Seymour Duncan SSJB-3 für Jazz Bass + Bartolini 9S | Vergleich

von Tieftonsüchtiger, 16.04.08.

Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
  1. Tieftonsüchtiger

    Tieftonsüchtiger Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    13.06.07
    Zuletzt hier:
    19.06.15
    Beiträge:
    1.154
    Ort:
    Neudorf
    Zustimmungen:
    22
    Kekse:
    2.863
    Erstellt: 16.04.08   #1
    Hallo,

    wie einige vielleicht schon mtbekommen haben, bin ich auf der Suche auf einen amtlichen Rocksound. habe mir darauf einen Preci angeschafft, der mir jetzt jedoch nur noch als Ersatzinstrument auf der Bühne dient, obwohl er gar nicht so mies klingt. Warum? Weil ich meinen Warwick Corvette Std. liebe bzw. das knorrig-knurrige Grundthema des Klangs sowie auch das Design, Spielgefühl. Und die Firma Warwick und ihre Produkte generell.

    Ich habe mich deswegen eher dazu entschieden, lieber meinen Corvette etwas aufzumotzen, habe mit dem Gedanken gespielt, eine Humbuckerfräsung an der Bridge vorzunehmen, hatte schon die Pickups in Reihe geschalten und pipapo, zufrieden war ich, trotz der Bartolini 9S Standard Tone eigentlich nie richtig.

    Mt den Bartolinis will ich die Seymours vergleichen, es bietet sich gerade so schön an und hilft eventuell dem ein oder anderen.

    Darauf habe ich mir die Seymour Duncan SSJB-3 "Quarter Pounds" für Jazz-Bass-Modelle zugelegt. Und ein Fehler war es nicht.

    Bekannt sind die "Quarter Pounds" als Splitcoil für den Precision Bass, wo sie - laut Hörensagen - einen unglaublich fetten Output liefern und einen modernen Bombensound liefern. Ähnlich ist es bei der Singlecoilversion auch.

    -Verpackung und Lieferumfang

    Die Pickups kommen jeweils in einer Art Blisterverpackung mit den zugehörigen Schrauben und Gummiringen, die anstatt das traditionelle Moosgummi zwischen Body und Pickup unterlegt werden können. Da die Warwick-Instrumente zwei Stahlfedern unter den PUs und Gewindeeinschlaghülsen für die Pickupschrauben versehen sind, brauche ich das nicht.
    Es befindet sich noch eine Kurzanleitung darin, darauf befindet sich die traditionelle Jazz-Bass-Verschaltung, selbsterklärend.

    Vergleich Bartolini:
    Die Bartolinis kommen auch mit Schrauben und Gummis und befinden sich in einem quaderförmigen Kasten aus Hartplastik. von außen sieht man nur das typisch orangenfarbene Bartolini-Deckblatt, mit Logo und einfacher Schrift darunter. Soll wohl einen Hauch von ehrlicher Werkstattarbeit ausstrahlen. dabei ist noch ein Schaltplan, Tips zur Pickuphöhe und Garantieerklärung. Fehlt alles bei den Seymours, die Bartolinis kosten aber auch 25% mehr.



    -Verarbeitung

    Was soll man da sagen...heutzutage kommt auch ein Pickup für einsfuffzich aus Hinterchina
    mit anständigem Kupferlackdraht und manchmal sogar eine Polyurethanharz-Vergießung daher, und natürlich auch mit anständiger Litze. Eine renommierte Firma wie Duncan macht da keine Ausnahme, und die Produzieren nicht in Asien.

    Die Seymours sind nicht vergossen, die Pickupkappe wird einfach lose auf den Spulenkörper aufgesteckt. das ist aber absolut kein Problem, wackeln tut trotzdem nichts und ist sicher nur eine Kosten-Aufwands-Frage.

    Etwas schade ist, dass der "heiße" Anschluss keine Abschirmung besitzt. Wie sich nach dem Einbau herausgestellt hat, ist das eigentlich auch nicht nötig.


    Vergleich Bartolini:
    Bartolinis sind vollvergossen, aus einem anderen Kunsstoff und haben einen hervorragend abgeschirmten "Heiß"-Leiter. Abschirmung und Masseleiter sind zusammengefasst auf ein Kabel. Durch drei Lötstellen kann man die Masse von der Abschirmung trennen, sodass seriell/parallelschaltungen absolut kein Problem darstellen betrefflich der Abschirmung.



    -Design

    Ins Auge stechen die acht fetten Magneten, die 1/4 Zoll groß sind - deswegen der Name "Quarter Pounds". Da die Magneten im Cover versenkt sind wirken die Magneten noch fetter als sie ohnehin sind.

    Die Magneten werden in der Produktion vermutlich aus einem langen Stab abgestochen und die Oberfläche auf einer Drehmaschine gedreht, man kann die Spuren des Drehvorgangs noch erkennen. Passt wunderbar dazu.

    außerdem befindet sich der aufgedruckte "Basslines" Schriftzug in der rechten unteren Ecke, welcher aber leider nicht besonders haltbar sein kann, denn das Pickupcover besteht aus dem bekannten glänzenden Standard-Hartplastik, bei dem Druckfarbe unmöglich richtig einzieht. Man kann das Logo wahrscheinlich mit dem Fingernagel abkratzen oder beim Pick-Spiel drübersemmeln. Ich habs nicht probiert und spiele im Regelfall nicht mit dem Plektrum.

    Vergleich Bartolini:
    die Bartos haben abgerundete Kanten, glänzen nicht und das Bartolini-Logo ist im Kunststoff mit eingegossen. Sieht auch sehr geschmackvoll aus.


    -Montageanforderungen

    Einfach, wie alle anderen PUs auch. Eine Affäre von 15 Minuten.

    -Klang

    Auf der Seymour Duncan Homepage steht "High output, great, full tone and big attack" oder sowas im Dreh rum.
    Das kann ich unterschreiben, die Höhen sind etwas gedeckt, dafür kommen die Mitten und Bässe voll zur Geltung.
    Der Output ist jetzt nicht so unglaublich hoch, dass man gleich den aktiven Eingang braucht. Aber man spürt schon, wo es lang geht.

    Der Bridge-Pickup klingt typischerweise etwas gedeckt und leicht hohl, Bässe nehmen leicht ab, aber sind nicht komplett weg. die Hochmitten kommen zur Geltung, mein Fall ist es nicht so wirklich.

    Der Hals-Pickup klingt sehr Precision-mäßig. ÄUßERST Precision-mäßig, das furzt und brüllt dass es eine wahre Pracht ist, satte Bässe und diese typischen offenen Höhen, die beim Slappen einen richtig geilen funky Sound geben. Außerdem erhöht sich, wenn man den Halspickup alleine benutzt, tatsächlich der Output ein wenig.

    Beide Pickups zusammen geben einen tiefmittig-bis mittigen Grundklang, der viele musikalische Bereiche abdeckt, aber wie schon angedeutet kommen die PUs eigentlich nur richtig zur Geltung, wenn man ordentlich reinlangt, sprich bei Rock-Metal, eventuell noch leicht gezerrt.
    Slappen ist nicht so ihre Sache, aber schrecklich klingts auch nicht. Nur eben nicht ganz so funky.
    Ich benutze meist die Stellung 25%Bridge und 75%Neck.

    Live an meinem GK Backline 600 machen sie einfach eine geile Figur. Das brüllt und grollt. Herrlich. Ich war wirklich zufrieden, da war wirklich ein saftiges Fundament da.
    Die Zähnezeigen-Charakteristik der PUs und der Warwick-Sound ergänzen sich einfach wunderprächtig. Ich will nich wissen, was die Dinger bspw. an einem noch hochwertigeren Bass anstellen, bspw. an einem Thumb NT. Urgewalten...:o


    Vergleich Bartolini:
    Die 9S liefern einen wesentlich klareren, sauberen und singenden fast schon "sprechenden" Ton, die Höhen sind stärker ausgeprägt und der Groundsound ist genau an der Grenze zwischen hochmittig und tiefmittig, also ziemlich neutral und eher sanft. Von knarzen und Grollen keine große Spur. Der Bridgepickup hat so gut wie kein Bassfundament, sondern fast nur Höhen und nach meinen Geschmack stark nervige Hochmitten, welche andere eventuell mehr brauchen. Ich nicht. Da hat der Quarter Pound mehr "grrrrrr" drin. :D Dafür eignet sich der sehr ausgewogene Halspickup zum Slappen und funky Basslinien wie kein anderer.


    -Resümee

    Die Seymours decken alle meine Soundwünsche weitgehend ab und schaffen eine hervorragende Basis für die weitere Soundkette, sprich Preamp und Effekte, um einen richtig rockigen, saftigen ballernden Sound zu kreiren.

    Mit 54€ pro Stück sind sie außerdem sehr erschwinglich.

    Ich weiß nicht ob die PUs noch besser wenn man eine Aktivelektronik dahinter schaltet, man könnte das ja mal ausprobieren, besitzen tu ich leider keine.

    Im Vergleich zu den Barts kann ich sagen, dass es da auf die Richtung ankommt. Jazzer und Soundgourmets werden sich die Quarters nicht antun wollen.

    Generell könnte man sagen, dass die Bartolinis "höherwertiger" sind, sie haben weniger Dreck, sind im 50-50-Betrieb viel ausgewogener, der Lieferumfang ist besser.

    Ich werde sie trotzdem behalten, vielleicht komm ich ja auf einen Jazz-Trip oder sowas und brauche sie wieder.


    Hier noch Soundfiles.

    Aufgenommen mit Line6 Toneport GX ohne Ampsimulation, ohne Effekte, nur das reine Signal.

    Da ich ein Fan von objektiven Vergleichen bin und nicht von Voodoo oder Obst-Gemüse-Vergleichen, habe ich alles so gelassen wie es ist (gleiche Saiten, gleiche Anschlagssstärke, gleiche Anschlagsstelle, gleiches Kabel usw), um das Ausgangsergebnis so wenig wie möglich zu verfälschen.

    Beide Soundfiles sind so aufgebaut:
    1. Neck -> Finger, Slap
    2. Beide Pickups -> Finger, Slap
    3. Bridge -> Finger, Slap

    http://media.putfile.com/Bartolini-9S-Panorama
    http://media.putfile.com/Seymour-Duncan-Basslines-Panorama

    Besonders die Bridge-Pickups haben überhaupt keine Ähnlichkeit, da hat meines Geschmackes nach der Seymour die Nase weit vorne.

    Nett wäre eventuell noch ein Soundfile von jemandem, der noch die MEC-PUs drin hat.

    Ich hoffe mein Review war aufschlussreich.
     
  2. AREA

    AREA Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    30.09.05
    Zuletzt hier:
    30.11.16
    Beiträge:
    633
    Ort:
    Zuhause
    Zustimmungen:
    24
    Kekse:
    4.378
    Erstellt: 19.04.08   #2
    Also mir gefallen die Bartolinis besser, aber ich steh seit jeher auf den klaren, warmen Klang der Bartos...Muss also nix heißen. :-)
     
  3. C???nd

    C???nd Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    27.10.05
    Zuletzt hier:
    1.02.10
    Beiträge:
    767
    Ort:
    Thalwil (Zürich)
    Zustimmungen:
    1
    Kekse:
    561
    Erstellt: 21.04.08   #3
    @tieftonsüchtiger
    super review! danke schön :great:

    ich hab die selber auch auf meinen Jazz Bass draufgehauen, bei interesse könnt ich da auch mal ein kleines review schreiben.
     
Die Seite wird geladen...

Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
mapping