Bassumbau - Eine kleine Geschichte

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Die erste Bassliebe

Diese kleine Geschichte passt am besten hier in die Bastelecke, obwohl ausnahmsweise mal keine konkrete Anleitung dahinter steht.
Vielmehr gibt das Ganze vielleicht ein paar Anregungen was beim Umbau und Aufmotzen eines Basses so passieren kann und wie schnell man sich mal verkalkulieren kann – zumindest was das erwünschte Ergebnis betrifft…


Die Vorgeschichte

Dazu muss man weit in die Vergangenheit bis ins Jahr 1977 zurück reisen. Für mich war das ein denkwürdiges Jahr, denn nach langem hin und her bekam ich mit 14 Jahren meinen ersten E-Bass. Keinen Fender, denn für den hätte das Geld bei weitem nicht gereicht, sondern einen Precision-Nachbau der japanischen Firma Cimax. Leider habe von diesem Instrument damals nie ein Foto gemacht, aber er sah von weitem aus wie ein Fender und auch der Schriftzug auf der Kopfplatte war stilistisch so angelegt, dass ein schneller Blick die Wahrheit vertuscht hätte. Heute weiß ich, dass die Form des Bodies nicht ganz der damaligen Fender-Geometrie entsprach, was aber ohne Nachmessen nie aufgefallen wäre.


Der Urtyp

Der neu erstandene Bass wurde bei meinem allerersten öffentlichen Auftritt zum ersten Male „künstlich“ gealtert und zwar durch einen Fall aus gut 80cm Höhe – man sollte halt einen Bass-Ständer haben oder zumindest das Kabel nicht eingesteckt lassen und darüber stolpern.
Wie auch immer, das gute Stück diente – mit immer mehr Narben - viele Jahre treu in verschiedenen Bands und ließ mich auch nie im Stich. Im Laufe der Zeit musste der Bass verschiedenste Elektronik-Modifikationen erleben, sei es Impedanzwandler, aktive Klangregelung, parametrischer EQ es wurde heftigst entworfen, gelötet, getestet und wieder verworfen.
Nach ca. zehn Jahren brach eine Wicklung in einer der PU-Hälften und jetzt wäre an sich der erste gute Zeitpunkt gewesen sich zu überlegen ob man sich was Neues zulegt oder eben nicht.
Meine Entscheidung fiel auf neue aktive PUs der Firma MEC und zwar mit einem zusätzlichen J-Pickup. Nun die Kosten der PUs hätten durchaus auch für einen neuen Bass gereicht. Klanglich war es eine Dimension mehr als zuvor – kein Brummen, satte Bässe, brilliante Höhen.
Nach ein paar weiteren Jahren legte ich mir einen Yamaha 5-Saiter zu und der gute alte Preci vereinsamte.


Die Fretless-Operation

Man kommt ja immer wieder mal auf neue Ideen und wie viele vor mir und auch nach mir kam ich zur Überzeugung, dass ich einen Fretless-Bass benötige…nichts Leichteres als das! Auch Jaco hat ja mit Kitt gearbeitet und so entstand mit viel Kitt und wenig Nachdenken dieser Bass:

preci2.jpg


Ich weiß wirklich nicht mehr warum ich die Farbe auch verändert habe (und wieviel Alkohol ich bei der Entstehung dieser Idee intus hatte) aber dieses Grün sah in Original noch viel schlimmer aus, als auf dem Bild. Tatsächlich klang der Bass nicht sehr nach einem Fretless und das Ergebnis führte dazu, dass er kaum gespielt im Bass-Ständer landete. Ich glaube ich habe nicht einmal einen einzigen Auftritt damit gespielt – wäre ja auch irgendwie peinlich gewesen.
Nach einigen Jahren, ich hatte in der Zwischenzeit einen Sechssaiter, kam ein relativ schwieriger Job in einem Orchester auf mich zu, d.h. Kontrabass-ähnlicher Klang mit höllisch schnellen Walkingbasslinien. Klar ein Viersaiter mit Flatwounds wäre hier super gewesen…


Der Granit-Hammer

Man erinnert sich ja schon mal an alte Sünden und mein spezieller Spezial-Fretless fiel mir wieder ein. Klar hätte ich nun einfach einen Viersaiter kaufen können – denn rein finanziell wäre das kein Problem gewesen aber nix da!
Ein neuer Hals der Firma Collins als Ersatz für den versauten Fretlessact, neue Schallermechaniken für die inzwischen fast festsitzenden Originalteile, neue Brücke…und neue Lackierung in grau-granit (!!). Hier muss ich nun zugeben, dass mir das wirklich nicht schlecht gefiel. Ich wollte keine schwieriger zu verarbeitenden Lacke (es musste ja wegen des anstehenden „Jobs“ auch schnell gehen) sondern entschied mich für einen total unempfindlichen groben Graniteffektlack. Für das Schlagbrett etwas Effekt und mein spezielles „Firmenlogo“.
Diese Variante klang nun wirklich sehr gut, mit jeweiligen Saiten entweder funkig oder eben „Vintage“. Neben den MEC-PUs hatte ich noch einen schicken Piezo unter die Brücke gebaut, also „all inclusive“:

preci3.jpg


Inzwischen hatte ich mir eine Nummerierung oder Tyenbezeichnung für diesen Bass ausgedacht: X-01, abgeleitet von der amerikanischen Tradition Versuchsflugzeuge mit einem X zu bezeichnen. Eigentlich hätte es X-01-C heissen müssen – C für die inzwischen dritte Variante des Basses. (Daneben gab und gibt es auch noch den X-02 und X-03)
Im Laufe der Zeit zeigte sich nun, dass der Granitlack zwar für meine Begriffe gut aussah, aber durch seine mangelnde Härte einfach nicht Bühnentauglich war – vor allem weil der Bass nun immer häufiger im Wechsel mit dem Sechssaiter im Einsatz war. Als ich nun aus einem meiner Bass-Selbstbauprojekte auch noch einen MM-PU übrig hatte, entschloss ich mich zu einer vernünftigen Lackierung mit entsprechendem Outfit…und einer kleinen PU-Änderung….



Der olympische Preci

Durch einen netten Kollegen hier im Forum (Dank an The Dude) kam ich auf einen sehr guten Lacklieferanten. Ich wollte nun wieder zurück zu einem eher schlichten, traditionellen Outfit, das war ich dem Bass der all die Jahre die vielen Änderungen klaglos ertragen hatte schuldig. Olympic White mit Tourtoise-Schlagbrett war letztendlich meine Wahl.
Das neue Schlagbrett zeigte dann allerdings, das wie erwähnt die Form des Bodies nicht ganz konform war – aber nichts was man nicht ändern konnte. Leider entsprach mein Konzept mit Seymour Duncan Quarterpounder, MM-Humbucker und einer aktiven 2Band-Elektronik nicht dem was ich mir so vorgestellt hatte, auch eine komplett passive Version gefiel nicht.
Schließlich gönnte ich dem Bass einen neuen MEG-MM Pickup. Das ist der mit Abstand der beste PU den ich je verbaut habe - der unauffällige schwarze Block enthält einen MM-PU und einen J-PU umschaltbar mit Push-Pull-Poti. In Kombination mit dem alten Preci-PU von MEC bin ich wirklich von Klang und Flexibilität begeistert. Allerdings mußte ich noch eine kleine Phasendreherschaltung einbauen, denn MEC und MEG waren 180 Grad verschoben, so dass sich die Signale aufhoben wenn beide PUs eingedreht waren. Aber kein Problem nu is er fertig:

preci4.jpg


Zu Ehren der Geschichte des Basses habe ich ihn X-01-D getauft – eben um der vielen Umbauten zu gedenken. Ansonsten ist er sowohl optisch als auch klanglich mit Abstand das zufriedenstellendste Ergebnis der gesamten Odyssee.

Die gesamten Ausgaben für die verschiedenen Umbauten, Erweiterungen und Designänderungen übersteigen mit Sicherheit die Kosten eines Original Fender Precis, aber was soll’s! Entweder man vergisst seine erste Bassliebe nicht oder man behält sie einfach…
 
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AK :great:

schöne Geschichte (in zweierlei Bedeutung) (d)eines Basses! Warnung und Ansporn zugleich!

Danke - Cello und Bass
 
blackout
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Danke, war schön zu lesen :)
Sieht in weiß wirklich sehr schick aus.
 
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Sieht in weiß wirklich sehr schick aus.

Gibt's denn was Schickeres als einen weißen Bass?!;)

Doch, schaut wirklich geil aus, wobei mit Babyblau auch ganz gut gefallen hat.
War wirklich schön zu lesen! Wegen mir, könntest du das ruhig häufiger machen...;)
 
DieGräfin
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schön geschrieben! Eine tolle Liebesgeschichte und Erfahrungsbericht zugleich :great:

Der graue Effektlack sah umwerfend aus :great:

Viel Spaß mit deinem jetzt schicken weißen Schätzchen ;)
 
-Martin-
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Dusty Hill
Ohja die Geschichte kann ich gut nachvollziehen, auch wenn bei meinen ersten Bass bisher nur Schlagbrett, PU und Brücke verändert wurden.
Aber ich denke der wird auch noch einiges mitzumachen haben.
 

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