Review Waves SSL 4000

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So, hier mal ein kleiner Review über die SSL 4000 Serie der Firma Waves. Das ganze wird stellenweise emotional, ich bitte das zu entschuldigen, aber immerhin brauchte es keine Kraftausdrücke. ;)

Kauf:

Recht einfach, man blättert 580 Euro (20 Prozent reduziert – noch bis morgen – dann sind es wieder reguläre 749 Euro) hin und erhält eine graue Schachtel. Aus dem netten Handbuch nimmt man dann den Code, den braucht man nämlich für die:

REGISTRIERUNG:

Und jetzt kommts. Zunächst braucht man ja einen Ilok der Firma PACE auf dem die Lizenzen gespeichert sind / bzw. werden/ bzw. eigentlich sollten. Den hatte ich schon wegen meinen Sony Oxford Plugins, ansonsten kommen nochmal 44 Euro dazu. Dann legt man sich einen Account auf www.waves.com an, gibt die Registrierungsnummer des Produktes an und muss anschließend den sogenannten Authorizer auf dem Rechner laufen lassen, der den Ilok erkennt und sozusagen der Firma mitteilt, auf welchem Ilok das Programm läuft. Anschließend synchronisiert man den Ilok via www.ilok.com und schon ist das Programm authorisert.

Dummerweise benötigt man zusätzlich noch den sogenannten Waves Enabler. Dieser wurde mir zum Verhängnis. Das Programm stellt sozusagen einen zweiten Kopierschutz dar und nur damit laufen Waves Plugins auf dem Rechner. Dieses Programm braucht zwingend einen zweiten Authorizer, der bei mir aber anstatt den registrierten Code auszusspucken, nur Fehlermeldungen produzierte. Ich habe mich dann an den Support gewendet und gebeten mir den fertigen Code zu schicken, denn ich kann Logic nicht mehr öffnen, da der Enabler alles lahm legt, solange keine Autorisierung vorhanden ist.

Für meinen bisherigen Text würde Bastian Sick mich mich mit einem Duden erschlagen, aber ich komme leider nicht um englische Audrücke herum, da die Firma Waves weder über eine deutsche Niederlassung verfügt, noch über eine (vollständige) übersetzung der Homepage Menüs.

Tag 1:

Ich versuche nun den Authorizer für den Enabler zu finden. (Klingt komisch, ist aber so). Ich finde insgesamt 6, die sich gemeinhin durch Zahlen unterscheiden. Alle liefern mir nur Fehlermeldungen, mein Ilok hätte keine Lizenzen, die zu autorisieren sind bzw. mein Ilok fehlt. Nachmittags kommt es zum ersten Kontakt mit dem Kundenservice, nachdem eine Suche im Waves Forum Ergebnislos verlief. Das Forum quillt sozusagen über – und alle Nutzer haben die gleichen Probleme wie ich. Die Mods reagieren gelassen und bitten um Anruf bzw. bieten einen Rückruf an.
Ich wollte mit diesen Männern sprechen^^ Erst mailte ich diese an, zurück kam eine Mail, die mir ein paar Lösungsvorschläge gab, von denen aber keiner zum gewünschten Ergebnis führte. Ich schrieb mit Thomas, der in Knoxville, Tennessee saß. Der Support war extrem nett und auch bemüht, aber es lief halt nicht.
Wir einigten uns also auf ein Telefongespräch. Erst musste ich allerdings noch ein paar Umbauarbeiten am Haus leiten und so endete der Tag ohne SSL Konsole.

Tag 2:

Als ich um 10 Uhr MESZ eine Email an Waves mit einer Rückrufbitte schickte, klingelte um 10.05 Uhr das Telefon und Roman war am Apparat. Ich hielt ihn zunächst für einen Amerikaner mit spanischer Abstammung, da er genau den lustigen Akzent hatte, den man in den Staaten bei Taco Bell erwartet. Ich wunderte mich über die Arbeitszeit von Roman. In Tennessee war es zu dem Zeitpunkt immerhin 5 Uhr morgens. Roman stellte mit mir zusammen fest, das die Downloadlinks auf der Waves Seite teilweise fehlerhaft waren. Um 11 Uhr bekam ich dann einfach den FTP Zugang zum Waves Server und lud mit sämtliche Authorizer herunter. Den Zugang musste ich wieder löschen, hatte es Roman schließlich versprochen. Ich habe jetzt sage und schreibe 36 Authorizer Bündel der gesamten Firmengeschichte. Wir stellten zusammen fest, das beim bündeln der sogenannten Bundles was ordentlich schief gegangen war und in den neusten Bundles fehlerhafte Authorizer waren.

Dann stand ich 3 Stunden auf der A2 Richtung Bielefeld.

Danach schickte mir Roman ein paar aktualisierte Bundles und rief mich wieder an. Er setzte meinen gesamten Account zurück und nach 5 weiteren Anläufen bekam ich um 17 Uhr mein Waves Plugin Packet zum laufen. In Tennessee war es 10 Uhr morgens. Vielleicht hatte Roman zwischenzeitlich gefrühstückt, dachte ich mir.
Ich: „Wo bist du jetzt eigentlich genau in den Staaten und wie kommt es, dass du um 5 Uhr morgens auf der Arbeit bist?“ Roman: „Ich sitze in Tel Aviv, hier scheint die Sonne.“ Die Firma Waves entwickelt in Israel, das fiel mir dann auch wieder ein. Warum ich am Tag vorher mit Thomas in den USA gesprochen hab? Keine Ahnung. Ich musste an Ephraim Kishon denken, er hätte die Story geliebt.

Ich hatte Roman echt ins Herz geschlossen, selbst mit meinen Freunden im Ausland hatte ich selten länger als eine Stunde telefoniert. Wie umständlich und absurd der Registrierungsvorgang auch sein mag: Der Waves Kundenservice ist absolute Oberklasse. Zwischenzeitlich arbeitete Roman an meinem Account, während ich mit einem seiner Kollegen versuchte den Fehler zu finden. Ich hatte eigentlich noch nie große Probleme bei Soft- und Hardware, aber falls das noch mal sein muss, dann hoffentlich wieder mit einem Waves Produkt! Ich finde man kann es einerseits als bescheiden werten, so einen Registriervorgang vom Benutzer zu verlangen, aber immerhin wird man nicht alleine gelassen.

Die Plugins:

Das Bündel besteht aus drei verschiedenen Plugins.

  1. SSL G-Master Bus Compressor: Dieser Kompressor mit drei verschiedenen Ratio Werten eignet sich zum einen als extrem gut klingender Kompressor für Dynamikeinschränkungen bei allen möglichen Instrumenten, aber auch als „Kicker“ auf der Drum Subgruppe. Ich habe sonst meistens den Sonnox Limiter auf der Subgruppe von Snare, Bassdrum und Toms laufen, aber hiermit kann man erstaunlicherweise einen angenehmeren „fetten“ Sound kreieren und es ein bißchen nett pumpen lassen. Ich benutze es momentan einfach als Summenkompressor bei elektronischer Musik. Das Plugin empfiehlt sich auch zum Mastern, aber da bevorzuge ich irgendwie doch analoge Klangbearbeitung durch Profis und lasse das woanders mastern. Den Klang der kompletten Suite würde ich als sehr analog und angenehm diskret bezeichnen. Ich versuche später ein paar Soundsamples zu machen und online zu stellen.

  2. SSL G-Equalizer: Feines Teil! Zunächst fragt man sich, warum man neben dem Channel Strip auch noch einen EQ braucht, aber der Vorteil wird deutlich, wenn man sich die Frequenzbänder anschaut. Zunächst kann man Frequenzen tiefer (20db statt 15 beim Channesstrip) absenken und es gibt die praktischen Knöpfe „/3“ und „x3“ mit denen man die EQ Bänder bzw. deren Frequenzen multipliziert und dividiert werden. Steht der HMF EQ also bei 3000 HZ, kann man ihn mit betätigen von „x3“ auf 9000 HZ umschalten. So bekommt man mehr Flexibilität und kann stärker und genauer in den Frequenzverlauf eingreifen. Super hilfreich ist auch der sogenannte Trim Knopf, mit den man den Ausgangspegel des lautesten Signals automatisch auf -0,1 db einstellen kann. Den Knopf findet man auch am Channelstrip und er ist durchaus praktisch. Wenn man den normalen Logic Channel EQ mit dem Waves EQ vergleicht, fällt auf, dass der G-Equalizer deutlich natürlicher klingt und auch wenn man einfach mal die Höhen stark boostet es nie digital verzerrt klingt.

  3. E-Series Channel Strip: Uns jetzt das Herzstück der Sammlung. Der Channel Strip soll einen kompletten SSL Channel nachbilden. Mangels wirklichem Vergleichswert fällt das Urteil eher subjektiv aus, aber diverse Quellen beschreiben eine starke Klangähnlichkeit zu den SSL Pulten. Ich kann nur sagen, dass ich selten einen so guten EQ gehört habe. Bearbeitet man Gesangsstimmen damit, fällt das besonders auf. Das Gate arbeitet zuverlässig, auch wenn das Plugin keine Look Ahead Funktion hat. Es ist irgendwie schon etwas komisch, aber der Channel Strip läuft bei mir auf fast jeder Spur. Er greift die Systemleistung kaum an und ich kann selbst auf meinem Macbook locker 25-30 Instanzen aufrufen. Meiner Meinung nach gewinnt jedes Audiosignal an Schärfe und irgendwie wird der Mix transparenter und „größer“.

Soweit so gut – die SSL Plugins von Waves bleiben bei mir, es sind die besten Software EQs, die ich bisher zu hören bekommen hab und die Performance ist für ein natives Produkt einwandfrei. Urteil: Empfehlenswert, wenn der Registrierungsprozess abgeschlossen ist!:D
 
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Danke für diesen Bericht!

Ich habe meine Schlüsse daraus gezogen.


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paulsn
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1. ich hab mich schief gelacht :) sorry. nicht aus schadenfreude sondern wegen den vielen "wie recht du doch hast"-momenten.

2. ****** dass ich keine email über das angebot bekommen habe, trotz registriertem newsletter :( ich will auch sowas haben.

3. soweit ich mich erinnern kann klingen die plugins im driekten vergleich zu einem echten pult doch erstaunlich ähnlich (is aber schon ein bisserl her, als ich an der SAE das letzte mal ne G-serie unter den fingern hatte ^^), aber vor allem der EQ reagiert viel softer oder "neve-iger" als das original. was aber glaube ich absicht war, da ich viele leute kenne, denen die G-serie EQs einfach zu aggressiv rein fahren. da drehst das poti ausm 0-raster und zack is schon fast zu viel... kommt der mode aber natürlich sehr entgegen.
 
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gincool
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das waves produkte umständlich zu registrieren sind liest man ja wirklich überall.
auf der anderen seite sollen die ja echt super klingen :)

naja bis ich die kohle für plugins in der preisliga zusammen hab dauerts eh noch :p
 
Düsseltier
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2. ****** dass ich keine email über das angebot bekommen habe, trotz registriertem newsletter ich will auch sowas haben.

Im Moment sind wieder super September Savings mit 20 Prozent Rabatt. Schau mal nach die Mail kam gestern abend. Muss allerdings gestehen, dass das Review einen Monat alt ist und ich nur noch fertig stellen musste:)
 
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wie wärs mit ein paar samples ;) evtl mal direktvergleich logic eq gegen channel eq mit selben settings ? (evtl auch ein paar extrem settings)
 
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Versprochen! Mach ich, aber das wird erst nächste Woche sein, ich sitz gerade im Zivi Seminar in Bocholt:D
 

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