Ich finde es etwas seltsam, welchen Stellenwert dieser Techrider für viele von euch hat.
Der Techrider ist keineswegs ein Wunschzettel, sondern eine möglichst genaue Beschreibung der Rahmenbedingungen, die den Auftritt der Band erst ermöglichen.
Wenn eine Band z.B. 6 getrennte Monitorwege haben will, und diese auch noch z.Tl. in Stereo, dann hat das seinen Grund und ist gut und richtig so.
Der Techrider ist eben auch Vertragsbestandteil, der (nach Unterschreiben des Vertrages) nicht mehr diskutierbar ist. Sind dort 6 Monitorwege gefordert, und vor Ort stellt sich heraus, daß nur 5 vorhanden sind, dann spielt die Band halt schlimmstenfalls gar nicht und der Veranstalter bezahlt die Konventionalstrafe. "Schlimmstenfalls" schreibe ich deshalb, weil man ja im Zweifelsfall als Band Kompromisse eingehen _kann_, wenn man möchte - wichtig ist es, die Vertrãge (inclusive Techrider) derart zu gestalten, daß man keine Kompromisse machen _muss_, wenn man nicht möchte.
Unser Vertragswerk inklusive Techrider ist im Laufe der Jahrzehnte zu einem imposanten Werk angewachsen, wo sich wirklich alles findet - immer wenn die Band irgendwo schlechte Erfahrungen gemacht hat, wurde das Vertragswerk entsprechend ergänzt, damit die gewisse Dinge kein zweites Mal "passieren".
Dort findet sich: Die Gage, Modalitãten zur Bezahlung derselben, Mindeststandards für Hotels, Anweisungen zur Reisedauer, sogar mit welchen Fluglinien wir _nicht_ fliegen, zur Verpflegung, Getränke auf der Bühne, zur Art der Backline die die Veranstalter für uns bereitstellen (genaue Bezeichnung der Geräte), Art, Leistungsfähigkeit und Qualität der verwendeten PA und Monitoranlage (no
Behringer*, no Budgetgear), die Bühnengröße (incl. Höhe und Deckenhöhe), Größe und Höhe der Drumriser, Anzahl der Gitarrenständer, Art der Keyboardständer (ich akzeptiere keine X-Stands), Limousinenservice/Abholung, Gepäcktransport, Beginn des Aufbaus und Soundchecks, Ablauf des Aufbau (keine Zuschauer in der Halle!), Ablauf des Abbaus nach der Veranstaltung, Anzahl der vor Ort benötigten Roadies und Licht- und Tontechniker, Größe/Ausstattung/Zustand der Garderoben und sanitären Einrichtungen, Verhalten der Veranstalter gegenüber Journalisten und TV, lokales Promoting vor Ort, Absperrungen, Security etc etc etc.
Der Techrider als Bestandteil dieses Gesamtwerkes beschreibt dabei sehr genau das technische Geschehen auf der Bühne inclusive Anzahl und Position der Stromanschlüsse, Mikrofone, Wedges, Sidefills und Amps, sowie sämtliche Verkabelung, in einer Weise die es
a) einem Tontechniker ermöglicht mit einem Blick zu erfassen was Sache ist, und
b) keinen Raum für Interpretationen von Verantwortlichkeiten lässt.
Die Gründe, so penibel zu sein, sind:
- daß wir meist weite Strecken anreisen, und dabei so wenig wie möglich transportieren wollen. Natürlich könnten wir unser eigene Backline mitnehmen, dann bräuchten wir aber bereits am Heimatort Roadies (wir sind ja alle nicht mehr die Jüngsten), und Luftfracht ist nun mal sehr teuer für die Verantalter, meist deutlich teurer als das Anmieten identischer Geräte am Spielort.
- daß wir uns nicht leisten wollen (und können) aufgrund technischer Unzulänglichkeiten schlechte Konzerte zu geben
- unser Setup kompliziert ist: 2 Schlagzeuger und ein Percussionist, ein Gitarrist der über 2 Gitarrenanlagen _und_ ein Leslie spielt, ein Keyboarder (meine Wenigkeit) der allein 14 Kanäle auf dem FOH belegt, akustische Instrumente wie Geige, Saxofon, Flamencogitarre mit Darmsaiten, talking Drums usw. usf.
Seitdem wir das wirklich _alles_ geregelt haben, gibt es keinerlei Probleme mehr - es läuft immer ziemlich reibungslos ab, zur Freude der Veranstalter, uns Musikern und unserer Fans.
Also rate ich: versucht mal, den Techrider nicht als Maximalforderung an den Veranstalter oder als Wunschzettel zu sehen, sondern als Teil des Vertragswerkes, der den reibungslosen technischen Ablauf einer Veranstaltung überhaupt erst ermöglicht. Und dazu allen Beteiligten Rechtssicherheit verschafft.
Liebe Grüße,
FLiszt