Danke für deine Mühen, Cudo. Der Text ist der, den du mir schon damals gegeben hattest, und das ist der, auf den ich mich mit «Anfangs soll ja Dorisch der bevorzugte Moll-Modus gewesen sein (ich hab die Quelle grad nicht zur Hand, reiche sie bei Interesse nach.)» bezogen habe.
Wenn ich den Text kondensiere, komme ich zum Schluß, dass die Dualität Dur/Moll nicht direkt auf den Kirchenmodi mit entsprechendem Tonvorrat aufbaut, sondern auf den Akkorden der Hauptfunktionen. Wir haben zwei konsonante Dreiklänge, Dur und Moll, die als Tonikadreiklänge ihr jeweiliges Tongeschlecht begründen. Die Dur-Tonleiter ergibt sich direkt, wenn man die im Quintabstand liegenden Stufen I, IV und V als Dur-Akkorde bildet. In Moll haben wir, vereinfacht gesagt, einen Moll-Tonika-Akkord, während IV und V variabel Dur oder Moll sein können.
Das das eine mit ionisch und das andere größtenteils mit äolisch übereinstimmt, ist dann wohl mehr oder weniger Zufall, so dass man eigentlich nicht sagen kann, die beiden Neuankömmlinge unter den Modi hätten sich "durchgesetzt".
Da steckt natürlich immer noch ein gewisser Anteil "Dogma" drin, aber mir ist mit der Erklärung schon wesentlich wohler.