Tritonussubstitution -> warum eigentlich?

von guitarfreak-b., 19.07.10.

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  1. guitarfreak-b.

    guitarfreak-b. Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.07.10   #1
    Hey! ich habe mich mit Hilfe einiger Jazzbücher und des Internets über die Tritonussusbstitution informiert.
    WIE sie funktioniert habe ich verstanden allerdings wird nirgens ein Wort darüber verloren warum man eigentlich tritonussubstituiert.
    Wenn wir das Beispiel bei einer II-V-I Verbindung in C-Dur nehmen (Dm7 - G7 - Cmaj7) erfüllt das von G7 abgeleitete Db7 doch die gleiche Funktion wie das G7. Welchen Sinn macht dann noch des austauschen dieses Akkords? Geht es "nur" darum das dadurch kleinere Tonbewegungen bei den Akkordwechseln entstehen (und falls ja, warum ist das so erstrebenswert?) oder hat der ganze Spaß noch weitere Vorteile?
    Wäre nett, wenn mir jemand helfen könnte. Wie gesagt, es geht mir darum das "warum" beantwortet zu kriegen, nicht das "wie".
    Danke schon mal:)
     
  2. cvinos

    cvinos Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.07.10   #2
    Die beiden Töne, die im Ausgangsakkord die Terz und die Septime sind, tauschen mit der Tritonussubstitution Ihre Rollen im Akkord (der Terz-Ton wird zur Septime und der Septim-Ton wird zur Terz), bleiben aber als Töne im Klang enthalten (z.B. E und A# bei C7). Die anderen Töne jedoch ändern sich potentiell. Man hat also hier Freiheitsgrade bei der Auswahl des konkreten Klangs, den man verwenden möchte. Vorallem wechselt auch der Grundton des Akkords. Darüber hinaus hat man hierdurch Variationsmöglichkeiten bei der Stimmführung.

    Man ist zur Tritonussubstitution gekommen, weil eben einige Jazzer statt den bekannten Grundformen von 7-er Akkorden entsprechende Substitute einfach gespielt haben. Im Nachhinein hat man dies analysiert und die wichtigen Gemeinsamkeiten zwischen Grundform und Substitut entdeckt und den Begriff "Tritonussubstitution" geschaffen, um das ganze zu bezeichnen und zu einer Regel in der Harmonielehre zu machen.
     
  3. turko

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    Erstellt: 19.07.10   #3
    Meine Meinung: Weil die Jazzer schon immer auf der Suche waren nach harmonischen Ausweichungen, Lösungen, Varianten, die an der Oberfläche "halbwegs normal" klingen, aber bei genauerem Hinhören dann DOCH einen "erhöhten Spannungsgrad" gegenüber der Ausgangsvariante liefern, irgendeine zusätzliche Rafinesse halt ...
    Die Funktion bleibt erhalten, und die "spürt" man auch, bloß der Klang ist ein wenig spannunsreicher.

    Abgesehen davon geht das ganze Hand in Hand mit einer im Jazz sehr häufigen Bass-Stimmführung, wo der "Zielton" (= Zielakkord) durch einen Halbton darüber vorbereitet und anvisiert wird. Wenn man diesen Halbton jetzt umdeutet und seine Tritonsub. dafür nimmt kriegt man als Ergebnis, daß einfach vor dem Akkord eine relative Zwischendominante eingefügt wurde ...

    So sind all diese "Vorbereitungs- und Zwischen-akkorde" im jazz , die so charakteristisch für ihn sind, und die so schwer zu greifen (und hören) sind, weil sie immer nur ganz kurz andauern, eigentlich sehr leicht erklär- und ableitbar ...

    LG, Thomas
     
  4. CUDO II

    CUDO II Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.07.10   #4
    Oft ist der Melodieton ein Grund. subV7/I hat in seiner Chordscale 2 Bluenotes! Betrifft dies die Melodie, ist die Wahl klar.
    Auch spielt sehr häufig die Melodie-Harmonie-Beziehung eine große Rolle. Beispiel dafür wäre, der Grundton der Dominante läge als wichtiger Melodieton vor. Eine Harmonisierung mit V7/I würde zwischen Grundton und Melodieton eine Oktave ergeben, deren Spannungsgehalt gleich Null ist. Eine Reharmonisation mit subV7/I an dieser Stelle (=#11!) erhöht den Spannungsgehalt zwischen Grundton und Melodieton erheblich!
    Zum anderen muss bedacht werden, dass subV7/I, subV7/IV und subV7/V jeweils MM4 oder aber auch MM7 als Chordscale nehmen können. Diese Tatsache erweitert die Möglichkeiten den Spannungsgehalt zwischen Top und Bottom wesentlich zu steigern! Siehe auch Charles Mingus und Duke Ellington!
     
  5. turko

    turko Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 19.07.10   #5
    Hi Cudo,

    ja stimmt. Das Zusammenspiel bzw. den Spannungsgehalt zwischen Melodieton und dem (reharmonisierten) Harmoniegrundton habe ich zu erwähnen vergessen ... !!

    LG, Thomas
     
  6. HaraldS

    HaraldS Mod Emeritus Ex-Moderator

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    Erstellt: 21.07.10   #6
    Eine Tritonussubsitution hat in meinen Ohren bedeutend mehr Leittoncharakter und mehr bluestypische Wirkung als eine normale Dominante. Diese beiden Aspekte sind IMHO für Jazzharmonik essentiell, und das ist der Grund für mich, sie zu verwenden. Ausgiebig :cool:.

    Harald
     
  7. bassoo

    bassoo Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 22.07.10   #7
    Klar, weil die Tritonussubstitution drei Leittöne hat (der Grundton kommt als dritter noch hinzu) statt "nur" zwei bei der normalen Dominante.
     
  8. HarryLargo

    HarryLargo Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.07.10   #8
    Hallo,
    ich habe aber nur kurz mal eine Antwort:
    1) Db7 hat einen anderen Charakter im Klang, also klingt ein bisschen anderes, kommt also auf das Stück an. Mann kann das Stück abwechslungsreicher gestalten, also nicht immer die gleichen Akkorde bei 2-5-1, 2-5-1, 2-5-1, ...

    2) Db7 kann näher liegen. Spiele mal Dm [X. Bund], Db7 [IX B], Cj7 [VIII B]. Das klingt dann ganz anders als Dm7 [V B], G7 [III B] und Cj7 [III B]

    3) Über Db7 könnte man in einer andern Tonart improvisieren

    4) Mit Db7 kann man in andere Tonart modulieren (habe ich aber wenig Erfahrung mit ;)

    5) außer Db7 gibt es auch noch als Substitution für G7 (g-h-d-f) mit Bb7 (bb-d-f-as) eine kl. Terz aufwärts, weil 2 gleiche Töne heißt es. Und statt Db7 ist auch Dbm7-5 möglich

    6) ist das Verständnis hiervon auch wichtig um bereits bestehende Standards, Jazz-Stücke zu verstehen (Warum spielt der da plötzlich in dem Stück einer bestimmten Tonart ein Bb7, wo doch der Bb7 überhaupt nicht in die Tonart gehört...)

    viele Grüße
    Harald

    oops) gerade gesehen es gab ja schon Antworten - sorry.
     
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