spiegel- deutsch

von Kornhulio, 23.05.07.

  1. Kornhulio

    Kornhulio Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.05.07   #1
    hm... ne sehr melancholische angelegenheit (mal wieder...)
    ich bin mir nicht mal sicher, ob daraus mal ein lied werden soll, evtl bleibts auch einfach nur ein geschriebenes gedicht. daher gibts keine lange beschreibung zur musik... es würde wenn aber eh wie die anderen sachen von mir werden... wers also wissen will kann ja nen bisschen durchblättern.
    mich interessiert einfach kritik zu wortwahl und stil, verbesserungen sind wie immer erwünscht.

    SPIEGEL

    eine scheibe glas
    gebettet auf schwarzem grund
    ein gesicht starrt heraus
    und schaut mich klagend an
    seit jahren zeigt sich mir
    ein fremder jeden morgen
    er folgt mir den ganzen tag
    ich kann ihm nicht entkommen

    traurig denke ich zurück
    wie ihr blut meine hand verziehrt
    und sich ihre körperform
    in dunklem lebenssaft verliert
    trauernd stehe ich nah bei ihr
    das messer liegt noch in der hand
    drei jahre ist es nun her
    dass ihre reste standen in brand

    einsamkeit beherrscht mich nun
    und ich weiß zusammen mit ihr
    starb nicht nur all mein glück
    sondern auch der größte teil von mir
    täglich habe ich an der urne geweint
    nur noch asche, was mich am leben hält
    und so bin ich sie nur allzu leid
    diese einsame und kalte welt

    es ist nicht eben leicht
    sich einzugestehen
    das es außer mir
    keinen anderen
    schuldigen gibt

    es ist nicht eben leicht
    sich einzugestehen
    das es außer mir
    keinen anderen
    schuldigen gibt

    es ist nicht eben leicht
    sich einzugestehen
    das es außer mir
    keinen anderen
    schuldigen gibt

    seit drei jahren schau ich täglich in den spiegel
    der nicht einen fremden sondern einen feind mir zeigt
    und als ich das bild einschlage die scherbe mir greife
    da weiß ich ganz genau am heutigen tag ist es soweit

    der schnitt beginnt nur knapp unter dem kinn
    arbeitet sich dann hoch
    schneidet durch den feind
    der ich mir selbst geworden bin

    es kostet einige zeit
    viele schmerzen
    und eine menge blut
    doch als die haut fällt
    weiß ich ganz gewiß
    alles wird nun gut

    in der einen hand die haut
    die das einzige ist
    was von mir geblieben
    schreib ich mit meinem lebenssaft
    auf das eigene spiegelbild
    ich werde dich immer lieben
     
  2. x-Riff

    x-Riff Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 24.05.07   #2
    Gewohnt gekonnt mit Sprache und Rhythmus umgegangen.
    Mit morbidem Inhalt kann ich selten etwas anfangen.

    Hier ist mir etwas aufgefallen:
    Die Zeiten könnten klarer sein:
    Wann denkst Du zurück?
    Jetzt oder kurz nach dem Mord?
    Wann hälst Du das Messer?
    Kurz nach dem Mord oder immer noch?

    Die Antworten dazu sind selbstverständlich - aber wenn man den Text so runterliest, gerät man doch zunächst etwas ins Stocken.

    x-Riff
     
  3. Kornhulio

    Kornhulio Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 27.05.07   #3
    danke, x riff! an der stelle ist die trennung allerdings nicht ganz so leicht, weil die zeit mehrmals hin und her springt. und naja, solange man es nach dem durchlesen versteht finde ich es eigentlich ok. ich bin der ansicht, dass texte nicht immer sofort zu 100% verständllich sein müssen... der hörer darf auch mal nachdenken :-)

    ansonsten niemand was zu sagen zu dem text? würde mich über kommentare freuen!
     
  4. Lieny

    Lieny Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 27.05.07   #4
    SPIEGEL

    eine scheibe glas
    gebettet auf schwarzem grund
    Ist die Wand schwarz?
    ein gesicht starrt heraus
    und schaut mich klagend an
    Das find ich gut
    seit jahren zeigt sich mir
    ein fremder jeden morgen
    er folgt mir den ganzen tag
    ich kann ihm nicht entkommen

    traurig denke ich zurück
    wie ihr blut meine hand verziehrt
    Müsste doch eingentlich Vergangenheit sein, oder?
    und sich ihre körperform
    in dunklem lebenssaft verliert
    trauernd stehe ich nah bei ihr
    das messer liegt noch in der hand
    s.o.
    drei jahre ist es nun her
    dass ihre reste standen in brand
    Hier benutzt du plötzlich Vergangeheit

    einsamkeit beherrscht mich nun
    und ich weiß zusammen mit ihr
    starb nicht nur all mein glück
    sondern auch der größte teil von mir
    Sehr schön formuliert!
    täglich habe ich an der urne geweint
    nur noch asche, was mich am leben hält
    und so bin ich sie nur allzu leid
    diese einsame und kalte welt

    es ist nicht eben leicht
    Heißt es nicht: Es ist eben nicht leicht?
    sich einzugestehen
    das es außer mir
    keinen anderen
    schuldigen gibt

    es ist nicht eben leicht
    s.o.
    sich einzugestehen
    das es außer mir
    keinen anderen
    schuldigen gibt

    es ist nicht eben leicht
    s.o.
    sich einzugestehen
    das es außer mir
    keinen anderen
    schuldigen gibt

    seit drei jahren schau ich täglich in den spiegel
    der nicht einen fremden sondern einen feind mir zeigt
    und als ich das bild einschlage die scherbe mir greife
    vllt: als ich das Bild einschlage und mir eine Scherbe greife
    da weiß ich ganz genau am heutigen tag ist es soweit

    der schnitt beginnt nur knapp unter dem kinn
    arbeitet sich dann hoch
    schneidet durch den feind
    der ich mir selbst geworden bin

    es kostet einige zeit
    viele schmerzen
    und eine menge blut
    doch als die haut fällt
    Hat er sich jetzt die Haut vom Gesicht geschnitten? *ekel*
    weiß ich ganz gewiß
    alles wird nun gut

    in der einen hand die haut
    die das einzige ist
    was von mir geblieben
    schreib ich mit meinem lebenssaft
    auf das eigene spiegelbild
    ich werde dich immer lieben
    Ein "schönes" Ende

    Lieber Kornhulio,
    mir gefällt dein Text sehr gut, auch wenn es auf den ersten Blich vllt nicht so aussieht ;)Ich finde, du schreibst sehr "lebendig", also ich kann mir die Szene sehr gut vorstellen! Du benutzt auch gute Ausdrücke und wirst dadurch origineller. Z.B.: Statt Blut --> Lebenssaft; Spiegel ---> (manchmal) eine Scheibe Glas.
    Die Melancholie wird sehr deutlich! Ich würde es fast schon als Gedicht bestehen lassen, denn zum Teil wäre es für einen Songtext, meiner Meinung nach vielleicht schon zu lyrisch. Aber das bleibt dir überlassen!
    Mach weiter so! :great:
     
  5. Kornhulio

    Kornhulio Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 27.05.07   #5
    lieny: danke für den kommentar!

    "traurig denke ich zurück
    wie ihr blut meine hand verziehrt
    Müsste doch eingentlich Vergangenheit sein, oder?
    und sich ihre körperform
    in dunklem lebenssaft verliert
    trauernd stehe ich nah bei ihr
    das messer liegt noch in der hand
    s.o.
    drei jahre ist es nun her
    dass ihre reste standen in brand
    Hier benutzt du plötzlich Vergangeheit"

    an der stelle tat sich ja auch schon x riff schwer... die zeit springt halt zweimal hin und her... es beginnt in der gegenwart, in welcher er sich an die vergangenheit errinnert (welche dann für den moment gegenwart wird), die letzten beiden zeilen sind dann aber wieder die tatsächliche gegenwart, aus welcher heraus die ereignisse drei jahre her sind.

    ok, nochmal danke :-)
     
  6. EDE-WOLF

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    Erstellt: 27.05.07   #6
    sehe da auch kein problem!

    das "erste zurückblicken" (was eben in gegenwart geschrieben ist) entspricht sozusagen "direkter rede" also eher "direktem gedanken", ab "3 Jahre ists nun her" findet sich das lyrische ich ja wieder in der gegenwart und daher auch der letzte satz in präteritum... also seh da kein problem
     
  7. Lieny

    Lieny Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 28.05.07   #7
    Achso! Na dann hab ich nichts gesagt :D
     
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