Single Coil kaputt? Wie kann ich den reparieren?

von Loomis, 29.01.06.

  1. Loomis

    Loomis Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 29.01.06   #1
    An meiner Strat Kopie (Bildchen) gibt der Hals-PU keinen Ton von sich.

    Ich habe nun mal mit dem Messgerät die Schaltung der Gitarre durchgemessen und sowohl Bridge- als auch Middle-PU haben einen Widerstand von ca. 8kOhm. Nur der Neck-PU hat unendlich Widerstand. Am Kabel erkenne ich äußerlich keinen Schaden. Im Pickup selbst kann ich noch die Masseader abgreifen, also die Masseader ist von innen-Pickup bis Ende Kabel OK. Die heiße Ader kann ich innen nicht abgreifen, denn der PU ist komplett in Wachs.

    Was soll ich tun? Was kann ich testen, wie kann ich reparieren?

    Dann hätte ich noch eine Frage:
    Falls der Neck-PU jetzt nicht zu retten ist und ich mir eh schon überlegt habe, einen Humbucker im SC-Format an die Bridge zu setzen könnte ich doch den jetzigen SC-Bridge-PU an den Hals setzen, oder spricht was dagegen?
     
  2. Bierschinken

    Bierschinken Mod Emeritus Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 29.01.06   #2
    Wenn der Widerstand unendlich ist dann ist der PU "inne Fritten".
    Da kannste nix mehr machen.

    Wenn du den Bridge PU an den Hals setzt kann es passieren dass der zu Basslatig ist da Bridge PUs oft Basslastiger gewickelt werden und die auslenkung der Saiten und der Bassanteil am Hals deutlich höher ist. Da hilft nur ausprobieren.
     
  3. Loomis

    Loomis Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 29.01.06   #3
    Ich hatte halt gedacht (gehofft), dass es noch am Anschlußkabel irgendwo liegt.

    Wie kann der denn innen überhaupt kaputt gehen, wenn die Kappe immer drauf ist und das Wachs unbeschädigt?
     
  4. DerOnkel

    DerOnkel HCA Elektronik Saiteninstrumente HCA

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    Erstellt: 30.01.06   #4
    Bei den Strat-PUs werden in der Regel die beiden Enden der Wicklung in zwei kleinen Lötaugen angelötet Hier werden dann auch die Anschlußkabel kontaktiert. Meistens kann man die beiden haardünnen, kupferfarbenen Lackdrähte erkenne.

    Zwischen den beiden Lötaugen sollte man den Widerstand messen können. Wenn nicht, ist die Spule unterbrochen. :(

    Eine Unterbrechung in der Spule ist allerdings selten. Meistens ist der dünne Draht in der Umgebung eines Lötauges ab. Wenn beide Drährte noch zu sehen sind, kann man eventuell mit viel Vorsicht und Sorgfalt ein weiteres Stückchen Draht anlöten.

    Wenn der Draht unmittelbar am Wickelpaket gerissen ist, hat man häufig Pech gehabt! Wenn es sich um den äußeren Draht handelt, kann man den Klebestreifen vorsichtig entfernen und eine Wicklung Draht abwickeln. Dann ist er etwas länger und kann wieder angeschlossen werden.

    Handelt es sich um den inneren Anschluß... Tja :(

    Entweder man kauft ein neues PU oder man wickelt die Spule selber neu. Hat man eine wenig Zeit und Bastelwahn, kann das ein ganz interessantes Experiment sein. :D

    Dagegen spricht überhaupt nichts!

    Ulf
     
  5. Loomis

    Loomis Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 30.01.06   #5
    @DerOnkel:

    Vielen Dank für die Antwort!:)

    In dem Fall werde ich mal das Wachs etwas wegpfriemeln, so dass ich an die Lötpunkte rankomme.

    Ich werde dann berichten, ob ich was hinbekommen habe.

    Ich werde mir nun aber unabhängig davon einen Seymour Duncan JB jr. kaufen, von daher ist es nicht so schlimm, falls es mit dem Single Coil doch nicht mehr geht.

    Dann werde ich wie gesagt den jetzigen Steg-SC an die Neckposition bauen und den JB jr. an den Steg.
     
  6. Uli

    Uli Mod Emeritus Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 30.01.06   #6
    Mit dem Neuwickeln ist nicht ganz so easy, wie es sich schreibt:rolleyes:

    Wenn die gesamte Spule ca 8 kOhm hat (und man bedenkt, daß Kupfer ein sehr guter Leiter ist), hast du im worst case mehrere tausend Windungen vor dir.
    Wenn du keine professionelle Wickelmaschine hast (mit Zählwerk), gilt es zunächst, Windungszahl und Drahtquerschnitt festzustellen. Für ersteres mußt du mit Heimwerkermitteln halt nur Geduld haben, und dich nicht verzählen (am besten, pro 100 Wdg einen Strich aufs Papier etc). Den Querschnitt festzustellen ist schon was schwieriger. Da wir uns wohl im Bereich unterhalb von 0,2mm bewegen, benötigst du dazu eine Mikrometerschraube. Ein Stück des (nicht gezogenen!) Drahtes mit einer Gasflame kurz abflämmen, der Lack verbrennt in einer kurzen Flamme. Mit einem Tempo den Zunder ohne Druck abwischen. Mikrometerschraube ganz vorsichtig zudrehen. Beim ersten Widerstand anhalten und Durchmesser ablesen.
    Den Querschnitt nach der Formel 0,7854 * d2 berechnen, denn Kupferdrähte werden nach Querschnitt und nicht nach Durchmesser verkauft.
    Solltest du an diesem Punkt der Beschreibung immer noch nicht die Schnauze voll haben vom Selberwickeln, sage ich dir gerne, wie's weitergeht.
     
  7. DerOnkel

    DerOnkel HCA Elektronik Saiteninstrumente HCA

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    Erstellt: 30.01.06   #7
    Mein Vorschlag bezog sich auch nicht darauf ein Reverse engineering zu machen, mit dem Ziel ein PU mit den gleichen Eigenschaften zu erzeugen. ;)

    Im Normalfall wird für die Wicklung fast von allen Herstellern Lackdraht AWG42 verwendet. Dieser hat in der Tat einen Durchmesser von 0,06325mm! :eek:

    Für einen Single-Coil benötigt man zwischen 7000 und 8000 Windungen. Mit der Hand ist das tatsächlich eine Arbeit für jemanden, der "Vater und Mutter erschlagen hat"! Ein alter Plattenspieler oder ein Kasten Fisher-Technik o.ä. können da schon sehr hilfreich sein.

    Ich habe seinerzeit einen SC mit Lackdraht von Conrad gewickelt. Der war zwar etwas dicker (wie dick weiß ich nicht mehr genau) aber das Ergebnis war ganz brauchbar.

    Wie gesagt, ist das etwas für experimentierfreudig Menschen! Ein exaktes Replikat zu erzeugen, dürfte indes sehr aufwendig sein!

    Ulf
     
  8. Uli

    Uli Mod Emeritus Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 30.01.06   #8
    Ich habe den Beruf des Elektromaschinenbauers erlernt, wo man zwar nicht sehr oft Gitarrenpickups wickelt, aber doch viele Motor- und Magnetwicklungen.

    Meine Bedenken sind eher, daß man bei dieser Windungszahl im Handbetrieb zwangsläufig sehr viele Kreuzungen erzeugt. Wie sich das klanglich äußert weiß ich nicht, aber was ich weiß ist, daß man auf diese Art sehr oft Probleme hat, das "Wickelpaket" auf dem Spulenkörper unterzubringen, weil es durch die Kreuzungen einfach zu dick wird. Elektrisch erzeugt diese Methode sog. Wirbelströme, die man sich in der Elektronik gelegentlich sogar zunutze macht, ich denke aber, daß das in der Musikelektronik eher unerwünscht ist.
     
  9. Bierschinken

    Bierschinken Mod Emeritus Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 30.01.06   #9
    Teilweise gibt es sogar "quer" gewickelte Pu´s, eben weil diese einen eigenen Soudcharakter mitbringen. Aber selber wickeln ist wie Lotto spielen...ich hab das mal versucht mit nem Motor vonner Bohrmaschiene. Klappte eigentlich gut, aber die Ergebnisse waren total Random.
     
  10. Uli

    Uli Mod Emeritus Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 30.01.06   #10
    Kann ich mir gut vorstellen!
    Ich kenne so was ähnliches aus der Amateurfunk- bzw. Radiotechnik, wo man für bestimmte Zwecke sog. Korbspulen einsetzt (fast nur industriell hestellbar) um bei bestimmten Frequenzen ein spezielles Schwingungsverhalten zu erzwingen. Das geht mit Sicherheit auch im NF-Bereich!
    Aber, wie schon erwähnt wurde, an der Stelle muß dann auch das entsprechende Ingenieuwissen unterlegt sein, sonst wirds halt nur lustig :).
     
  11. Loomis

    Loomis Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 30.01.06   #11
    Also, nun ist es amtlich:

    Der Pickup ist tot :(

    Ich habe ihn aufbekommen und gesehen, dass die innere Ader der Wicklung abgerissen ist. Und zwar so knapp, dass man nicht mal sieht wo.

    Lötpunkte hatte dieses Modell übrigens nicht, aber das war wohl auch nicht das teuerste Modell.

    Na ja, ich habe jetzt nen Humbucker bestellt, der den Single Coil ersetzt. Das hatte ich ja eh vor.

    Vielleicht wickle ich ihn mal neu, falls mir langweilig wird ;)

    Also vielen Dank an alle, jetzt weiß ich immerhin, dass er kaputt ist.
     
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