Vertikale Improvisation = nutzlose Einschränkung?

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EDIT @CUDO II
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Ein Bekannter von mir sagt gerne, "eine untere Grenze gibt es nicht". Aber das war menschlich gemeint, nicht musikalisch ...
(Sorry fürs OT)
 
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Ein Bekannter von mir sagt gerne, "eine untere Grenze gibt es nicht". Aber das war menschlich gemeint, nicht musikalisch ...
(Sorry fürs OT)
... die musikalische Gürtellinie. ;)
 
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Ich habe Good News von der Skalenfront. Nachdem ich nun ein paar Wochen täglich meine Skalen geübt habe, spiele ich jetzt mein erstes Stück auf vertikale Art (ist das so korrekt ausgedrückt?). Habe dafür Randy Crawfords "He Reminds Me" genommen, das von den Akkorden her im Forum schon besprochen worden ist. Ich lerne zuerst die Akkorde, dann spiele ich die Skalen und am Ende improvisiere ich mit den Skalen. So kann ich das mit entsprechendem Fleiss umsetzen. Ich habe festgestellt, dass es eigentlich nicht unbedingt nötig ist, dass ich z.B. C# Mixo sofort abrufen kann, sondern es reicht, wenn ich mir das ausrechnen kann. Da ich die Akkorde sowieso auswendig lernen muss, ist das alles mit Aufwand verbunden. Ob ich in der Vorbereitung für eine Skala 10s oder 0.5s brauche, ist schlicht nicht relevant. Ich unterscheide auch einfach zw. diatonischen Akkorden, die am Ende ja auf "dieselbe" Tonleiter rauslaufen (mit anderem Grundton) und tonartfremden Akkorden, bei denen ich mir die Skalen wirklich merken muss. So wie ich bis jetzt den Eindruck habe, sind doch bei vielen Stücken der grösste Teil der Akkorde in der Tonart, sodass man skalenmässig gar nicht so viel umdenken muss, wie ich eigentlich befürchtet habe. Wenn man ionisch, MM und HM kann, kommt man schon recht weit.
Hab jetzt natürlich super Spass, dass ich das jetzt einigermassen "kann", auch wenn ich sehe, dass ich halt für jedes Stück ein paar h investieren muss, damit es sich für mich einigermassen natürlich anfühlt.

Nun hatte ich (wieder mal - :D) ein paar Gedanken zu diesem ganzen Harmoniethema. Ich hab ja nicht viel Literatur gelesen z.T. sind die Sachen in meinen Augen einfach völlig unsinnig dargestellt. Z.B. hat Burbat eine Tabelle in der er die Akkorde den Skalen zuweist. Korrekterweise müsste man ja zumindest für Stücke in Moll und Dur zwei unterschiedliche Tabellen machen. Das macht er aber nicht. Er unterscheidet schon etwas, indem er die Funktion z.B. mit T oder t beschreibt, aber es macht für mich einfach Null Sinn, Dur und Moll in einer Tabelle zu verfassen. Das mag kompakt sein, aber einfach völlig unlogisch.

Wie wir gesehen haben, will CST immer eine Skala verwenden, die möglichst nahe an der Tonart vom Stück ist. Ich gehe noch einen Schritt weiter und sage, man will immer in der Skala der Tonika bleiben, solange es möglich ist. Die Skala der Tonika ist eigentlich meine Tonart(?) Bei einem Stück mit Tonika dorisch, würde ich immer versuchen diese Skala anzunähern, bei Tonika N.M. nähere ich diese an. Wenn ich lydsich über der Tonika verwende, habe ich logischerweise andere Skalen für die Akkorde, wie wenn die Tonika die ionische Skala hat, oder? Ich könnte auch über einen maj Akkord die Skala Mixo spielen und sagen, das ist jetzt die Grundstimmung von meinem Stück und würde dann auch bei den anderen Akkorden immer diese Mixo Skala annähern. Die Überlegung ist doch richtig? Wenn ich über der Tonika irgendeine orientalische Skala habe, dann nähere ich einfach immer die an, um den Charakter vom Stück aufrecht zu erhalten(?)

Ich hab in dem Zusammenhang mal geschaut, was Nettles so über Blues schreibt.
Frage: Skala 1, b3, 4,b5,5,b7 ist das Dur Bluesschema oder Moll? Und wenn das Dur ist, was ist dann Moll?
Im Blues kann man über der Tonika ja mehrere Skalen verwenden. Weil man über einem Dur Akkord eine Moll Penta verwendet, liegt dort schon so viel Spannung, dass man bei den anderen Akkorden im Stück auch mehr Freiheiten hat. Ganz nach dem Motto: "Wenn Du einen falschen Ton spielst, dann spiel ihn einfach ein zweites Mal, dann meinen alle, das muss so sein." Die Aussage hat schon einen funken Wahrheit.
Mir gehts jetzt weniger darum Blues spielen zu lernen, als die Überlegungen zu verstehen, weil ja genau da die Situation herrscht, dass man über der Tonika eben nicht einfach die gemäss CST passende Skala verwendet.
Ich hab die Bluesskala ja eigentlich über Mollakkorden verwendet.

Was meint ihr zu meinen Gedankengängen?

LG
 
Frage: Skala 1, b3, 4,b5,5,b7 ist das Dur Bluesschema oder Moll? Und wenn das Dur ist, was ist dann Moll?
Das ist die üblichste aller Blues-Skalen, man kann sie als eine erweiterte Moll-Pentatonik auffassen. "Im Prinzip" passt sie über alle Akkorde in einem Dur- wie auch Moll-Blues.
Die Reibung der Blue Notes b3 b5 über die unterliegenden Dominantseptakkorde ist erwünscht, zumal oft Ornamentik verwendet wird

Die Verwendung der Dur-Pentatonik 1 2 3 5 6 bringt je nach Zusammenhang schnell ein Gefühl von Rock oder Country Music mit sich. Sie wird aber auch von Bluesmusikern verwendet, B.B. King wäre ein Name dazu oder die Double Stops bei Chuck Berry. Es gibt aber ausgesprochene Bluesspezialisten in der Community, die sich mit Beispielen dazu besser auskennen.
Erweitert man die Durpentatonik um eine b3, bekommt man eine vielseitige Skale für die Improvisation über diatonische Akkordverbindungen, auch in Rock & Pop.

Beide Bluesskalen werden gerne mit Ornamenten gespielt. Bei Gitarren sind das oft Bending, Hammer On und Pull Off von Tönen, ansonsten durch kurze Vorschläge (Slides), kurze, schnelle Skalenfragmente (Rolls), Umspielungen von Tönen (Turns) und diverse Zusammenklänge von Tönen (Double Stops aka Harmonized 8ths usw.). Gemeint ist etwas dieser Art:


blues run.jpg

Gruß Claus
 
Grund: Ergänzung Chuck Berry
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Wie wir gesehen haben, will CST immer eine Skala verwenden, die möglichst nahe an der Tonart vom Stück ist.
Nein, hatten wir schon paarmal.
Es gibt verschiedene Akkorde, oft mit Alterationen, die meisten Stücke modulieren irgendwohin usw.

In einer einfachen IIm-V7-I kannst Du für die V7 mixo verwenden, aber auch alteriert, HTGT und ggf noch andere. Für I kannst Du uU. auch mal lydisch nehmen. usw.

Ich gehe noch einen Schritt weiter und sage, man will immer in der Skala der Tonika bleiben, solange es möglich ist.
Würde ich auch nicht so sagen, jedenfalls wenn Du für "man" sprichst.
Dominantakkorde werden durch Alterationen ja gerade erst interessant.
Andersrum wär's richtig - wenn Du es willst, ist es möglich, immer nahe dran zu bleiben.

Ich könnte auch über einen maj Akkord die Skala Mixo spielen und sagen, das ist jetzt die Grundstimmung von meinem Stück
Da verstehe ich nicht, was Du meinst.
maj7-Akkord hat eine große 7, mixo hat eine kleine. Ggf kannst Du schon einen Septakkord als Tonikaakkord spielen, v.a. im Blues, aber da wird dann auch nicht maj7 als Akkord stehen, also nicht allgemein.
Reharmonisation ist natürlich immer ein mögliches Thema.
Die meisten Septakkorde haben aber Dominantfunktion und funktionieren nicht als Tonika - falls Du das mit "Grundstimmung von meinem Stück" meinst.
Wenn ich über der Tonika irgendeine orientalische Skala habe, dann nähere ich einfach immer die an, um den Charakter vom Stück aufrecht zu erhalten(?)
Unklar. Was heißt "über der Tonika ... Skala habe"? Die Skala legst Du fest, so dass sie zum Tonika-Akkord passt. Dann brauchst Du Dich auch nicht mehr annähern.
Und "Charakter vom Stück" (mit dem Genitiv hast Du es offensichtlich nicht so ;) ) ist auch Sache des Interpreten.


weil ja genau da die Situation herrscht, dass man über der Tonika eben nicht einfach die gemäss CST passende Skala verwendet.
Ich glaube, Du hast unter "CST" etwas abgespeichert, was zu einfach ist. Da gibt es deutlich mehr Möglichkeiten, und die Blues-Scale ist eine davon.

Weil man über einem Dur Akkord eine Moll Penta verwendet
Wie @Claus schon sagte, ist das von Dir geschriebene keine Dur- oder Moll-Penta, sondern die Standard-Bluestonleiter.
Die einfache Dur/Moll-Pentatonik ist ja aber quasi nur eine Untermenge einer Dur- oder Moll-Scale.
 
OK verstehe, bei der Bluesskala spricht man eigentlich nicht von Dur und Moll. Verwirrenderweise wird aber eben meine angegebene Blues Skala z.T. als Dur Blues Skala bezeichnet... Wenn es irgendwas wäre, dann würde ich es als Moll bezeichnen, aber das ist nur meine Meinung.

Erweitert man die Durpentatonik um eine b3, bekommt man eine vielseitige Skale für die Improvisation über diatonische Akkordverbindungen, auch in Rock & Pop.
Über C-Dur akkord z.B. einfach (meine angegebene) A Blues-Skala spielen, so kenn ich das auch.

Nein, hatten wir schon paarmal.
Aber das hat mir Cudo (und Claus?) doch bestätigt. Ich hab das schon so verstanden, dass einem die CST die am "harmonischsten" klingende Lösung liefert. Ob das die interessanteste ist, ist eine andere Frage.
Ich will Dir ja nicht widersprechen mit den Alterationen, Skalen die nicht mal alle Akkordtöne enthalten... aber ich versuche das gedanklich etwas von CST zu trennen. Jede Theorie braucht ja einen logisch nachvollziehbaren Grundgedanken, sonst ist es keine Theorie, sondern einfach eine Ansammlung von Beobachtungen. Dass man sich von der Tonart entfernt, mit Alterationen... ist doch eher als Erweiterung der CST zu betrachten und nicht der Grundgedanke der CST(?) Nicht alles was passt, hat etwas mit CST zu tun, so habe ich es verstanden.

Unklar. Was heißt "über der Tonika ... Skala habe"? Die Skala legst Du fest, so dass sie zum Tonika-Akkord passt. Dann brauchst Du Dich auch nicht mehr annähern.
Ich hab das nur als Beispiel gebracht, wenn ich jetzt ein Stück komponieren würde, könnte ich über der Tonika eine Skala festlegen, die gemäss Theorie nicht passt.
Z.B. Mixo über einem Maj 7 Akkord. Im Prinzip ist das doch was im Blues passiert, man spielt eine Moll Penta über einem Dur Akkord, das passt doch eigentlich auch nicht wirklich, und weil das schon "nicht passt", kann man das auf die anderen Skalen und Akkorde aufweiten. Deshalb hat man im Blues mehr Freiraum, oder liege ich da falsch? Mit annähern meine ich die Skalen über den nicht Tonika Akkorden. Z.B. leitet man die Skalen der Sek. Dom in CST her, indem man die Akkordtöne nimmt und den Rest der Skalen mit Tonarttönen auffüllt. Das meine ich mit annähern. Und genau deswegen unterscheiden sich z.B. die V7/x Skalen in Dur und Moll bzw. sind einfach verschoben... Der ganze Witz dieser Stufentheorie ist doch einfach, dass man die Tonart berücksichtigt, in der man sich befindet.
Das Interessante ist doch, was würdest Du machen, wenn Du über der Tonika irgendeine orientalische Skala hättest, dann würdest Du doch bei den Akkorden auch andere Skalen verwenden, um diese orientalische Stimmung zu betonen(?)

Und "Charakter vom Stück" (mit dem Genitiv hast Du es offensichtlich nicht so ;) )
Ich bin Schweizer, ich könnte auch sagen "Charakter des Stücks", wenn das Deinem inneren Literaten mehr entspräche.

Grundsätzlich erweitert doch CST einfach die Idee einer Tonart, indem es +- logisch erklärt, was man bei tonartfremden Akkorden verwenden kann. Alles weitere ist eine Frage des Stils.
 
Grund: Korr. aber nicht Genitiv :D
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Aber das hat mir Cudo (und Claus?) doch bestätigt. Ich hab das schon so verstanden, dass einem die CST die am "harmonischsten" klingende Lösung liefert.
Wenn es Cudo so gesagt hat, dann stimmt es und ich liege falsch.

Das Interessante ist doch, was würdest Du machen, wenn Du über der Tonika irgendeine orientalische Skala hättest, dann würdest Du doch bei den Akkorden auch andere Skalen verwenden, um diese orientalische Stimmung zu betonen(?)
Bei mir läuft das andersrum, keiner legt die Skala fest (außer natürlich alles ist in Noten notiert).

In der Regel habe ich eine Melodie, und dazu gibt es Harmoniesymbole.
Die Harmonien kann ich ggf. ändern, so wie es mir gefällt (Reharmonisation), wenn es zur Melodie passt.
Dann ergeben sich für die Harmonien mögliche Skalen, und ich wähle die aus, die mir am besten gefallen.

Wenn Du eine orientalische Skala möchtest, dann musst Du einfach nur schauen, wo sie gut zur Melodie und den Changes passen und dann ggf. die Akkorde anpassen.

Ich bin Schweizer
Das erklärt natürlich alles ;)
Habe auch gute Freunde da.

Grundsätzlich erweitert doch CST einfach die Idee einer Tonart, indem es +- logisch erklärt, was man bei tonartfremden Akkorden verwenden kann. Alles weitere ist eine Frage des Stils.
Was CST genau definiert, kann @CUDO II besser sagen.
So wie ich es kenne und nutze, stellt es den Zusammenhang von Akkorden und "Skalen" dar, wobei die Skalen sich ergeben, indem man die in Terzen gestapelten Akkordtöne in den Oktavraum transponiert.
Töne, die dabei "frei" sind, können nach harmonischem Zusammenhang und Stil festgelegt werden.
Hier sind (unten auf der Seite) auch einige "Limitations" angesprochen.
Und es gibt natürlich auch Musiker, die sich nicht an alle Regeln halten, bzw. darüber hinausgehen. Trotzdem ist es ein pädadogisch ziemlich geniales Konzept, finde ich.
 
OK verstehe, bei der Bluesskala spricht man eigentlich nicht von Dur und Moll.
Es gibt einige Blues-Skalen, man spricht aber von der Dur- oder Mollpentatonik bzw der "anhemitonischen" Pentatonik, aus der die beiden von mir gemeinten Bluesskalen abgeleitet werden. Quellen müssten bei Kärungsbedarf besser konkret benannt werden, z.B. Levine, Jazz Theorie oder Jazz Piano?, dt. oder engl. Ausgabe?, ggf. Auflage?, Seite der Fundstelle?.
Über C-Dur akkord z.B. einfach (meine angegebene) A Blues-Skala spielen, so kenn ich das auch.
Das machen bevorzugt Rockgitarristen ohne Theoriekenntnisse, weil sie dann mit den trainierten Fingersätzen statt vom Grundton aus "konstruiert" spielen können.
Aber das hat mir Cudo (und Claus?) doch bestätigt. Ich hab das schon so verstanden, dass einem die CST die am "harmonischsten" klingende Lösung liefert. Ob das die interessanteste ist, ist eine andere Frage.
Die Frage hat eine recht einfache Antwort, die schon mehrfach formuliert wurde. Die Jazztheorie wurde als Konzept zur Analyse und für das Verstehen von "westlicher" Popularmusik der letzten mehr als hundert Jahre entwickelt und natürlich konnte man dadurch Jazzimprovisation auch methodisch organisiert unterrichten.
Free Jamey Aebersold Jazz Handbook
Untersucht wurde besonders die Musik der Tin Pan Alley (=historische Pop Musik) und tonaler Jazz bis einschließlich Bebop.
Blues wird in der ursprünglichen Veröffentlichung von Barrie Nettles gar nicht erwähnt. Der folgt als eigenständiges Genre teilweise eigenen Gesetzen, geschaffen als Musik der zunächst vor allem schwarzen Musiker unter Vermischung westafrikanischer Wurzeln und europäischer Musik des 19. Jahrhunderts.
Modaler Jazz oder gar Free Jazz wurde von Barrie Nettles in "Harmony" als erster eigenständiger Veröffentlichung der Jazz Theorie auch nicht beachtet, den Eränzungsband zum modalen Jazz verfasste Alex Ulanowsky.
Z.B. Mixo über einem Maj 7 Akkord. Im Prinzip ist das doch was im Blues passiert
Hast Du denn einen Hinweis zu einer Aufnahme, bei der ein anerkannter Blues- oder Jazzmusiker so etwas tatsächlich spielt?
Für mich ergibt die Aussage keinen Sinn. Geht man vom üblichen Bluesschema aus, dann hat man 3 kadenzielle Stufen, aber als Dominantseptakkorde.
Der zweite Takt dabei wird häufig mit dem Akkord der vierten Stufe gespielt, also z.B.
|| I | IV | I | I | IV | IV | I | I | V | IV | I | V ||

Mixolydisch wäre das spielbar. aber das ursprüngliche Material ist Pentatonik plus Blue Notes, also die Blues Scale
...man spielt eine Moll Penta über einem Dur Akkord, das passt doch eigentlich auch nicht wirklich
Man spielt über einen Dominantseptakkord, dem wohnt durch den Tritonus von Durterz zur kleinen Septime eine Dissonanz bzw. nach Auflösung strebende Spannung inne, die seit dem Barock gerne genutzt wird.
Die Mollpentatonik ist eine genuine Skala der Bluesharmonik mit eigener Geschichte, mit der reinen "Akkordskalentheorie" hat das nichts zu tun, entsprechende Kapitel kamen wegen der bekannten praktischen Bedeutung als Erweiterung der Akkordskalentheorie dazu (Sikora, Löffler).
Grundsätzlich erweitert doch CST einfach die Idee einer Tonart, indem es +- logisch erklärt, was man bei tonartfremden Akkorden verwenden kann. Alles weitere ist eine Frage des Stils.
Diese Aussage erfasst nur einen Ausschnitt der Akkordskalentheorie, der bei der Analyse und bei Fragen der Reharmonisation eine Rolle spielt. Unter "tonartremden Akkorden" würde ich dann so etwas wie eine Sekundärdominante, Tritonussubstition, SDM, Special Function Dominant Chords und Backdoor Progression oder Modal Interchange Akkorde verstehen.
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Es wurde schon verschiedentlich formuliert, dass die Akkordskalentheorie keine "neue Erfindung" der musiktheorie darstellt. Sie ist eine - vereinfachende - Anpassung bekannter Inhalte der "klassischen" Musiktheorie für den Gegenstand der "westlichen", tonalen Popularmusik und da zunächst für die funktions- und/oder stufentheoretisch beschreibbaren Kompositionen oder Akkordfolgen ungefähr von Anfang bis Mitte des letzten Jahrhunderts. Die Betrachtungen wurde später erweitert, wie z.B. bei der Anwendung auf das C-Dur Präludium. Wesentliche thematische Erweiterungen gibt es als eigenständige Teilbereiche vor allem zum Blues und der modalen Musik.

Gruß Claus
 
Grund: Rechtschreibung korrigiert, kl. Ergänzungen wie Aebersold-Link hinzugefügt.
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Wenn es Cudo so gesagt hat, dann stimmt es und ich liege falsch.
ich habe ihn zumindest so verstanden.

Bei mir läuft das andersrum, keiner legt die Skala fest (außer natürlich alles ist in Noten notiert).
Man kann ein Stück in lydisch komponieren, dann ergeben sich eben andere Skalen für die Stufen... Z.B. wäre doch III-7 dann äolisch, weil Imaj7=lydisch ist. Natürlich muss das nicht undedingt so sein, aber wenn ich ein Stück hätte, das nur Akkordtöne von C lydisch enthält, wäre das die naheliegendste Lösung, um den lydischen Charakter des Stücks zu unterstützen. So sehe ich es jedenfalls. Zu sagen III-7 in Dur ist phrygisch macht nur Sinn, wenn unsere "Mutterskala" passend zu I ionisch ist. Diese ganze Stufenmodell bezieht sich doch auf die Skala, die man unter I verwendet. So habe ich es verstanden. Beim Blues ist das schon eine andere Skala für I und wirft deshalb dieses ganze Stufenmodell etwas aus der Bahn...

Quellen wären bei Kärungsbedarf besser konkret benannt werden, z.B. Levine, Jazz Theorie oider Jazz Piano? dt. oder engl. Ausgabe? ggf. Auflage? und Seite der Fundstelle?.
ich habs einfach schon x mal gelesen, ich kann Dir jetzt keine genaue Quelle sagen. Wahrscheinlich nennen sie das Dur Blues Skala, weil I ein Durakkord ist, denke ich mal...

Hast Du denn einen Hinweis zu einer Aufnahme, bei der ein anerkannter Blues- oder Jazzmusiker so etwas tatsächlich spielt?
ich habs wohl etwas unglücklich formuliert. Ich hab nicht gemeint maj7 wird mit Mixo gespielt im Blues. Ich hab das nur als Beispiel genommen, dass man über einem Akkord eine Skala definiert, die theoretisch nicht passt, wie eben die Moll Penta über einem Dur Akkord... Ich mag halt solche Gedankenexperimente, das zeigt auch gerne die Grenzen von Theorien auf. Das ist für mich wichtig, um die Theorie zu verstehen.

Unter "tonartremden Akkorden" würde ich dann so etwas wie eine Sekundärdominante, Tritonussubstition, SDM, Special Function Dominant Chords und Backdoor Progression oder Modal Interchange Akkorde verstehen.
Ja genau, so sehe ich das auch und nur für das ist CST auch nützlich. Kein Mensch braucht CST für ein Stück, das komplett diatonisch ist. Meine Meinung.
 
Kein Mensch braucht CST für ein Stück, das komplett diatonisch ist.
Ob ein Stück "komplett diatonisch ist", liegt aber auch an Dir. Normalerweise liegt ja nur die Melodie fest; Akkorde und Begleitung können kreativ angepasst werden.
Man kann auch aus Kinderliedern Jazz machen.
Diese ganze Stufenmodell bezieht sich doch auf die Skala, die man unter I verwendet. So habe ich es verstanden.
Ja, allerdings gibt es in sehr vielen (wahrsch den meisten) Jazzstücken Abschnitte, die in eine andere Tonart modulieren. Und manchmal hat man eben auch die Wahl, ob man einen Abschnitt in der Haupttonart verstehen möchte (indem man diatonisch bleibt) oder es als eine Modulation anlegt.
Man hat da eigentlich meistens mehrere Möglichkeiten. ZB wenn es in die Subdominante geht, kann ich da einfach hingehen (datonisch, also in zB C.Dur nach F-Dur) oder die Subdominante durch eine vorgeschaltete II-V vorbereiten (C - Gm7 -> C7 -> F), dann ist das wie eine kleine Modulation. Und für C7 könnte man ggf. Alterationen verwenden. Das ist natürlich auch alles CST.
 
Kein Mensch braucht CST für ein Stück, das komplett diatonisch ist.
Man kann ein Stück in lydisch komponieren, dann ergeben sich eben andere Skalen für die Stufen...
Und ich wäre äußerst gespannt auf die Ergebnisse dieser Bemühungen und würde sie gerne hören.
Denn in aller Regel gelingt das nicht mit gut hörbaren Ergebnissen, weil unser aller harmonisches Empfinden Dur-/Moll-geprägt ist, mit den damit verbundenen Kadenzen und typischen Akkordfolgen.
Und ein Stück, das z. B. "streng lydisch" sein soll, das hat schon mal keine traditionelle IV. Stufe. Und damit wird es sehr schwer, ein (für unsere Ohren) akzeptables Musikstück zu erfinden.
Noch leichter gelingt das mit Ausgangsmaterial dorisch oder mixolydisch. Aber auch das wird (harmonisch !) schnell langweilig, wenn die richtig echte Dominante, und damit die Kadenzwirkung fehlt.

Die "wahre Macht" der Kirchentonleitern liegt (heutzutage) in ihrer Fähigkeit, unerwartete melodische Akzente über gewohnter (Dur-/Moll-)Harmonik zu bilden.

Nur meine Meinung.

LG - Thomas
 
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ich glaube ihr versteht meine Gedankengänge nicht so ganz. Dass man aus einem diatonischen Stück ein nichtdiatonisches machen kann, dass das Dur - Moll System Vorteile gegenüber einem lydischen.... hat, ist mir alles bewusst. Im Prinzip ist es nicht so wichtig. Mir geht's mehr darum, die Gedankengänge dieser CST Leute zu verstehen und zu verstehen, wie das System aussehen würde, wenn die Ausgangslage eine andere wäre...
Das lustige an CST finde ich, dass die immer mit der Erklärung beginnen: wir haben verschiedene Stufen, mit diatonischen Akkorden und dort verwendet man diese "unterschiedlichen" Skalen, die am Ende doch einfach die Tonart des Stücks sind (oder der Stelle des Stücks). Für die diatonischen Akkorde ist dieses System völlig überflüssig. Interessant wird es erst bei nichtdiatonischen Akkorden und da ist die Logik des Systems nicht mehr ganz so klar, weil man sich halt einfach seine Skalen zusammenbastelt aus der Akkordtönen und den Tonarttönen oder bei SDM in Dur auch aus Tönen der parallelen Molltonart... Oder dann kommt Wes Montgomery und spielt die Alterierte, wenn sich die Dominante auf x auflöst und sonst was anderes... Ich mein das auch gar nicht böse, ich finde CST super, sie gibt mir Möglichkeiten, ich probiere sie einfach aus und was mir gefällt mach ich dann. Es zeigt sich einfach, dass man diese ganze Harmoniethematik nicht wirklich beschreiben kann. Und am Ende versteht jeder unter CST ein bisschen was anderes, habe ich den Eindruck. Wie gesagt, ich mein das nicht abwertend, CST ist einfach ein Werkzeug.
 
ich glaube ihr versteht meine Gedankengänge nicht so ganz.
Deine Gedankengänge sind allerdings für mich größtenteils nicht nachvollziehbar.
Dass man aus einem diatonischen Stück ein nichtdiatonisches machen kann, dass das Dur - Moll System Vorteile gegenüber einem lydischen.... hat, ist mir alles bewusst. Im Prinzip ist es nicht so wichtig.
Was für einen Sinn macht es tonale- und modale Musik wertmäßig gegenüberzustellen?
KEINEN!!!
Mir geht's mehr darum, die Gedankengänge dieser CST Leute zu verstehen ...
Es gibt keine CST-Leute.
CST ist nichts anderes als die Aufgliederung unseres westlichen für Konsonanz inneliegenden Bedürfnisses. Jeder Jazz- und Popularmusik spielende Musiker beachtet diese CST-Regeln wissentlich oder unwissentlich von Natur aus.
Wir haben es hier nur nochmal klar und deutlich dargelegt.
... wie das System aussehen würde, wenn die Ausgangslage eine andere wäre...
"Das System" ist unser westlich geprägtes Gehör. Geh zum HNO Arzt und lass Dir ein anderes implantieren, dann kannst Du Deine unnütze Frage selbst beantworten.
Das lustige an CST finde ich, dass die immer mit der Erklärung beginnen: wir haben verschiedene Stufen, mit diatonischen Akkorden und dort verwendet man diese "unterschiedlichen" Skalen, die am Ende doch einfach die Tonart des Stücks sind (oder der Stelle des Stücks). Für die diatonischen Akkorde ist dieses System völlig überflüssig.
Du hast es immer noch nicht verstanden. CST ordnet die skaleninternen Konsonanz/Dissonanzverhältnisse einzelner Stufen. Ein begabter Musiker muss nicht über CST nachdenken. Er macht das gehörmäßig alles richtig.
Wir haben es hier nur nochmal klar und deutlich dargelegt.
Interessant wird es erst bei nichtdiatonischen Akkorden und da ist die Logik des Systems nicht mehr ganz so klar, weil man sich halt einfach seine Skalen zusammenbastelt aus der Akkordtönen und den Tonarttönen oder bei SDM in Dur auch aus Tönen der parallelen Molltonart...
Ein Anfänger sollte zunächst mal den Gepflogenheiten erfahrener Musiker folgen. Nachahmung hat beim Werdegang namhafter Musiker eine große Tradition.


Ich würde an Deiner Stelle jetzt erstmal das hier vorgestellte Material richtig durchüben und hier keine großen "philosophischen" Abhandlungen mehr schreiben sonder einfach mal Deine Übungsbeispiele zur Diskussion hier reinstellen.
 
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Ein begabter Musiker muss nicht über CST nachdenken. Er macht das gehörmäßig alles richtig.
Ich bin überaus dankbar für das Posten dieses Satzes.
Denn ich bin der gleichen Meinung, hatte aber - vor allem in letzter Zeit - das Gefühl, diese Einschätzung würde nicht mehr als zeitgemäß angesehen werden.
Deswegen habe ich mir eine Wortmeldung mit diesem Inhalt immer verkniffen ...

LG - Thomas
 
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Dann bin ich nicht begabt 😎 ...
kann man nix machen.
 
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