Moin,
da habe ich mich offenbar zu unklar ausgedrückt. Genau das was Du sagst meinte ich: Der Stereoeffekt wird aus dem Mono-Signal der Gitarre erzeugt, indem zusätzliche Schallanteile generiert und zugemischt werden. Diese werden erzeugt aus der Phasenlage des Monosignals, zum Teil frequenzabhängig. Man erhält das Monosignal plus den Effekt obendrauf.
Also, mit dieser Erklärung kann ich mich erneut nicht so recht abfinden.
Effekte, die aus der "Phasenlage des Monosignals" erzeugt werden? Das ist ein Satz, den ich nicht ansatzweise verstehe, ähnlich geht es mir mit "frequenzabhängig". In welchen Effekten genau passiert so etwas?
Wenn man das auf 2 Boxen verteilt hört es sich nach "Stereo" an. Stehen die Boxen räumlich voneinander getrennt wird der Effekt deutlicher hörbar. Klar geht das auch mit 2 Chassis in einer Box. Der Effekt wird dann aber schwächer, und er verändert sich, eben weil die Phasenlagen des zugemischten Signals zu frequenzabhängigen Auslöschungen führen.
Wieso sollten die zu frequenzabhängigen Auslöschungen führen? Eine Phasen-Auslöschung findet dann statt, wenn aufgrund von Laufzeitunterschieden dasselbe Signal einmal früher, einmal später an unser Ohr gelangt. Das ist ein mehr oder minder frequenzunabhängiger Effekt - es sei denn, du willst hier die auch noch die Laufzeitunterschiede unterschiedlicher Frequenzen berücksichtigen. Das hat übrigens auch mit mono oder stereo nichts zu tun. Wenn du ein Mono-Signal über zwei Speaker schickst, die "phasenungünstig" stehen, dann hast du genau die Phasenauslöschungen, die du auch im Stereobetrieb hättest. Und auch die etwaig bemerkbaren (in einem Gitarrensetup passiert das an sich nicht) Laufzeitunterschiede verschiedener Frequenzen wären genausogut mono wie stereo hörbar. Es geht da wirklich ausschließlich um das Platzieren der Lautsprecher.
Im übrigen durchaus ein Grund, weshalb es selten viel Sinn macht, mit mehreren verschieden platzierten Speakern zu arbeiten, eine horizontale, gleichmäßig ausgerichtete Anordnung ist eigentlich das Optimum - wobei man, gerade bei Gebrauch etwa einer 4x12er Box, mehr oder minder auf ein geringes Maß dieser Phasenauslöschungen setzt, dadurch ist der Sound, mit Ausnahme sehr weniger Hörerpositionen, breiter, etwas weicher, etc.
Aber all das hat wie gesagt rein gar nichts mit stereo oder nicht zu tun.
Und es sind in einem Stereo-Setup (ordentlich platzierte Speaker vorausgesetzt) auch weniger die Phasenauslöschungen, die das Signal so'n bischen wischi-waschi werden lassen, dazu gleich mehr...
Es bleibt das eigentliche Monosignal übrig, und ein mehr oder weniger verstümmeltes Effektsignal. Das liegt daran, dass der Effek künstlich erzeugt wurde.
Äh, ja, nun... was soll ich sagen? Effekte werden immer künstlich erzeugt. Und ich weiß nicht, was daran seltsam oder fragwürdig sein soll. Bevorzugst du auch Mono-Platten oder stellst deine HiFi-Anlage auf mono? Ich mein', quasi alles, was wir so an Musik hören ist bis zum Gehtnichtmehr vollgestopft mit "künstlichen" Stereo-Effekten.
Wenn man ein echtes Stereosignal hätte (z.B. eine Aufnahme eines Musikstückes mit einem Stereo-Mikro) entsteht der Effekt aus dem sehr komplexen Zusammenspiel von Phasenlage und Laufzeiteffekten. Das hört sich auch im Ghettoblaster noch einigermaßen räumlich an weil es sich nicht so leicht durch Interferenzen auslöschen lässt.
Diese Aussage verstehe ich erneut nicht wirklich. Abgesehen davon existieren, mit Ausnahme von klassischen Aufnahmen, solche Produktionen quasi nicht. Es gibt üblicherweise nur ein paar wenige Zutaten, die in herkömmlichen Aufnahmen als "echte" Stereosignale aufgezeichnet werden, bspw. Overhead- und/oder Raum-Mikrofone an einem Drumset oder etwa auch mal ein Chor. Alle anderen Signale werden üblicherweise mono aufgenommen, bzw. u.U. aus mehreren Mikro-Signalen mono zusammengemischt - um danach oftmals mit "künstlichen" Stereo-Effekten, wie etwa Delay, Hall, etc. etc. versehen zu werden.
Der eigentliche Stereoeffekt (im Sinne von räumlichen Klangbild - wie auch immer geartet, sei es Chorus, Ping Pong oder anderes) entsteht erst wenn die Schallfronten des linke und des rechten Kanals zusammentreffen, und zwar im klassischen HiFi-Stereodreieck (gleichschenkliges Dreieck aus Boxen und Hörposition). Stehen die Boxen räumlich getrennt, wird der Effekt am besten eingefangen mit Mikro am Hörplatz, also in einiger Entfernung. Soweit die Theorie, praktisch ist das alles andere als leicht wie Du schon schreibst.
Eben, praktisch ist das fast unmöglich, sowohl in einem Proberaum wie auch auf den Brettern, die die Welt bedeuten - und genau deshalb ist es meistens ratsam, Speaker nicht gewinkelt zueinander aufzustellen, wenn man denn stereo spielen möchte.
Da ist der Weg über Line Out direkt ins Mischpult sicher einfacher.
Nein. Die Probleme beim Monitoring bleiben genauso bestehen, es sei denn, das passiert a) per In-Ear oder b) so, dass jeder Teilnehmende ein Stereopaar als Monitorboxen hat und immer an genau derselben Stelle steht.
Was man machen könnte: Zwei Mono-Mikros vor die Boxen setzen und sorgfältig im Mischpult abmischen. Oder aber zwei Chassis in einer Box benutzen und mit Stereomikro abnehmen, quasi ein sehr kleines Stereodreieck mit Schenkellänge im Bereich 10 cm, was wieder zu Schwierigkeiten führt, da die Chassisdurchmesser in der Regel mehr als 10 cm haben und so nah am Chassis noch keine Wellenfronten ausgebildet sind.
Das ist ja alles schön und gut, vielleicht funktioniert das ja auch theoretisch, nur ist es eben aus diversen Gründen nicht praxistauglich.
Ich wollte aber gerne noch loswerden, warum ich persönlich Stereo-Setups für ziemlich schwierig zu handhaben finde, warum es plötzlich mit der Ortung nicht mehr gescheit klappt, etc.:
- Das schon erwähnte Problem der Speaker-Platzierung. Viele Leute stellen dann ihren Kram so hin, dass sie an genau einer Stelle (fast so wie bei einer HFi Anlage) den perfekten Höreindruck haben. Das klappt aber dann auch nur an dieser Stelle (ausgenommen wieder die In-Ear Monitoring Situation, wäre für mich wohl auch Voraussetzung, sollte ich jemals wieder stereo spielen). Oft werden dann eben die Speaker winkelig zueinander hingestellt, das vergößert das Problem um ein Vielfaches. Hier hat man's dann nämlich in der Tat an sehr sehr vielen Hörpositionen mit ganz massiven Phasenschweinereien zu tun (was aber nichts mit stereo zu tun hat, das passiert, s.o., in einem Mono-Setup genau so auch). Wie bereits gesagt, ich halte so etwas wie eine gesplittete 4x12er hier für eine deutlich bessere Lösung.
- Gebrauch "falscher" Effekte. Gerade so etwas wie Hall ist absolut kritisch. Ein Hall simuliert eine Räumlichkeit unter der Voraussetzung, dass man sich eigentlich ziemlich genau an optimaler Hörposition befindet. Da aber genau das nicht stattfindet (jedenfalls meistens nicht, Ausnahme wieder In-Ear Monitoring...), besteht hier ganz große Gefahr, dass der Sound schnell wischi-waschi wird, die Gitarre nicht mehr ortbar ist, etc.
Auch sowas wie ein Chorus kann ähnliche Probleme verursachen, aber da geht's in erster Linie um die Einstellung.
Delays sind hier wesentlich unproblematischer, die kommen dem Originalsound und sich selber kaum in's Gehege. Ist im Übrigen auch der von mir meist vermisste Effekt aus Stereo-Tagen, so'n Pingpong-Delay, noch dazu in time, das fand ich immer große Klasse.
- Falsche Effektdosierung. Liegt vermutlich eben genau daran, dass man sich beim programmieren eigentlich an optimaler Hörposition befindet. Da klingt dann auch ein Hall ganz toll, weil man das trockene Signal immer noch ganz fein in der Mitte orten kann. Aber genau das geht eben flöten, speziell dann, wenn höhere Effektanteile im spiel sind. Gerade bei Hall bietet es sich mMn an, mal lieber komplett darauf zu verzichten.
- Falsche Effektprogrammierung. Ein Chorus taugt für mich persönlich nicht wirklich als Breitmacher, eben wegen der eventuell generell schon kritischen Phasengeschichte, aber speziell auch, weil es sich ähnlich wie mit dem Hall verhält, denn auch beim Stereo-Chorus geht man mehr oder minder davon aus, dass die Hörposition optimal ist. Abhilfe schafft der Gebrauch des Chorus in mono oder alternativ nur auf einer Seite (die Bossbodentreter haben das schon seinerzeit angeboten.
Wenn man dennoch eine explizite Verbreiterung des Signals möchte, so kann man da mit Verzögerungen arbeiten (hat ja der gute Eddie schon so vorgemacht), Ein ganz netter Trick für mich war immer, die eine Seite dann auch noch mit einem unterschiedlichen EQ zu versehen, so hat man fast das Gefühl, mit zwei Amps zu spielen.
Und abschließend noch was: Ich habe zwischenzeitlich auch mal ein Stereo-Setup gefahren, das an sich nicht im eigentlichen Sinne Stereo war. Die eine Seite war ein Marshall 6100 oder MkIV, die liefen über einen 2x12 Boogie-Clon die andere ein Twin, von dem ich nur Endstufe und Speaker genutzt habe, der stand dann aufrecht gekippt. Beide Seiten wurden dann fast nach 4x12er Manier genau nebeneinander gestellt. Streckenweise arbeiteten in dem Setup auch 4 verschiedene Speaker (im Boogie-Clon eh, im Fender war mal einer hin).
Dieses Setup hätte sich für "echten" Stereo-Betrieb für sowas wie Hall und Konsorten überhaupt nicht geeignet. Deshalb lief mein Hall (wenn überhaupt), wie auch fast alle anderen Effekte, tatsächlich mono, klang aber dennoch unglaublich geil und breit (und trotzdem extrem ortbar), nur die Delays kamen dann stereo, denn denen ist das eigentlich vollkommen wurst, über welche Endstufen und Speaker sie jetzt laufen.
Leider viel zu viel Geschleppe, dann der Ärger mit den Mischern, und naja, beruflich bin ich mehr oder minder gezwungen, zu 90% entwede ein ganz kleines Besteck zu benutzen oder gar ein D.I. Signal anzubieten. Schade ist's schon...
Gruß
Sascha