmal die Specs direkt aus der eBay-Beschreibung:

    Elektro-Akustische mini-Jumbo Gitarre mit massiver A-Klasse Fichtendecke
    Boden & Zargen: Palisander
    Hals: Mahagoni
    Griffbrett: Palisander
    Steg: Palisander
    Boden, Decke u. Halseinfassung: Ahorn
    Kopfplatte: Palissander
    Sattel: Bein
    Schalloch: Palisander + Abalone Einlage
    Bodeneinlage: Ahorn
    Mechaniken: Gekapselt, vernickelt m. weißen Perlmuttknöpfen
    Tonabnehmersystem(aktiv): B-Band A3TX EQ mit Volumenregler + B/M/T/ P (±12dB) + Batterietester
    Ausgänge: 1 x 6,3 mm Buchse + 1 x XLR
    Farbe: Natur
    Lackierung: Hochglanz

    Der Preis der Gitarre ergibt sich daraus, dass es sich um B-Ware handelt, die den ein oder anderen Schönheitsfehler mit sich bringt. Diese für den normalen Handel ungeeignete Ware wird vom Wolffstore bei eBay an den Mann/die Frau gebracht. Der Store gibt an auf Verarbeitungsfehler, die den Klang oder die Bespielbarkeit beeinflussen, explizit hinzuweisen. Ich habe mir also eine Gitte mit lediglich optischen Mängeln bestellt. Dass es eine Mini Jumbo und keine Dreadnought geworden ist war eine spontane Entscheidung, mir sagt das Aussehen einfach mehr zu. Ich weiß nicht mehr genau wie lange es gedauert hat bis die Gitarre bei mir eintraf, aber es ging relativ zügig, vielleicht drei oder vier Tage.

    Optik + Verarbeitung
    Frisch aus dem Karton muss ich sagen: schick, schick! Die Kombination aus dem dunklen und hellen Holz sieht wirklich sehr schön aus, die Perlmuttknöpfe und der Abalonering ums Schalloch passen sehr gut zum Gesamtbild. Wären die Inlays etwas ausgefallener und der Sattel nicht aus Plastik ("Bein":confused:) gäbe es von mir gleich mal die Höchstnote, aber für die Inlays gibt es ja noch die zwei erweiterten Modelle 74 und 76.
    Die Mängel der Neligan sind nun folgende:

    - Im ersten Bund ist seltsamerweise hauchdünn Lack aufgetragen. Fällt nur auf wenn man ungünstig im Licht steht und stört nicht beim Spielen.
    - Auf dem Griffbrett finden sich diverse Schrammen. Sieht bei genauerer Betrachtung zwar etwas unschön aus, beeinträchtigt aber wie zuvor nicht das Spielgefühl und ist aus zwei Metern Entfernung sowieso nicht mehr wahrnehmbar.
    - Direkt hinterm Sattel ist ein Lackplatzer auf der Kopfplatte. Dieser ist mir ehrlicherweise erst vorhin aufgefallen :D. Auch kaum zu sehen.
    - Es sind Leimspuren am Hals-Korpus-Übergang auf der Rückseite und ganz minimal an der Decke. Wenn man spielt sieht mans nicht, also störts mich nicht.

    Und das wars auch schon! Die restliche Verarbeitung ist wirklich gut. Die Intonation stimmt genau, die Mechaniken tun ihren Job präzise und die Elektronik funktioniert. Das integrierte Stimmgerät läuft auch super, ich habe gelesen dass es bei einem anderen Forenmitglied nur anspringt wenn ein Klinkenkabel eingesteckt ist, das ist bei mir nicht notwendig. Was mir wie gesagt noch missfällt ist der Plastiksattel und außerdem, dass der Saitenreiter an der Bridge auch aus Plastik ist. Ich werde bei Gelegenheit einen Knochensattel nachrüsten lassen und die Bridge evtl. auch aufbessern lassen. Ansonsten - top!

    Ach ja: die Bilder bei eBay lassen vielleicht vermuten dass die Decke gewölbt ist, das ist nicht der Fall.

    Handling + Klang
    Im ersten Moment war ich vom Spielgefühl der NA72 etwas enttäuscht: irgendwie flutschte es nicht richtig, die linke Hand wollte nicht so recht mit dem Instrument warm werden und musste ziemlich arbeiten. Als ich dann einen Kapodaster verwendete war das Problem wie weggeweht, und da wurde mir klar dass der Sattel noch etwas tiefer hätte gekerbt werden können, die Saitenlage war einen Tick zu hoch. Mit Kapo spielt sich die Gitarre allerdings sehr schön und flüssig, und da ich eh einen anderen Sattel einbauen lassen will macht mir dieses Manko auch nicht viel aus. Ich bin zwar auf dem weiten Feld der Akustikgitarre längst nicht so bewandert wie mit den elektrischen Krachmachern, mein Eindruck ist aber dass sich sowohl Strumming - als auch Pickingspiel sehr schön umsetzen lassen. Zu Fingerstyle kann ich leider nichts sagen, das übersteigt mein spielerisches Können. ;)

    Der Klang hat mich allerdings von Anfang an überzeugt und gefällt mir noch immer sehr. Es ist weniger ein weiches als eher ein direktes, unverblümtes Klangbild, und wer unsauber greift bekommt gleich eins auf den Deckel. Höhen - und Mittenbetont, Bass ist eben da weils ihn gibt, aber wirklich zu Wort meldet er sich seltener. Akkorde lösen sich schön auf, es klingt modern und irgendwie hart, jedoch nicht unangenehm oder kalt. Allerdings muss ich auch sagen dass ich bisher lediglich auf den mitgelieferten Werkssaiten spiele, wer weiß welche Frequenzen sich mit hochwertigen Saiten (und neuem Sattel) finden lassen.

    Verstärkt ist mein Eindruck noch etwas unsicher weil ich keinen richtigen Akustikverstärker besitze und somit nicht hundertprozentig sagen kann was eigentlich aus den Boxen kommen soll. "Brauchbar" ist aber ein recht passendes Wort ;) vielleicht schreibe ich dazu später mehr wenn ich das gute Stück mal in den nächsten Laden mitgenommen habe. Der EQ funktioniert jedenfalls wunderbar, alle fünf Regler (Treble, Middle, Bass, Presence, Volume) beeinflussen den Sound hörbar und haben nicht blos Alibifunktion.

    Fazit
    Was soll ich sagen, ich bin glücklich :) für 130 Tacken so ein grundsolides Instrument zu bekommen hätte ich nicht erwartet, und mit ein paar durchaus verkraftbaren Investitionen ist sogar noch Luft nach oben. Das Teil sieht schnieke aus, klingt amtlich, kann viel und ist wirklich gut verarbeitet. Die kleinen Mängel stehen nüchtern betrachtet in keinem Verhältnis zu dem riesigen Preisnachlass und ich bin wirklich zufrieden ein neues Mitglied in meiner Sechssaiterfamilie zu haben. :great:
     

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  2. delayLLama

    delayLLama Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 15.10.08   #2
    Erst mal einen herzlichen Dank für den Bericht! :great:

    UND natürlich viel Spass mit deiner Neuerwerbung!!

    Vom Preis her kann man überhaupt nichts sagen, der geht für das gebotene in Ordnung - heisst, eine Gitarre mit gutem Abnehmersystem und massiver Decke zu diesem Preis zu erhalten, ist natürlich sehr günstig.
    Keine Frage!

    Die Knöpfe der Mechaniken sind aus Kunststoff, das ist kein Perlmutt - aber das ist die wohl klar, korrekter wäre es, hier von Perloid zu sprechen aber das ist nur eine unwesentliche Kleinigkeit.
    Zumindest habe ich genau gelesen und versuche das auch wiederzugeben.
    Nützt ja nichts, immer nur gelobhudelt zu werden... ;)

    Ob das nun eine A-Klasse Decke ist, kann man aus der Ferne nicht beurteilen, jedoch ist mal mit solchen werbewirksamen Aussagen natürlich schnell - ist aber auch nichts schlimmes.

    Die Fotos sind leider nicht ganz so toll, Einzelheiten lassen sich schwer, oder gar nicht erkennen.
    Dennoch erkennt man fast auf jedem Bild, die eine oder andere Schludrigkeit, sei es am Schalloch, am Ende des Griffbretts am Schalloch, Hals - Korpusübergang und das binding dort, der Lack an der Einfassung des bindings am Griffbrett und natürlich das Griffbrett selbst...
    Auch der Sattel sieht aus, als ob er überstände?

    Da darf man dann eigentlich nicht mehr von einer wirklich guten Verarbeitung sprechen! Sie ist es nicht, allemal akzeptabel!
    Sicherlich bei dem Preis zu verschmerzen und viele Mängel auch mit geringem Aufwand zu beheben, oder zu verbesern.
    Ich denke 1-2 Stunden Arbeit investiert, dann sieht die Sache noch mal anders aus.

    Tip: Mit 0000 Stahlwolle kann man das Griffbrett polieren da bekommt man auch den Lack dort weg und anschliessen ölen, das Griffbrett würde sich freuen.

    Hört sich vll. kleinlich an, aber ich denke, du verstehst es schon richtig.

    Du kannst noch viel optimieren, hast das ja bereits selber so gesagt.
    Dann wird sie nochmals viel besser. :great:
     
  3. stevie004

    stevie004 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 27.10.08   #3
    Hey Zottelviech!

    Erstmal Respekt für das Review, ist sehr ausführlich geworden :great:

    Könntest du uns/mich vielleicht über die "Umbauarbeiten" auf dem laufenden halten, wäre ganz interessant was du noch alles rauskitzeln kannst!:D

    LG
     
  4. Zottelviech

    Zottelviech Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 02.11.08   #4
    Jau, das kann ich machen, allerdings wird das noch ne ganze Weile dauern weil ich im Moment nicht flüssig bin :D aber spätestens nach Weihnachten sollte das machbar sein^^
     
  5. Vielsaitiger

    Vielsaitiger Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.02.09   #5
    Antwort zu Zottelviech; 3318481 Ich möchte euch meine James Neligan NA72 vorstellen. Die Gitarre habe ich in der Bucht für etwa 130 Taler erworben, bei einem Listenpreis von 459,90€ auf den ersten Blick ein ziemliches Schnäppchen. Ob sich diese Hoffnung bewahrheitet hat sei Inhalt dieses Reviews.

    Meine Erfahrung:
    In aller Kürze: Unter dem James Neligan Logo verbergen sich hinter einem recht guten Materialaufwand und im Wesentlichen sauberer Verarbeitung leider die alten Staggschwächen. Die zu schwache Deckenverleistung produziert trotz guter Decke vor allem bei der D- und A Seite holzige "Wolfstöne". Ohne Modifikationen (Dämpfer innen unter der Decke an entsprechenden Stellen der Eigenresonanzen) ist die Gitarre sehr percussiv und eher für Ragtime und Swingjazz, da sie zu wenig Sustain besitzt um stützend (einer Jumbo entsprechend) den Akkkord zu halten. Also für Folk und Singer-Songwriter wenig geeignet.
    Ist der Sattel besser gekerbt, der Halsstab optimal eingestellt, kann man sie für entsprechende Musikstile gebrauchen. Leider fiel bei meinem Stimmgerät im B-Band sofort die grüne Lampe für die richtige Stimmung aus. Doof.

    Im sehr deutlichen Sonderangebot ein bestimmt passabler Kauf für informierte Bastler. Regulär wegen der beschrieben engen Einsatzmöglichkeit trotz sehr gutem B-Bandsystem nicht empfehlenswert.
     
  6. mähs

    mähs Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 10.02.09   #6
    Hallo Zottelviech, ich denke nicht, dass der Sattel aus Plastik ist. Denn "Bein" ist Knochen. Ansonsten sehr schönes Review! Danke
    MfG Mähs
     
  7. Tobi-85

    Tobi-85 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.02.09   #7
    Mhrm mich wundert diese schlechte Verarbeitung wirklich sehr.
    Ist das B Ware ?

    Meine NA60 wieß lediglich eine zu Hohe Saitenlage auf. Und das war sehr schnell behoben.
     
  8. Zottelviech

    Zottelviech Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 12.02.09   #8
    jop, ist B-Ware. habe ich aber auch alles geschrieben ;)
     
  9. Tobi-85

    Tobi-85 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 12.02.09   #9
    Sorry, das habe ich dann wirklich schlicht und ergreifen überlesen.
    Diese Gitarren sind nämlich im "normalen" Zustand für Ihr Geld sehr gut verarbeitet.

    Mein Lehrer ist von meiner James Neligan NA60 hell auf begeistert :)
     
  10. in2itionalex

    in2itionalex Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 03.10.09   #10
    danke für die Infos!
    Ich schau auch zur Zeit nach ner günstigen Akustik.. Hab auch den Wolfstore in ebay gefunden.. allerdings komme ich nach den Einträgen hier eher wieder von diesen Gitarren weg.. Vorallem weil ich Sänger/Songwritermucke damit machen will und sie einen vollen satten Klang haben muss..
    Aber klar-alles auch immer vom Preis und den finanz. Möglichkeiten abhängig..
    Ich hab gehört das Fender ganz gute preiswerte hat (CD 140 Modelle).

    Weiss da jemand was drüber?

    grüsse!

    alex.
     
  11. Akquarius

    Akquarius Mod Emeritus Ex-Moderator HFU

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    Erstellt: 03.10.09   #11
    Fender hat ganz preiswerte Modelle. Dafür mach aber bitte nen separaten Thread auf, da das mit dem Threadtitel nun wirklich nichts zu tun hat.
     
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