Wie schwer ist es, D-Dur zu singen, wenn das gesamte Orchester d-moll spielt?

  • Ersteller Kreacher90
  • Erstellt am
Wenn man kein harmonisches System benützt oder andere als die temperierte Stimmung, ja dann sieht die Sache natürlich anders aus.
Um eine Dur-Terz auf einen Mollakkord zu singen, brauche ich das Dur-Moll-System, ansonsten gibt es die Aufgabe nicht.
Das willentliche und bewußte Herstellen "falscher" Töne ist für einen Musiker natürlich möglich, wenn er insofern seinem Gefühl Gewalt antun mag, aber letzteres ist auch nötig, um diese spezielle Aufgabe zu erledigen.
Ich finde es nicht "mutig" davon zu sprechen, daß die Durterz auf dem Mollakkord musikalisch nicht sinnvoll einsetzbar ist, sondern das ist einfach die Wiedergabe von Basiswissen. Es ist modisch, jegliche Gewißheiten aufzubrechen zu versuchen und auch das möglich zu machen, was im Grunde genommen nicht möglich zu machen ist. Die hier gegebenen Beispiele (dank omnimusicus sind es jetzt zwei) zeigen den Willen und das Können zur Regelverletzung, aber nicht eine musikalische Idee, die aus sich selbst heraus Gültigkeit hätte, sondern ihre Idee eben aus der Regelverletzung heraus entfaltet.

Kann man das singen? Ja, man kann, offensichtlich. Kann man das richtig singen?
Kann man einen falschen Ton richtig singen?
Wenn man den falschen Ton richtig singt, singt man dann falsch oder richtig?
Beitrag automatisch zusammengefügt:

Ach so, eine Bemerkung noch.

Nicht alles was ich sage und schreibe, muß stimmen. Ich habe eine steile These aufgestellt, die vielleicht auch unhaltbar ist. Ich lasse mich gerne widerlegen und eines besseren belehren. Aber nicht in dem Ton. Wir kennen uns nicht, und wenn eine Diskussion zustande kommen soll, dann auf der Basis gegenseitiger Wertschätzung und Respekts.
 
Zuletzt bearbeitet:
Wenn Du Dir den Thread-Titel anschaust, kannst Du erkennen, daß es hier um die Singbarkeit geht.

Musikalische Sinnhaftigkeit war zuerst einmal nicht das Thema.
Aber gehe mal 400 Jahre zurück, z.B. zu Heinrich Schütz. Damals war man noch nicht auf Dur/Moll fixiert. Viele Madrigale etc. schwenken innerhalb weniger Takte mehrfach von großer zu kleiner Terz und andersherum. Und da gibt es Stellen, die nicht mit einem Schnitt, sondern durch Überblenden wechseln. Da klingt dann in einer Stimme noch die kleine Terz, während in einer anderen Stimme schon die große Terz erklingt. So etwas war damals noch Stilmittel.
Man muß also für Beispiele nicht die Grenzen des Tonsystems verlassen.

Des weiteren kann genau das "falsch spielen" ein musikalischer Gedanke sein, der absichtlich verfolgt wird.
Da fällt mir spontan "ein Heldenleben" von Richard Strauß ein. Dritter Teil "des Helden Gespielin". Da quaken ganz am Ende zwei Flöten völlig daneben. Das sollte wohl seine Frau karikieren. Regelverletzung, um daraus Musik zu machen. So wie Musik spätestens seit Haydn und CPE Bach von der Regelverletzung lebt.

Außerdem: Es gibt keine "temperierte Stimmung". Es gab früher viele Stimmungen, jede hatte ihre eigene "Temperatur" (so war damals die Redeweise), also war somit jede Stimmung "temperiert".
Gemeint ist wohl die "wohl-temperierte Stimmung", die heutzutage mit der Stimmung von Andreas Werckmeister von ca. 1681 in Verbindung gebracht wird. Und mit deren Nachfolgern.
Erst noch später hatte sich dann die uns nun geläufige "gleichstufige Stimmung" entwickelt. Werckmeister selbst war noch nicht gleichstufig.

Andreas Werckmeister: "Orgel-Probe oder kurtze Beschreibung … wie durch Anweiss und Hülffe des Monochordi ein Clavier wohl zu temperiren und zu stimmen sey…" Frankfurt am Main/Leipzig, 1681.
 
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Ich finde es nicht "mutig" davon zu sprechen, daß die Durterz auf dem Mollakkord musikalisch nicht sinnvoll einsetzbar ist, sondern das ist einfach die Wiedergabe von Basiswissen.
Schon mal "It aint neccessarily so" von Gershwin gehört ... ?

LG
Thomas
 
Dmb11, Problem gelöst :biggrinB:.
 

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