Früher konnte ich mir keine sonderlich teuren Gitarren leisten.
Arbeiterkind, Arbeitersiedlung. Was übrigens unter dem Strich auch sehr ok war.
Es gab in Frankfurt Höchst einen kleinen Musikladen, der irgendeine gar nicht mal so wahnsinnig teure Gitarre im Schaufenster hatte. Mit einem geschnitzten Drachen auf dem Body. Irgendwas Strat mäßiges. Sah ich jeden Tag auf dem Schulweg und sabberte am Schaufenster rum. Ich habe mich damals nichtmal in den Laden getraut. Irgendwann war sie aber weg. Das war irgendwie echte bitter, obwohl ich sie damals so oder so nicht hätte kaufen können. Das hat aber irgendwas mit mir gemacht, glaube ich.
Die Erste kam dann aus einem Second-Hand-Shop, der zur Hälfte aber auch ein Sex-Shop war. Hatte ich hier schon mal erzählt.
Der große Bruder meines besten Freundes hat sie dann für mich gekauft. Eine Hertie-Caster. Ziemlich für den Eimer. Ein Flügel der Tuner hat gefehlt. Das habe ich damals mit einer halben Lüsterklemme gefixt, hielt aber auch nicht wirklich gut. Aber ich hatte erstmal eine E-Gitarre. Ich habe aber auch schon mit 14 nebenbei gearbeitet. Damals ging das noch mit kleinen Tricks. Mit 16 ging noch mehr. Ich habe z.B. Fruchtweine in einer kleinen Kellerei abgefüllt und verpackt. Die Kohle habe ich auf den Kopf gehauen oder auch damals schon für Musik-Kram ausgegeben.
Viele Jahre später und durchaus auch nach einigen Höhen und Tiefen, habe ich mir dann aber schon so manchen größeren Wunsch erfüllen können.
Da hatte ich natürlich schon auch deutlich mehr Spielgeld. Trotzdem habe ich auch heute preiswerte Gitarren, die ich durchaus mag. Fender CS besitze ich zwar nicht, aber andere Gitarren, die zum Teil vergleichbar viel kosten. Davon aber auch nicht alle neu. Ich kaufe Gitarren aber auch schon lange nicht mehr nach „Marke“.
Ich bin auch kein Zahnarzt oder Anwalt

, war aber besonders in den letzen 20 Jahren beruflich schon auf ganz gutem Kurs. Da war so eine Gitarre relativ egal.
Heute bin ich mehr oder weniger fast im Ruhestand, bzw. mache nur noch was ich möchte. Vielleicht schon etwas früher, aber ich habe ja auch recht intensiv und auch schon recht lange gearbeitet.
Meine akustischen Gitarren sind wahrscheinlich auch teurer als die elektrischen Dinger. Das ganze „Zubehör“ wird ja auch gern unterschätzt. Versichert ist aber alles schon recht hoch und zumindest deutlich fünfstellig.
Privat lebe ich aber mit meiner Frau und zwei Katzen in einem gebrauchten, durchschnittlichen Eigenheim, in schlichter und in eher ländlicher Lage, ich fahre heute aus Überzeugung und mit Spaß einen kleinen Fiat 500 Cabrio, rauche nicht, saufe nicht und haue auch sonst wenig Kohle für irgendwelche „Schickimicki Dinge“ raus. Ganz im Gegenteil, ich lebe heute ganz bewusst eher deutlich reduzierter, aber trotzdem sehr viel zufriedener.
Das war früher auch schon mal deutlich anders.
Da habe ich es auch einige Jahre schon ziemlich knallen lassen.
Aus heutiger Sicht eher ziemlich bekloppt, aber ok, alles hatte seine Zeit und ich habe gut gelebt und auch sehr viel erlebt.
Heute bin ich übrigens auch deutlich ruhiger was die Gitarren betrifft.
Dafür spiele ich deutlich mehr.