Tipps für den ersten Ampkauf nach dem Einsteigeramp

von MAI, 18.10.07.

  1. MAI

    MAI HCA Gitarren/Amps HCA

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    Erstellt: 18.10.07   #1
    Ampkauf für den fortgeschrittenen Spieler ;)

    Nachdem es ja in letzter Zeit des Öfteren mal Fragen über BIAS-Einstellungen, Speakerkabel, die richtige Box und dergleichen gibt, möchte ich die Zeit mal nutzen, eine kleine Zusammenstellung zu starten.

    Der Unterschied zum bisherigen:

    es handelt sich hier nicht um Kauftipps für den ersten Amp des Lebens, sondern eben für den Zweiten. Ich hebe versucht, es sehr allgemein zu halten.

    Vorwort:

    Viele kennen es bereits. Man hat vor einiger Zeit mit der Gitarre angefangen, lernte die ersten Akkorde, spielt die ersten Soli nach und fängt vielleicht schon an, in einer Band mitzumachen.

    Ein Großteil dieser Anfänger hat seine ersten Schritte mit den klassischen Anfänger-Sets, günstigen Übungsverstärkern oder ähnlichem begonnen.

    Entsprechend der eigenen Entwicklung stößt man mit diesen Verstärkern irgendwann mal an die Grenzen. Sei es durch zu geringe Lautstärke im Bandkontext, zu geringe Flexibilität oder einfach durch den teilweise mäßigen Klang des Ganzen.

    Nun steht man vor der Entscheidung: Wie geht es weiter?


    Streitfrage : Röhrenamp vs. Transistoramp vs. Modeller

    Der fortgeschrittene Gitarrist gerät hier schnell mal in die Mühlen der Werbeindustrie, wird von Musikerkollegen angesteckt oder wird durch Anspielen im Musikladen selbst auf die Tour gebracht: ein Röhrenamp ist das einzig Wahre!

    Diese zeitweilig einhellige Meinung wird durch viele Faktoren beeinflusst:

    Behauptung Nr.1:

    Die Stars auf den großen Bühnen spielen hauptsächlich Röhrenamps.

    Das ist prinzipiell richtig. Aber Röhrenamp ist nicht gleich Röhrenamp. Die Stars auf der Bühne können sich eine Preisklasse und Qualitätskategorie von Röhrenamps, die sicherlich großartig klingen, leisten, die sich Otto-Normal-Musiker oftmals nicht leisten kann. Vor allem dann, wenn derjenige kein festes Einkommen hat.

    Bei der Klangqualität dieser Amps spielt der Anteil der Röhren allein lediglich eine Mit-Täter-Rolle. Es ist das Know-How, das in die Konstruktion miteinfließt, die Abstimmung der Bauteile ( also Trafo, AÜ, Kondensatoren, Potis, Leitungen ) und das Gespür des Konstrukteurs, das einen guten Amp ausmacht. Dieses Trial-And-Error bei der Entwicklung macht den Amp teuer. Die Röhren wirken hinzu, sorgen aber nicht alleine für den Ausschlag in die richtige Richtung.

    Nimmt mal mal die ganzen Stars der Bühnen außen vor und wirft einen Blick auf die ganzen Berufsmusiker ( z.B. das doch harte, weil konkurrenzreiche Geschäft der TOP-40 Unterhaltungsmusiker ), dann sieht die Sache wieder ganz anders aus: da sind viele mit guten, recht teuren Modeller-Amps unterwegs, um ihre verschiedenen Sounds auf die Bühne zu bringen. Natürlich oftmals ergänzt durch Röhrenamps.
    Diese wissen sich klanglich auch zu behaupten und man merkt auf der Bühne oftmals nicht, welcher der beiden Kategorien gerade läuft.

    Behauptung Nr.2:

    Transistoramps klingen schlecht und taugen nur für den Anfängersektor, deshalb zur Röhre greifen.

    Der Trend geht eindeutig zu den Röhrenamps. Auch im Niedrigpreissektor tummeln sich mittlerweile die Röhrenverstärker. Man bekommt heute für 500 € einen mehrkanaligen Vollröhrenverstärker a la ValveKing.

    Die Frage ist: klingt Röhre wirklich immer gut?

    Am Beispiel ValveKing hat man gesehen: das Gerät ging anfangs weg wie geschnitten' Brot.

    Dann nach dem Amp-Honeymoon, der ersten Euphoriephase, tauchten die ersten bei ebay auf, da sich herausstellte, daß es mit der Klangqualität dann doch nicht soo weit her ist. Es gibt sicherlich viele Leute, bei denen es genau der Sound ist, den sie suchten.

    Viele aber dachten, sie kaufen sich, weil Röhre, damit den Amp für eine lange, unabsehbare Zeit. Diese Leute merkten ziemlich schnell, daß der Amp nicht unbedingt das war, was auch bei fortschreitender Weiterbildung, was die gitarristischen und gehörbildenden Fähigkeiten angeht, auf Dauer befriedigt.

    Es gibt einige sehr gut klingende Transistoramps auf dem Markt, die es gut mit so manchen Low-Budget-Röhrenamp aufnehmen und diesen überflügeln. Da sollte man Berührungsängste abbauen und sich mal einige von denen zum Anspielen schnappen, bevor man blind zum 500 € Röhrer greift.

    Das beste Beispiel, daß sich ein Transistoramp zur allseits anerkannten Referenz gemausert hat, ist der oft zitierte Roland JC-120. Und dieser Amp wird erwähnt, obwohl es Cleanwunder a la Fender gibt. Es ist also alles eine Frage, was man aus einem Konzept macht.

    Behauptung Nr.3:

    Modeller-Amps sind mies und klingen tot.

    Diese Behauptung trifft wiederum nur auf die unteren Preisregionen zu, wo teilweise durch mangelnde Rechenleistung der Chips sehr schauerliche Ergebnisse herauskommen. Steigt man in die Fender Cybertwin, Hughes & Kettner ZenAmp oder ZenTera-Klasse ein, um einen flexiblen Alleskönner auf hohen Niveau zu erwerben, wird man dort mit Sicherheit fündig. Die Technik ist doch schon recht weit, jedoch gibt es sicherlich in den nächsten Jahren, sollte sich die Technik etablieren, noch große Sprünge.

    Da stimmt dann Verarbeitung, die Qualität der Amp-Models und Praxiswert. Die Preise sind dann natürlich auf entsprechendem Niveau.

    Wenn man aber bedenkt, was eine adäquate Lösung mit diversen Röhrenamp kosten würde, dann schaut die Welt wieder anders aus.

    Zur Qualität der Amp-Modelle: diese kommen teilweise sehr, sehr nahe ans Original heran. Abstriche gibt es, wenn, dann nur bei verzerrten Class A Amps, die man einfach bisher nicht in dieser Plastizität simulieren kann. Die Overdrive-Sounds sind aber größtenteils sehr brauchbar und werden auf Bühnen zufriedenstellen.

    Wer auf diesen Flexibilitäts-Overkill verzichten kann, der wird aber nicht zwangsweise zum Modeller greifen.


    Muß man viel Geld einplanen, um nach Möglichkeit eine Weile mit dem Amp zufrieden zu sein?

    Ist ein schwieriger Punkt, da hier vieles sehr individuell geprägt ist.
    Leider muß ich dazu sagen: umso mehr Geld man anlegt, desto besser.
    Bei Verstärkern würde ich mehr Geld anlegen, als bei den Gitarren, da der Verstärker ( zu dem man sicherlich kein so persönliches Verhältnis aufbaut, wie zur Gitarre ) beim Klang mehr herausreißen kann und ein guter Amp auch mal eine durchschnittliche bzw. durchwachsene Gitarre kompensieren kann.

    Für 600 € bekommt man schon wirklich gute Laney Amps ( made in the UK ), die auch solide verarbeitet sind und einen hohen Praxiswert haben.

    Verzichtet in solchen Preisklassen auf optischen Schnickschnack wie Beleuchtungen, ausgefallene Gehäuse-Verzierungen oder ähnliches. Die haben Geld gekostet, das dann nicht in die Bauteile der Amps geflossen ist.

    Umso mehr man ausgeben kann, desto mehr bekommt man dann halt auch für's Geld. Diese Faustregel gilt zumindest mal bis zu 1000 €. Da ist es also durchaus mal überlegenswert, den Ampkauf mal ein, zwei, drei Monate rauszuschieben und sich dann was wertigeres zu kaufen.

    In dieser Klasse befinden sich Amps, die das Potential haben, über Jahre zufrieden damit zu sein. Beispiele würden jetzt allerdings den Rahmen sprengen.


    Streitfrage: Watt-Zahl

    Ein ewiges Thema. Vieles hierbei ist eine Frage der Praxis. Ein schöner, klassischer Zerrsound ist locker mal mit 15-30 Watt drinnen. Das ist -je nach Speakerbestückung- weit über dem, was ich meinen Mitmenschen ohne Ohrstöpsel zumuten würde. Für's zuhause Üben definitv schon überdimensioniert.

    Aber halt!

    Das ist wiederum eine Frage der Auslegung des Amps. Ein alter Vox AC 30 wird mit seinen 30 Watt noch die Sirene der herannähernden Polizei überlagern, bevor der nette Mann in der grünen Uniform mit dem Schlagstock das Riff beendet.

    Hier wären Transistoramps eindeutig im Vorteil, die auch bei moderaten Lautstärken gut klingen. Aber auch moderne Röhrenamps klingen, aufgrund der primären Klangformung in der Vorstufe, auch leise richtig gut. Da hilft nur ausprobieren und der Lautstärkencheck.

    Der Funk-Musiker, der schweinelaut seinen Cleansound rüberbringen will, wird mit 30 Watt nicht sonderlich glücklich werden. Laute Cleansounds erfordern eine gewisse Übersteuerungssicherheit und Headroom, den nur ein hochwattiger Amp bieten kann. Pauschal lässt sich das natürlich nicht festmachen. Gibt ja PA's, und ultrastabile Clean-Amps.

    Der Metal-Tiefstimmer sollte, aufgrund einer sauberen Bass-Übertragung in unteren Frequenzen, auch eher zum Hochleistungsamp greifen.

    Die Botschaft kristallisiert sich ja bereits heraus: die Leistungsabgabe sollte den Gegebenheiten und Musikstil angepasst werden. Da sollten die Ohren, der Verstand und weniger der männliche Poser-Trieb auschlaggebend sein.

    Dagegen spricht natürlich, daß viele Hersteller ihre 100-Watter als Topmodell ansehen und dort Features verbauen, die in anderen Versionen nicht bereitstehen.


    Streitfrage: Gibt es laufende Kosten bei Röhrenamps?

    Nicht zu verachten sind die laufenden Kosten von Röhrenamps. Vor allem die Endstufenröhren müssen je nach Verschleiss nach einiger Zeit ausgewechselt werden, was bei den meisten Amps einen Besuch beim Techniker notwendig macht, um den BIAS-Abgleich zu machen.

    Diesen BIAS-Abgleich halte ich für zwingend notwendig, um die Lebensdauer von Röhren und Ampteilen möglichst optimal zu gestalten und den Klang des Amps auf hohen Level zu halten. Auch sollte man bei der Auswahl der Röhren nicht zum Billigsten greifen.

    Über diese laufenden Kosten sollte man sich zuvor Gedanken machen. Und nicht erst warten, bis die erste Röhre den Geist aufgibt. Dennoch sind das Sachen, die bei entsprechender Benutzung nur alle paar Jahre ein Thema sind.

    Die Kosten steigen logischerweise mit aufsteigender Wattanzahl und damit steigender Anzahl der Röhren an. Ein vollständiger Röhrenwechsel eines Diezel Herbert oder Mesa Roadkings kann einem da schon die Tränen in die Augen steigen lassen.

    Preise gematchter Röhrenpaare und Quartette kann man bei den einschlägigen Händlern abfragen.


    Streitfrage: Top mit Box oder Combo?

    Hier möchte ich als Erstes mal den wirtschaftlichen Punkt ansprechen.
    Viele sehen ein Topteil und vergleichen es mit dem technisch baugleichen Combo.

    Das Top ist billiger. Logisch! Es fehlen ja auch der/die Speaker und ein Teil des Gehäuses.

    Unwidersprüchliche Tatsache ist: ein Topteil ist prinzipiell teurer als ein Combo.

    Das Topteil erfordert eine Box. Die Box sollte, um das Topteil möglichst gut auszunutzen, auf einer Qualitätsstufe mit dem Amp stehen. Mir wird regelrecht übel, wenn ich sehe, daß manche ihren Diezel oder Mesa oder was-weiß-ich über eine billige 200-250 € 4x12er Box spielen, weil sie sich sagen: "Hauptsache geiler Amp, geile Gitarre. Auf die Box achtet eh niemand." :screwy:

    Eine schlechte Box ist Geldvernichtung.


    Man spielt einen sündteuren Amp und nutzt, aufgrund des Nadelöhrs Box, nur 60-70 % des Potentials. Und wehe, sie spielen den Amp mal über ne gute Box und sehen, was ihnen bisher entgangen ist.

    Nun, Zeit für den nächsten, häufig vorkommenden Fehler: man nimmt die alte Sperrholzbox und tauscht die Speaker gegen hochwertigere aus.

    Doppelte Geldvernichtung!

    4x Vintage 30 = ca 450 € für ein bißchen Verbesserung.

    Die Speaker sind jetzt gut, man merkt einen Unterschied, zahlt aber einen hohen Preis dafür.

    450 € ( neue Speaker ) + 250 € ( alte Billigbox ) = 700 € = gute, zukunftsfähige Box

    Klangfaktoren bei der Box sind ( u.a. ):

    Gehäusekonstruktion
    Gehäusematerial
    Speaker
    Frontloaded bzw. Rearloaded
    Art der Verstrebung
    Rückwand
    Rollen, keine Rollen, Leiste wie bei Orange
    Frontbespannung
    Baffle Board
    Art der Aufhängung der Speaker
    ....

    Alles hängt zusammen und nimmt gehörigen Einfluss. Das ist auch der Grund, warum teure hochwertige Box auch mit gleicher Speakerbetückung besser klingen. Günstige, positive Ausnahmen gibt es natürlich auch.

    Bedenkt bitte, daß man sich wahrscheinlich öfters Amps kauft, als daß man sich Boxen zulegt. Der übernächste Amp könnte schon die Mesa-Preisklasse oder mehr sein, und dann habt ihr schon eine Box, mit der ihr keine Abstriche machen müsst.

    Also wenn Top + Box, dann gleich richtige Box.


    Combo

    Greift man nun zum Combo, sollte man sich im klaren sein, daß die meistens halboffene Gehäusebauweise auch einen Einfluss auf den Klang nimmt. Deswegen wird es erforderlich sein, mit den Räumlichkeiten beim Spielen etwas zu experimentieren und für sich die beste Stellung zu finden.

    Vorteile des Combos sind:

    meistens leichter transportierbar
    leichter verstaubar
    Speaker bzw. Gehäuse ist abgestimmt auf Amp
    billiger ( auf den zweiten Blick )

    Nachteile:


    2x12 Combos sind meist schwerer als ein Topteil, teilweise schwerer als eine 4x12er Box
    weniger flexibel in der Speakerbestückung
    teurer ( auf den ersten Blick )
    räumlich abhängiger
    von sich aus ist der Klang nicht in Ohrhöhe

    Ob man sich nun für das eine oder andere entscheidet, ist Geschmackssache. Ich habe gern Topteile und Boxen mit verschiedensten Speakerbestückungen. Da kann ich mal schnell was anderes ausprobieren. Gute Alternativen zu den Mainstream-Herstellern sehe ich da in den Boxen vonTAD und Tube-Town.

    Streitfrage: 2x12er oder 4x12er?

    4x12 - die Rockformel schlechthin. Seit mehr als 40 Jahren der Inbegriff für Musikgeschichte.

    Keine Frage: es hat immer noch seinen Reiz und hat immer noch ihre Daseinsberechtigung.

    Man hat den Klang durch die Höhe näher am Ohr, ohne den Verstärker auf nen Stuhl oder ein Podest stellen zu müssen. Andererseits sind gute 4x12er teuer, schwer zu transportieren und schwer. Für viele Räumlichkeiten ist diese Box auch zu laut.

    Eine 2x12er hingegen lässt sich leicht transportieren, ist leichter, die zwei Speaker machen sie erschwinglicher und man hat, bei entsprechender Positionierung, ein ähnliches Durchsetzungsvermögen.

    Wie oben schon angesprochen, würde ich davon abraten, eine billige 4x12er vorzuziehen, bloß des Images wegen. Ist die Konstruktion schlecht bzw. sind vier billige Speaker eingebaut, wird man auf Dauer damit auch nicht glücklich.

    Eine gute 2x12er kann man ja später noch mit einer guten 4x12er ergänzen, sollte man dann das Geld dafür übrig haben.


    Streitfrage: Speakerkabel oder reicht ein gewöhnliches Instrumentenkabel?

    Nun, ich kenne Leute, die verbinden seit Jahren den Amp und die Box mit einem gewöhnlichen Instrumentenkabel und es ist nichts bisher passiert.

    Ist wie mit dem Auto fahren:
    man kann auch jahrelang ohne Sicherheitsgurt Auto fahren - und nix passiert. Irgendwann krachts dann doch mal. Und dann hat man Airbag....
    Denkste. Der hilft dann u.U. auch nichts mehr.

    Gleiches gilt für die Verbindung Amp-Box. Nehmt bitte dafür ein dafür vorgesehenes Speakerkabel
    ! Das kostet euch ein paar Euro und gibt euch zumindest mehr Absicherung, was den geliebten Amp angeht. Ihr lasst doch auch nicht guten Gewissens Eure Freundin bei einem Betrunkenen mitfahren. Auch wenn vielleicht nichts passiert und es nur 2 km sind.

    Investiert lieber ein paar Euro mehr und kauft damit ein Kabel, das auch noch beim nächsten und übernächsten Amp zu gebrauchen ist. Ein solches gutes Speakerkabel kostet vielleicht mal 20 €, das wären auf 10 Jahre gerade mal 2 € pro Jahr.


    ------------------------------------------------------------

    Der Sinn des Ganzen war, euch etwas in Sachen Qualität zu sensibilisieren.
    Es gibt heute so viele verlockende Billigangebote und Möglichkeiten. Die Sache ist sehr schnelllebig geworden und vieles sieht optisch und durch die Werbung präsentiert so gut und sensationell günstig aus, zielt aber nur darauf ab, mal kurz den schnellen Euro zu machen.

    Qualität kostet nunmal Geld. Dieser Satz hat sich auch im 21.Jahrhundert bewahrheitet und viele haben sich im Rennen um das nächste Billigschnäppchen nachher tierisch geärgert.

    Viele dieser Billigheimer lassen sich nachher kaum noch über Flohmarkt bzw. ebay loswerden, wenn's nicht mehr passt, und man bleibt darauf sitzen, bzw. wird es nur noch zu einem Bruchteil des Preises, den man bezahlt hat , los.

    Es gibt so ungeliebte Anschaffungen wie Kabel, Netzteile, Griffbrettöl, Steckerleisten und dergleichen, für die man nicht gerne Geld abdrückt, weil sie einem nur auf den Weg zum nächsten Edelamp oder der nächsten Gitarre aufhalten. Dieses Zeugs dient aber dazu, die ganze Sache abzurunden, Qualitätslücken zu füllen und den Betrieb stabil und sicher zu halten, tragen also zur Langlebigkeit eurer Schätzchen bei und sollten unbedingt getätigt werden.

    Kauft also insgesamt lieber Qualität und vergleicht die Produkte sorgsam, spart nicht am falschen Ende und verlasst Euch nicht blind auf Testberichte und Werbung, sondern beäugt die Sachen selber kritisch.

    Zu diesem Zwecke würde ich euch raten:
    geht in die Musikläden und spielt an, testet dort. Und vor allem: kauft die Sachen nach Möglichkeit auch dort und nicht im Internet, wo es vielleicht mal 10 € billiger wäre. Diese Vorgehensweise bewerkstelligt, daß es diese Läden auch weiterhin gibt und sie einem Service und nicht von großen Firmen gelenkte Beratung geben können.

    Ich wäre sehr dankbar, wenn jemand noch Anmerkungen, Feedback, Verbesserungen, Ergänzungen dazu liefern könnte. Vor allem, was Transistoramps und Modeller angeht, gibt es sicherlich noch Leute, die ausführlicher was dazu liefern können.

    Die Wattzahl, die bei ( seriösen ) Leistungsangaben der Hersteller angegeben wird, ist die Leistungsabgabe, die ein Amp bei der Lautstärke erzielt, bei der die Endstufe gerade noch nicht übersteuert. Das hat nichts mit der Vorstufenzerre zu tun!

    Demnach produziert ein voll aufgerissener Amp gewisse Leistungsspitzen, die die nominelle Angabe noch deutlich übertreffen werden.

    Dazu sei gesagt, daß man, vor allem bei leistungsstarken Amps, diese Spitzen kaum im erträglichen Rahmen zu Gehör bekommt. Also keine Angst, daß man vielleicht bei 100 Watt Röhrenamps "nur" eine 100 Watt-Box ranhängt. Die hält das locker aus. Eure Ohren nicht.

    Einen Lautsprecher, der kurz vorm Tod steht, bemerkt ihr normalerweise rechtzeitig am Klang, als daß ihr unbekümmert weiterspielt.

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    Optionsfrage: Was braucht der Amp, was braucht er nicht?



    Effects-Loop

    Ab einem gewissen Preis darf man eine gewisse Grundausstattung erwarten. Die meisten Amps im Lower-Mid-Price bzw. Mid-Price-Sektor verfügen über einen mehr oder weniger gelungenen Effects-Loop, der das Einschleifen und ( mittels Poti ) Zumischen zusätzlicher Effekte erlaubt. Sollte also vorhanden sein. Ob seriell oder parallel ist von Hersteller zu Hersteller verschieden und in der Praxis oftmals Geschmackssache. Es gibt also bei den zwei Arten kein "besser" oder "schlechter".

    Zahl der Kanäle:

    Mindestens zwei. Wichtig hier wäre mir noch ein getrennte Klangregelung für jeden Kanal, eine Lautstärkenregelung für jeden Kanal, ein Master-Volume.

    Manche Amps haben eine gemeinsame Klangregelung ( Höhen, Mitten, Bässe ) für beide Kanäle. Das kann, sofern richtig abgestimmt, auch klappen. Tut es aber oftmals in diesen Preisregionen nicht besonders gut. Im Clean-Kanal soll ja auch ein anderes Voicing möglich sein als im Zerrkanal. Also unbedingt darauf achten, daß sich die Kanäle klanglich und lautstärkemäßig gut aufeinander abstimmen lassen. Kanalumschaltung logischerweise fußschaltbar.

    Schön wäre es noch, wenn man einen fußschaltbaren Lead-Boost hätte. Also nochmal auf Knopfdruck etwas mehr Gain. Selbiges lässt sich natürlich auch mittels eines externen Boosters oder Overdrives erzielen.

    Sollte der Amp interne Effekte haben?

    Ehrliche Meinung?

    Ich halte nichts davon. Die meisten Ampbauer sind Ampbauer und keine Effektbauer. Erwartet man für 700-800 € das Rundum-Sorglos-Paket, dann könnte man enttäuscht werden. Gut, wenn es dabei ist, dann ist schon okay ( sofern man es vollkommen aus dem Signalweg schalten kann ). Ich habe die Erfahrung gemacht, daß man, sofern der Amp über zu viele Optionen verfügt, man sich darin zu sehr verliert. Das mag jetzt abhängig vom Spielertyp sein.

    Eine weitere persönliche Meinung sei gestattet:
    die internen Effekte hatten bisher nie die Qualität eines separaten Einzeleffekt-Bodentreters.

    und noch eine...:rolleyes: :
    das Geld, was manche Amphersteller in die Integrierung der Effekte in den Amp investiert haben, haben manch andere Hersteller in den Amp selbst investiert.


    Hall: keiner, Federhall, digitaler Hall?


    Die meisten Topteile, auch im Highend-Bereich, haben gar keinen integrierten Hall. Der Grund? In einem Topteil ist wenig Platz, um ein Federhall-System einzubauen. Meiner Ansicht ist jedoch ein Federhall System das einzige, was eine gewisse Plastizität und Räumlichkeit erzeugt. Wenn man nun nicht auf Hall verzichten will und kein Platz für einen Accutronics Reverb Tank da ist, bleibt nur der Strohhalm Digital Reverb.

    Ein digitaler Hall erfordert ein gewisses Know-How.
    Das menschliche Ohr ist sehr geschult dabei, Hall zu interpretieren und erkennt meistens realistisch und natürlich klingenden Hall und entlarvt unnatürlich klingenden.

    Das hat zur Folge, daß hier viel Geld fließen muß, um einen guten digitalen Hall zu entwickeln und zu implementieren. Man muß sich nur mal den Effekt-Markt anschauen: Hall-Geräte sind mit die teuersten Effekte.

    Auch hier gilt das Gleiche wie vorher schon bei den internen Effekten:
    die Amphersteller ( z.B. Marshall ) haben es bisher nicht geschafft, in ihren Amps brauchbare und gut klingende digitale Hallsimulationen einzubauen, wie es z.B. ein Boss RV-3 oder RV-5 Bodentreter ( wirklich gute digitale Gitarren-Hall-Bodentreter ) zustande bringt.

    Das bedeutet nun nicht, daß man einen Amp aus der Kaufentscheidung ausschließen sollte, bloß weil er einen digitalen Hall hat. Nein, man sollte sich die Sache mal anhören und dann kann man sich selbst ein Bild davon machen, ob dieses Goodie den Ausschlag geben kann/soll. Möglicherweise sagt er einem ja zu. Und wenn's nicht gefällt, dann kann man ihn ja meistens komplett zudrehen.

    Die Option externes Hallgerät, sofern man es braucht, sollte man in Erwägung ziehen, weil, der übernächste Amp hat ziemlich wahrscheinlich auch keinen Hall an Board. ;)

    Bevor nur ein schlechter Hall an Board ist, lieber gar keinen Hall. :cool:

    --------------------------------

    Da wir jetzt ziemlich am Schluss sind, möchte ich Euch noch ein paar Sachen ans Herz legen, die ihr einplanen solltet.

    A) eine solide Steckerleiste.
    Man neigt bei solchen Sachen gerne dazu, zur Billigware aus der Kramkiste zu greifen. Die Sechsfachleiste für 2,99 €. :ugly:
    Bitte! Investiert ein paar Euro mehr und legt Euch ne solide Marken-Steckerleiste zu. Am Besten mit Überspannungsschutz und sauber verarbeitet. Euer Amp zieht u.U. eine Menge Strom und die Billigstteile stellen in der Hinsicht ein unkalkulierbares Risiko dar.

    B) Ersatz-Feinsicherungen.
    Bekommt man in jedem Baumarkt für ein, zwei Euro das Zehnerpack. Je nach Konstruktion ( amerikanische Amps sind da etwas anfälliger, da sie ursprünglich für ein anderes Netz entwickelt wurden ), Standort ( stromziehende Handwerksbetriebe, Industrie, Kühlmaschinen usw. ) können da schon mal Stromschwankungen bzw. Stromspitzen zustande kommen, die auch mal die eine oder andere Feinsicherung killen. Das ist vollkommen normal ( dafür sind die Feinsicherungen da ) , kann durch die oben genannte Steckerleiste sogar etwas minimiert werden. Ein kleiner Vorrat kann aber nicht schaden, denn meistens passierts, wenn man gerade keine da hat.

    C) Instrumentenkabel, Lautsprecherkabel, die Zweite.
    Ein gutes Instrumentenkabel ist der Sache immer zuträglich. Ein billiges 5 € Kabel aus der Kramkiste ärgert einen nur auf Dauer. Gebt lieber mal 20-25 € für ein gutes Instrumentenkabel aus. Der Unterschied ist hörbar und zweitens auch vom Handling her bemerkbar.

    Kann es nicht oft genug sagen: solltet ihr ein Speakerkabel benötigen, kauft gleich ein Gutes. Wenn das schlechte Kabel mal versagen sollte, wird Euch die Reparatur u.U. mehr kosten.

    Das sind im Übrigen zwei Sachen, die man gut im Musikladen beim Verstärkerkauf mit raushandeln kann.. ;)


    ----------------------

    So, das war es für's Erste. Solte mir noch was einfallen, werd ich hier weitermachen. Falls sonst noch jemand was hinzuzufügen hat, etwas verbessern will oder sonst irgendwelche Anmerkungen liefern mag, darf das jederzeit gerne machen.

    Ich will mich nochmals für die Resonanz und das positive Feedback bedanken und hoffe, mit dem Thread ein paar Leuten helfen zu können.

    Laßt Euch nicht von der Werbung und vom Styling einlullen, sondern achtet auf solide Qualität. :)
     
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  2. ELmia_90

    ELmia_90 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.10.07   #2
    Super gemacht!

    Ich bin selbst auf der Suche nach meinem 2. Amp (den 1. bandtauglichen) und muss schon sagen, dein Text wird mir helfen.

    Richtig und überall wichtig ;)
     
  3. malleus

    malleus Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.10.07   #3
    Klasse Thread - super hilfreich...der sollte gepinnt werden :great:

    malleus

    PS:
    Da haste wohl Combo und Topteil vertauscht...mir ist zumindest kein Top bekannt, das teurer ist als der Combo ;)
     
  4. MAI

    MAI Threadersteller HCA Gitarren/Amps HCA

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    Erstellt: 18.10.07   #4
    Danke! :)

    Nein, das stimmt schon so.

    Um ein Topteil ( das alleine für sich stehend natürlich günstiger ist als ein Combo ) betreiben zu können, ist logischerweise eine Box notwendig. Die Summe aus beidem wird aller Wahrscheinlichkeit größer sein, als wenn man sich meinetwegen den 2x12er Combo der gleichen Serie kaufen würde ( es sei denn, man kauft eine Ultra-Billig-Box :kotz: )

    Sollte man nun aber schon eine Box zuhause haben ( die aber auch mal Geld gekostet hat ), sieht es natürlich anders aus. Dann stellt sich aber wiederum die Frage, ob beide Gerätschaften
    a) klanglich zueinander passen ( was ja beim Combo einigermaßen gewährleistet wäre )
    b) das selbe qualitative Niveau haben

    Darum ja auch mein Ansatz, gleich von vorneherein eine gute Box kaufen, da man wahrscheinlich den Amp im Laufe der Zeit nochmal wechseln wird ( ich kenn uns Gitarristen doch! ). Und dann ginge es bei einer mittelprächtigen Box von vorne los. Nach meinen Erfahrungen schaukelt man sich als Gitarrist nach und nach qualitativ und auch von den Preis ziemlich hoch. Und da bin ich nicht der erste und nicht der einzige. ;)
     
  5. el_hombre

    el_hombre Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.10.07   #5
    Jo, sollte echt gepinnt werden!
    Ich glaube der Thread wird vielen Leuten mit nem großen Fragezeichen aufm Kopp nochma die Augen öffnen, was das angeht. :great:

    Dickes Lob ^^

    mfg hombre
     
  6. TimyFreak

    TimyFreak Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.10.07   #6
    Mh ich war grad gestern auf der Suche nach meinem 2. Verstärker und hab erstmal 2 Empfehlungen im Musikladen angetestet. Komischerweise lese ich hier im Board immer wieder vom Unterschied zwischen Transistor- und Röhrenamps, in Laden wird mir davon garnichts erzählt.
    Lohnt es sich jetzt echt, mal einen den Laden zu gehen und zu sagen, man will einen Transistor- und einen Röhrenamp anspielen, um diese beiden zu vergleichen? Kann man als Anfänger den Unterschied überhaupt bei 15-30 min Anspielen pro Amp / Combo raushören?

    Naja, habe erst einen von Fender probiert, dann den Roland Cube 60, weil ich die R-Fier-Simulation meines Micro Cube so mag. Fand diese Combo dann auch wegen den vielen verschiedenen Simulationen sehr gut und der Verkäufer meinte zudem, der Sound wäre in der Preislage von um die 500€-Amps mit der Beste und eben vielfältigste. Und grad als doch "nur" fortgeschrittener Gitarrespieler würde ich auf diese Vielfältigkeit viel geben und mich noch nicht auf einen typischen Sound einer bestimmten Marke festlegen.
    Auch war mir für den 2. Amp eine Pedalanschlussmöglichkeit wichtig, man will jetzt doch mal zwischen Clean und Zerre umschalten können, wurde im Eingangspost aber leider nicht erwähnt.

    Wäre btw. gut, wenn sich in diesem Thread dann doch noch Modellvorschläge sammeln würden - und auch mir n bisl weitergeholfen werden kann ;)
     
  7. aera

    aera Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.10.07   #7
    Äußerst unvoreingenommen und detailliert, sehr übersichtlich und strukturiert.

    Das gibt eine Bewertung. Klasse! :great:
     
  8. MatzeD22

    MatzeD22 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.10.07   #8
    Saubere Arbeit !!! Hast dir viel Mühe gegeben um alles so ausführlich wie möglich zu beschreiben. Super Thread.

    -> Hab mir jetzt zwar nicht alles genau durchgelesen, aber das was ich gelesen hab war super und wird dem einen oder anderen hoffentlich helfen unduns viel Arbeit ersparen!:D
     
  9. Gatecrasher

    Gatecrasher Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.10.07   #9
    Die Tatsache das man dir nichts drüber erzählt liegt wohl daran dass es doch preislich oft gewaltige Unterschiede zwischen Transe und Röhre gib. Ernstzunehmende Röhrenverstärker, die du auch in ein paar Jahren noch mit WUMMS auf der Bühne spielen willst, fangen meiner Meinung nach bei 900 Euro an, wobei du mit 500 Euro im Transenbereich schon was im Daumen-Hoch-Bereich bekommen kannst.

    Und ja, auch ein Anfänger hat Ohren und im direkten Vergleich miteinander (stell die Amps einfach mal nebeneinander und stöpsel dich schnell um) wirst du´s hören. Schließ dich aus Spaß mal an nem teuren Röhrenverstärker an und dann wieder an der 500 Euro Transe. Du merkst den Unterschied. vielleicht ist das auch ein guter Weg, um aus seinen 500 Euro das bestmögliche rauszuholen. Der Weg sei dann das Ziel.

    Anmerkung: Es gibt auch sogenannte Hybridverstärker mit Röhre in der Vorstufe und Trans in der Endstufe. Macht auch nochmal was am Klang aus, ist meist nicht teurer wie ein normaler Transistorverstärker. War hier z.B. sehr lange glücklich mit meinem zweiten Verstärker Attax 100 von Hughes & Kettner (Hybrid, bekommste heut für 200 Euro bei Ebay).

    2. Anmerkung: Bestimmte Hersteller benutzen eine bestimmte Technologie, um eine Röhrenendstufe zu simulieren. Mir fallen hier ein die FlexWave-Technologie von Crate (z.B. Crate FW65/112) und die Current-Feedback-Endstufe bei Hughes & Kettner (Matrix). Vlt. auch mal anhörenswürdig im Vergleich.
     
  10. Dredg

    Dredg Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.10.07   #10
    also im Matrix funktioniert die definitiv nicht. Hab mal das stack angespielt und das war echt erschreckend. Für meine Ohren hat der jedes Transistorklischee mit bravour erfüllt. Verstehe irgendwie nicht das sich jemand so etwas kauft, für das geld bekommt man schon den kleinen DSL Kombo oder nen Hotrod, die dann klanglich in einer ganz anderen liga sind.
    Vielleicht sollte man das auch noch dazuschreiben. Ein halfstack macht nur Sinn wenn man die Kohle für was richtiges hat oder sehr bewusst kauft. Fame studio reverb und G1 box wären zb kandidaten für ein billiges stack. Aber diese transistorstack für 600 bis 800 euro der etablierten marken sind echt vergleichsweise schwach. Alternativen sind hier die röhrencombos der hersteller, die auch weit praktischer sind wegen transport und so.
     
  11. hoss

    hoss HCA Gibson, Fender, vintage HCA

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    Erstellt: 19.10.07   #11
    Unbedingt Pinnen und bei jedem "welchen Amp" Thread darauf verweisen.
     
  12. malleus

    malleus Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.10.07   #12
    Du hast allerdings oben geschrieben, dass ein Topteil alleine teurer sei als ein Combo - dass dazu ne Box nötig ist, die die Sache nicht gerade günstiger macht, ist mir auch klar ;)

    Gruß
    malleus
     
  13. MAI

    MAI Threadersteller HCA Gitarren/Amps HCA

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    Erstellt: 19.10.07   #13
    Es kommt mich u.U. unterm Strich teurer, als ein Combo, eben weil man die Speaker und dessen Gehäuse bei einer Box ja noch extra zahlt, während der Combo bereits betriebsbereit ist.

    Wie oft sind denn in letzter Zeit die Fragen aufgetaucht, wo Leute gefragt haben, ob sie übergangsweise ihren Amp auch an die Stereoanlage anschließen können, oder andere gefragt haben, ob die 4x12er Box von Ebay für 120 € was taugt? :rolleyes:

    Die Leute kaufen sich das geile Top, ohne darüber nachzudenken, daß danach noch eine Box ansteht, die das Top einigermaßen wiedergeben sollte.


    Zu der These:


    Da kann ich jetzt mal drei unterschiedliche Beispiele bringen:

    Nehmen wir mal den neuen Marshall Vintage Modern 50 Watt Verstärker als 1. Beispiel ( Mid-Price )

    Das Topteil kostet 1150 €
    Der Combo kostet 1350 €

    Das sind 200 € Unterschied. In diesen 200 € stecken 2 Celestion Greenbacks, die im Laden einzeln um die 115 € kosten. Ein Boxenkabel wird beim Combo auch nicht benötigt.

    Gut, für 200 € bekommt man beim Thomann eine Harley Benton Box mit zwei v30. Manchen gefällt sie, anderen nicht. Ist auch Geschmackssache, ob einem die V30 mit einem Marshall besser gefallen oder ob es der Greenback sein muß.

    Anderes Beispiel ( Low-Price ):
    Der Peavey ValveKing 100 Head kostet 420 €, der 2x12er Combo 499 €.
    Macht 79 € Unterschied. Die adäquate Harley Benton 2x12er kann man damit nicht finanzieren.

    Noch ein Beispiel ( Hochpreissegment ):
    Der Mesa Roadking Head kostet 3690 €. Der Combo, technisch baugleich, kostet 3990 €. Das sind 300 € Unterschied für ein bißchen Gehäuse und 2 Lautsprecher ( plus einer Amp-Speaker-Verbindung ).

    Man könnte jetzt sinnieren, daß man für 300 € Differenz locker die Harley Benton 2x12er mit V30 kaufen kann.

    Aber ehrlich: bei einem 3700 € teuren Top ne Low-Budget Box dranzuhängen, halte ich etwas ungünstig. :rolleyes:

    Da muß dann schon was adäquates her. Beim Roadking wird nicht umsonst eine flexible Box angeboten, die die Möglichkeit besitzt, die Hinterwand variabel halboffen oder geschlossen zu gestalten.

    Die Beispiele könnte man jetzt noch weiterführen. Es gibt sicherlich auch Gegenbeispiele. Ein Marshall Vintage Modern wird mit der Harley Benton Box noch gut versorgt sein, da geht die Rechnung zugunsten des Topteils auf, bei einem Mesa Roadking, betrieben mit zwei Zwölfzöllern kommt mich der Combo unterm Strich günstiger.

    Es bleibt natürlich jedem selbst überlassen, ob man sich einen Combo oder ein Top kauft und mit was man für einer Box kombiniert. Da kann sich jeder seine Gedanken dazu machen.
     
  14. MAI

    MAI Threadersteller HCA Gitarren/Amps HCA

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    Erstellt: 19.10.07   #14
    Im Übrigen möchte ich mich für das großartige Feedback zu dem Thread und die vielen Bewertungen bedanken.

    Da es gewünscht war, werde ich demnächst hier noch auf die Optionen des neuen Amps eingehen ( was ist nötig, was nicht; was ist evtl. sogar überflüssig ) und gerne noch ein wenig ausführlicher die Hybrid-Verstärker und die Entscheidung zwischen Transistoramp und Röhrenamp beleuchten.
     
  15. MAI

    MAI Threadersteller HCA Gitarren/Amps HCA

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    Erstellt: 19.10.07   #15
    Wie schon mit Dir besprochen und mit Bierschinkens Hilfe wurde entsprechender Bereich editiert.

    Ich hoffe nun, daß sich dieser Bereich nun wesentlich unmissverständlicher liest, der Grundgedanke, der dahinter steckt, aber erhalten bleibt.

    Nochmals Dank an alle Beteiligten. :)

    -------------------------------------------------------

    Ein weiterer Punkt, den ich ansprechen möchte:

    Speakerfrage: in welche Richtung solls gehen?

    Die meisten Anfänger-Übungsamps, und das hat sich in den letzten 15-20 Jahren kaum geändert, sind 15 Watt Transistoramps mit meistens einem 8-Zoll oder einem 10-Zoll Lautsprecher.

    Allein durch diese kleinen Lautsprecher fehlt es natürlich dem Verstärker an Substanz, gegen einen großen 12-Zoller anzukommen. Gerade, wenn es darum geht, einen plastischen, volumiösen Cleansound auf's Parkett zu legen, merkt man die Beschränkung, die einem durch die geringe Membranfläche eines 8-Zollers auferlegt wurde.

    Viele machen meiner Meinung nach auch den Fehler, daß sie, alleine davon beeindruckt, daß der 12-Zoller im 100-150 € teureren, größeren Einsteigermodell so viel besser klingt, als ihr eigener, sich einfach diesen als nächsten Amp zulegen.

    Nach ein paar Wochen/Monaten, wenn man sich dann an den Sound des größeren Speakers und der paar Mehr-Watt gewöhnt hat, kommt dann die Einsicht, daß der Amp vom Grundklang keinen großen Sprung gebracht hat.

    10 Zoll

    Nun, der 10 Zoller ist schon ein ganzes Stück weiter. Auch wenn ich es jetzt mangels physikalischer Kenntnisse in den Grundlagen nicht lupenrein erklären kann: ein guter 10-Zoller hat sogar Vorteile in manchen Teilbereiche gegenüber einem 12-Zoller. Die Speaker reagieren meines Erachtens sehr viel direkter ( was wohl an der geringeren Masse und Membranfläche liegt ), im bluesig verzerrten Bereich sogar um einiges erdiger als der Zwölfer. Auch clean können die meisten Zehner schon gut punkten, vorzugsweise, wenn mehrere zusammenarbeiten, wie es im legendären Fender Bassman der Fall ( 4 x 10 Zoll, geschaltet auf 2 Ohm ).

    Die Nachteile bei 10er Gitarrenspeaker liegt meines Erachtens darin, daß

    1.) es zu wenig Hersteller gibt, die hochwertige Zehner anbieten bzw. breitbasig vertreiben. Eminence hat ein sehr gutes Sortiment, Celestion hat nur einen, der einigermaßen im mittelpreisigen Sektor liegt, der Rest Einsteiger und Budgetklasse. Von den sündteuren Tone Tubby und Weber Speakern mal abgesehen. Jensen Speaker sind größtenteils wieder zu speziell.

    2.) die Basswiedergabe bei vielen Modellen einfach gegenüber 12-Zoll-Speakern ins Hintertreffen kommt. Auch wird einem ein einzelner Zwölfer subjektiv lauter vorkommen, als ein Zehner.

    Fazit:

    Wenn man sich weg von den Einsteigeramps und hin zum nächsten Verstärker bewegt, dann wird man, schon aufgrund des Angebots, größtenteils bei den 12-Zoll-Lautsprechern landen ( Ausnahmen sind diejenigen, die sich für die Fender-Amps und ähnliche entscheiden. Dort finden sich noch einige Amps, die die 10-Zoll-Fraktion hochhalten ).

    Man hat hierbei die größtmögliche Bandbreite an gut wiedergegebenen Klangnuancen zur Verfügung und muß die wenigsten Kompromisse eingehen. Allerdings könnte genau der Zehnzoller "das Ding" sein.


    Wieviel Anteil hat ein Lautsprecher am Klang des Verstärkers?


    Ein gut klingender Amp kann durch einen schlechten bzw. mäßigen Lautsprecher klanglich arg gehemmt werden.

    Ein Beispiel, das hier öfters mal auftaucht:

    der Marshall JCM 2000 DSL 401 Röhrencombo, der mit einem Celestion Goldback ausgestattet wird. Welcher Lautsprecher sich hinter diesem Namen verbirgt, vermag ich nicht zu sagen. Eines nur: er wird dem toll klingenden Amp nicht ganz gerecht.

    Der serienmäßig verbaute Lautsprecher macht den Marshall nicht zu einem schlecht klingenden, aber er verschenkt eine Menge Potential, das in diesem Amp noch schlummert. Ich hatte bis vor Kurzem auch noch einen DSL 401 mit diesen Speaker. Ein großartiges Arbeitstier, das voll und ganz zufrieden stellen konnte. Hatte dann aber mal das Vergnügen, einen der limitierten DSLs mit Vintage 30 Lautsprecher zu spielen.

    1. der Amp klang mit meiner Stamm-Einstellung wesentlich lauter.
    2. der Amp klang in allen Belangen ( clean, crunch, lead ) saftiger, präsenter, wuchtiger. Die Basswiedergabe des serienmäßig verbauten Goldbacks ist etwas dürftig.

    User, wie hoss33, die ihre Amps hingehend mit anderen Speakern ausgerüstet haben, werden dies bestätigen.

    Kann also ein Upgrade des DSL 401 auf diesen Speaker nur gutheißen.

    Ein 12-Zoller könnte auch schon den alten 15 Watt Übungsamp gehörig aufmöbeln. Die Frage ist halt: ist es das wert, sich eine externe 1x12er Box dafür zu fertigen / anzuschaffen. Die Gehäuse der Amps haben meistens nicht den Platz zum Umrüsten.

    Allerdings kann ein 12-Zoller auch negative Seiten des Amps erst ans Tageslicht befördern, die durch die vorherigen 8-Zoller verdeckt blieben.

    Muß jeder für sich wissen.




    ----------

    Nun, wie kann man überprüfen, ob der Speaker was taugt?

    Das Erste:
    Laßt Euch nicht verrückt machen! Weder in die eine, noch in die andere Richtung.

    Spielt die Amps an, schaut Euch die Specs ( Daten ) an.
    Ein euch vom Namen her nichtssagender Speaker muß in Euren Ohren nicht schlecht klingen. Genauso ist es aber auch keine Tongarantie, wenn Celestion-Lautsprecher, oder gar die im Board oft gepriesenen Vintage 30 verbaut sind.

    Celestion baut, wie ihr auch hoss' FAQ entnehmen könnt, Lautsprecher in allen Preis- und Qualitätskategorien. Und alle fangen sie mit dem Kürzel G12 oder G10 an.

    Sicherlich gibt ein guter Markenspeaker a la Celestion Vintage 30 zumindest die Sicherheit, das kein Schrott verbaut wurde, er dient aber auch oftmals einfach als Werbezugpferd für einen billig zusammengeschusterten Amp bzw. Box ( O-Ton: "Boah, da sind ja Vintage 30 drin!" ). Der Speaker allein reißts nicht raus. Deshalb auch kein Blindkauf von Amps, bloß weil ein V30 drinnen ist.

    Eine weitere Möglichkeit, zu testen, wäre, sofern vorhanden, den externen Speaker-Out mit einer entsprechenden Zusatzbox auszuprobieren, um zu sehen, wie der Amp mit einem anderen Speaker klingen würde.

    Das ist natürlich mit dem trügerischen Risiko verbunden, das man sich von einer guten Box ( und nicht vom darin enthaltenen Speaker ) täuschen lässt.

    Deshalb solltet ihr darauf achten, daß ihr möglichst unter gleichen Bedingungen testet. Hat der Combo eine geschlossene Rückwand, testet eine Box mit geschlossener Rükwand damit, bei einer offenen dementsprechend eine offene usw.

    Das ist ein Mordsaufwand, den man betreibt, aber es hilft weiter.

    Am Besten geht das natürlich im Stammladen, wo man sich kennt, und wo man noch bereit ist, solche Experimente mitzumachen. Laßt Euch dort beraten, laßt Euch das Zeugs einstellen und vielleicht auch vorführen. Das ist nicht peinlich, wenn Euch der Verkäufer was vorspielt. Es hat den Vorteil, daß man sich mit einigem räumlichen Abstand die Sache mal anhören kann und sich ganz auf die Nuancen konzentrieren kann.

    Aber bitte dann auch dort kaufen, ja!?! ;)


    Welche Speakerbestückung?

    Das ist sicherlich auch eine Budgetfrage. Bis 800 € rauf sind es ja meist 1x12er, was auch völlig reicht.

    In dem Fall muß ich auch sagen :
    - lieber ein guter Speaker drinnen als zwei mäßige
    - lieber nur ein guter Speaker und dafür mehr Budget in den Verstärkeraufbau und Qualität investiert ( Garantie für die These gibt es keine ).
    - ein guter Speaker ist meistens laut genug
    - wenn nur ein Speaker drinnen ist, gibt's ja meistens noch einen Anschluss für externe Speaker ;)

    Man hat also auch noch Aufrüstmöglichkeiten.

    Sollten zwei gute Speaker drinnen sein, umso besser! :rock:
     
  16. [E]vil

    [E]vil Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.10.07   #16
    ich glaube der thread wird bald viele überflüssige antworten in amp beratungsthreads überflüssig machen. der link kriegt nen ehrenplatz in meiner sig (und du natürlich ne bewertung) :)

    wirklich klasse gemacht :great:
     
  17. AgentOrange

    AgentOrange Mod Emeritus Ex-Moderator

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    Erstellt: 19.10.07   #17
    Ein kleiner "tipp" noch:



    Achtet darauf dass die Box das Topteil bzw. den combo aushält. Ich kenne ein paar Gitarristen die sich für ihre sündhaften teuren 100,120 und 150W topteile 1x12er boxen mit heritage greenbacks bzw. heritage G12H haben bauen lassen und sich dann gewundert haben dass es den speaker gefraggt hat, v.a. der kandidat mit dem britischen 60er jahre 100W topteil ohne mastervolumen

    Bei solchen Spielchen dann doch besser zumindest zu ner 2x12er greifen . . .
     
  18. MAI

    MAI Threadersteller HCA Gitarren/Amps HCA

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    Erstellt: 22.10.07   #18
    Guter Hinweis. :great:

    Die Wattzahl, die bei ( seriösen ) Leistungsangaben der Hersteller angegeben wird, ist die Leistungsabgabe, die ein Amp bei der Lautstärke erzielt, bei der die Endstufe gerade noch nicht übersteuert. Das hat nichts mit der Vorstufenzerre zu tun!

    Demnach produziert ein voll aufgerissener Amp gewisse Leistungsspitzen, die die nominelle Angabe noch deutlich übertreffen werden.

    Dazu sei gesagt, daß man, vor allem bei leistungsstarken Amps, diese Spitzen kaum im erträglichen Rahmen zu Gehör bekommt. Also keine Angst, daß man vielleicht bei 100 Watt Röhrenamps "nur" eine 100 Watt-Box ranhängt. Die hält das locker aus. Eure Ohren nicht.

    Einen Lautsprecher, der kurz vorm Tod steht, bemerkt ihr normalerweise rechtzeitig am Klang, als daß ihr unbekümmert weiterspielt.

    ----------------------------------------------------------------------

    Optionsfrage: Was braucht der Amp, was braucht er nicht?



    Effects-Loop

    Ab einem gewissen Preis darf man eine gewisse Grundausstattung erwarten. Die meisten Amps im Lower-Mid-Price bzw. Mid-Price-Sektor verfügen über einen mehr oder weniger gelungenen Effects-Loop, der das Einschleifen und ( mittels Poti ) Zumischen zusätzlicher Effekte erlaubt. Sollte also vorhanden sein. Ob seriell oder parallel ist von Hersteller zu Hersteller verschieden und in der Praxis oftmals Geschmackssache. Es gibt also bei den zwei Arten kein "besser" oder "schlechter".

    Zahl der Kanäle:

    Mindestens zwei. Wichtig hier wäre mir noch ein getrennte Klangregelung für jeden Kanal, eine Lautstärkenregelung für jeden Kanal, ein Master-Volume.

    Manche Amps haben eine gemeinsame Klangregelung ( Höhen, Mitten, Bässe ) für beide Kanäle. Das kann, sofern richtig abgestimmt, auch klappen. Tut es aber oftmals in diesen Preisregionen nicht besonders gut. Im Clean-Kanal soll ja auch ein anderes Voicing möglich sein als im Zerrkanal. Also unbedingt darauf achten, daß sich die Kanäle klanglich und lautstärkemäßig gut aufeinander abstimmen lassen. Kanalumschaltung logischerweise fußschaltbar.

    Schön wäre es noch, wenn man einen fußschaltbaren Lead-Boost hätte. Also nochmal auf Knopfdruck etwas mehr Gain. Selbiges lässt sich natürlich auch mittels eines externen Boosters oder Overdrives erzielen.

    Sollte der Amp interne Effekte haben?

    Ehrliche Meinung?

    Ich halte nichts davon. Die meisten Ampbauer sind Ampbauer und keine Effektbauer. Erwartet man für 700-800 € das Rundum-Sorglos-Paket, dann könnte man enttäuscht werden. Gut, wenn es dabei ist, dann ist schon okay ( sofern man es vollkommen aus dem Signalweg schalten kann ). Ich habe die Erfahrung gemacht, daß man, sofern der Amp über zu viele Optionen verfügt, man sich darin zu sehr verliert. Das mag jetzt abhängig vom Spielertyp sein.

    Eine weitere persönliche Meinung sei gestattet:
    die internen Effekte hatten bisher nie die Qualität eines separaten Einzeleffekt-Bodentreters.

    und noch eine...:rolleyes: :
    das Geld, was manche Amphersteller in die Integrierung der Effekte in den Amp investiert haben, haben manch andere Hersteller in den Amp selbst investiert.


    Hall: keiner, Federhall, digitaler Hall?


    Die meisten Topteile, auch im Highend-Bereich, haben gar keinen integrierten Hall. Der Grund? In einem Topteil ist wenig Platz, um ein Federhall-System einzubauen. Meiner Ansicht ist jedoch ein Federhall System das einzige, was eine gewisse Plastizität und Räumlichkeit erzeugt. Wenn man nun nicht auf Hall verzichten will und kein Platz für einen Accutronics Reverb Tank da ist, bleibt nur der Strohhalm Digital Reverb.

    Ein digitaler Hall erfordert ein gewisses Know-How.
    Das menschliche Ohr ist sehr geschult dabei, Hall zu interpretieren und erkennt meistens realistisch und natürlich klingenden Hall und entlarvt unnatürlich klingenden.

    Das hat zur Folge, daß hier viel Geld fließen muß, um einen guten digitalen Hall zu entwickeln und zu implementieren. Man muß sich nur mal den Effekt-Markt anschauen: Hall-Geräte sind mit die teuersten Effekte.

    Auch hier gilt das Gleiche wie vorher schon bei den internen Effekten:
    die Amphersteller ( z.B. Marshall ) haben es bisher nicht geschafft, in ihren Amps brauchbare und gut klingende digitale Hallsimulationen einzubauen, wie es z.B. ein Boss RV-3 oder RV-5 Bodentreter ( wirklich gute digitale Gitarren-Hall-Bodentreter ) zustande bringt.

    Das bedeutet nun nicht, daß man einen Amp aus der Kaufentscheidung ausschließen sollte, bloß weil er einen digitalen Hall hat. Nein, man sollte sich die Sache mal anhören und dann kann man sich selbst ein Bild davon machen, ob dieses Goodie den Ausschlag geben kann/soll. Möglicherweise sagt er einem ja zu. Und wenn's nicht gefällt, dann kann man ihn ja meistens komplett zudrehen.

    Die Option externes Hallgerät, sofern man es braucht, sollte man in Erwägung ziehen, weil, der übernächste Amp hat ziemlich wahrscheinlich auch keinen Hall an Board. ;)

    Bevor nur ein schlechter Hall an Board ist, lieber gar keinen Hall. :cool:

    --------------------------------

    Da wir jetzt ziemlich am Schluss sind, möchte ich Euch noch ein paar Sachen ans Herz legen, die ihr einplanen solltet.

    A) eine solide Steckerleiste.
    Man neigt bei solchen Sachen gerne dazu, zur Billigware aus der Kramkiste zu greifen. Die Sechsfachleiste für 2,99 €. :ugly:
    Bitte! Investiert ein paar Euro mehr und legt Euch ne solide Marken-Steckerleiste zu. Am Besten mit Überspannungsschutz und sauber verarbeitet. Euer Amp zieht u.U. eine Menge Strom und die Billigstteile stellen in der Hinsicht ein unkalkulierbares Risiko dar.

    B) Ersatz-Feinsicherungen.
    Bekommt man in jedem Baumarkt für ein, zwei Euro das Zehnerpack. Je nach Konstruktion ( amerikanische Amps sind da etwas anfälliger, da sie ursprünglich für ein anderes Netz entwickelt wurden ), Standort ( stromziehende Handwerksbetriebe, Industrie, Kühlmaschinen usw. ) können da schon mal Stromschwankungen bzw. Stromspitzen zustande kommen, die auch mal die eine oder andere Feinsicherung killen. Das ist vollkommen normal ( dafür sind die Feinsicherungen da ) , kann durch die oben genannte Steckerleiste sogar etwas minimiert werden. Ein kleiner Vorrat kann aber nicht schaden, denn meistens passierts, wenn man gerade keine da hat.

    C) Instrumentenkabel, Lautsprecherkabel, die Zweite.
    Ein gutes Instrumentenkabel ist der Sache immer zuträglich. Ein billiges 5 € Kabel aus der Kramkiste ärgert einen nur auf Dauer. Gebt lieber mal 20-25 € für ein gutes Instrumentenkabel aus. Der Unterschied ist hörbar und zweitens auch vom Handling her bemerkbar.

    Kann es nicht oft genug sagen: solltet ihr ein Speakerkabel benötigen, kauft gleich ein Gutes. Wenn das schlechte Kabel mal versagen sollte, wird Euch die Reparatur u.U. mehr kosten.

    Das sind im Übrigen zwei Sachen, die man gut im Musikladen beim Verstärkerkauf mit raushandeln kann.. ;)


    ----------------------

    So, das war es für's Erste. Solte mir noch was einfallen, werd ich hier weitermachen. Falls sonst noch jemand was hinzuzufügen hat, etwas verbessern will oder sonst irgendwelche Anmerkungen liefern mag, darf das jederzeit gerne machen.

    Ich will mich nochmals für die Resonanz und das positive Feedback bedanken und hoffe, mit dem Thread ein paar Leuten helfen zu können.

    Laßt Euch nicht von der Werbung und vom Styling einlullen, sondern achtet auf solide Qualität. :)

    EDIT KlausP: diesen post in den ersten übernommen zwecks Vollständigkeit
     
  19. O.B.I.Hörnchen

    O.B.I.Hörnchen Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 04.11.07   #19
    Alter, hast dir ja echt mühe gemacht. Top!
     
  20. Purzel

    Purzel Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 04.11.07   #20
    Wobei es auch bei den Amp-internen Effekten wieder Ausnahmen gibt.

    Die Effekte des Fender Cyber Twin klingen meiner Meinung nach richtig gut!

    Auch die Effekte der Vox AD 60/120VTX Amps sind super gut, und auch die günstigeren AD#s sind sehr brauchbar.

    Aber das ist natürlich wieder sehr subjektiv.

    PS: Klasse Thread!!

    Vielleicht sollte man noch ausdrücklich schreiben:

    Bitte nicht nur auf Marken achten! Es gibt auch bei Marshall etc. schlechte Amps!
     
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