Wäre es denn für dich angenehmer, wenn wir hier ab jetzt versuchen, Deutsche Künstler als Beispiel zu nennen?
Nein, wäre es nicht... ;-)
Wobei nicht von der Hand zu weisen ist, dass die USA nun mal - speziell auf den Popular-Gesang bezogen - die Maßstäbe definiert haben.
Da habe ich eben meine Zweifel.
Sicher - ich bin auch mit englischer Rock- & Popmusik aufgewachsen. Deutsch war mir peinlich. Ich kannte es nicht anders und dachte, das muss so sein. Doch dann wirst du älter und findest dies und das heraus, was dich stutzig macht und dir ganz neue Sichtweisen eröffnet.
Die Türken haben ihren türkischen Pop. Die Balkanländer haben ihren Balkan-Pop. In Italien werden italienische Popstars gespielt. In Frankreich französische. In Schweden, in den US, in Kanada, in Israel ist ein Musiker eine angesehene Person. Nur in Deutschland gilt man fast als ein Assi, ein Sozialschmarotzer, wenn man Musik macht.
Es gibt auf der ganzen Welt kein Land, dem eine fremde Kultur so sehr übergestülpt wurde, wie Deutschland. Das hat - man höre und rolle die Augen - etwas mit dem zweiten Weltkrieg zu tun.
Genauso, wie sich nach 1945 in Deutschland kein Verlag und kein Medienunternehmen ohne Einwilligung der Alliierten gründen durfte, fällt bis heute vieles, was kulturell zu eigenständig ist, unter die Zensur: es wird dann eben einfach nicht gespielt, wenn es nicht amerikanisch genug klingt. Günter Verheugen hat dies letztens in einem Interview (Link kann ich gerne nachliefern) erst bekräftigt: es geht bis heute in Europa v.a. darum, Deutschland nicht wieder "erstarken" zu lassen, Deutschland einzubinden, es zu "fesseln". Deshalb der Euro, deshalb die zwischenstaatlichen Hilfeleistungen, deshalb der europäische Rettungsfond.
Ich weiß, das schweift jetzt weit ab. Aber es hat tatsächlich mit dem Thema zu tun.
Unter anderem deshalb - so abgedreht das klingen mag - gelingt es deutschen Bands, Künstlern, Musikern usw. extrem schwer, nach oben zu gelangen, wenn sie wirklich gut sind. Gepusht wird hier vor allem, was die Minderwertigkeit bestätigt: schlechte Musik, einfallslose Künstler, Abklatsch, Klone, Kopien.
Denn wenn neben guten Autos, guten Sportlern usw. auch noch gute Musik aus Dt. kommen würde, dann könnte das ganze Land ja schnell wieder beginnen, sich selbst als den Nabel der Welt zu sehen.
Deswegen rege ich mich auf, wenn die Statements hier an das ewig gleiche Rollenschema anknüpfen: wirklich gut ist nur, was von über dem Atlantik kommt. Nie wird die Frage gestellt, weshalb wir denn das glauben. Immer kommen solche unterkomplexen Erklärungsmuster wie "bessere Gesangstechnik".
Zwar haben Interpreten anderer Länder auch wiedererkennbare Eigenarten - aber die Basis und die Technik entsteht meist nach ameriikanischem Vorbild.
Ist das wirklich so? Kann ich nicht beurteilen.
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