züborch;4537169 schrieb:
klar ist mir klar, dass er das analysiert, deswegen erwähn ichs hier, da ja scheinbar verständnis-schwierigkeiten vorhanden sind. (was du dir als absoluter röhrenfachmann vielleicht nicht sofort vorstellen kannst.)
Das sehe ich ein bisschen anders. Ich habe auch schon Leuten, die absolut keine Ahnung von der Materie hatten, aber Interesse daran, Sachen erklärt - und wenns im Backstagebereich bei einer Party mit Livemusik auf Papier, das man aufgehängt hat, dass keiner gegen rumhängende Glasplatten rennt, war:
Von daher kann ich dich beruhigen: Ich weiß schon, was hier los ist
züborch;4537169 schrieb:
was ich ihm klarmachen wollte, ist dass es um den gesamtkontext einer schaltung geht, nicht um die kennlinie eines einzigen bauteils; dass zum beispiel die leistungsreserven eines netztrafos oder der rauschabstand den gesamtklang beeinflussen, nicht allein die klangfarbe die durch den klirrfaktor erzeugt wird. (der ja bereits vor der verzerrung den klang färbt).
Dass der Gesamtkontext wichtig ist, das ist klar, aber ist es nicht sinnvoll, dass man erstmal einen Baustein im Sinne der Grundschaltung (keine frequenzabhängigen Gegenkopplungen, keine hörbaren Hochpässe/Tiefpässe usw) versteht und dann diesen Baustein mit den anderen Bauteilen drumrum ergänzt? Meiner Meinung nach schon. Man kann natürlich auch die Gesamtschaltung hinklatschen und solang rumprobieren, bis man rausgefunden hat, welches Bauteil was macht, aber das ist in den allermeisten Fällen wenig zielführend, weil man die Grundlagen dann immer noch nicht verstanden hat und bei anders aufgebauten Schaltungen nichts mehr versteht. Schau doch mal rum, wie viele "Profis" die Phasenumkehrstufe der Hiwatts nicht verstehen und dann rummeckern dass das alles sinnlos sei usw...
Was mich aber an sich etwas verstimmt, das ist die Tatsache, dass du hier Begriffe reinwirfst, die einfach an sich fehlplatziert sind. Ich zerlege mal nur den Beitrag von dir, den ich grad zitiert habe. Ich tu das nicht gern, aber vielleicht verstehst du dann ja, warum mir solche Beiträge sauer aufstoßen:
es geht "nicht um die kennlinie eines einzigen bauteils":
Doch, primär tut es das schon. Die Kennlinie ist das, was man am Bauteil nicht verändern kann, die ist fest und sie hängt von äußeren Parametern ab, die man selbst geschickt festlegen muss. Wenn man den Punkt nicht verstanden hat, dann funktioniert das Endergebnis (die Schaltung) entweder schlecht oder garnicht oder sie funktioniert, ist aber launisch und funktioniert mal und funktioniert mal nicht, oder sie geht schnell kaputt oder sie funktioniert, aber sie klingt einfach total scheiße. Um das mit dem Arbeitspunkt und den Verzerrungen zu verstehen, muss man Kennlinien verstehen und "lesen" können bzw wissen, was die überhaupt bedeuten. Dann kann man erkennen, was Lastgeraden sind (gespiegelte Quellenkennlinien) usw usw...
Natürlich muss man die Gesamtschaltung verstehen - aber ganz am Ende und nicht am Anfang! Ein anfängliches Signalflussverständnis ist natürlich schon nötig, aber die Einzelheiten nicht.
Die "leistungsreserven eines netztrafos" beeinflussen den Gesamtklang:
Hier geht es um eine Vorstufe. Vorstufen arbeiten in Klasse A Eintakt, d.h. sie nehmen gemittelt über die Zeit eine konstante Leistung auf. Durch die gegenüber den Strömen riesig dimensionierten Elkos und relativ niederohmigen Netztrafos stimmt das auf jeden Fall. Da hat das Netzteil definitiv KEINERLEI klanglichen Einfluss.
"der rauschabstand" beeinflusst den Gesamtklang:
Der Rauschabstand beeinflusst in erster Linie den Hass des Musikers auf das Gerät, aber nicht wirklich den Klang, weil es im Interesse eines jeden Schaltungsentwicklers sein sollte, Rauschen zu vermeiden. Ein rauschender Amp klingt natürlich anders als ein nicht rauschender, aber das ist in erster Linie deshalb so, weil das Rauschen da drinnen nix zu suchen hat...
Klirrfaktor: "der ja bereits vor der verzerrung den klang färbt":
Klirr sind Verzerrungen. Punkt. Genauer gesagt wird Klirr durch nichtlineare Verzerrungen des Signals generiert, also durch Kennlinienkrümmungen. Wenn der Klirrfaktor sehr groß wird, dann werden die Verzerrungen stärker hörbar, aber das heißt nicht, dass der Klirr eine Vorstufe der Verzerrung ist, sondern die Verzerrung ist bei jeder einfachen Verstärkerschaltung in relevantem Maße vorhanden. Ob man sie als Eigenklang oder Metalbrett hinnimmt, das hängt lediglich vom Maß der Verzerrung ab, aber auch ein Fender Twin verzerrt - er generiert Oberwellen. Ein Krankenstein macht das gleiche - nur eben stärker.
züborch;4537169 schrieb:
btw dass das signal irgendwann auch bei einer röhre rechteckig werden kann, hab ich in post #10 doch erwähnt?
Ja, aber du schriebst oben eben...
züborch;4536285 schrieb:
der spezifische klang und das, was du irgendwann als verzerrung wahrnimmst, fängt ja bei röhre schon früher an, (stichwort klirrfaktor)
...und da ist es für mich irreführend, dass da steht "bei Röhre". Das klingt, als wenn das bei Halbleitern nicht so wäre und das ist eben falsch. Und das habe ich korrigiert, da das ein weit verbreiteter Irrtum ist, der immer wieder als Halbwissen weitergegeben wird. Und das nervt.
züborch;4537169 schrieb:
es liest sich für mich eben so, als sei er schon tiefer in der technischen materie drin, als das er schon den gesamt zusammenhang ahnt. daher bin ich ein paar schritte zurück gegangen.
hab ich irgendwo unsinn erzählt, so weise mich doch bitte
sachlich drauf hin.
Lass ihn die Sache doch erstmal fokussiert betrachten, sodass er sich erstmal mit dem Mysterium Röhrenkennlinie an sich vertraut machen kann. Das mit dem Drumrum wird noch schwierig, ja, aber wenn er nicht einer der tausenden da draußen sein will, die irgendwas bauen und nachher immer noch nicht kapieren, was sie da eigentlich gemacht haben, dann ist er auf dem richtigen Weg. Er betrachtet die Sachen nicht oberflächlich sondern eben zielstrebig und genau (okay, er muss ja nicht gleich den Barkhausen lesen...).
Zum Thema, wo du sachlich Mist geschrieben hast: Das habe ich dir oben dargelegt, denke ich. Wie gesagt: Mir geht es nicht darum, dich hier zurechtzuweisen oder so, sondern einfach darum, dass du Aussagen machst, die in der Form irreführend oder sachlich nicht richtig sind und sowas muss - besonders in einem Anfängerthread - absolut nicht sein. Entweder wirklich richtig oder gar nicht. Alles zwischendrin ist Halbwissen, mit dem keiner was anfangen kann, weil es einfach nur verwirrt. Wie gesagt: Halbwissende gibt es schon viel zu viele...
MfG Stephan