Röhrenverstärker "am Lichtschalter" anschalten - Unterschied für den Amp

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Ergänzend zu:
Wenn der Netzschalter im Amp nur dumpf den Primärstromkreis vor dem Netztrafo (230 V Wechselstrom) schließt und trennt - was bei dieser Geräteart eigentlich immer der Fall ist -, ist es elektrotechnisch völlig unerheblich, ob dies im Gerät oder davor geschieht, z.B. vor der Steckdose. Auch irgendwelche Einschaltstrombegrenzer oder -schutzschaltungen im Amp merken nur, wenn Strom eingeschaltet wird, aber nicht, wo dieser eingeschaltet wurde.

PS: Das Ein- und Ausschalten durch Stecker-stecken und -ziehen sollte dagegen tunlichst unterlassen werden. Denn unter Last können in der Steckdose Funken, Lichtbögen und Kontaktabbrand entstehen.
sowie
Ein Amp ist etwas anderes als eine Stehlampe. Ohne Kenntnis des betroffenen Amps und der tatsächlichen Hauselektrik rate ich ("gelernter" Diplom-Physiker) vom Starten des Amps mit eigenem Power-Schalter in Ein-Position über einen "Lichtschalter" an der Steckdose ab. Da sind u.a. die Gedanken von @Fischi relevant, und auch die Vorsichtserwägungen in den anderen Beiträgen.

Ein Amp hat nicht aus Jux und Dollerei einen eigenen Einschalter und ggf. noch eine gesonderte Stand-By Schaltung. Da haben sich die Entwickler Gedanken gemacht, wie sie den Einschaltvorgang optimal und "materialschonend" gestalten. Wenn das keinen Unterschied machen würde, hätten sie einfach in die Bedienungsanleitung geschrieben: "Zum Einschalten den Netzstecker in die Steckdose stecken" (oder sinngemäß so ähnlich).

Meiner Meinung nach kann hier niemand garantieren, dass die tatsächlich vorhandenen Gegebenheiten sicher auch nicht mittel- oder langfristig zu Schäden führen, wenn man immer über den Schalter der Netzdose ein- und ausschaltet. Lediglich ein Fachmann vor Ort könnte die Umstände und Belastungen für den konkret betroffenen Amp tatsächlich ermitteln und eine begründete Abschätzung geben.

Nun ...
Macht es für den Röhrenverstärker einen Unterschied, ob ich den immer auf "ON" lasse und quasi nur über den Wippschalter AN und AUS schalte? Im Standby ist er trotzdem beim An-/Ausschalten, also losbrüllen würde er nicht direkt.
... nehmen wir einmal an, der Wippschalter in der Steckdose sei für einen Elektriker einwandfrei installiert. Dann ist das Ausschalten dort ... wie das Ziehen des Netzsteckers am Amp. Falls der keine eigene Spannungsversorgung durch Batterie oder Akku an Board hat (und davon ist schon aus praktischer Sicht nicht auszugehen), ist er dann auch weg, der Standby-Betrieb.

Und das Einschalten sollte man wirklich nicht hart machen, wie soundmunich zutreffend beschreibt.
 
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Was ist denn das Problem beim "harten Einschalten" (was auch immer das ist)?

Und inwiefern Unterscheidet sich der Ein/Aus Schalter des Amps von einem Lichtschalter?
 
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Im Amp kann für den Netzschalter eine entsprechende Schutzschaltung für Spitzen und Überspannungen bei Betätigung des Schalters wirksam sein und bei schlagartigem Versorgen mit Spannung/Strom von extern eben unwirksam sein. Außerdem können andere Spitzen und Überspannungen bei externem Schalten auftreten als mit dem eigenen Schalter des Amps.

Mir geht es einfach darum, dass keiner von uns die tatsächlichen Gegebenheiten (nicht einmal Mark, Typ und Alter des Amps) kennt und sicher auch niemand eine Garantie für Unbedenklichkeitsaussagen übernimmt, aber @ShelbyMustangGT der Dumme ist, wenn doch etwas - was wir eben weder kennen noch abschätzen können - kaputt geht. Es kann so einiges sein, aber niemand hier weiß das tatsächlich, aber viele behaupten einfach, dass es kein Risiko für Schäden gibt. Da schrillen einfach alle meine anwaltlichen Alarmglocken!!!
 
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Grundsätzlich kann man den Amp über einen externen Schalter einschalten.

Wenn mehrere Geräte am Stromkreis hängen und alle einen höheren Einschaltstrom haben, kann die Sicherun leichter fliegen. Ringkerntrafos können bei ungünstiger Einschaltphase einen sehr hohen Strom ziehen, bis sich die Verhältnisse am Trafo eingeschwungen haben. Geräte mit Schaltnetzeil haben einen Gleichrichter und großen Elko direkt am Eingang -> zieht auch einen hohen Einschaltstrom.
Viele Geräte mit hohem Einschaltstrom -> batsch - Sicherung raus. (und da muss das noch nicht mal in der Nähe der Nennlast der Sicherung sein).

Ich habe im Musik/Arbeitszimmer die Geräte auf mehrere Kreise verteilt und schalte die nacheinander ein -> kein Problem
 
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Danke für die allgemeinen Erklärungen von möglichen Schaltungen.

ist auch unbestimmt und - nochmal -, wir wissen nicht, was @ShelbyMustangGT für "Geräte" hat und wie die tatsächliche Elektrik insgesamt bei ihm aussieht. Niemand von uns kann über "Ferndiagnose" mit Sicherheit sagen, was bei ihm passieren wird. Dafür sollte jeder Beitragende hier mit seinen "Ratschlägen" die Verantwortung übernehmen!

Ihm hilft es nichts, wie es "normalerweise" ist!
 
Was ist denn das Problem beim "harten Einschalten" (was auch immer das ist)?
Phänomenologisch:
Ein Röhrenamp hat Röhren. Die haben Heizdrähte im "Vakuum". Im Moment des Einschaltens sind die kalt und bautechnisch nicht von einer Glühbirne zu unterscheiden. Glühbirnen brennen gerne beim Einschalten durch, selten im heißen Betriebszustand.

Daneben gibt es Transporteffekte, denn Elektronen werden stark beschleunigt (100 V == 100 eV Energie; zum Vergleich: sichtbares Licht liegt bei nur ca. 2 eV). U.a. schlagen solche schnellen Elektronen zB Metallionen aus den Drähten. D.h. im Inneren arbeitet die Physik wie bei der Metallisierung, so dass sich nach und nach leitende Ablagerungen aller Art überall in der Röhre bilden. Das wird zB durch geringe Gasbeigaben im Röhrenvakuum aufgefangen, oder durch geschickte Gestaltung der elektrischen Feldverläufe in der Röhre.

Beim harten Einschalten (Rechteckpuls: von 0 V auf 220 V in seeehr kurzer Zeit) bilden sich:
  • Stromspitzen = noch MEHR ballernde Elektronen
  • Spannungsspitzen = noch energetischere Elektronen
  • in Summe noch mehr freigesetzte Metallisierung
  • alles nicht gut für Lebensdauer und gleichbleibende Kennlinien (was man dann irgendwann auch hört)

Und inwiefern Unterscheidet sich der Ein/Aus Schalter des Amps von einem Lichtschalter?
Da gibt es viele Möglichkeiten, wie etwa:
  • Spannungen sehr langsam erhöhen
  • Aufwärmphase der Röhren abwarten
  • uva.
 
Und damit das harte Einschalten den Amp nicht zerstört ist in dem Amp-Kippschalter was genau verbaut?
 
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Und damit das harte Einschalten den Amp nicht zerstört ist in dem Amp-Kippschalter was genau verbaut?
Deiner Beschreibung nach hast Du eine Standby-Stufe. Die macht das, was ich beschrieb.
  • Standby läuft immer (wie beim Fernseher)
  • Amp-Kippschalter An -> beschriebenes sanftes hochfahren
  • Amp-Kippschalter Aus -> je nach Bauweise mit oder ohne sanftem Herunterfahren

Wenn Dein Amp keinen Standby Betrieb hat, ist da auch kein Unterschied.

Ich glaube, jetzt hast Du allen notwendigen Hintergrund zum Mitdenken :cool: :coffee:
 
Der Standby Schalter schaltet nicht die Röhren... und selbst wenn, wäre das Problem nur verlagert...
 
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Macht es für den Röhrenverstärker einen Unterschied, ob ich den immer auf "ON" lasse und quasi nur über den Wippschalter AN und AUS schalte? Im Standby...

So mache ich das seit Jahren mit meinem Bassman '59 LTD. Warum? Weil ich im Signalweg meinen Prussian Blue Reverb drin habe. Der liegt im Amp und wird mit einem separate Netzteil versorgt.
Amp und Netzteil gehen via Dreifach-Verteiler auf eine schaltbare Steckdose (Prinzipbild):

image.jpg


Sowas gibt es auf jeden Baumarkt. Allerdings sollte man unbedingt darauf achten, dass der Schalter doppelt schaltet, also "Phase" und "Null".

Mit diesem Schalter schalte ich Amp und Pedal(Netzteil) zusammen ein. Um nicht überall zu schalten, sind die Schalter des Amps (also auch Standby) immer an.
Beim Ausschalten gibt es ein hörbares "Plopp" in den Speakern, weil das Pedal nun mal im Gegensatz zum Röhrenamp (sprichwörtlich) "mit einem Ruck" abschaltet.

Wie geschrieben, so verfahre ich bereits schon lange. OK, bei meinem Bassman mit Röhrengleichrichter ist es allerdings so, dass hier kein Halbleitergleichrichter sofort arbeitet, während die Röhren eine Zeitlang brauchen, bis sie beginnen, Strom zu ziehen. Der Bassman fährt eher schonend hoch.
 
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Der Standby schaltet in der Regel im Sekundärstromkreis die Hochspannung der Röhren ein und aus, den muss man trotzdem bestimmungsgemäß verwenden. Ob der Power On im Amp oder extern (über die geschaltete Steckdose) eingeschaltet wird, ist wurscht, das sind dann einfach nur zwei Schalter in Reihe. Hat auch keinen Einfluss auf die Sicherung, entweder es fließt zu viel Strom, dann löst sie aus oder nicht.


cheers.
 
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Beim harten Einschalten (Rechteckpuls: von 0 V auf 220 V in seeehr kurzer Zeit) bilden sich:
  • Stromspitzen = noch MEHR ballernde Elektronen
  • Spannungsspitzen = noch energetischere Elektronen
  • in Summe noch mehr freigesetzte Metallisierung
  • alles nicht gut für Lebensdauer und gleichbleibende Kennlinien (was man dann irgendwann auch hört)
Diese Effekte treten bei indirekt geheizten Verstärkerrohren nicht auf, da sich deren Emission langsam von null auf die vorgesehene erhöht. Üblicherweise innerhalb von 30 s.

Die Ablagerungen haben nichts mit Elektronen zu tun, sondern mit Ionen sowie generell Kathodenmaterial, das mit der Zeit von dort abdampft (aber das weißt du sicher schon, bei deinem zweifelsohne sehr selbstsicheren Beitrag hier).

Über den Begriff "Rechteckpuls" bei einer sinusförmigen Netzspannung mit 230 V Effektivwert und einer Scheitelspannung von ca. 320 V braucht man sich gar nicht weiter auszulassen, denn das zu beschreiben versuchte Phänomen (?) ist ebenfalls irrelevant.

Praktisch gibt es hier ein paar Dinge:

- Aus Verstärkersicht kann es zu knacken kommen, wenn man einfach ausschaltet. Falls vorhanden, Standby-Schalter beim Einschalten und Ausschalten benutzen.

-Verstärker nicht ewig auf Standby aus Bequemlichkeit vorheizen, Verschleiß und so (Google).

Aus Schaltersicht:

- Gebrauchskategorie ist wahrscheinlich nicht abgedeckt. Der Schalter kann bei den hohen Einschaltströmen verschweißen/abbrennen.

- Der Schalter ist üblicherweise für 10 A Lampenlast (siehe Gebrauchskategorie das ist KEIN TRAFO) dimensioniert und mit 16 A abgesichert, d.h. eine Überlastung ist sowohl beim Schalten als auch im Betrieb möglich, wobei das Schalten wohl das größere Problem ist.

Ich würde es nicht machen.
 
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Wie hoch sind denn die Einschaltströme bei einem Röhrenamp?
 
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Bei einem Amp mit 200W und Ringkerntrafo können die durchaus ausreichen, um einen 16A-Automaten auszulösen. Bei "ordnungsgemäßem" einschalten, also erstmal nur vorheizen und in einem Stromkreis, in dem sonst nichts anderes angeschlossen ist.
 
Bei einem Amp mit 200W und Ringkerntrafo können die durchaus ausreichen, um einen 16A-Automaten auszulösen. Bei "ordnungsgemäßem" einschalten, also erstmal nur vorheizen und in einem Stromkreis, in dem sonst nichts anderes angeschlossen ist.
Wenn das so ist, dann hat der Hersteller aber ordentlich Mist gebaut bzw. Geld gespart. Bei solchen Konstrukten sollte eine Einschaltstrombegrenzung eingebaut sein. Und diese würde sich nicht dafür interessieren, welcher Schalter jetzt eingeschaltet wird....
 
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Da hast Du sicherlich recht. Der Hersteller hat das dann auch irgendwann mal eingebaut. Mein Gerät ist aber ein ganz frühes, auch wenn es dem Vorbesitzer deutlich später als Neuware verkauft wurde. (Was angesichts des Geschäftsgebarens des Herstellers zur Zeit seines Niedergangs wohl niemand überrascht, der weiß, um wen es geht. Nicht Dynacord, obwohl da auch jeder Pfennig zweimal umgedreht wurde).

Davon man abgesehen: einen Dynacord Eminent oder gar Gigant würde ich keinesfalls am externen Schalter ein- und ausschalten. Bei den Geräten sind die Netz- und die Standby-Taster so gegeneinander verriegelt, dass man die Kisten sinnvollerweise eh in der "korrekten" Reihenfolge ein- und ausschaltet. Aber um sowas ging es vermutlich nicht.

Und bei irgendwelchen nicht allzu großen Röhrenverstärkern ohne Standby-Schalter ist es tatsächlich so gut wie immer egal, weil die Geräte dann meist eh nur primär geschaltet werden. Einen Blick in den Schaltplan sollte man sich aber schon mal gönnen, wenn man sowas vorhat.
 
Zuletzt bearbeitet:
Davon man abgesehen: einen Dynacord Eminent oder gar Gigant würde ich keinesfalls am externen Schalter ein- und ausschalten. Bei den Geräten sind die Netz- und die Standby-Taster so gegeneinander verriegelt, dass man die Kisten sinnvollerweise eh in der "korrekten" Reihenfolge ein- und ausschaltet. Aber um sowas ging es vermutlich nicht.
Auch hier wäre es aber kein Problem, nur den Netzschalter durch einen externen Schalter zu ersetzen...
 

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