(Um)Baustelle Squier Bullet Stratocaster Hardtail

EAROSonic

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(Um)Baustelle Squier Bullet Stratocaster Hardtail

Nach der recht coolen und limitierten Bullet HSS Strat in Sunburst und schwarzer Hardware,

Squier Bullet Strat Neck 009_K.jpg


rief mich eine Bullet Strat ohne Tremolo, also eine Hardtail auf den Plan. „Wer weiß, wie lange es dieses Modell geben wird!“ dachte ich mir und ordert gleich eine in Arctic White. Die HT kommt mir doch sehr entgegen, da ich eh kein Tremolonutzer bin und bietet eben auch deutlich mehr Holz, als ihre Tremoloschwestern. Leider werden die Saiten nicht bei einer echten Hardtail durch den Body geführt. Aber dieses Toploadersystem wurde auch bereits bei der großen Mutter eingesetzt. Dass es auch bei einer Squier mit dem Namen Bullet geht, zeigt eindrucksvoll die Bullet Tele. OK, diese kostete auch gleich 40 € mehr als die hier vorgestellte Strat HT. Viele sind sowieso der Meinung, dass es keinen Unterschied macht, ob die Saiten durch den Korpus gehen oder eben nicht. Sei´s drum…

Im Jetzt:
Verarbeitungstechnisch haben die Chinesen einiges dazugelernt. Im Vergleich zu meiner 2012er Bullet hat sich haptisch viel getan. Das aktuelle Modell sieht tatsächlich wie eine echte Fender und entsprechend hochwertig aus. Besonders gut gefällt mir das Spielgefühl mit dem nur dünn lackierten Hals. Er verströmt ein schönes samtiges Gefühl, das Lagenwechsel zur Spielerein macht. Auch wird anscheinend für den Korpus besseres Holz verwendet. Zudem wirkt die Lackierung nun nicht mehr wie ein Kunststoffüberzug.

Die Bulletpickups sind anders, als die bekannten Fender-Pickups aufgebaut. Bei den Squier sitzen zwei Magnet unter den Spulen. Ebenso führt Fender jedoch auch die Mexiko-Standard-Pickups aus (zumindest bei der, die ich damals hatte). Bevor ich jedoch überhaupt einen Austausch in Betracht zog, wollte ich mich ausführlich mit ihnen beschäftigen und sehen, ob ich nicht doch eine gut klingende Einstellung finde. Dies geling mir bei meiner HSS-Bullet ja bereits im Vorfeld. Aber halt, eine Veränderung nahm ich jedoch schon vor, um meinem Ziel schneller näher zu kommen: der untere Tonepoti wurde am Toggleswitch so verschaltet, dass er auch für den Bridge-Pickup nutzbar wurde. Damit können die Höhen entscheidend entschärft werden. So konnte ich nach einigem Trial and Error doch eine ansprechende, ja gar prima stratige Einstellung finden.

Weitere Modds für kleines Geld:
1. Tonepoti für Bridgepickup (Erklärung siehe oben).
2. billig und hakelischen Tuner durch Wilkinson ersetzt. Dies laufen nicht nur geschmeidiger, sondern sehen auch noch Vintage-korrekt aus.
3. ersetzen Squier- durch Fender-Decal. Da ich von meiner damaligen Bullet wusste, dass das Decal sehr leicht entfernen ist (einfach mit Schleifvlies wegrubbeln), erhielt sie ein Fender Stratocaster-Decal. Auf der Rückseite trug sie jedoch weiterhin ihre Squier Seriennummer und als Fender würde ich sie niemals verkaufen, wenn ich sie überhaupt verkaufen wollte.

Das waren zuerst einmal die durchgeführten Modifikationen, bis es mich doch wieder in den Fingern juckte.


Snap your finger, snap your neck:

Meiner Fender Jazzmaster gönnte ich einen neuen schönen Hals mit Binding. Und da wollte ich mal schauen, ob so ein Fender-Hals auch auf eine Bullet passt, denn irgendwo hatte ich aufgeschnappt, dass die Halstasche einer Bullet nur 53 gegenüber den 56 mm einer Fender aufweist. Das Auflegen des Hals sprach auch direkt dagegen, „Scheint doch zu passen!“ war mein Gedanken und daraufhin schnell die Saiten und der Hals entfernt. Und siehe da, passt perfekt. Selbst die vier Bohrungen für die Halsbefestigungsplatte lagen identisch und der Austausch somit bin in Minuten erledigt und fertig war meine Stratmaster by Bullet.

Squier Bullet Strat HT 008_K_Test.jpg


OK, dachte ich mir, hatte ich doch kürzlich bei eBay sehr günstige Hälse aus China gefunden. Diese sollen sogar aus kanadischem Ahorn gefertigt sein. Globalisierung, da wird Holz in Kanada geschlagen, nach China verschifft, dort zu Gitarrenhälsen verarbeitet und für einen Spottpreis in die ganze Welt verkauft. Gewissenstechnisch ist man schon etwas hin- und hergerissen. Muss man da mitmachen? Nun gut, ich tat es und orderte in China einen Ahornhals mit entsprechendem Griffbrett. Auf der anderen Seite wäre es auch wirtschaftlich schräg, einen Fender-Hals für mindestens das Doppelte des Kaufpreises der Bullet anzuschaffen. Der Hals wurde komplett bundiert und mit einem Kunststoffsattel versehen und nach ca. 3 Wochen geliefert. Preis incl. Versand in etwa 37 €!

Squier Bullet Strat HT 012_K_Test.jpg


Auch der Hals passte optimal in die Halstasche der Bullet. Insgesamt baut er etwas höher auf, so dass es notwendig wurde, die Saitenreiter ein wenig nach oben zu verstellen. Da sie jedoch über genügend Luft, sprich Gewindegänge verfügten, war dies schnell erledigt. Die Mechaniklöcher wurden auf 10 mm aufgebohrt, so dass ich mich für Locking-Tuner von Vanson entschied. Ich weiß nicht, wo diese hergestellt werden (wohl aber auch in China), funktionieren allerdings hervorragend und bleiben auch preislich auf Linie der Bullet. Am Ende folgte noch ein schöneres (aber auch teureres) Decal wie beim originalen Hals.

Weiterer Schritt: Hals meiner Vintage Modified Strat mit der großen Kopfplatte. Steht ihr auch recht gut und auf ein paar Meter Entfernung ist sie nur schwer von meiner ´70s Fender Strat zu unterscheiden.

Squier Bullet Strat HT 016_K.jpg


Wegen ohne Verwendung schraubte ich ihr dann letztendlich den Fender Telecaster Deluxe-Neck an. Der bietet im Gegensatz zu den anderen Hälsen eine Griffbrettwölbung von 12°. Leider habe ich hiervon noch kein Foto. Letztendlich sieht sie nun fast wie mit dem o.g. Squier-Neck mit anderem Schriftzug aus.


Und zum Tone...:

sein gesagt, dass sie nach den Einstellarbeiten in keinster Weise nach Billig-Gitarre, sondern recht vollwertig und für einen Un-Strat-Fan wie mich absolut ausreichend, klang. Ich muss auch eindeutig sagen, dass sie mir mit dem kompletten Ahornhals tonal viel besser gefällt. Sie wirkt frischer und ausgewogener. Und so, wie mit dem Ahornhals hatte ich den Bridgepickup zuvor noch nie gehört. Auf einmal hatte er sogar Bass zu bieten! Wird aber wohl damit zusammenhängen, dass ich „gezwungen“ war, die Pickups neu einzustellen. Na, jedenfalls steht ein Pickupwechsel, egal an welcher Position definitiv nicht zur Disposition.

Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern? Da ein Duncan designed Bridgesinglecoil wegen Umbau meiner Vintage Modified Strat auf HSS ohne Beschäftigung blieb, wurde er flux in die HT transplantiert. Der klingt nun aber auch nicht eindeutig besser, als der Stock-PU der Strat, nur etwas anders. Wieder ein Beweis dafür, dass man mit den originalen Singlecoils der Bullet recht gut leben kann. Lediglich der Mischsound aus Bridge- und mittlerem Pickup will nicht so klappen, der klingt sehr höhenreich. Aber wenn sich die Einzelpickups gut anhören, soll es mir egal sein.
Und da es sich bei der Bullet um eine Probier- und Studier-Gitarre handelt, durfte auch noch der TexMex-Bridgesinglecoil meiner verflossenen Hendrix-Strat zeigen, was er kann. Wurde ich mit dem Keramik auf Dauer doch nicht so froh, wie Anfangs gedacht. In der Hendrix wollte er mir nicht zusagen, klang zu höhenbetont. In der Linden-Bullet relativiert sich sein Klang, vollmundiger, nicht mehr so höhenlastig und somit gut zu den nach wie vor original passenden Bullet-Pickups in der mittleren Position und am Neck passend.

Fazit:
Wenig verbreitete Strat für wenig Geld. Was man dafür erhält, ist sie allemal wert. Natürlich bleiben per se ein paar Baustellen (Tuner, ggf. Saitenreiter), aber auch direkt aus dem Karton gepellt, handelt es sich hier um ein voll einsetzbares Instrument, das nicht nur nach der Form her an die legendäre Fender Stratocaster erinnert.

Wirklich schade, dass es die Hardtail nur selten gibt, auch von Fender. Wie gut könnte ich mir meine ´70s SSS-Eschen-Strat mit Hardtail vorstellen.
 
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