Some Other Blues (Coltrane)

von JohannG, 24.07.08.

  1. JohannG

    JohannG Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 24.07.08   #1
    Hätte jemand eine Analyse dieses Stückes verfügbar? (Dominantenverkettungen,
    welche Skalen für Improvisation usw.).

    Vielen Dank im voraus.
     
  2. PVaults

    PVaults Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 28.07.08   #2
    Das Stück ist ein Blues, fast ein waschechter Blues in F...
    Sämtliche Akkorde werden in der Regel als 7/9er-Akkorde gespielt. Die Wahl der Voicings erschwert das Hören der Kadenzen, sie sind aber durch die Bank typisch:
    z.B. F7/9 wird als Cm6-Variante mit F im Bass gespielt, wenn ich das mal so ausdrücken kann... ;)
    Ich würde vorschlagen, du hörst dir das Stück mal "funktional" an, mit F als (Blues-)Tonika, Bb als (Blues-)Subdominante und den Dominanten (C7 Dominante, G7 Doppeldominante, D7 Trippeldominante, A7... also Dominanten von Dominanten), dann erkennst du sofort die einfachen musikalischen Zusammenhänge. Der ganze Effekt kommt also nur durch die Wahl der Akkorderweiterungstöne zustande... ;)

    Zwischendurch kommen ein paar "chromatic approachs" rein, das sind Durchgangsakkorde, die einen Halbtton unter dem Zielton ansetzen und sozusagen in den Zielakkord gleiten (H7/9 nach C7/9, gleiches Voicing!!!), eine Art Gegenstück zur Tritonussubstitution sozusagen.

    Die Dominantverkettungen sind auch alle relativ einfach: Meist wird der Quintenzirkel abwärts gespielt, wobei eine Dominantkette im Quintfall entsteht. Das macht den Bezug zur Tonika schwerer, klingt aber super Bluestypisch.

    Einige Male wird die Dominantkette dadurch "unterbrochen", indem eine Tritonussubstitution eingesetzt wird, z.B. die Doppeldominante G7 durch Db7 ersetzt wird (oder war´s die Trippeldominante, die ersetzt wurde...? Egal. Du wirst schon wissen, was ich meine...).

    Da alle Akkorde des Stückes quasi Dominantseptakkorde sind, kannst du die typischen Skalen, natürlich auch pentatonische Skalen, über die Akkorde spielen, auch über die Tonika und die Subdominante.

    Bei der Improvisation kann man natürlich die Skalen auch um Leittöne ergänzen. ;)

    Übrigens: Coltrane hat gerne Ganztonleitern über Dominanten gespielt...
     
  3. JohannG

    JohannG Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 30.07.08   #3
    Hallo PVaults,

    Zunächst vielen Dank für Deine Antwort. Ich habe allerdings doch noch Probleme mit dem Stück und möchte daher nochmals einige Fragen stellen. Hier die Akkordfolge des Stückes:

    Melodie-Teil:
    Auftakt, F7, Bb7, F7
    Pause, Bb7, Eb7, Ab7 ............Ist hier einfach Ab-Dur II-V-I anzunehmen?
    Db7, C7, Bb7, F7

    Solo-Teil:
    F7, Bb7, F7, F7
    Bb7, Bb7, F7, D7.....................Ist D7 = V7/II ? oder einfach VI von F-Dur?

    Mit welchen Skalen würdest Du das Stück spielen? Ev. alles mit 1 Skala = erweiterte Blues-Skala?
     
  4. MaBa

    MaBa HCA Musiktheorie HCA

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    Erstellt: 30.07.08   #4
    Ich gehe davon aus, daß die Akkorde so stimmen und in der Reihenfolge gespielt werden. Ich selber kenne den Blues nicht...
    Von F7 bis Db7 verlaufen alle Akkorde im Quintfall. Db7 löst sich chromatisch nach C7 auf.

    Diese Akkorde könnte man als Quintfallreihe der Tritonussubstitute analysieren.
    V7/IV, SubV7/III, SubV7/VI, SubV7/II, SubV7/V, V7
    Pöhlert würde stattdessen von einer Blues-Subdominantenkette sprechen.

    Die typische Akkordskala wäre im Unterschied zum Klischee einer Substitutdominante nicht mixo.#11 sondern mixolydisch. Begründung: Jede dieser Dominante enthält mit ihrer Septime die reine Quarte der nachfolgenden Dominante. Die #11 wäre deshalb eher störend.

    Praktisch funktioniert über allen Akkorden genauso gut auch die F-Bluestonleiter.

    Wenn eine Dominante V-I oder im HTS nach unten aufgelöst wird, kann man sie auch Dominantisch analysieren => D7 als V7/II. Die reguläre VI wäre Dm7.

    Gm7 ist die II-7 => es ergibt sich eine II-V-I-Verbindung. Wenn du D7 noch hinzunimmst, ergibt sich ein VI-II-V-I-Verbindung (Quintfall)

    Auch ein F7 vor Bb7 könntest du statt I7 auch als eine V7/IV bezeichnen. Diese Denkweise hört man manchmal auch in Improvisationen. Kurz vor der Subdominante ändert sich die Klangfarbe der I7.
     
  5. Hagenwil

    Hagenwil Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 30.07.08   #5
    ”Some Other Blues”

    | F7 | Bsus | F7 | B7 |
    | Bb7 | Eb7 | Ab7 | Db7 |
    | C7 | Bb7/C | F7 | C7 |


    | F7 | Bsus | F7 | B7 |
    | Bb7 | Eb7 | Ab7 | Db7 |
    | C7 | Bb7/C | F7 | C7 |


    Blowing changes ab Takt 25

    ¦ F7 ¦ Bb7 ¦ F7 ¦ F7 ¦
    ¦ Bb7 ¦ Eb7 ¦ F7 ¦ Am7 D7 ¦
    ¦ Gm7 ¦ C7 ¦ F7 ¦ C7 ¦
     
  6. MaBa

    MaBa HCA Musiktheorie HCA

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    Erstellt: 30.07.08   #6
    @Hagenwil

    Danke für die Changes.

    Die von Hagenwil geposteten Changes enthalten am Ende der ersten Zeile eine subV7/IV => Tritonussubstitut von F7.

    Und im letzten Teil am Ende der zweiten Zeile ist dem D7 noch eine relative II-7 vorgeschaltet. Dieser Akkord entspricht der diatoischen Stufe III-7. Damit ist die Quintfallreihe noch eine Stufe länger.

    Ob es sinnvoll ist, die Dominanten der Dominantkette von Bb7 bis Db7 als subV7/... zu bezeichnen, kann ich nicht sagen. Es wäre auch möglich jede Dominante mit V7/... entsprechend ihrer wirklichen Auflösung zu bezeichnen. Oder man gibt nur die Stufe an, auf der die Dominante steht...

    Der Bsus im 2. Takt drückt für meine Ohren stark aus der Folge heraus. Eigentlich ist er das Tritonussubstitut der Tonika F7. Durch den sus4 entsteht noch mehr Spannung und er klingt weniger dominantisch. Auch den Akkord könnte man als subV angeben oder einfach nur die Stufe. Es folgt auch hier keine typische Auflösung einer subV/IV.

    In der Grafik habe ich Dominant-Auflösungen mit Pfeil gekennzeichnet. Halbtonauflösung mit gestricheltem Pfeil. II-V-Verbindungen sind geklammert.

    Gruß
     

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  7. Hagenwil

    Hagenwil Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 02.08.08   #7
    Ich bin seit vierzig Jahren kein Blues Musiker mehr, aber trotzdem erscheint mir eine vollständige Stufentheorie Analyse, oder sogar eine Funktionstheorie Analyse eines Blues wie du sie gemacht hast fast übertrieben. Aber da du das jetzt sowieso schon voll durch analysiert hast kann ich ja noch erwähnen das der Bassist Paul Chambers im | C7 | Bb7/C | einen Orgelpunkt spielt und sowieso eine ausgeklügelte, ich würde behaupten auskomponierte Bassline spielt welche drei verblüffende Merkmale hat was gerade diesen Blues zu einem Paradebeispiel macht.
     
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