Bin kein Techniker, aber ich hab natürlich schon Transen gehört, die lauter waren als Röhrenamps und umgekehrt. Mit den Watt hat das alles nur bedingt zu tun.
Nimm mal n Engl Fireball 60, und teste den gegen einen Vox AC15. Der Engl hat erstmal n "heftig" Effekt, wird dann aber nicht laut. Oder vergleiche n Peavey Valveking 100 mit nem AC30. Beim AC30 bluten Dir schnell die Ohren, auf den Effekt wartest beim Valveking.
Bei welchem Sound vergleicht man denn die Amps? Clean? Angezerrt? High Gain (entfällt beim Vox ...)?
Vor allem ist doch die Frage,
was man damit macht, soll heißen: Was für einen Sound spiele ich und in welchem Kontext muss er (laut) funktionieren?
Pure Lautstärke allein ist sicher kein Qualitätskriterium. Sonst wäre es ja einfach: Jeden Vergleichsamp auf Max aufreißen und dann messen ...
Entscheidend ist die Frage: Kann ein Amp den Sound, der mir gefällt in dem Kontext, in dem ich mich befinde, liefern?
Und da ist Studio-Umgebung oder Wohnzimmer etwas anderes als der Proberaum mit einem lauten Drummer, der unverstärkt einen gewissen Pegel vorgibt. Soll/muss denn mein Gitarrensound unter diesen Umständen noch clean sein? Oder soll/muss er zerren?
Manche Amps klingen bis zu einer gewissen Lautstärke und einem bestimmten Kontext super, knicken dann aber ein, wenn z.B. laute Mutmusiker dazu kommen. Andere Amps brauchen von vorne herein eine gewisse "Last" um überhaupt zu klingen und scheiden damit z.B. als Übungsmps aus.
Da muss man halt für sich herausfinden, was unter welchen Bedingungen funktioniert. Den einen Amp, der unter allen Bedingungen gleich (gut) klingt, kann es nicht geben.
Röhrenmps haben aber meiner Erfahrung nach gegenüber Transen den Vorzug, dass sie eben auch nahe der maximalen Leistung noch, bzw. überhaupt erst gut klingen, während Transen meist deutlich früher "kippen". Und deswegen "weiß" der Gitarrist, dass man Röhrenamps weiter aufreißen kann.
Für mich war als Metal-Gitarrist immer wichtig, dass ein Amp im Bandkontext stabil den von mir gewünschten Sound liefert. Und da habe ich für mich halt in über 20 Jahren, in denen ich immer wieder mal getestet und verglichen habe, festgestellt, dass das kein Transistor-Amp kann. Umgekehrt habe ich noch keinen Röhrenamp gefunden, der mir auf bedroom level so einen zufrieden stellenden Sound liefert, wie der kleine Yamaha THR 10 X ...
Letztlich: Die Diskussion hier krankt (seit jeher, wie auch die analogen Themen "1x12 vs. 4x12", "Modeller vs. Röhre" etc.) an der Praxisorientierung, der Erläuterung des Versuchsaufbaus: Was soll die Kiste denn können? Was für Soundtypen (clean, angezerrt, verzerrt) nutze ich? Bei welcher Lautstärke, in welchem Kontext?
Oder noch anders: Ein Peavey Bandit 1x12 kann furchtbar laut, keine Frage. Nur hat das, was dann da (im Bandkontext) so laut heraus kommt, für meinen Geschmack nichts mehr mit dem durchaus brauchbaren Sound zu tun, den er bei gemäßigten Lautstärken produziert. Aber das ist auch wieder Sache des persönlichen Empfindens. Jemand anderem liefert ein "aus dem letzten Loch" pfeifender Bandit (oder beliebige andere Amp) vielleicht genau den Sound, den er geil findet?