Vibrato bei Shakuhachi/Flöte

von rohrfrei, 12.10.16.

  1. rohrfrei

    rohrfrei Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 12.10.16   #1
    Hallo,
    mich würde mal das Thema Vibrato interessieren.
    Bei den Shakuhachi-Spielern sieht (und hört) man eine Art Vibrato, bei der der Kopf und das Instrument bewegt wird, - bei gleichbleibendem Luftstrom. Am besten vergleichbar mit dem Vibrato eines Geigers oder der menschlichen Stimme.
    Bei Quer- und Blockflöten und bei Quenas wird eine Art Vibrato mit dem Zwerchfell durch Veränderung des Luftstroms erzeugt, das ergibt auch eine Schwankung in der Lautstärke. (Gibt es auch im Gesang).
    Der Effekt ist jedenfalls ziemlich unterschiedlich. Kann sein, dass es da verschiedene Ausdrücke dafür gibt, - das weiß ich nicht.
    Welche Art Vibrato passt zu welcher Musik?
    Was ist eure Meinung?
     
  2. Claus

    Claus MOD Brass&Keys - HCA Tp Moderator HCA

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    Erstellt: 12.10.16   #2
    Vibrato meint "normalerweise" eine (oft ein wenig schneller oder langsamer werdende) minimale oszillierende Veränderung der Tonhöhe, die durch verschiedene Körpertechniken hervorgerufen werden kann und sich in der technischen Ausführung auf diversen Instrumenten unterscheidet.

    Tremolo meint "normalerweise" eine Art Triller oder eine oszilierende Obertonfilterung oder eine oszillierende Lautstärkeveränderung.
    Sind schon die Definitionen nicht gerade eindeutig, werden die Effekte auch gar nicht so selten auch noch "falsch" bezeichnet.

    Deshalb wäre ein YT-Clip hilfreich, der das zeigt, was Du meinst. Dann können wir schon mal sicher sein, dass wir uns über das Gleiche unterhalten. :D

    Gruß Claus
     
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  3. moniaqua

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    Erstellt: 13.10.16   #3
    :confused:
    Triller sind doch Frequenzveränderungen, Obertöne sind auch Frequenzen und nicht Amplituden, wieso ist das dann ein Tremolo? Ich hatte abgespeichert Tremolo sei Amplitudenveränderung bei gleicher Frequenz, Vibrato Frequenzveränderung.
     
  4. rohrfrei

    rohrfrei Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.10.16   #4
    o.k. soviel zu den Begriffen, - aber wie setzt ihr die Effekte ein?

    klaus: den für uns gewöhnungsbedürftigen Anblick eines shakuhachi-Vibratos sieht man auf jedem Video mit traditioneller Shakuhachi-Musik.

    Bei den vibrierenden Quena-Klängen aus den Anden scheint es mir eher um ein schnelles Zwerchfell-?Tremolo? zu handeln.
     
  5. Claus

    Claus MOD Brass&Keys - HCA Tp Moderator HCA

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    Erstellt: 13.10.16   #5
    Woher stammt denn diese klare Definition? Ich fände es gut, wenn das so klar wäre.

    Die Feinheiten der angesprochenen "sängerischen" Vibratotechnik durch Einsatz der Atemhilfsmuskulatur kann man vielleicht in deren Bereich nachlesen.
    So wie es kenne, beruht ein gutes Vibrato bei Sängern auf einer gelungenen Kombination von Einsatz der Atemhilfs-, Kiefer- und Zungenmuskulatur. Bei Blasinstrumenten muss das für den Ansatz vermutlich angepasst werden.

    Das Zwerchfell ist nicht spürbar, seine Bewegung erfolgt sowohl autonom als auch willentlich und mit unterstützung durch die Atemhilfsmukulatur (Bauch-, Zwischenrippen-, Rückenmuskulatur).

    Im Beispiel wird am Anfang meines Erachtens der Blasdruck variiert, ich würde das wie Du eher Tremolo als Vibrato nennen.
    www.youtube.com/watch?v=Rz5_EJnB8yQ

    Gruß Claus
     
  6. Lisa2

    Lisa2 Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 13.10.16   #6
    Repetition und Frequenzänderung sind zwar zwei ganz unterschiedliche Dinge. Aber im allgemeinen Sprachgebrauch scheinen die Wenigsten auf diese unterschiedliche Definition zu achten. Daher erscheint es mir müßig, darüber zu diskutieren. Ich merke mir den Begriff mit der "Eselsbrücke" "Das Tremolo trommelt" ;)

    Das im Video gezeigte Vibrato erzeuge ich sowohl auf der Quena als auch auf Blockflöten und Okarinas. Ich wende dabei im Prinzip stets dieselbe Spieltechnik an. Gehe ich nach der zitierten Definition, ist das ein Vibrato, weil ich den Ton nicht repetiere, sondern mit fortwährend aber "irgendwie schwankend" fließendem Luftstrom blase. Was da physiologisch exakt passiert?
    Ich versuche es mal folgendermaßen zu beschreiben:
    Wenn man tief einatmet und dann die Luft mit einem kontrollierten Strömen ausatmet, kann man einen ganz langen Ton erzeugen. Damit er gut klingt, "stützt" man die Ausatmung und erhält dadurch einen stabilen, kaum schwankenden Luftstrom, der dann zu einer entsprechend stabilen Tonhöhe führt.
    Das Fließen des Luftstroms kann durch eine Bewegung des Gaumens unterbrochen werden, indem man eine Kette von e spricht: "e, e, e ...". Mit Übung lässt sich diese "E-Kette" derart beschleunigen, dass die Repetition so schnell wird, dass ein Tremolo im Sinne der Definition entsteht.

    Atmet man ohne diese ich nenne es mal "Verschlussbewegung" des Gaumens aus, fließt die Luft ununterbrochen. Daher ist der ohne "Gaumenverschluss" entstehende Effekt für mich ein Vibrato. Ein Vibrato kann dann entstehen, wenn man
    • mit der Atemhilfsmuskulatur den Luftstrom stoßweise beschleunigt, was zur Frequenzschwankung aber nicht zur repetierenden Tonunterbrechung führt. Zumindest nicht bei mir.
    • das Gaumensegel entspannt und im Luftstrom "flattern" lässt. Ich spüre dieses Flattern kaum, kann es aber gezielt unterbinden oder entstehen lassen, ohne in anderen Körperzonen vibrierende Muskelspannungswechsel zu spüren.
    Die verschiedenen Techniken lassen sich kombinieren. Das wirkt sich dann auf die Stärke des Vibratos aus.

    Irgendwie drängt sich mir bei der Vorstellung vom flatternden Gaumensegel der Vergleich zum Vibraphon (Nomen es Omen) auf, in dessen Resonatorröhren eine sich drehende Scheibe für das Vibrato sorgt. Ich bin mir allerdings völlig im Unklaren darüber, ob die physikalischen Vorgänge, durch die diese verschiedenen Vibrati entstehen, in irgendeiner Weise vergleichbar sind.

    Hier noch zwei Beispiele für mein Vibrato beim Okarinaspiel.

    https://soundcloud.com/lisa-231/2015-08-01-down-by-the-sally-gardens-doppelocarina-stein-ac

    https://soundcloud.com/lisa-231/estfa-scarborough-fair-2015-07-28-blumenokarina-rotter-stein-acwav

    Gruß
    Lisa
     
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  7. rohrfrei

    rohrfrei Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.10.16   #7
    Super, das Vibolo bzw. Tremato, bei mir ist das immer ein bisschen langsamer, hab aber auch noch nie auf den Gaumen geachtet...
    Das Kopf-Vibrieren mit der Shakuhach krieg ich aber nicht so gut hin. Hier mal ein Stück mit viel davon:
     
  8. Lisa2

    Lisa2 Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 15.10.16   #8
    Diese Art von Vibratoerzeugung ist mir noch nie aufgefallen. Habe mal versucht das nachzumachen und mich gefragt, welchen physiologischen Effekt das haben könnte. Funktioniert mit einem Schnabelmundstück aber vielleicht gar nicht wie gedacht.
     
  9. Old Boy

    Old Boy Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.10.16   #9
    Durch die intervallartige Veränderung des Anblaswinkels wird die Schwingungsanregung am Labium verändert, was eine Art Schwingung/Vibrato verursacht ... denke ich!

    An einer Blockflöte wird das sicher keinen so merklichen Effekt hervorrufen ... wenn überhaupt!?
     
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