Was genau ist überhaupt Blues?

von And1, 02.12.05.

  1. And1

    And1 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 02.12.05   #1
    Hi,

    ich werd in paar Wochen ein Referat in der Schule machen über Blues. Jetzt gibts son paar Fragen, die sich mir stellen, die ich mal an euch weitergeben wollte.

    Ich denke viele Leute sehen ne Verbindung zwischen Blues und Jazz - ist Blues Jazz oder Jazz sogar Blues (eher weniger nehm ich an ^^)?

    Wann gilt ein Song als ein Blues? Gibts da klare Grenzen oder is das Ansichtssache? Ich mein nicht jeder Blues hat ein 12taktiges Schema mit den typischen Akkorden und dem üblichen Textaufbau.

    Viele Leute sagen heute beispielsweise bei Joe Cocker (oder so) seine Songs klingen bluesig. Woran liegt das? Er verwendet ja nicht nur die Bluestonleiter oder den typischen Aufbau.

    So
     
  2. maPPel

    maPPel Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 03.12.05   #2
    Naja,

    neben dem 12-bar Blues gibts halt noch zig verschiedene Muster. 16 taktig, 24-taktig, 8-taktig usw.

    Zu erklären was Blues ist, ist genauso schwer als wenn man versucht zu erklären was Jazz ist. Diese Frage, also was ist Jazz, hab ich nämlich auch schon im Jazzforum gefragt. Ganz einig ist man sich da nicht. Bei Jazz heisst es, dass alles Jazz ist was "Swingt"!
    Ja, cool, ok, nehm ich so hin und versteh es auch.

    Das Problem ist, dass man nun genauso einfach erklären könnte, was Blues ist. Alles was bluesig klingt, ist Blues.

    Dazu kommen halt charakteristische Merkmale des Blues, die da wären:
    Septakkorde
    ternäres Feeling
    typisches Schema

    D.h. dann aber nicht, dass diese Dinge da sein _MÜSSEN_ damit es Blues ist.
    Hör dir zum Beispiel mal nen paar Sachen von Hotrod aus diesem Forum hier an. Der spielt schön bluesig, aber hat bei seinen Tracks nicht unbedingt Blesschema und Septakkorde als Grundlage.

    Das kommt daher, dass es neben dem normalen Blues noch den Moll-, den Dur-, den Jazz-, den Rock-, den wasweissichnochalles-Blues gibt.

    Für den Vortrag empfiehlt es sich, auf den ursprünglichen Blues, also Delta-Blues usw. einzugehen. Da ist es meiner Meinung nach klarer zu erkennen, was Blues ist. Dann gehst noch auf die Geschichte ein, also vom den schwarzen Arbeitern, die in der Kirche Gospel sangen, zum Blues, den die Schwarzen anfang in Kneipen, auf der Straße... gespielt haben.
     
  3. HempyHemp

    HempyHemp Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 03.12.05   #3
    vielleicht findest du ja hier bzw. hier oder hier infos für dein referat finden :great:.
     
  4. Hotroddeville

    Hotroddeville Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 03.12.05   #4
    Sehr richtig Markus!:D
    Wie schon gesagt es gibt einzelne kleine Merkmale woran man den Blues evtl. zuordnen kann.
    Ganz typisch sind zerlegte Septakkorde. D.h. diese bestimmten Töne, die in einem Septakkord enthalten sind, werden als Melodielauf gespielt. Das ist wirklich ein Handfester Bluesbeweis. Das hört jeder dann, dass es sich um Blues handelt.

    jedoch ein 100%iges Raster zum erkennen gibts da nicht. Auch im Blues werden May7 Akkorde verwendet, die man so eher im Jazz findet.

    Du könntest also sagen. Das nicht alle 12Takter nur Blues sind. Sondern wie mappel das schon gesagt hat, mit 7Akkorden etc.
    Außerdem spielt natürlich der Gesang eine wichtige Rolle. (bzw. der Text)
     
  5. And1

    And1 Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 03.12.05   #5
    ahja okay, danke schonmal.

    was ist denn ternäres feeling?

    man sagt ja auch swing sei triolisch, hat das damit was zu tun? aber was heisst das genau?
     
  6. deeper_purple

    deeper_purple Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 03.12.05   #6
    was den gesang angeht ist auch oft vorhanden die textfolge A-A-B

    A is jeweils eine aussage, die wiederholt wird, mit der ein bisschen gespielt wird, die aber in ihrer aussage identisch bleibt... diese widerholung von A sollte einst den effekt etwas zu verdeutlichen... praktisch wie ein redner in der politik oder so...

    dann kommt mit B die auflösung, die erklärung, die folge usw.

    ein beispiel: I can't quit you babe von Led Zeppelin

    A: i can't quit you babe, so i'm gonna put you down for a while
    A: i said, i can't quit you babe, so i'm gonna put you down for a while
    B: i said you messed up my home, you made me misstread my only child

    oder: Lazy von Deep Purple

    A: you're lazy, just stay in bed
    A: you're lazy, just stay in bed
    B: you don't want no money, you don't want no bread

    desweiteren: Call and Response (jaja hab's gerafft mappel :) )

    der gesang ist sozusagen der "Call" und eins der lead instrumente (gitarre, keyboard, saxophon, alles mögliche...) ist die "Response"

    => der gesang ruft und das instrument antwortet!

    das sieht meist so aus:

    |---call---|--response--|---call---|--response--|

    gut zu hören in The sky is crying von Stevie Ray Vaughan,
    Red House von Jimi Hendrix oder den genannten beispielen oben!

    ternäres feeling:

    anstatt in einem takt zwischen jedem notenwert gleich viel zeit zu lassen, ist bei einem ternären rhythmus der abstand an einer bestimmten stelle kürzer...

    aber da sollte jemand mit ein bisschen mehr ahnung von theorie ran... :D

    bis denn,

    deeper_purple
     
  7. maPPel

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    Erstellt: 03.12.05   #7
    Sehr Jut erklär Deeper, noch besser als im anderen Thread. Dafür gibts ma ne Bewertung! :)

    Ternäres Feeling bedeutet:

    Du hast ne Triole. Nehmen wir einfach eine 8tel-Triole, die dann einer Zählzeit von 1/4 entspricht.
    Triolen sind die, die immer mit ner 3 zusammengefasst sind.
    [​IMG]

    Die erste Triole ist also ganz normal.
    Ternär wird es jetzt, wenn man die zweite Note weglässt, wie in der Triole daneben.
    Wenn du das spielst, kommt das typisch, da ... da da ... da da ... usw.
    Also vereinfacht wird auf Notenblättern vor dem Notentext meist einfach angegeben:
    [​IMG]

    Also 8tel ternär spielen.

    Hoffe, ich habs einigermaßen verständlich erklärt :>

    Edit: Jo, ansich hast es dir ja schon selber beantwortet! :D
    Edit2: (bin gerade schreibfaul, weil hab Klampfe inner Hand!)
     
  8. LokusPokus

    LokusPokus Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 03.12.05   #8
    Ternärer Rhythmus hat soweit ich weiss was mit Triolen zu tun. Im Gegensatz zum binären Beat mit Achteln/Vierteln liegt dem Blues oftmals ein triolischer Beat zugrunde. Typisch ist auch, dass die ersten beiden Triolen eines Triolentrios gebunden werden und die dritte einzeln gespielt wird.

    Edit: Och Mann, maPPel war schneller mit seinem Edit...
     
  9. And1

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    Erstellt: 04.12.05   #9
    aso, also einfach gesagt im blues wird swing gespielt (nicht straight), oder?

    kann man blues deswegen schon als eine art swing bezeichnen?
     
  10. deeper_purple

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    Erstellt: 04.12.05   #10
    äpfel und birnen wachsen auf bäumen, kann man birnen deswegen als äpfel bezeichnen?

    edit:

    danke maPPel... du hast hier für's blues-forum aber auch schon einiges getan! meiner meinung nach schon beinah hca-reif... :)
     
  11. maPPel

    maPPel Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 04.12.05   #11
    Danke, aber das mit dem HCA wäre zu übertrieben. Dazu weiß ich zuwenig. :)
     
  12. And1

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    Erstellt: 04.12.05   #12
    birnen sind keine äpfel, das heisst dann widerrum, dass nicht alles was swingt swing is oder? :D
     
  13. deeper_purple

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    Erstellt: 04.12.05   #13
    :D richtig!
     
  14. And1

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    Erstellt: 19.12.05   #14
    hi mal wieder,

    hab jetzt bissl rumgesucht wegen blues und auch schon paar sachen gefunden. allerdings wollt ich euch noch fragen, was für euch die wichtigsten bluessongs, sowie bluesmusiker sind, egal aus welcher zeit.

    dazu möcht ich zeigen, dass blues auch heute noch oft vorkommt, dazu wollt ich "joe cocker - unchain my heart" vorspielen. ich hab mir mal die akkorde angeschaut und das deutet ja schon sehr auf nen blues hin, sowohl der text, der akkord aufbau (blues in moll oder?), außerdem kommen in diversen soli glaub auch blue notes vor, mal von der "bluesigen" stimme von joe cocker abgesehen.
    das wär doch ne art bluesrock oder?

    da hab ich die akkorde her:

    http://www.e-chords.com/cifra/idmusica/43666/keyb/true.htm
     
  15. tuzz

    tuzz Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 21.12.05   #15
    John Lee Hooker
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    Muddy Waters
     
  16. whir

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    Erstellt: 21.12.05   #16
    tuzz hat ja schon ein paar wichtige genannt, allerdings fehlt da IMO noch Robert Johnson.

    Das ist schon ein Blues, ein Moll-Blues, allerdings wär ich da mit "heute" sehr vorsichtig, das Stück ist aus den 50ern, von Ray Charles (vielleicht hats auch noch wer anders geschrieben, weiß ich nicht).

    Was willst du eigentlich zeigen? Dass es Blues-Einflüsse in heutiger Mainstream-Musik gibt, oder dass heute noch Blues gespielt wird?
     
  17. schorsch27

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    Erstellt: 24.12.05   #17
    Naja, mit Verlaub: Ihr mogelt Euch da schon ums wesentliche rum . Kaum ein Musikstil ist so klar definiert, wie der Blues (und hat mit Joe Cocker ziemlich wenig zu tun). Im klassischen Fall besteht er aus 12 Takten. Die ersten vier stehen in der Tonika, Nr. 5 und 6 in der Subdominante, 7 und 8 Tonika. Nr. 9 = Dominante, 10 Subdominante, 11 Tonika und Nr 12 Dominante. (Ohne Gewähr, ich kann mich aber in der Kürze schon verzählt haben).

    In dieser reinen Form wird der Blues nicht immer vorgetragen, es gibt viele Abweichungen (die mitunter so weit gehen, daß überhaupt kein Akkordwechsel stattfindet) aber die meisten orientieren sich zumindest sehr stark an dem Schema. Bezeichnend is, daß mancher großer Bluesmusiker dieses Schema noch nie "beherrscht" hat, wie z.B. John Lee Hooker, mit dem zusammenzuspielen für so manchen Musiker immer eine große Zumutung war.

    Andererseits sind diese "Fehler" in Form einer Abweichung vom klassischen Schema gerade die interessanten Feinheiten, die einzelne Musiker unverwechselbar machen.

    Klugsch...e Grüße
    Markus
     
  18. deeper_purple

    deeper_purple Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 24.12.05   #18
    somit hast du wundervoll den begriff des bluesschemas erklärt, welcher bereits erwähnt wurde...
     
  19. whir

    whir Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 25.12.05   #19
    Am Anfang steht die Musik, und dann kommt die Musiktheorie und versucht sie zu beschreiben. Ich bin sicher, dass das gerade beim Blues nicht anders war, und gerade die ersten Blueser um die Jahrhundertwende zum 20. Jh. idR keinem Schema gefolgt sind.
     
  20. jakobcf

    jakobcf Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 25.12.05   #20
    "Der Blues ist der Ursprung aller Musik. Er ist die Wurzel...
    Blues ist unter uns, seit es die Welt gibt. Seit Männer und Frauen sich lieben und sich trennen, gibt es den Blues."

    John Lee Hooker
     
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