Tonart bestimmen bei tonartfremdem Tonmaterial

von wurzlsepp, 11.10.20.

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  1. wurzlsepp

    wurzlsepp Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.10.20   #1
    Hallo,

    ich habe Probleme, die Tonart einer Akkordfolge zu bestimmen, wenn irgendein Akkord
    nicht zu der Tonleiter passt. Als Beispiel nehme ich hier die Vollkadenz in C - Dur (C-F-G)
    und füge an irgendeiner Stelle nun den nicht in der Tonleiter vorhandenen D - Dur
    Akkord ein. Dabei könnte z.B. C-D-F-G herauskommen. Nun frage ich mich, welche
    Tonart diese neue Akkordfolge hat.

    Ist das noch C - Dur, obwohl einer der Akkorde nicht reinpasst ?
    Oder wechselt man kurzzeitig die Tonart nach D - Dur ?

    Viele Grüße,

    Michael
     
  2. LoboMix

    LoboMix Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 11.10.20   #2
    Ein einzelner Akkord mit "Tonleiter-fremden" Tönen (hier nur das F#) ändert üblicherweise noch nichts an der Grundtonart. Damit man von einem Tonartwechsel sprechen kann, muss der Abschnitt mit dem "fremden"/den "fremden" Akkord(en) schon etwas länger sein, und am besten wird dieser Abschnitt mit einer auf die neue Tonart zielgerichteten Kadenz eingeleitet. Das D-Dur würde also über seine Dominante A-Dur angesteuert. So eine Kadenz-Wendung verstärkt der Eindruck des Tonart-Wechsels und stabilisiert ihn.
    Wenn der Abschnitt dann aber nur kurz ist, z.B. einige Takte, würde man nur von einer "Ausweichung" sprechen, erst wenn der Abschnitt wirklich länger ist, am besten ein ganzer Formteil, würde man von einem wirklichen Wechsel der Tonart reden.

    In C-Dur hat D-Dur üblicherweise die Funktion der Doppeldominante. In der Folge C-D-F-G wirkt der D-Dur-Akkord allerdings skurril und unpassend, da er vor dem F-Dur steht. Üblich wäre z.B. die Folge C-F-D-G, da D-Dur hier tatsächlich als Doppeldominante auftritt. Schön klingt es wie folgt: (Auftakt)C-F-D7/F#-G-G7-C.

    D-Dur ist wegen der Funktion als Doppeldominante trotz des F# sogar sehr gut in den C-Dur-Kontext integrierbar (gilt natürlich für alle Doppeldominanten schlechthin).
     
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  3. turko

    turko Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 11.10.20   #3
    Solange man das C als Grundton wahrnimmt, bleibt die Tonart C-Dur erhalten.
    Egal, was für leiterfremde Töne und Akkorde vorkommen mögen.

    Und bei jeder Art einer Kadenz, auch mit leiterfremden Tönen, ist das der Fall:

    Zum Beispiel:

    C - A7 - D7 - G7 - C
    C - A7 - D7 - G7 - C
    C - C - Fm7 - Gm7 - C
    C - C - Bb - F - C

    Da bleibt immer das C im Zentrum, nur das "Rundherum" wird spannender. Also KEIN Tonartwechsel.

    Thomas
     
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  4. wurzlsepp

    wurzlsepp Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.10.20   #4
    Vielen Dank für die Beschreibungen. Jetzt ist mir Musiktheorie um einiges klarer geworden.