Tonart bei Partituren feststellen?

von Schnumbelpumbel, 22.06.06.

  1. Schnumbelpumbel

    Schnumbelpumbel Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    06.02.06
    Zuletzt hier:
    17.08.06
    Beiträge:
    37
    Ort:
    Niedersachsen
    Zustimmungen:
    0
    Kekse:
    10
    Erstellt: 22.06.06   #1
    Hallo,

    ich habe gerade ein ziemlich großes Problem.
    Ich bin gerade dabei, mich auf eine Zwischenprüfung in Musik vorzubereiten. Habe ziemlich viele Filmmusik-Partituren hier rum liegen, die ich u.a. vorbereiten muss.
    Nun weiß ich aber absolut nicht, wie ich die Tonart der einzelnen Stücke herausfinden soll. Denn die Partituren (Dirigenten-Ausgabe) enthalten ja unterschiedliche Notationen für die verschiedenden Instrumente (sind auch transponierende dabei).
    Jetzt weiß ich gar nicht, nach welchem Instrument o.ä. ich gehen soll. Denn die Vorzeichen differieren je nach Instrument genauso wie der erste Ton (und meist auch der letzte Ton/Akkord) unterschiedlich ist.

    Wie kann ich dann die Tonart des Stückes überhaupt feststellen?! Wenn ich das nicht hinkriege, bin ich auf gut Deutsch am Ar...!

    Wer kann mir helfen? *bettel*

    Grüße
    Schnu
     
  2. jaZoo

    jaZoo Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    08.12.05
    Zuletzt hier:
    3.02.08
    Beiträge:
    85
    Ort:
    Berlin City
    Zustimmungen:
    0
    Kekse:
    43
    Erstellt: 22.06.06   #2
    Vielleicht einfach mal alle Anfangstöne sammeln und dann schauen, zu welchem Akkord sie passen würden. Keine Ahnung, ob das funktioniert, habe noch nicht viel mit Partituren gearbeitet.
    Aber sicherer dürfte sein, sich das Stück anzuhören und dabei mitzulesen. Sobald hörbar die Tonika gespielt wird (oder Dominante, was dir lieber ist), schaust du einfach nach. Dürfte relativ sicher sein, nur wird ja leider gerne transponiert.

    Um welche Stücke handelt es sich denn? (Häufig wird ja auch zum Titel angegeben, um welche Tonart es sich handelt, dann müsste man nur noch recherchieren.)
     
  3. Böhmorgler

    Böhmorgler Gesperrter Benutzer

    Im Board seit:
    31.03.06
    Zuletzt hier:
    24.09.14
    Beiträge:
    3.727
    Zustimmungen:
    80
    Kekse:
    5.928
    Erstellt: 22.06.06   #3
    Genauso geht es!



    Erstmal auf die Vorzeichen von nichttransponierten Instrumenten (Klavier, Gesangsstimmen etc.) gucken.
    Dann Töne sammeln und daraus Akkorde basteln. Meist erklingen ja eh nicht viel mehr wie 3 oder 4 unterschiedliche Töne gleichzeitig. :rolleyes:
     
  4. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

    Im Board seit:
    21.05.05
    Zuletzt hier:
    8.12.16
    Beiträge:
    4.788
    Ort:
    March-Hugstetten, nächster vorort: Freiburg/Breisg
    Zustimmungen:
    3.390
    Kekse:
    43.669
    Erstellt: 22.06.06   #4
    Transponierende instrumente sind nur klarinetten (b oder a, auch es), trompeten (b oder selten f), hörner (f , in älteren partituren in allen möglichen tonarten, vor den ventilinstrumenten wurde umgesteckt), das steht aber fast immer dabei, dann musst du die verschiedenen schlüssel berücksichtigen, violin- und bass sowieso, alt für die bratsche, tenor für violoncello und fagott in höheren lagen und tenorposaune. Schau am besten ganz unten auf den bass (und natürlich auf die vorzeichen), man liest eine partitur immer von unten nach oben, vielleicht hilft auch ein blick auf den titel, wenn da etwa steht "Sinfonie in B-Dur" ! :) :) Englisch hörner, bassklarinetten, wagnertuben und dergl. gibt es natürlich auch und oktaviert wird nach oben oder unten (piccoloflöte, kontrafagott, kontrabass).
     
  5. kleinershredder

    kleinershredder Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    23.02.04
    Zuletzt hier:
    20.06.11
    Beiträge:
    2.569
    Ort:
    Kierspe
    Zustimmungen:
    8
    Kekse:
    698
    Erstellt: 22.06.06   #5
    filmmusikpartituren haben aber meist nicht nur eine tonart. meist sind so filmmusiken ja angelent an wagners harmonik und da is man ja seltenst mhr als 2 takte in der selben tonart. ich meine die grundtonart, kann man ja anhand der vorzeivhen bestimen, aber die ganzen modulationen mus welcher akkord welche funktion hat, ist bei sowas doch äußerst kompliziert. stell doch einfach mal so ne seite von der partitur rein, und ich schreib dir dann auf was ich dazu meine.
     
  6. Schnumbelpumbel

    Schnumbelpumbel Threadersteller Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    06.02.06
    Zuletzt hier:
    17.08.06
    Beiträge:
    37
    Ort:
    Niedersachsen
    Zustimmungen:
    0
    Kekse:
    10
    Erstellt: 22.06.06   #6
    Also, ich bin jetzt etwas verwirrt. Dass es nicht dabei steht, in welcher Tonart die Stücke sind, versteht sich von selbst, sonst würde ich hier nicht fragen. Ich habe in meinem Musiktheorie-Seminar gelernt, dass man nach den Vorzeichen schaut und dann nach dem ersten Ton/Akkord und nach dem letzten, weil ein Stück meist in der Tonika anfängt und aufhört. Aber das scheint hier bei den meisten Stücken nicht aufzugehen. Fast immer stehen die Violinen oder die Flöten (C) in C-Dur (oder eben a-moll), also ohne Vorzeichen. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass die ganzen Stücke fast ausschließlich in C-Dur stehen. Im Übrigen: Es geht um Howard Shores Filmmusik zu LORD OF THE RINGS. Partituren dafür sind verdammt schwer zu bekommen, es gibt nur ein paar Stücke, die man für "wenig" Geld bekommt und gegooglt habe ich schon genug nach den Tonarten usw. Es ist einfach nichts zu finden.
    Anbei habe ich mal einen Anfang eines Stückes eingescannt. Bin mal gespannt, was Du bzw. Ihr dazu sagst bzw. sagt. Ich blicke nicht wirklich durch. Z.B. spielen die Posaunen d-fis-a und das wäre ja D-Dur (zumindest auf den ersten Blick, hab jetzt nicht wirklich intensiv drüber nachgedacht). Aber von den Vorzeichen her ist es bei nicht transponierenden Instrumenten C-Dur. HÄÄÄÄÄ???

    Danke und Grüße
    Schnu
     

    Anhänge:

  7. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

    Im Board seit:
    21.05.05
    Zuletzt hier:
    8.12.16
    Beiträge:
    4.788
    Ort:
    March-Hugstetten, nächster vorort: Freiburg/Breisg
    Zustimmungen:
    3.390
    Kekse:
    43.669
    Erstellt: 22.06.06   #7
    Die grundtonart ist C-Dur oder a-moll, allerdings beginnt das stück mit einem D-Dur akkord, was dich verständlicherweise verwirrt. Kein vorzeichen bei den nicht-transponierenden instrumenten, 2 kreuze bei denen in "B", sie müssen einen ton höher spielen, damit sie zusammenstimmen, die F-Instrumente haben ein kreuz, sie müssen ja ein "G" blasen, wenn ein "C" herauskommen soll. Das mit der tonartangabe war nicht ernst gemeint, aber manche fragestellungen sind erheiternd, und ich frage mich, was kommt bei solchen aufgaben heraus? Auf alle fälle musst du dich mit der materie beschäftigen, mit der dirigentenklässler sich abplagen müssen, die müssen das nämlich auf dem klavier spielen und sich vorstellen, wie es klingt.
    Eine weitere verwirrung könnte daher kommen, dass bei "moderner", nicht-tonaler musik die vorzeichen am anfang fehlen und individuell gesetzt werden, was aber hier nicht der fall ist. Ob Dur oder moll lässt sich von diesem ausschnitt nicht beurteilen. Und noch etwas: natürlich erklingt in einem stück nicht die ganze zeit über dieselbe tonart (ausnahme Vorspiel zu Wagners "Rheingold", da wird über lange zeit ge -ES-durt), aber die grundtonart bleibt, ein tonartwechsel wird immer durch vorzeichen-wechsel angezeigt.
    Noch fragen? Fragen, die echtes interesse verraten, werden auch gern beantwortet, nur bei hausaufgabenhilfe oder blankem unsinn halte ich mich lieber zurück.
     
  8. sebi10

    sebi10 Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    20.01.06
    Zuletzt hier:
    18.07.07
    Beiträge:
    29
    Zustimmungen:
    0
    Kekse:
    21
    Erstellt: 22.06.06   #8
    Also orientieren musst du dich bei so einer Partitur immer an den in C gestimmten Instrumenten, das fällt wohl bei den Streichern am leichtesten.

    Der erste Akkord ist hier ein D-Dur Akkord, aber eine einheitliche Tonart kann man nicht feststellen. Das ist bei moderner Musik oft so, man schreibt die Vorzeichen nur mehr direkt vor die jeweiligen Töne.

    MfG

    Sebastian

    P.S.: Wo bekommt man so eine Riesenpartitur von Filmmusik her? Scheint ja die Originalfassung zu sein. :)
    Mir gefällt diese Musik auch total gut, nur bekommt man leider nur einen Klavierauszug davon einfach zu kaufen (und da auch nicht alle Stücke).
     
  9. Schnumbelpumbel

    Schnumbelpumbel Threadersteller Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    06.02.06
    Zuletzt hier:
    17.08.06
    Beiträge:
    37
    Ort:
    Niedersachsen
    Zustimmungen:
    0
    Kekse:
    10
    Erstellt: 22.06.06   #9
    Hallo,

    danke schon mal, dass Du Dich mit der Sache auseinandergesetzt hast. Es geht hier natürlich nicht um eine Hausaufgabe, sondern um meine studentische Existenz sozusagen. Wie gesagt, ich habe mit Partituren nicht viel Erfahrung, es wurde einmal kurz im Seminar angesprochen und wenn man sich überlegt, dass ich im Herbst nicht mal Noten lesen konnte, dann bin ich schon gar nicht sooo schlecht.
    Anyway, natürlich habe Fragen! Kann ich Dur oder Moll nur über das Hören erkennen? Oder auch über die Vorzeichen in den Noten? Und: Ich weiß, dass oft die Tonart gewechselt wird. Werden die Vorzeichen der Tonart dann direkt in den Noten geschrieben oder am Taktanfang, ähnlich wie die Taktangabe? Ich bin immer noch total verwirrt, was diese transponierenden Instrumente angeht. Es macht sich eben doch bemerkbar, dass ich das Notenlesen nicht im Schlag beherrsche, sondern dass es für mich harte Arbeit ist.

    Grüße
    Schnu
     
  10. Schnumbelpumbel

    Schnumbelpumbel Threadersteller Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    06.02.06
    Zuletzt hier:
    17.08.06
    Beiträge:
    37
    Ort:
    Niedersachsen
    Zustimmungen:
    0
    Kekse:
    10
    Erstellt: 22.06.06   #10
    @Sebi:

    Diese Partituren sind lediglich arrangiert, also nicht die Original Partitur. Die bekommt man nur für SEHR viel Geld. Ich habe diese Partituren von einem amerikanischen Notenversand (sheetmusic.com oder so ähnlich) und habe mir vier Arrangements schicken lassen. 2 vom 1. Teil und jeweils 1 von den Teilen 2 und 3. Aber die 3. z.B. besteht nur aus drei Stücken. Vollständig bekommt man das wie gesagt nur für viel Kohle. Die Partituren haben mich zusammen ca. 60 Dollar gekostet.

    Kann ich also davon ausgehen, dass die Stücke gar nicht in einer Tonart stehen? Bei den alten Meistern ist ja i.d.R. von "Sinfonie in F-Dur" usw. die Rede. Gilt das hier gar nicht? Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass Shore fast alle Stücke, die ich vorliegen habe, in C-Dur bzw. a-moll verfasst hat. Das wäre ja ein Witz.

    Grüße
    Schnu
     
  11. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

    Im Board seit:
    21.05.05
    Zuletzt hier:
    8.12.16
    Beiträge:
    4.788
    Ort:
    March-Hugstetten, nächster vorort: Freiburg/Breisg
    Zustimmungen:
    3.390
    Kekse:
    43.669
    Erstellt: 22.06.06   #11
    Eins nach dem anderen, zuvor: spielst du ein instrument, singst du? Dann kann ich praxisbezogen antworten.
    Dur- und moll-dreiklänge klingen verschieden, weil sie anders aufgebaut sind, die terz (der dritte ton) ist groß oder klein. Das muss man hören lernen, wenn es "russisch" klingt (mal "Katjuscha" gehört?), ist es immer moll. In den noten sieht man den unterschied auch, wenn man die intervalle kennt.
    Am anfang einer notenzeile stehen die vorzeichen der grundtonart, wird diese zeitweilig verlassen, werden kreuze und b verwendet, die aber nur für den takt gelten, in dem sie stehen, das ist modulieren.
    Transponierende instrumente, warum? Stell dir vor, du bläst blockflöte, in guter hand ein achtbares instrument. Die kleine, die sopranflöte steht in "c", bei voller länge, alle löcher geschlossen, erklingt der ton "c". Nun gibt es aber eine ganze familie von blockflöten wie von singstimmen, greife nach der alt-flöte und siehe da, der tiefste ton ist "f", weil sie länger ist, und die klingende luftsäule eine andere frequenz hat. Was tun? Soll der flötist umlernen? Nein, er tut, als hätte er die gewohnte sopranflöte in der hand, wenn er "c" greift, erklingt "f", und darum wird seine stimme 5 töne höher notiert, er muss "g" greifen, damit "c" erklingt. Claro? Klarinettisten und -innen machen das auch so, statt das greifen umzulernen, schreibt man die stimmen um, und so spielen sie munter auf C (heute selten), B oder A-klarinetten. Bei der C ist alles in butter, die in B muss ich einen ton höher notieren, die in A zwei töne. In Mozarts wunderschönem klarinettenquintett ist die klarinettenstimme ohne vorzeichen, man greift C-Dur und es erklingt "A-Dur", die streicher haben 3 kreuze, um auch in A-Dur zu spielen.
    Das muss man vielleicht zweimal lesen, aber es ist klar und deutlich. Besser, man besorgt sich einen satz blockflöten (erst mal eine) und lernt, darauf zu spielen, das schult das gehör, weil man mit den ohren, nicht nur mit mund und zungenstoß blasen muss.
    Die blechblasinstrumente haben einen hang zu den b-tonarten, sie stehen in F, B oder Es, wie auch die saxophone, die zwar aus metall sind, aber als holzblasinstrumente gelten, da sie griffmäßig und rohrblatt verwendend klarinettenverwandt sind.

    Hätte sich in der schulmusik das "Ja-Le"-system durchgesetzt, brauchten wir über manches nicht zu reden, wir hätten eine andere musikkultur, aber gutes ist nicht immer "mehrheitsfähig", und lehrer lernen nicht immer gern.
     
  12. Livia

    Livia Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    05.04.06
    Zuletzt hier:
    1.09.10
    Beiträge:
    344
    Zustimmungen:
    0
    Kekse:
    198
    Erstellt: 22.06.06   #12
    Hmm. Die Blockflöte ist da nicht so ein gutes Beispiel, weil man da die Griffe umlernt (jedenfalls in unserem Orchester). Z.B. wenn man auf der Altflöte ein g spielen soll, greift man ein h (h würde erklingen, wenn man Sopran spielt).
    Aber sonst hast du natürlich recht. Bei den meisten transponierenden Instrumenten wir nicht umgelernt.

    @Schumbelpumpel: Ob es Dur oder Moll ist, kannst du erkennen, indem du dir den Endton oder den Endakkord des Stückes anguckst. Bei a-moll wäre das ein a oder eben ein a-moll-akkord (oder ein verwandter Akkord). Ansonsten hörst du, auf welchen Ton sich das Stück konzentriert. Also bei welchem Ton es scheint, als könnte das Stück sofort enden. Also hier z.B. a oder c.
    Und sonst: Dur klinft fröhlich, Moll traurif ;). Das kann man aber auch nicht immer unterscheiden.
     
  13. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

    Im Board seit:
    21.05.05
    Zuletzt hier:
    8.12.16
    Beiträge:
    4.788
    Ort:
    March-Hugstetten, nächster vorort: Freiburg/Breisg
    Zustimmungen:
    3.390
    Kekse:
    43.669
    Erstellt: 23.06.06   #13
    Wir wollen das mädchen doch nicht noch mehr verwirren, freilich gibt es bei der alt-blockflöte zwei traditionen der notierung, die nicht transponierende datiert aus der zeit, als sie noch der querflöte ebenbürtig und austauschbar war, siehe Bachs IV. Brandenburgisches Konzert. Aber danke für die aufmerksamkeit.
     
  14. Schnumbelpumbel

    Schnumbelpumbel Threadersteller Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    06.02.06
    Zuletzt hier:
    17.08.06
    Beiträge:
    37
    Ort:
    Niedersachsen
    Zustimmungen:
    0
    Kekse:
    10
    Erstellt: 23.06.06   #14
    Hallo,

    danke für die zahlreichen Erläuterungen. Wirklich weiterhelfen tun sie mir momentan jedoch nicht, weil ich vollends verwirrt bin. Ich habe meinem Prof geschrieben und wollte hier mal ein paar Äußerungen von ihm zitieren, mit denen ich überhaupt nicht klar komme.

    Meine Frage:
    Gehe ich recht in der Annahme, dass - im Gegensatz zu vielen "klassischen" Partituren - die Musikstücke von Howard Shore nicht in einer Tonart geschrieben sind?

    Seine Antwort:
    Nein, da irren Sie. Zutreffend ist die Beobachtung, dass die Vorzeichnung in der Partitur mit dem harmonisch Gemeinten nicht übereinstimmt.

    Meine Aussage:
    Würde ich z.B. Kadenzen bestimmen wollen, so ginge das - meines Wissens - gar nicht ohne die Tonart des Stückes.

    Seine Antwort:
    Umgekehrt: Wenn Sie Kadenzen finden (also mindestens die feste Folge Dominante (muss immer Dur sein, kleine Septime ist nicht obligatorisch, würde das Identifizieren aber erleichtern), haben Sie die Tonart erkannt. Da es sich (wie nahezu immer bei Filmmusik) nicht um geschlossene musikalische Formen handelt, ist auch keine harmonische Geschlossenheit erforderlich. D.h. Sie können von Schnitt zu Schnitt die Tonart wechseln (weswegen die Vorzeichnung der Einfachheit halber gleich fortgelassen wird).

    Ich verstehe nicht ganz, was er eigentlich meint. Kann mir jemand helfen?

    Grüße
    Schnu
     
  15. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

    Im Board seit:
    21.05.05
    Zuletzt hier:
    8.12.16
    Beiträge:
    4.788
    Ort:
    March-Hugstetten, nächster vorort: Freiburg/Breisg
    Zustimmungen:
    3.390
    Kekse:
    43.669
    Erstellt: 23.06.06   #15
    Du bist nicht die erste und wirst nicht die letzte sein, die einen professor nicht versteht, aber ich versuche es einmal:
    filmmusik hat eine andere funktion als konzertante, ein film entsteht aus lauter "takes", bild- und szeneneinstellungen von variabler länge, ein "schnitt" (der wechsel) kann abrupt (hart) sein, und wenn die musik dem entsprechen will, ändert sie schlagartig alle ihre parameter, er kann aber auch gleitend sein mit weichem übergang. Um filmmusik formal zu analysieren, müsste man den film kennen, denn wie im zirkus dem pferd, folgt die musik dem optischen verlauf, es gelten andere regeln als im konzert. Es könnte aber auch sein, dass die musik aufbereitet worden ist für den konzertgebrauch oder sound-track für die CD, d.h. die kompositorischen fäden werden weitergesponnen, denn ein take dauert manchmal nur wenige sekunden, bevor der "gegenschuss " kommt oder etwas ganz anderes. Dem "nur"-hörer wäre ein solch kurzatmiger wechsel wenig plausibel, im film starrt er gebannt auf die leinwand und nimmt die musik nur unterschwellig wahr. Und nun denke an die langen kadenzen bei Rossini, bei denen sich der unvermeidliche schluss ankündigt, an den schluss des finales von Beethovens 5. Sinfonie, das geht im film nicht, die musik muss sich kurz fassen, und wie der komponist allgemeine, musikalische ästhetische regeln mit dem medium film unter einen hut bekommt, ist sein bier.
    Die erste bemerkung deute ich so: wir bemerkten schon, dass bei dem beispiel zwar C-Dur bzw.nichts vorgezeichnet ist, aber ein D-Dur akkord erklingt. Und nun bitte nicht tonart mit akkordbezeichnung verwechseln, In jeder beliebigen tonart können alle möglichen akkorde erklingen, aber die tonart bleibt bestehen: in C-Dur kann ein H-Dur akkord erklingen, unsere 12 töne sind alle irgendwie miteinander verwandt, ein zeitgenössischer komponist wird aber zu enge tonartbindung vermeiden, es gibt musikverlage die ein werk sofort unbesehen ablehnen, wenn eine bestimmte tonart durch kreuze oder b'en vorgezeichnet ist. Unser beispiel scheint zwar tonal konzipiert, aber ob der komponist sich festlegen will, ist zweifelhaft. Und - - wo nichts tonal ist, gibt es keine kadenzen, die ja tonartbestimmend sind!
    Wie lautet denn konkret deine aufgabe? Das sujet ist verwickelt, aber da du sichtlich genötig bist, dich zu informieren, erfüllt sie auch irgendeinen zweck, die wissenschaft kannst du später mit deinen forschungen bereichern.
     
  16. kleinershredder

    kleinershredder Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    23.02.04
    Zuletzt hier:
    20.06.11
    Beiträge:
    2.569
    Ort:
    Kierspe
    Zustimmungen:
    8
    Kekse:
    698
    Erstellt: 23.06.06   #16
    in dem stück sind die akkorde ja fast alle terzverwand.
    D ist ja die Parallele von F und B ist der Gegenklang von D.
    und mehr akkorde sind da ja nicht, ausser ein C-dur am ende vom 4.Takt,
    aber ich denk mal das is mehr als durchgang gedacht, obwohl es natürlich auch die verkürzte molldominante sein könnte. wenn das dann so wäre hätte man ja seine kadenz,
    weil ne dominante nicht immer ein dur akkord sein muss. Ist zwar meist so, aber halt nicht immer, und an sich hätte man die kleine Septime dann ja, wenn man das als a7 ohne grundton sieht. Also ich würd sagen das stück ist in D-Dur, jedenfalls auf der ersten seite.
     
  17. Schnumbelpumbel

    Schnumbelpumbel Threadersteller Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    06.02.06
    Zuletzt hier:
    17.08.06
    Beiträge:
    37
    Ort:
    Niedersachsen
    Zustimmungen:
    0
    Kekse:
    10
    Erstellt: 23.06.06   #17
    Hallo,

    danke für lange Erläuterung.

    Ich denke, Du hast es schon richtig erkannt. Natürlich hat die Filmmusik nicht die Zeit, sich zu entfalten, sie muss schnell da wirken, wo sie wirken soll, nämlich bei einzelnen Szenen. So gesehen, kann ich meinem Prof folgen. Im Grunde sagt er ja nichts anderes, als dass wir es nicht mit einer klassischen Sonatenhauptsatzform oder ähnlichem zu tun haben, weil Filmmusik eben formlos ist und sein muss (allerdings steht über den Arrangements "Symphonic Suites" - was auch immer eine Suite ist, es ist ja doch eine Form oder?). Trotzdem muss es doch auch hier bestimmte Parameter geben!?

    Ich denke, ihm wird es in Bezug auf die Noten in der Prüfung darum gehen, warum der Komponist an dieser oder jener Stelle so komponiert hat, z.B. könnte die Frage sein, warum das Stück der Hobbits nach Hobbits klingt. Man könnte anführen, dass es einen englisch-pastoralen Touch hat, vor allem wegen der Flöten usw. Dazu braucht man ja nicht zwingend die Partitur lesen zu müssen, es geht ja um ein Instrumenten-Klischee, das hier bemüht wird. Trotzdem muss ja auch in der Partitur einiges über das Stück abzulesen sein. Z.B. sind die Mordor- und die Ring-Stücke alle in d-moll geschrieben. Ich kann das nicht überprüfen, weil ich die Partituren nicht habe, aber zum einen bedeutet das, dass diese Stücke eine bestimmte Tonart haben und zum anderen, dass diese Tonart ja auch eine Bedeutung für die Stücke haben kann. Wenn ich aber nicht erkenne oder höre, dass es sich immer um dieselbe Tonart handelt, wenn diese Stücke auftauchen, dann ist das natürlich blöd. Auch wäre es von Vorteil, wenn man Motive bzw. Themen in den Partituren erkennen würde. Auch das kann ich nicht vom Blatt her erkennen.

    Um es kurz zu machen: Ich habe keine Ahnung, was er genau wissen will. Ich denke nicht, dass es nötig ist, alle Stücke von vorne bis hinten zu analysieren, aber die Tonart und ein paar andere banale Dinge sollte ich schon erkennen können.

    Grüße
    Schnu
     
  18. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

    Im Board seit:
    21.05.05
    Zuletzt hier:
    8.12.16
    Beiträge:
    4.788
    Ort:
    March-Hugstetten, nächster vorort: Freiburg/Breisg
    Zustimmungen:
    3.390
    Kekse:
    43.669
    Erstellt: 23.06.06   #18
    Die parameter für "Symphonic Suite" könnten ganz einfach "für orchester (symphonic") und "aneinanderreihung" (suite) sein, muss nicht unbedingt mit thematischer verarbeitung oder traditionellen tanzformen verbunden sein.
    Dann man tau!
     
  19. kleinershredder

    kleinershredder Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    23.02.04
    Zuletzt hier:
    20.06.11
    Beiträge:
    2.569
    Ort:
    Kierspe
    Zustimmungen:
    8
    Kekse:
    698
    Erstellt: 25.06.06   #19
    Ich kenn die stücke ja nicht, aber du solltest vielleicht mal gucken, ob bestimmten figuren bestimmte motive, sogenannte leitmotive, zugeordnet sind. Diese motive können dann immer wieder auftauchen, wenn die figur auftritt, oder es kann auch abgewandelt werden, wenn das motiv z.B. auf einmal in moll erklingt, könnte das halt heißen, das die figur traurig ist odert so.
     
  20. HaraldS

    HaraldS Mod Emeritus Ex-Moderator

    Im Board seit:
    03.03.05
    Zuletzt hier:
    10.04.14
    Beiträge:
    4.890
    Ort:
    Recklinghausen
    Zustimmungen:
    750
    Kekse:
    29.296
    Erstellt: 27.06.06   #20
    Die notierte Tonart am Anfang deines eingescannten Stückes sagt nichts, aber auch gar nichts über die klingende Tonart aus. Es gibt dort keine Tonart-Vorzeichen, also könnte man meinen, C-Dur/A-Moll sei die Tonart - das ist aber ein Trugschluß. Eine Tonart bestimmt sich nicht aus dem ersten oder letzten Ton oder aus Tonart-Vorzeichen. Das sind nur Eselsbrücken, die manchmal bis häufig in die richtige Richtung deuten, aber nicht zwangsläufig auch zum richtigen Ergebnis führen.

    Eine Tonart ist ein System, wie Töne und Akkorde in der sogenannten tonalen Musik hierarchisch angeordnet werden. Bestimmte Zusammenklänge stellen Wertigkeiten und Spannungen dar, die stabil oder labil sein können. Eine Tonika z.B. ist ein perfekt stabiler Akkord, der keiner weiterer Auflösung bedarf - eine Dominante ist maximal auflösungsbedürftig und tendiert dazu, eine Tonika nach sich zu ziehen. Wo diese Kräfteverhältnisse wirken, spricht man von Tonalität, wo sie nicht wirken, von Atonalität. Wo sich also Dominanten und Toniken finden lassen, läßt sich auch eine Tonart bestimmen - das meint ja auch dein Professor, denn die Tonart ist ja aus der Tonika ersichtlich.

    Die Tonika und damit die Tonart in deinem eingescannten Beispiel ist D-Dur. Das ist aus den ersten Takten alleine nicht eindeutig ersichtlich, aber aus dem nachfolgenden (nicht eingescannten) Hauptthema des Stückes "In dreams". Die eingescannten ersten 5 Takte legen aber auch schon D-Dur nahe, denn die Akkordverbindung in den Takten 1-2 ist D-F-D. Das ist zwar keine Tonika-Dominant-Verbindung, aber vom Prinzip her ein tonikafähiger Durklang, der aufgestellt, in Frage gestellt und wiederhergestellt wird. Da spielen schon die gleichen Kräfteverhältnisse mit, die in den üblichen Funktionsbeziehungen auch existieren.

    Natürlich gibt es Stücke, in denen die Melodie auf dem Grundton der Tonika endet. Natürlich gibt es Stücke, die mit der Tonika anfangen und aufhören. Es gibt aber auch massig Stücke, wo das alles nicht so ist und wo die Tonart nur durch harmonische Analyse der Funktionsbeziehungen ersichtlich wird. Dazu muß man dann halt alle transponierenden Instrumente in C-Stimmung transponieren und die Zusammenklänge analysieren.

    Harald
     
Die Seite wird geladen...