Review: Marshall AVT-150H

von wogawi, 09.04.06.

  1. wogawi

    wogawi Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    04.04.05
    Zuletzt hier:
    7.01.10
    Beiträge:
    1.668
    Zustimmungen:
    3
    Kekse:
    624
    Erstellt: 09.04.06   #1
    Review: Marshall AVT150H

    In letzter Zeit wurde hier viel über die Marshall AVT-Serie diskutiert mit sehr unterschiedlichen Meinungen zu diesem Amp.
    Nachdem ich diesen Amp schon seit knapp drei Jahren daheim/bzw. im Proberraum stehen habe und auch mal ein Review schreiben wollte, hab ich mich jetzt entschlossen die Ferien sinnvoll zu nutzen ;-)

    Also, seid nicht so streng mit mir ;-) schließlich ist es mein erstes Review hier…


    Erstmal ein paar allgemeine Facts:
    Ich spiele das AVT150H Topteil mit den beiden passenden AVT 4x12 Boxen als Fullstack … die Testgitarren waren eine Fender Jaguar und eine Fender 57’ Stratocaster – was ich damit sagen will: SingleCoils halt ;-)

    Der Kaufpreis lag damals bei 695€ für das Top und 465€ für eine Box.

    Noch vorweg: Der AVT-150H ist ein Hybridverstärker, d.h. er hat eine Röhre im Preamp aber eine Transistorendstufe. Deshalb sind die 150W auch nicht so laut wie ein 150W Röhrenamp.
    Nur am Rande erwähnt seien die Kopfhörerbuchse auf der Rückseite, die nur eine geringe Lautstärke an den Kopfhörer ausgibt (aber wer spielt schon ein Topteil über nen Kopfhörer…) und die „Emulated D.I. Out“ Buchse. Man kann hier mit einem Klinkenkabel direkt ins Mischpult oder Aufnahmegerät oder was auch immer gehen. Wenn man allerdings ein Mikro zur Verfügung hat, würde ich diese Variante deutlich bevorzugen …

    Fangen wir an dieses Gerät etwas genauer unter die Lupe zu nehmen:

    Aufbau:

    Beim AVT150H handelt es sich um einen 4-kanaligen Amp (Acousticsimulator, Clean, Overdrive 1, Overdrive 2). Die Klangregelung und die Effektsektion sind zweigeteilt, so dass sich jeweils die beiden Clean- und die beiden OD-Kanäle die Einstellungen teilen müssen.
    Allgemein sind die Bedienungselemente sehr übersichtlich angeordnet, sodass man sich schnell gut damit zurecht finden kann.
    Alle 4 Kanäle sind über den mitgelieferten (sehr stabilen) 6-fach Fußschalter anzuwählen, genauso kann man per Fuß die Effekte für Clean oder OD anwählen.

    1. Der Akustiksimulator:
    …um meine Meinung gleich von Anfang an klarzustellen: Eine nette Spielerei, aber nur wegen diesem Feature würde ich den Amp sicher nicht kaufen!!

    Schaltet man den Amp ein, dann befindet man sich automatisch im Acoustic-Channel. Dieser hat 2 Potis: Top und Volume … Top bestimmt wie sehr die Gitarre nach Piezo-Tonabnehmer klingt. Von (fast) E-Gitarrentypischen Sounds bis hin zu wirklich extremen Piezo-Höhen ist alles drin. Drückt man die „Body“-Taste, dann wird ein vergrößertes Korpusvolumen, wie bei einer Jumbo-Gitarre simuliert. Es klingt dann allgemein kräftiger, druckvoller, runder, voluminöser, …ach ihr wisst schon was ich mein ;-)
    Volume regelt die Lautstärke (wer hätte es gedacht?!). Doch hier liegt das Problem am Akustikkanal!! Dreht man die Lautstärke hier voll auf, dann ist der Akustiksound immer noch wesentlich leiser als die anderen Kanäle…was im Marshallkatalog also als nützliches Feature angekündigt wird, dass es einem ermöglicht die Westerngitarre während einem Song in die E-Gitarre zu tauschen ohne dabei die Klampfen zu wechseln ist also ein Flop. Denn entweder man fängt leise mit dem Akustiksimulator zu spielen an, möchte dann in den Cleankanal oder gar OD wechseln und man hat einen Lautstärkeunterschied, dass jeder Tontechniker hysterisch den Fader nach unten ziehen würde…oder wenn man aus einem harten OD-Part in einen sanften Akustik-Bridgeteil wechseln möchte, dann verschwindet plötzlich die Gitarre, denn mehr Lautstärkereserven kann man hier nur bekommen, wenn man den Master aufdreht…

    GANZ KLARER MINUSPUNKT!!! Fazit hier: für mich ist dieser Kanal also überflüssig; ich verwende ihn NIE!


    2. Cleankanal:

    regelbar mit Gain und Volume, zusätzlich lässt sich mit dem „Bright“-Knopf noch ein höhenreicheres Klangbild erzeugen, was imho vor allem bei knapp über Zimmerlautstärke den Sound gewaltig verbessert…
    Hier spielt der AVT seine klangliche Vielfältigkeit total aus: Von jazzigen oder absolut glasklaren Cleansounds bis hin zum leicht bluesigen Crunch ist hier alles möglich. Mit SingleCoils fängt der Kanal bei Gain auf ca. 15 Uhr zu zerren an, mit Humbuckern natürlich schon ein bisschen früher.


    3. Overdrive 1:

    …fängt da an wo der Cleankanal aufhört ;-) von leichten, crunchigen Sachen bis hin zur Standard-Rockzerre bietet er eine breite Palette. Durch die Scoop-Schaltung werden die Mitten auf Knopfdruck abgesenkt und es entstehen die typischen „New Metal“-Sounds…da ich allerdings nicht so sehr der Metal-Mensch bin, kann ich jetzt schlecht beurteilen, ob das gut klingt oder nicht…aber man kann es auf jeden Fall anhören ohne, dass einem das Kotzen kommt ;-)


    4. Overdrive 2:

    …bietet unheimliche Gainreserven. Allerdings sollte man das Gain hier nicht unbedingt weiter als 14-15 Uhr aufdrehen, denn sonst klingt es etwas, naja, nennen wir es mal „undefiniert“. Auch hier dieselben Regelmöglichkeiten wie bei OD1, also auch mit Scoop-Schaltung, wo es dann natürlich richtig böse klingt ;-)

    Hier muss ich hinzufügen (da es in einem anderen Thread öfters zu Streitereien kam), dass dieser Kanal wohl eher weniger für Metal geeignet ist…für solche Leute gibt es auch andere Amps, die dann besser zu ihnen passen…nur soviel dazu…


    5. Die EQ-Sektion:

    Wie bereits erwähnt gibt es hier eine Unterteilung in Clean und Overdrive … jeweils mit Bass, Middle, Treble.
    Für meinen Geschmack reagieren die Potis schön, auch auf kleinere Veränderungen…und gerade das macht den AVT auch so flexibel. Man muss ein bisschen rumtüfteln, um einen schönen Sound zu bekommen. Hat man die richtige Einstellung dann mal gefunden, dann harmoniert diese auch meistens recht gut mit dem anderen Kanal, mit dem der EQ geteilt wird.


    6. Die Master-Sektion:

    tja, da gibt’s nicht viel zu sagen…Mastervolumen halt und noch ein Presence-Regler.
    Ich sags mal so: Der Master war bei mir noch nie weiter wie 15 Uhr auf…sonst fegt es einen von der Bühne ;-) und der Drummer kann bloß noch nach Gefühl spielen, weil er sich nicht mehr hört ;-) ok ok, vielleicht etwas übertrieben, aber glaubt mir…die 150W reichen schon locker für alle Anwendungen aus und man hat immer noch genügend Headroom.


    7. Die Effekt-Sektion:

    Auch hier wieder eine Zweiteilung in Clean und OD-Kanäle. Fangen wir an mit dem parallelen FX-Loop:
    Ganz typisch, auf der Rückseite mit Send/Return und einem Level-Knopf…auf der Vorderseite wählt man dann mit dem FX-Loop „Mix“-Poti aus, wie viel von den Loopeffekten zum Originalsignal hinzugemischt werden soll.
    Hier gab es für mich auch ein Problem, nur weiß ich nicht ob es an meinem Small Clone Chorus liegt oder am FX-Loop. Bekanntlich hat der Small Clone ja keinen eigenen Level-Regler – Schleift man ihn nun in den FX-Loop, dann wird das Signal sobald der Effekt aktiviert ist wesentlich leiser und ohne Level-Regler kann man das natürlich nicht ausgleichen…Fazit: Ich hab den Chorus weiterhin vor dem Amp…
    Hat von euch vielleicht jmd. eine Idee an was das liegen könnte??

    Naja, schauen wir uns lieber mal die internen Digitaleffekte an…
    Man kann hier für die beiden Clean und die beiden OD-Kanäle aus jeweils 16 Effekten auswählen:
    - 3 verschiedene „Halls“
    - 3 verschiedene „Rooms“
    - 3 verschiedene „Plates“
    - Gated Reverb
    - Chorus
    - Flanger
    - Delay
    - Chorus/Room
    - Chorus/Delay/Room
    - Modulation

    Alle Effekte klingen gut…sind allerdings nicht sonderlich flexibel. Soll heißen, der Chorus kann z.B. nie extrem klingen sondern immer nur diesen „angenehmen“ füllenden Sound produzieren; letztendlich verwende ich nur die Reverbeffekte und gelegentlich sehr kurze Delays… die Auswahl funktioniert folgendermaßen: es gibt einen Regler, der von den Ziffern 1-16 umgeben ist, nebendran steht die genaue Liste welche Nummer welchem Effekt zugeordnet ist. Über den „Adjust“ Regler bestimmt man die Parameter des Effekts (z.B. Geschwindigkeit, etc.) und über den „DFX-Mix“-Regler legt man dann fest wie viel dem Originalsignal beigemischt werden soll …


    FAZIT:

    Pro:
    - Preis
    - Flexibilität (durch 4 Kanäle und effektive Klangregelung)
    - Kein Röhrenverschleiß, klingt aber trotzdem röhrenähnlich dank Hybridtechnologie
    - Übersichtliche Anordnung der Bedienelemente
    Contra:
    - Lautstärkeunterschied beim Acoustic-Channel
    - OD2 matscht ab 15 Uhr
    - Langes tüfteln für die „optimale“ Einstellung
    - Eher unflexible Effektsektion


    Summing up all these views:
    Der AVT ist ein schöner, imho gutklingender Amp, der ordentlich Dampf machen kann. Allerdings sollte man sich zuvor gut überlegen, ob man den ganzen Schnickschnack mit dem Acoustic-Simulator und den Effekten braucht. Und wenn man sich den Wiederverkaufswert ansieht, dann sollte man wenn man einen Röhrenamp will lieber gleich ein bisschen länger sparen, denn mehr als die Hälfte bekommt man nur selten für dieses Topteil auf dem Gebrauchtmarkt.
    Bei Zimmerlautstärke klingt er zwar nicht übel, aber so richtig entfaltet er sich erst ab einem Mastervolumen von 14 Uhr. Dann klingt er schon ein bisschen nach Röhre und fängt auch an ein bisschen zu komprimieren…das klingt dann schon recht geil ;-)

    Ich hab ihn mir damals gekauft, weil finanziell für einen Schüler leider nicht mehr drin war und es aber unbedingt ein Marshall sein sollte … ich bin zwar immer noch zufrieden mit dem Teil, aber es hätte sicher eine bessere Alternative gegeben…wenn diese tollen Akustikklänge und Effekte die Marshall im Prospekt lobt nun in der neuen Version verbessert wurden und wirklich so funktionieren, wie sie funktionieren sollten, dann würde ich den Amp zu diesem Preis sofort wieder kaufen … falls nicht, dann würde ich eher zum Vorgängermodell aus der Valvestate-Serie tendieren (VS100 oder wie das Top heißt…) oder sparen, z.B. auf einen 6100 oder einen TSL.



    Puh, das ganze hat sich jetzt doch ordentlich in die Länge gezogen! Ich hoffe es hat euch was gebracht, vor allem denen, die den Nachfolger auf Schwachpunkte testen wollen…
    Gibt es da vielleicht schon jmd. der was zum AVT150HX sagen kann?

    Falls es von eurer Seite noch irgendwelche Fragen gibt oder irgendwelche Anliegen, auf welche Punkte ich näher eingehen soll, dann sagt das doch einfach! ;-)

    Im Laufe der nächsten Tage werde ich hier auch noch einige Soundsamples hochladen, damit ihr einen Überblick über die klanglichen Möglichkeiten bekommt…vielleicht kann mir noch mal jmd. kurz erklären, wie ich das am besten hochladen kann ;-)

    Greetz
    wogawi
     
  2. kingjoerg

    kingjoerg Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    30.11.04
    Zuletzt hier:
    19.10.10
    Beiträge:
    736
    Ort:
    Hannover
    Zustimmungen:
    2
    Kekse:
    166
    Erstellt: 10.04.06   #2
    Tolles Review! Ich finde das sind mal ehrliche Worte! Daumen hoch!
     
  3. wogawi

    wogawi Threadersteller Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    04.04.05
    Zuletzt hier:
    7.01.10
    Beiträge:
    1.668
    Zustimmungen:
    3
    Kekse:
    624
    Erstellt: 10.04.06   #3
    hehe, danke :D
     
  4. Volrath

    Volrath Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    13.07.04
    Zuletzt hier:
    4.02.15
    Beiträge:
    844
    Ort:
    Herten
    Zustimmungen:
    6
    Kekse:
    247
    Erstellt: 10.04.06   #4
    ich schließe mich an sehr schönes review. auch wenn ich das mit der lautstärke des acoustic kanals nicht ganz bestätigen kann. ein bekannter mit dem ich oft spiele hat den amp (als halfstack) und er hat keine probleme damit....habe den amp schon ziemlich oft gespielt vom ihm, da er ne zeit lang bei uns im proberaum stand.
     
  5. wogawi

    wogawi Threadersteller Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    04.04.05
    Zuletzt hier:
    7.01.10
    Beiträge:
    1.668
    Zustimmungen:
    3
    Kekse:
    624
    Erstellt: 10.04.06   #5
    hm...seltsam, das problem haben nämlich viele andere avt-user anscheinend auch...
     
  6. Volrath

    Volrath Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    13.07.04
    Zuletzt hier:
    4.02.15
    Beiträge:
    844
    Ort:
    Herten
    Zustimmungen:
    6
    Kekse:
    247
    Erstellt: 10.04.06   #6
    vielleicht ist es ja nen fehler bei der produktion der nicht bei jedem amp auftritt....kein plan....ist aber auf jeden fall sehr ärgerlich wenn einem der AC kanaö gefällt, aber man kann ihn wegen des krassen lautstärke unterschiedes nicht benutzen.
     
  7. San-Jo

    San-Jo Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    07.03.04
    Zuletzt hier:
    30.10.16
    Beiträge:
    1.783
    Ort:
    Neu-Ulm
    Zustimmungen:
    5
    Kekse:
    366
    Erstellt: 10.04.06   #7
    das problem mit dem accoustic sound ist bei allen gleich. habe schon mehrere topteile gespielt :great: .
    das geheimnis ist halt den accoustic laut genug und die verzerrten kanäle leiser zu machen.
    der ist ja in jedem kanal per volume verstellbar...und tadaa...es funzt.
    geiles review!!! :great: :great: :great: :great:
     
  8. M?ki

    M?ki Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    11.12.05
    Zuletzt hier:
    10.05.12
    Beiträge:
    270
    Ort:
    Schruns
    Zustimmungen:
    0
    Kekse:
    299
    Erstellt: 11.04.06   #8
    ja das mit dem accustic kanal stimmt..einfach die anderen Kanäle mit der Lautstärke an den Accustic kanal anpassen.... ja warte schon gespannt auf soundpeispiele von dir! Bitte poste dann auch mal deine Einstellungen dazu!
    Lg.
     
  9. wogawi

    wogawi Threadersteller Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    04.04.05
    Zuletzt hier:
    7.01.10
    Beiträge:
    1.668
    Zustimmungen:
    3
    Kekse:
    624
    Erstellt: 20.04.06   #9
    oh mann...big problem...jetzt hab ich mich voll verkünstelt und aufnahmen gemacht...und jetzt krieg ich sie irgendwie nicht aufn PC rüber, weil mein Recorder n bissle rumspinnt...naja, ich hab schon ne vermutung an was es liegen könnte...ich bemühe mich aber weiterhin und werd die samples bald nachliefern :)
     
Die Seite wird geladen...

mapping