Thanatos - Dark Wave? -

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Substitute
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Guten Abend

Ich habe hier schon länger nichts mehr geschrieben, wollte aber mal wieder einen Text hier einstellen. Dieser hier ist relativ schnell entstanden, und floss ziemlich aus mir raus. Ich weiss, das Thema ist schon ziemlich ausgelutscht und wurde oft in Liedern durchgekaut, trotzdem wollte ich es auf meine Art probieren. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, welche Musikrichtung zu diesem Text gut passen könnte, es liest sich für mich sehr stark wie ein Rap oder ähnliches, aber das ist ehrlich gesagt überhaupt nicht mein Gebiet und dorthin will ich auch nicht abzielen. Irgendetwas in Dark Wave Richtung könnte ich mir da schon eher vorstellen.

Wie wirkt der Text auf euch? Ist er in sich schlüssig oder liest er sich zu abgekapselt? Falls ihr Tipps oder Verbesserungsvorschläge habt, würde ich mich sehr darüber freuen.

Thanatos

Vielleicht bin das im Spiegel gar nicht ich
Vielleicht sieht mir diese Person nur zum verwechseln ähnlich
Ich könnte auch versuchen es endlich zu beherrschen
doch das wäre so, wie im Steinhaus mit Gläsern zu werfen

Aller Anfang ist leicht doch das Ende ist schwer
Wer hat mich denn gefragt ob ich bereit dafür wär?
Ich fühle mich anders, ich fühle mich schlecht
Was man auch macht, der Schwächere hat niemals Recht

Zeit heilt keine Wunden und Glaube versetzt keine Berge
Wir bauen ja auch keine Wolkenschlösser sondern Särge
Stille Wasser sind nicht tief sondern einsam
Soll heissen; Allein schafft man weniger, als gemeinsam

Kurze Rede, langer Sinn, ich kann nicht ändern, wer ich bin
Flüsse fliessen, Vögel fliegen, Fische schwimm'n
Wenn's am schlimmsten ist, sollte man geh'n
Wenn nicht aus dem Raum, dann aus dem Leben.
 
Eigenschaft
 
Hallo Substitute,


ich versuche jetzt aufgrund deiner Bitte einfach mal nur zu schildern, wie der Text auf mich wirkt. Ich hoffe, dass dir das weiterhilft.

Mein erster Eindruck: Es liest sich für mich wie ein Gedicht. Ich habe überlegt, wie du die Textfragmente nutzt. Sind das alles Strophen und gibt es dazu noch einen Chorus/Refrain? Der Text hat für mich, mal mehr, mal weniger, einen Rhythmus. Musikalisch habe ich ein bisschen so etwas wie Goethes Erben im Sinn. Kennst du die Band? Charakteristisch für die Musik sind sehr experimentelle Texte, welche oft mehr gesprochen, als gesungen sind.


Thanatos -> Ich muss an dieser Stelle ehrlich zugeben, dass ich erst einmal nachlesen musste, wer Thanatos ist. Nach dem ich mich schlau gemacht habe, ergibt dieser Titel auch einen Sinn für mich)

Vielleicht bin das im Spiegel gar nicht ich
Vielleicht sieht mir diese Person nur zum verwechseln ähnlich
Ich könnte auch versuchen es endlich zu beherrschen -> Ich habe mich gefragt, was versucht das lyrische Ich zu beherrschen?
doch das wäre so, wie im Steinhaus mit Gläsern zu werfen -> Da musste ein wenig schmunzeln. Ich dachte erst, das sei ein Verdreher, aber ich glaube, das ist Absicht oder?
Aller Anfang ist leicht doch das Ende ist schwer -> Heißt das eigentlich nicht "Aller Anfang ist schwer"?
Wer hat mich denn gefragt ob ich bereit dafür wär?
Ich fühle mich anders, ich fühle mich schlecht
Was man auch macht, der Schwächere hat niemals Recht

Zeit heilt keine Wunden und Glaube versetzt keine Berge
Wir bauen ja auch keine Wolkenschlösser sondern Särge
Stille Wasser sind nicht tief sondern einsam
Soll heissen; Allein schafft man weniger, als gemeinsam

Kurze Rede, langer Sinn, ich kann nicht ändern, wer ich bin
Flüsse fliessen, Vögel fliegen, Fische schwimm'n
Wenn's am schlimmsten ist, sollte man geh'n -> Ähnlich wie oben: Ich kenne nur den Ausspruch "Wenn es am schönsten ist, soll man gehen".
Wenn nicht aus dem Raum, dann aus dem Leben.


Fazit: Es wirkt auf mich wie eine Abschiedsszene, kurz vor dem Suizid. Ich stelle mir vor, wie jemand mit sich vor dem Spiegel spricht und er oder sie z.B. Thanatos darin dann sieht.
 
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Danke für die Antwort

Ich hatte eigentlich im Sinn, nur Strophen für dieses Lied zu nutzen. Ich finde es teilweise schwer, einen wirklich passenden Chorus für Lyrics zu finden, die eine Situation oder eine kurze Geschichte aufzeigen sollen. Meistens wirkt es sonst so, als ob man dann einen Refrain macht, weil halt einer da sein muss. Das ist natürlich nicht immer der Fall, teilweise baut sich der ganze Text auch nur auf einer guten Idee für den Chorus auf, aber hier war das nicht der Fall.

Goethes Erben kenne ich nicht, aber hab mir gerade ein paar ihrer Lieder angehört. Es ist von der Textwiedergabe nicht ganz die Richtung, die ich anpeile. Ich möchte schon eine Gesangsmelodie drin und zumindest nicht den ganzen Text gesprochen haben. Musikalisch könnte ich mir jedoch auch sehr gut etwas in diese Richtung vorstellen.

Thanatos -> Ich muss an dieser Stelle ehrlich zugeben, dass ich erst einmal nachlesen musste, wer Thanatos ist. Nach dem ich mich schlau gemacht habe, ergibt dieser Titel auch einen Sinn für mich)

Vielleicht werd ich mir wegen dem Titel noch etwas anderes einfallen lassen. Ich schätze, er könnte etwas zu "hochgestochen" wirken. Thanatos hat ja neben der Bedeutung für den Gott auch noch eine zweite Bedeutung, die von Freud geprägt wurde und für den Todestrieb steht.

Ich habe mich gefragt, was versucht das lyrische Ich zu beherrschen?

Ich wollte da im Text nichts konkretes ansprechen, damit sich da jeder seinen Teil dazu denken kann. Ich hatte beim schreiben zumindest im Kopf, dass das LI hauptsächlich mit sich selbst im Konflikt ist. Also mit seiner kranken Seite, ob psychisch oder physisch sei mal dahingestellt. War das in etwa zu Erahnen, oder gar nicht klar?
- Da musste ein wenig schmunzeln. Ich dachte erst, das sei ein Verdreher, aber ich glaube, das ist Absicht oder?
- Heißt das eigentlich nicht "Aller Anfang ist schwer"?
- Ähnlich wie oben: Ich kenne nur den Ausspruch "Wenn es am schönsten ist, soll man gehen".

Ja, die Stellen waren alle Absicht. Die Idee war eigentlich, allgemeine Phrasen und Redewendungen einfach eine neue Sichtweise zu verleihen. Es gibt auch noch ein paar andere Stellen im Text, bei denen ich das versucht habe.

Das Fazit finde ich ganz zufriedenstellend, das war auch etwa die Situation und die Eindrücke, die ich übermitteln wollte.
 
Hallo Substitute;

Substitute schrieb:
Wie wirkt der Text auf euch? Ist er in sich schlüssig

Ich finde den Text schlüssig (und er gefällt mir auch)... bis auf eine einzige, aber für mich leider entscheidende Stelle:

Substitute schrieb:
Kurze Rede, langer Sinn, ich kann nicht ändern, wer ich bin
Flüsse fliessen, Vögel fliegen, Fische schwimm'n
Wenn's am schlimmsten ist, sollte man geh'n

Einerseits: schöne Verknappung!
Aber andererseits...Fische schwimmen von Natur aus... und ich bin eben von Natur aus lebensmüde...:gruebel:

Geht natürlich, weil in der Kunst alles geht... aber unter "schlüssig " verstehe ich an dieser Stelle etwas Anderes.
Du könntest nun erwidern, Du hättest nur aus der kranken - oder sagen wir mal - vereinsamten Sicht des LI geschrieben.
DAS müsste ich akzeptieren... dann erlaube ich mir allerdings, den Text in die muffigen Schubladen " Schreiben zur Selbstheilung" oder " unreflektierte Genre-Texte" zu verstauen.:cool:

Da ich andere Bilder gelungener finde, zum Beispiel...

wie im Steinhaus mit Gläsern zu werfen
oder
Aller Anfang ist leicht doch das Ende ist schwer

... meine ich aber, da geht noch was:)

auch wenn ich da gerade an Deinem twist herum kratze ;)

Lg
 
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Auch dir danke für die Antwort.

Einerseits: schöne Verknappung!
Aber andererseits...Fische schwimmen von Natur aus... und ich bin eben von Natur aus lebensmüde...:gruebel:

Geht natürlich, weil in der Kunst alles geht... aber unter "schlüssig " verstehe ich an dieser Stelle etwas Anderes.
Du könntest nun erwidern, Du hättest nur aus der kranken - oder sagen wir mal - vereinsamten Sicht des LI geschrieben.
DAS müsste ich akzeptieren... dann erlaube ich mir allerdings, den Text in die muffigen Schubladen " Schreiben zur Selbstheilung" oder " unreflektierte Genre-Texte" zu verstauen.:cool:

Du hast Recht, natürlich entspricht es nicht ganz der Realität und es ist keine perfekte Metapher. Es würde mir auch eher missfallen, wenn der Text schlussendlich nur verbittert und selbstmitleidig wirken würde, das ist nicht das Ziel. Fakt ist ja auch, das man meistens sehr wohl etwas ändern kann, auch wenn man es nicht alleine schafft. Wobei ich bei den Lyrics natürlich nicht nur auf psychisches Leiden eingehen will, sondern auch auf physisches und da gibt es nunmal auch gewisse unheilbare Erkrankungen. Dann wäre die Idee eher : "Ich bin so geboren (bzw. mit der Veranlagung) / Ich wurde so hingerichtet und kann nun nichts mehr daran ändern." Ich werde mir aber diese Stelle noch mal durch den Kopf gehen lassen.
 
Hi substitute,

... der titel ... nicht gänzlich unbewandert in mythen dem alten freud war mir doch thanatus nicht geläufig - es gibt google und wiki zum glück - dennoch erweckt in mir der titel eine nähe zu klassik und schwerstsymbolischer aufwartung, die dein text mit verve bricht, für mich aber eher eine hürde darstellt ...

... flow gewinnt und deine umgangssprache (ist beileibe nicht negativ gemeint: denn du gehst mit sprache sehr sorgsam um) bricht gekonnt mit dem ehrfurchtsgebietenden titel, und hat insofern auch alles für sich: allein die versform des aa/bb scheint mir eher hinderlich und zwingt dich zu reimen, denen die worte folgen müssen ...

... das "es" in der dritten zeile der ersten strophe war für mich ein unaufgelöster stolperstein - das braucht es imho nicht, als alternativentwurf:
Ich könnte auch versuchen endlich zu herrschen
doch das wäre so, wie im Steinhaus mit Gläsern zu werfen

... und ebenso:
Zeit heilt keine Wunden und Glaube versetzt keine Berge
Wir bauen Wolkenschlösser und Särge

... das ende mit dem aus dem leben gehen: da würde ich noch mal dran gehen: inhaltlich, denn es wirkt so ziemlich wie faust auf auge für mich, sprachlich: denn es holpert in meinem ohr

... und nach alledem: du hast da was sehr sehr tolles und eigenes am wickel ...

x-Riff
 
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Hallo Substitute

Substitute schrieb:
Wobei ich bei den Lyrics natürlich nicht nur auf psychisches Leiden eingehen will, sondern auch auf physisches und da gibt es nunmal auch gewisse unheilbare Erkrankungen.

Sieh das mit dem "unheilbar" mal so: auch Fische können erkranken.
Aber DAS verleugnest Du - mal logisch zu Ende gedacht - ausdrücklich: Typisch für Fische ist halt ihre Fortbewegung - und für das LI halt seine Krankheit.
Siehst Du es? - Du vergleichst Äpfel mit Birnen. Soviel zur Logik.

Nun zum Inhalt. Was soll mir dein umstrittener Vergleich demonstrieren? Außer irrationale Flucht in das Geschick eines von Geburt an zum Scheitern Verurteilten? - Dabei zeigen uns zum Beispiel die Paralympics, zu welch unglaublichen Leistungen Menschen mit Behinderung fähig sind!...

...und ich möchte anfügen, dass viele geniale Leistungen in Wissenschaft, Politik oder Kunst teilweise darauf zurück zu führen sind, dass ihre Schöpfer damit unheilbare Krankheiten kompensierten! - Für mich ist DAS erwähnenswerter als das Leid, welches Krankheit bedeutet....

SO gesehen müsste ICH wohl eher schreiben:

Langer Leiden kurzer Sinn
Vögel fliegen Fische schwimm'n :D


Ich erwarte von Kunst keine Lösungen. Aber wenigstens einen (mich) interessierenden Ansatz... ;)
 
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Hallo Ihr,

Man könnte das Ding komplett vertwisten, da wär viel drin...

Langes Leiden, kurzer Sinn, kann nicht ändern wer ich bin
Flüsse fliessen, Vögel schwimmen, Fische fliegen
Wenn's am Schlimmsten ist sollte man bleiben
Wenn nicht im Raum, dann schon im Leben

Nur eine kleine Spielerei :). Aber danke für die Inspiration !

LG, Annette
 
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Ich stimme Jongleur und Annette doppelt zu.

1. Die Vorstellung, jemand sei genetisch von Natur aus zum Suizid programmiert, ist inhaltlich unbefriedigend. :(

2. Die verwendeten Sprachspiele sind sensationell gut. :great:

Alex
 
Hallo zusammen,


zur Diskussion möchte ich lediglich beitragen, dass vielleicht kein Mensch "von Natur aus zum Suizid programmiert" ist, aber es gibt sehr wohl Menschen, die mit einer depressiven Ader auf die Welt kommen! Oder denkt bitte auch an psychische Erkrankungen wie Bi-Polare Störung (manisch-depressives Verhalten).

Ich finde den Ansatz von Annette sehr originell und es passt meiner Meinung nach auch zum Stil des Textes. Ich persönlich würde aus dem bisher vorhandenen Material inhaltlich folgendes "zusammenflicken":

Der Text fängt normal an ...


Vielleicht bin das im Spiegel gar nicht ich
Vielleicht sieht mir diese Person nur zum verwechseln ähnlich
Ich könnte auch versuchen es endlich zu beherrschen
doch das wäre so, wie im Steinhaus mit Gläsern zu werfen

Aller Anfang ist leicht doch das Ende ist schwer
Wer hat mich denn gefragt ob ich bereit dafür wär?
Ich fühle mich anders, ich fühle mich schlecht
Was man auch macht, der Schwächere hat niemals Recht

Zeit heilt keine Wunden und Glaube versetzt keine Berge
Wir bauen ja auch keine Wolkenschlösser sondern Särge
Stille Wasser sind nicht tief sondern einsam
Soll heissen; Allein schafft man weniger, als gemeinsam


Dann würde ich das "verdrehte" Ende von Annette nehmen bzw. einen Teil davon...


Langes Leiden, kurzer Sinn, kann nicht ändern wer ich bin
Flüsse fliessen, Vögel schwimmen, Fische fliegen


Ab hier wird der Eindruck vermittelt, oha, der ist nicht "nur" depressiv/will sich das Leben nehmen, sondern scheint geistig krank zu sein.
Und dann könnte man kurz und knackig auf den Suizid anspielen: (nur ein Vorschlag)


Zu Thanatos steig ich in den Spiegel...


Das wäre soweit meine Idee.
 
Vielen Dank an alle, die mir noch geantwortet haben.

Ich habe leider momentan nicht sehr viel Zeit, daher kann ich nicht wirklich auf die Posts eingehen, ich habe sie aber alle gelesen. Sobald ich etwas mehr Spielraum habe, werde ich auch noch auf die verschiedenen Anmerkungen und Tipps eingehen. Weitere Kommentare sind natürlich noch immer erwünscht.
 

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