Stagnation des Lernprozesses

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Exordium

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Hi Leute. Eigentlich wollte ich mich gar nicht mehr weiters äußern, aber vielleicht hat dann doch noch jemand eine zündende Idee.

Ich kämpfe derzeit (besser: eine ganze Weile) mit einem Problem und bekomme es einfach nicht abgestellt. Dieses Problem hindert mich daran, über eine gewisse Komplexitätsstufe eines Stückes hinaus zu kommen.
Momentan hänge ich so auf Stücken der Schwierigkeitsstufe 2 (von 10) fest. Die Selbstanalyse des Problems zeigt folgende Erkenntnisse auf:

Schwachpunkt linke Hand, sobald das Begleitmuster einen gewissen Umfang/Komplexität erreicht oder überschreitet.

Beispiel:

Linke Hand spielt 1-2 Takte Dm Arpeggio in Grundstellung mit dem Fingersatz 5-3-1, rechte Hand ne kleine Melodie dazu.
Alles gut. Dann Wechsel auf C-Dur, gleicher Fingersatz/Arpeggio, zurück auf Dm alles gut. Jetzt kommt links ein G-Dur in Umkehrung (D-G-H, 5-2-1)
Ab hier beginnt der Ärger... Der Wechsel passiert nicht automatisch, benötigt zusätzliche "CPU"-Power, der Spielfluss gerät hörbar ins Stocken, sobald hier (links) ein Finger- und Tastenabstandswechsel vorliegt.

Beide Hände können natürlich jeweils einzeln ihren Part spielen. Ich kann auch den Übergang Dm 5-3-1 -> G-Dur Umkehrung 5-2-1 jetzt 1000x üben. Sobald ich an entsprechende Passage im Lied komme, muss ich "überlegen" und anscheinend die Finger neu sortieren.
Spielfluss und Rhythmik sind dann hinüber...

Auch schon festgestellt bei Albertibass-Begleitung. Linke Hand bleibt im "Hauptfingersatz" (5-1-3-1) - alles gut. Irgendwo ein Fingersatz-Wechsel, weil z.B. ein 7er Akkord gespielt werden soll, ist wieder alles völlig außer Rand und Band.
Wie gesagt: NUR die linke Hand gespielt, funktioniert alles einwandfrei. Sobald rechts auch nur eine kleine Melodie dazu kommt, klemmt und hakt es bei Akkordwechseln wo sich der Fingersatz ändert...

Von Stücken, wo links und rechts wirklich verschiedenen Passagen / Tempi und Muster gespielt werden, werde ich vermtl. auch in 5 Jahren noch träumen :-(

Gruß
Exo
 
stuckl

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Hi,
es gibt einen franz. Jazzpiano coach der das alles schön erklärt, gestern den Namen erstmalig gehört, leider fällt er mir im Moment nicht ein, muss nachfragen.
 
McCoy

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Langsam üben! Und zwar nicht ein bißchen langsamer, sondern richtig extrem langsam. Ton für Ton. Nach jedem Ton genau überlegen, welche Bewegung Du jetzt machen mußt und dann nur die Bewegungen ausführen die für den nächsten Ton nötig sind. Jede überflüssige Bewegung vermeiden.

Wenn der Rest des Stückes schon schneller geht, dann spielst Du nur genau diese Stelle, die nicht läuft, so langsam, wie ich es oben beschrieben habe. Und das Ganze mal 2-3 Tage lang so machen.

Wenn Du zu früh glaubst, daß es jetzt schneller geht, geht es wahrscheinlich wieder schief. Dann geht das Spiel von vorne los.

Du mußt ein Sicherheitsgefühl erzeugen, Du mußt das Gefühl bekommen, daß Du jede Bewegung absolut sicher beherrschst, und das geht zunächst nur im ganz langsamen Tempo.

Das Problem sitzt nie in den Fingern, sondern zwischen den beiden Ohren. :redface: Der Vorgang, der dabei im Kopf passiert, heißt Synapsen bilden. Dabei muß man viel Geduld mit sich selbst mitbringen.

Viele Grüße,
McCoy
 
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Claus

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Wenn man hängen bleibt braucht es m.E. zunächst eine Ursachenforschung und die leistet ein persönlicher Ansprechpartner natürlich am besten.

Wenn ich aufgrund der Angaben raten darf, dann wurde nicht methodisch und geduldig genug vorgegangen und daher Technik nicht so gründlich und kleinschrittig eingeübt, dass man darauf immer weiter aufbauen kann.

Soll es autodidaktisch bleiben, heißt es zurück zu gehen und die Lücken schließen sowie Fehler beheben.
Praktisch geht das durch technische Übungen, die mit ausführlichem Fingersatz zu flüssigem Spielen verhelfen.
Sobald man eine Übung verstanden hat und in Zeitlupe fehlerfrei durchkommt, sollte der Fortschritt mit Metronom erarbeitet werden. Nur so bemerkt man auch kleine Unsicherheiten sofort anhand des schlechteren Timings und verhindert, dass man das spätere Scheitern an schwereren Stellen wiederholt.

Die besten Zusammenstellung für klassisches Piano in meiner Notensammlung dazu ist "Moritz Mayer-Mahr, Adolph Stark, Der praktische Czerny" in 5 Bänden.
Ich würde die Reihe hier ab Band 2 empfehlen, Band 1 ist nur auf die Elementarstufe ausgerichtet.
Einziger Inhalt der Reihe sind Übungen aus den bekannten klavierpädagogischen Werken von Carl Czerny wie z.B. Op. 299, Op. 500 usw., aber in einer methodischen Sortierung und mit ausführlichen Fingersätzen.
Behandelt werden die spieltechnischen Grundlagen des Klavierspiels, aber um die geht es hier ja auch.

Gruß Claus
 
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Was Du zusätzlich(!) zum "Zeitlupenüben" versuchen kannst - gerade wenn Du, wie es so durchscheint, wenig oder kein Feedback hast -, wäre das bewusste Experimentieren mit der Spielposition. Dabei auf eventuelle Verspannungen kontrollieren - mit dem Ziel, so locker wie möglich zu werden.
 
Exordium

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Du mußt ein Sicherheitsgefühl erzeugen, Du mußt das Gefühl bekommen, daß Du jede Bewegung absolut sicher beherrschst, und das geht zunächst nur im ganz langsamen Tempo.

Das Problem sitzt nie in den Fingern, sondern zwischen den beiden Ohren. :redface: Der Vorgang, der dabei im Kopf passiert, heißt Synapsen bilden. Dabei muß man viel Geduld mit sich selbst mitbringen.

Viele Grüße,
McCoy

Da lag ich ja gar nicht so verkehrt mit der CPU-Power. Dass es eine "Kopfsache" ist, war mir schon klar. Ich kann mich prinzipiell auch in Geduld üben. Aber wenn ich alleine für so ein Fuzzelzeug wie einen Finger mal wo anders hinsetzen 2-3 Tage Übung benötige, dann kann ich in 20 Jahren noch nichts anständig spielen :)

Im ganz langsamen Tempo interpretiere ich jetzt so: Fehlerfreie und sichere Bewegung. Fehlerfrei geht erstmal vor Rhythmik. Wenn das dann alles passt, schneller werden und im Gleichklang...

Versuch macht kluch. (Hoffe ich)

Wenn man hängen bleibt braucht es m.E. zunächst eine Ursachenforschung und die leistet ein persönlicher Ansprechpartner natürlich am besten.

Wenn ich aufgrund der Angaben raten darf, dann wurde nicht methodisch und geduldig genug vorgegangen und daher Technik nicht so gründlich und kleinschrittig eingeübt, dass man darauf immer weiter aufbauen kann.

Soll es autodidaktisch bleiben, heißt es zurück zu gehen und die Lücken schließen sowie Fehler beheben.
Praktisch geht das durch technische Übungen, die mit ausführlichem Fingersatz zu flüssigem Spielen verhelfen.
Sobald man eine Übung verstanden hat und in Zeitlupe fehlerfrei durchkommt, sollte der Fortschritt mit Metronom erarbeitet werden. Nur so bemerkt man auch kleine Unsicherheiten sofort anhand des schlechteren Timings und verhindert, dass man das spätere Scheitern an schwereren Stellen wiederholt.

Die besten Zusammenstellung für klassisches Piano in meiner Notensammlung dazu ist "Moritz Mayer-Mahr, Adolph Stark, Der praktische Czerny" in 5 Bänden.
Ich würde die Reihe hier ab Band 2 empfehlen, Band 1 ist nur auf die Elementarstufe ausgerichtet.
Einziger Inhalt der Reihe sind Übungen aus den bekannten klavierpädagogischen Werken von Carl Czerny wie z.B. Op. 299, Op. 500 usw., aber in einer methodischen Sortierung und mit ausführlichen Fingersätzen.
Behandelt werden die spieltechnischen Grundlagen des Klavierspiels, aber um die geht es hier ja auch.

Gruß Claus

Danke. Ich habe einen Lehrer, den ich eigentlich als kompetent einschätze und der mir auch entsprechende Tipps und Übungen aufgezeigt hatte. Dann liegt es vermutlich doch eher an meiner Ungeduld, bzw. dem Umstand bis zur nächsten Stunde nicht genügend Zeit zum Üben zur Verfügung gehabt zu haben und und ich versuche es dann mit der Brechstange... Mein Lehrer sieht ja nicht, wie ich seine Vorschläge dann zu Hause umsetze.

An gutem Lehrmaterial mangelt es mir ja auch nicht. Ich habe hier inzwischen fast jede im Forum empfohlene Klavierschule und Etüdenstücke rumliegen. Autodidaktisch ist kein Problem.

Privat, bzw. beruflich haben andere meist ein Problem mit meiner Performance, mit der ich gewohnt bin Dinge umzusetzen und trotzdem die Qualität der Arbeit zu wahren.
Vermutlich versuche ich hier mit der gleichen Einstellung heranzugehen, was dann gründlich in die Hose geht. Hier ist die Qualität scheinbar nur über die Geduld zu erreichen.

Das wird vermutlich nicht einfach werden und ich muss mich ordentlich selbst disziplinieren...
 
McCoy

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Im ganz langsamen Tempo interpretiere ich jetzt so: Fehlerfreie und sichere Bewegung. Fehlerfrei geht erstmal vor Rhythmik. Wenn das dann alles passt, schneller werden und im Gleichklang...
Ja, genau so.

Aber wenn ich alleine für so ein Fuzzelzeug wie einen Finger mal wo anders hinsetzen 2-3 Tage Übung benötige, dann kann ich in 20 Jahren noch nichts anständig spielen :)
Wenn Du es so nicht machst, kannst Du in 40 Jahren noch kein Stück fehlerfrei spielen. :D

Der Prozeß sollte sich im Laufe der Zeit beschleunigen. WIe lange das dauert, ist bei jedem anders, läßt sich also schlecht vorhersagen.

Viele Grüße,
McCoy
 
Claus

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Mein Lehrer sieht ja nicht, wie ich seine Vorschläge dann zu Hause umsetze...
.
Nun ja, ein Lehrer sieht und hört ja das Ergebnis der letzte Woche üben beim Vorspiel des Schülers.
Er/sie sollte das natürlich einordnen und gezielt auf die Schwachstellen eingehen können - nicht allein durch Analyse, sondern auch durch geeignete Hinweise und Übungen zur Weiterentwicklung.
Wenn Du den "praktischen Czerny" oder seine Originalausgaben hast kannst Du ja sehen, wie dort adressiert wird, was dir Probleme bereitet.

Vielleicht ist es aber auch eine Idee, wenn Du mal das Genre wechselst und aus Tim Richards Blues Piano oder Jürgen Mosers Rock Piano I spielst. Dort läuft die linke Hand im (meist simplen) Blues Schema und in der rechten Hand werden erst Akkorde gesetzt, dann Melodien und schließlich wird es auch synkopisch, die Hürden liegen aber anfangs sehr niedrig und ich hoffe mal, das Musizieren soll auch Spaß machen.

Grundsätzlich würde ich die Hände einzeln so lange üben, bis sie ohne besondere Aufmerksamkeit fehlerfrei laufen (Metronom). Bei der linken Hand ist das m.E. sogar unabdingbar und eines ist wie immer - Singen der Linie hilft.

Gruß Claus
 
Exordium

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Der Klavierlehrer war auch der Meinung, dass ich versuche zu schnell zum Ziel zu kommen. Nur: Was ist schnell, was ist langsam!?
Mit der Aussage "Immer nur so schnell, dass es fehlerfrei ohne Korrektur gespielt werden kann" kann ich prinzipiell erstmal leben.
Von Czerny habe ich einiges. Vermutlich könnte ich 25 Klavierschüler mit Literatur ausstatten. Ich möchte ja auch nicht den ganzen Kram wild mischen.
Rock/Blues der 70iger / 80iger ist nicht schlecht. Wenn es hilft. Ansonsten bin ich völlig stilfrei, solange es klingt und wenigstens einigermaßen authentisch rüberkommt.

Auf jeden Fall werde ich versuchen mich zusammenzureissen und die gemachten Tipps umzusetzen!

Ich berichte...
 
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Exordium

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So, nach knapp 4 Wochen ein kleiner Zwischenstand. Die meisten Hürden in dem Stück konnte ich jetzt tatsächlich durch super langsames und stetig angepasstem Üben überwinden.
Leider möchte dieses tief verwurzelte "Da kommt gleich die sch**** Stelle" trotzdem nicht aus dem Kopf weg.
Dazu geht mir dieser grottenlahme Fortschritt vollkommen auf die Nüsse und ich muss mich zusammenreissen hier auch nicht dauernd das Tempo unangepasst zu forcieren.
 
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Also, das Wesentliche wurde ja schon gesagt. Ich sag's noch 'mal anders, denn so geht "Automatisieren", was "fehlerfrei spielen ohne denken" meint: Worte buchstabierst Du ja auch nicht mehr mühsam, sondern sprichst Sie ;)

Ich würde mir eine kritische Passage heraussuchen, wie etwa diese Genannte:
zurück auf Dm alles gut. Jetzt kommt links ein G-Dur in Umkehrung (D-G-H, 5-2-1)
Ab hier beginnt der Ärger... Der Wechsel passiert nicht automatisch,

D.h. die Übungsfolge wäre Dm - G_umkehr - Dm - G_umkehr ...

Zaubermittel Metronom, auf ganz langsam stellen, z.B. 30 bpm. Gerade das langsame Tempo kann schwer wirken. Was es aber bringt, ist, dass man "aus dem Gedächntis spielen" kann UND gleichzeitig noch einmal nachdenken kann, wenn es einmal klemmt.

Pokerface und drüberspielen, 30 bpm halten. Irgendwann sitzt das. Erst dann ist es Zeit für eine kleine Steigerung, z.B. 35 bpm. (Im Zweifel sind 5 bpm mehr besser als 10 oder 20 bpm).

Und wenn die sitzen, arbeitest Du Dich hoch über 40, 45, 50, ... bis zur aktuellen Leistungsgrenze, sagen wir 70 bpm. Da läufts Du am Tageslimit, aber das Denken hat praktisch keine Zeit mehr ; -)

(Dein Körper sagt jetzt so etwas wie "heh, ich hab's verstanden, Hirn, geh' 'mal weg, ich übernehme, kannst mir vertrauen" ... was den Kopf frei macht für Größeres, Übergeordneteres, Musischeres usw.)

UND DANN gehst Du ein bischen über dieses Limit hinaus, nicht mehr als 71 bpm, 72 bpm und 73 bpm. Das wird eng, aber irgendwie klappt es.

UND DANN gehts Du wieder so langsam zurück, 73 72 71 bpm auf Deine Tagesgrenze 70 bpm ... und staunst jetzt vielleicht, warum die vorher so schwer fiel.

Jetzt ist dieser Störenfried Dm - G_umkehr vorautomatisiert und Du kannst ihn in andere Kontexte einbauen, wie etwa ||: C - Dm - G_umkehr :|| oder ||: C - Dm - G_umkehr - Dm :|| , mit oder ohne Metronom.


Das ist übertragen genauso, wie Du erst ein fremdes Wort erlernst (Dm - G_umkehr) und es dann zu nutzen lernst (fehlerfreies Brabbeln).

Das mit der CPU ist dann ein wenig so, wie in diesem Cartoon
fb_img_1564071864692-jpg.698133

(aus https://www.musiker-board.de/threads/spass-mit-gitarren-memes.682877/page-28 #549)

Grüße und viel Erfolg, Michael
--- Beiträge wurden zusammengefasst ---
und ich muss mich zusammenreissen hier auch nicht dauernd das Tempo unangepasst zu forcieren.
Daher das Zaubermittel "Metronom" :D ...

... was Dich zum Meister der Zeit, damit der Geduld und Disziplin, und damit des Feelings macht :eek: :D
 
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Leider möchte dieses tief verwelte "Da kommt gleich die sch**** Stelle" trotzdem nicht aus dem Kopf weg.
Bei neuen Stücken isoliere ich Stellen, die besonders schwer bzw. unfallträchtig sind.
Das Ende der Stelle ist aber nicht der letzte Takt des "Problems", sondern erst nach dem ersten Takt des sicheren Terrains oder des neuen Formteils.
Damit wird die Gefahr des Steckenbleibens minimiert, weil der Anschluss immer mitgeübt wurde.

Aufgrund des isolierten, langsamen Übens solcher Stellen ist es ein angenehmer Nebeneffekt, dass ich sie normalerweise schließlich auswendig spielen kann.

Ein Metronom mit 30 Klicks könnte ich nicht spielen, mein DB-88 geht auch nicht ganz so weit runter. Der Abstand der Klicks wäre mir jedenfallls zu groß, um noch gleichmäßig auf den Schlag spielen zu können.

Ein langsames Metronom wäre bei mir 60, ggf. wären das dann Halbe statt Viertel.
Tatsächlich übe ich solche Stellen aber ganz anders, nämlich mit dem foot tap. Solange der Fuß nicht gleichmäßig läuft bringt mir ein Metronom auch nichts. Den Fuß auzusetzen, langsamer oder schneller schlagen zu lassen ist weit einfacher als immer am Metronom herumzufummeln, das stelle ich mir bei schwierigem Stoff zu nervig und konzentrationsstörend vor.
Erst wenn eine Stelle samt Anschluss im langsamen Übungstempo des gesamten Stücks funktioniert, kommt das Metronom wieder ins Spiel, schon weil es beim Üben sowieso die meiste Zeit durchläuft.

Gruß Claus
 
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Ich würde mir eine kritische Passage heraussuchen,

Bei neuen Stücken isoliere ich Stellen, die besonders schwer bzw. unfallträchtig sind.
Das Ende der Stelle ist aber nicht der letzte Takt des "Problems", sondern erst nach dem ersten Takt des sicheren Terrains oder des neuen Formteils.
Damit wird die Gefahr des Steckenbleibens minimiert, weil der Anschluss immer mitgeübt wurde.
Genau: Darum geht es.

Ein Metronom mit 30 Klicks könnte ich nicht spielen, mein DB-88 geht auch nicht ganz so weit runter. Der Abstand der Klicks wäre mir jedenfallls zu groß, um noch gleichmäßig auf den Schlag spielen zu können.

Ein langsames Metronom wäre bei mir 60, ggf. wären das dann Halbe statt Viertel.
Tatsächlich übe ich solche Stellen aber ganz anders, nämlich mit dem foot tap. Solange der Fuß nicht gleichmäßig läuft bringt mir ein Metronom auch nichts. Den Fuß auzusetzen, langsamer oder schneller schlagen zu lassen ist weit einfacher als immer am Metronom herumzufummeln, das stelle ich mir bei schwierigem Stoff zu nervig und konzentrationsstörend vor.
Klar, viele Wege führen zum Ziel. Aber vermutlich sind nicht alle Spieler mit einem präzisen Timing-Fuß gesegnet ;)

Die Bedienung relativiert sich, bei den digitalen durch Slider und Drehknöpfe, bei dem mechanischem durch leichtes Verschieben des Gewichts. No big deal.


Erst wenn eine Stelle samt Anschluss im langsamen Übungstempo des gesamten Stücks funktioniert, kommt das Metronom wieder ins Spiel, schon weil es beim Üben sowieso die meiste Zeit durchläuft.
Was ich als sehr lobenswerte und nützliche Gewohnheit empfinde :great:
--- Beiträge wurden zusammengefasst ---
Ein Metronom mit 30 Klicks könnte ich nicht spielen, mein DB-88 geht auch nicht ganz so weit runter.

Ein langsames Metronom wäre bei mir 60, ggf. wären das dann Halbe statt Viertel.

Genau, es kommt ja darauf an, wie man mit einem Metronom umgeht. Wenn es auf 60 bpm läuft, kann ich das als 1 2 3 4 hören und interpretieren (= 60 bpm) oder als 1 + 2 + 3 + 4 + (= 30 bpm) ... wobei man die Glocke dann wohl lieber deaktiviert :rolleyes:
 
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Der "Click" ist ja zum Glück in meinem MP7 mit eingebaut und es ist ein leichtes den "on the fly" anzupassen. Ich vertraue auch darauf, dass sich zukünftige Steigerungen am schon gelernten orientieren werden und der Prozess nicht jedesmal neu bei Null starten muss. 30 ist schon deftig langsam, ich versuche auch erst die Hände getrennt bis etwas über die geforderte Geschwindigkeit zu bringen, danach geht es zurück und ich versuche bei 60 zu starten mit beiden Händen. Hier kann es dann passieren, dass ich nochmal 10-15 bpm weiter zurück muss. Das Problem scheint also tatsächlich daran gelegen zu haben, dass ich einfach zu schnell nach vorne geprescht bin.
 
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Aber vermutlich sind nicht alle Spieler mit einem präzisen Timing-Fuß gesegnet.
Stimmt, aber die Sache hat zwei Seiten.
Die eine ist der Weg zum Ziel: wenn man Rhythmus nicht verinnerlichen und spüren kann, dann wird en Metronom nichts viel nutzen. Der Fußschlag ist dafür ein ideales Werkzeug.
Hier ein Beispiel zum begleiteten Üben mit Prof. Julie Landsman an der berühmten Julliard School, tap your foot!

Die andere Seite ist, dass es beim Erarbeiten gar sosher auf die Präzision des Fußschlags im Sinne der äußeren Zeit ankommt, sondern auf die Synchronisieung der Abläufe mit der über den Fuß referenzierten Zählzeiten.

Wie ich schon schrieb ist es der große Vorteil, dass man beim Lernprozeß den Fuß verzögern und beschleunigen oder auch aussetzen kann, eben wie es das Problem gerade erfordert.
Sind die Abläufe geklärt und gebahnt und ist der Fußschlag in (relativ) langsamen Übungstempo gleichmäßig geworden, dann macht der Metronomeinsatz erst Sinn.

Ein Metronom, das gnadenlos vor sich hinhämmert oder so quälend langsam klickt, dass man schon allein dadurch unsicher wird ist m.E. purer Stress und keine Hilfe.
Weil gerade 50. Jahrestag ist: so ein Zeitlupenmetronom erinnert mich an die ersten Minuten in "Spiel mir das Lied vom Tod".

Gruß Claus
 
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Ein Metronom, das gnadenlos vor sich hinhämmert oder so quälend langsam klickt, dass man schon allein dadurch unsicher wird ist m.E. purer Stress und keine Hilfe.
30 ist schon deftig langsam, ich versuche auch erst die Hände getrennt bis etwas über die geforderte Geschwindigkeit zu bringen, danach geht es zurück und ich versuche bei 60 zu starten mit beiden Händen.
Gut, die 30 waren eher beispielhaft. Letztendlich geht es darum
  • unter die eigenen tagesaktuelle Wohlfühlschwell zu gehen
  • und an das und etwas über das tagesaktuelle Limit (also über die andere Wohlfühlgrenze).
Obwohl, ich hatte schon selbst schwierig zu koordinierende Bewegungen, da blieb mir angesichts der Notation nichts anders übrig. Entscheidend finde ich, dass man die kleinste (nicht ignorierte) Zeiteinheit langsam genug für den anfangs noch nötigen Denkprozess spielt. Angenommen, das wären 50 bpm, dann können schon 'mal die 16-tel in diesem Clicktempo anfangs durchlaufen (Stücktempo damit 50 / 4 = 12.5 bpm). (Was wieder den Fokus auf die schwierigen Stellen legt, nicht auf das ganze Stück.)

Das Thema ist ja sich zügig verautomatisierende Koordination, nicht unbedingt Unterhaltungswert ;)

Obwohl: Im Bandgefüge muss man schon 'mal als Bremser für die im Timing weniger eingeübten Mitspieler auftreten, z.B., wenn Pausen oder Notendauern nicht lange genug ausgehalten werden (Tempodrifter) :cool:

Hier kann es dann passieren, dass ich nochmal 10-15 bpm weiter zurück muss. Das Problem scheint also tatsächlich daran gelegen zu haben, dass ich einfach zu schnell nach vorne geprescht bin.
Ich deute das einmal beides als gute Zeichen auf dem Weg der Veränderung :great:
 
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Das war es tatsächlich. Zu viel, zu schnell, zu oberflächig geübt. Der Marathon ist leider kein 100m Sprint.

Danke nochmal allen für die vielen hilfreichen Tipps! Inzwischen läuft es viel besser... und als netter Nebeneffekt kommt auch die Motivation wieder zurück.
 
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Backstein123

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Hey, vieles an guten Ideen aber zwei möchte ich auch los werden:

2.) ja ich fang mit der zweiten an, einfach weil ich es kann und es mal was anderes ist.

Spiel keine Anfänge!
Soll heißen; Beginn nicht am Anfang des Stücks, starte mit dem letzten takt.
Überleg mal, wie oft du bei einem "normalen üben" den Anfang eines Stück spielst. :gruebel:

Ich hab nie mit gezählt, aber allein beim C Dur Präludium so geschätzt 5.000 mal?
Und dann setzte ich mich wieder ran, flieg irgendwo raus, ärger mich selbst und starte schon wieder von vorne. :nix:

Das bedeutet das du einen Anfang oder vielleicht 2/3 eines Stück blind beherrscht, weil du es Millionen mal gespielt hast.
Aber gerade das Ende, wenn die Konzentration fehlt, du langsam müde wirst und die Finger nachgeben, da fehlt dir die routine.

Fang beim letzten takt an, nimm den nächsten dazu wenn der letzte sitzt, nimm den nächsten dazu wenn die letzten beiden passen... Usw, usw.

So ein Anfang spielt sich immer unter voller Konzentration, du bist frisch und ausgeruht...
Am Ende werden Meister gemacht:rock:


1. Wenn du links schon an einer Umkehrung scheitern wirst, klingt das nach fehlenden Grundlagen.
Spielst du nur Stücke?
Ich zb Nimm mir immer die Tonart des aktuellen Stück und spiele Tonleitern, gebrochene Akkorde und Arpeggien in verschieden Rhythmen, solo und mit beiden Händen, und dadurch auch in allen Umkehrungen.

Momentan versuche ich Dur mit der einen und Moll parallelen in der anderen, aber das verkraftet mein Hirn noch nicht:D
 
Exordium

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Ausgangslage:

Ja, die Idee mit dem "Hinten anfangen" hatte McCoy früher schon irgendwo vorgeschlagen. Auch schwierige Passagen getrennt üben ist nichts neues.

Es ist teilweise gar nicht so einfach herauszufinden, woran und warum es immer scheitert und sich (Lern-)Erfolge nur langsam, mühsam oder gar nicht einstellen wollen!
Als erwachsener Hobby-Spieler der völlig zwanglos an die Sache herangehen kann, muss man sich ja nicht mal selbst belügen. Trotzdem fällt es teilweise schwer eine genaue Diagnose
zu stellen, wo und warum es immer wieder klemmt. Gaaaaanz oft will man einfach zuviel in zu kurzer Zeit. Aber es gibt noch andere Hindernisse, die sich erst später als
Defizite zu erkennen geben!

Die Tretmühle:

Eine ganz üble Sache hat mein Coach letztendlich noch diagnostiziert! Ich war es ja gewohnt, ein Stück nach "old-school" Methode zu lernen:

Erst rechte Hand, bis alles gut sitzt, dann linke Hand, dann gaaaaaanz langsam zusammenbringen. Leute... das kann u. U. völliger Mist sein! Ich erkläre auch warum.

Ich spiele die rechte Hand, bis ich sie praktisch auswendig gelernt habe, das gleiche wiederhole ich für die linke Hand. Was ist jetzt schlecht an der Sache?
Nun, ich kann das Stück überhaupt später nur auswendig spielen! Das liegt daran, dass ich nicht in der Lage bin "a tempo" die Noten im Bass- und Violin Schlüssel
umzusetzen! Oder anders ausgedrückt: Das Noten lesen-lernen und danach spielen zu können bleibt hier völlig auf der Strecke.

Lese ich erst den Violin Schlüssel, bescheisse ich mich gleich selbst, da oftmals nur 1-2 Noten bestimmt werden müssen und der Rest dann mehr oder weniger am Fingersatz
oder Intervall zur nächste Note bestimmt wird. Sobald die Melodie sitzt, will der Kopf von den schwarz-weißen Flecken auf dem Blatt schon gar nix mehr wissen.

Das gleiche im Bass-Schlüssel. Auch hier ist das alleinige von links nach rechts lesen/spielen/interpolieren meist kein Problem.

Jetzt kommt das Zusammenbringen: Ab hier fängt der Trouble an. Bass- und Violinschlüssel von oben nach unten (oder andersherum) lesen gerät völlig ins Stocken.

Entweder man kann es sofort umsetzen, oder man gerät praktisch sofort ins Schleudern (so wie ich).

Für mich hat es sich praktisch so angefühlt, als lerne ich Gedicht A (Violin-Schlüssel) und Gedicht B (Bass-Schlüssel) auswending und soll das ganze dann
zusammen in einem neuen Gedicht (auswendig) vortragen :) Weil beide Gedichte parallel vom Blatt lesen ist nicht...

Wege aus der Misere(?):

Ab heute werden die Noten erst vertikal und dann horizontal gelesen. Der Kopf muss aufhören den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen, wenn ich auf das Notenblatt schaue.

Primärer Fokus auf das sichere Erkennen einer Note anhand ihres Wertes und das Drücken der richtige Taste in praktisch "no time".

Tools, Apps und Material hat es ja genug dazu. Weitere Training-Tipps sind willkommen.
 
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Ok, Du mühst Dich voran ...


Schau' doch einmal ergänzend im Netz auf die Pomodoro-Technik. Die könnte für Dich beispielsweise so aussehen:
  • zuerst schriftlich Lernziele für die kommende Übungsstunde formulieren (Stichpunkte oder so)

  • 25 min daran arbeiten
  • 5 min Pause (da freut sich Dein Kopf)
  • weitere 25 min daran arbeiten
  • längere Pause von ca. 10 - 20 min.

  • Notfalls wiederholen.

Wirst sehen, das wirkt wie ein Lernturbo, insbesondere über mehrere Tage. Binggg.

Pomodoro, also Tomate, ist die wohl witzig gemeinte Wahl des "Erfinders" für eine Tomatenuhr, statt einer Eieruhr. Aber jeder Timer oder jede Stoppuhr tut es genauso gut :D

220px-Il_pomodoro.jpg
 

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