Wie wird man Gesangslehrer?

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Aloha,

also erstmal: Ich kann eigentlich nicht wirklich glauben, dass es dazu noch kein Thema gibt.. aber ich habe keines gefunden.. falls ich was übersehen habe tuts mir leid.

Also, dieser Thread ist eigentlich nur an die Gesangslehrer/innen im Forum gerichtet. Und zwar würde ich einfach gerne mal wissen, wie ihr Gesangslehrer geworden seid, bzw. wie das "normalerweise" funktioniert. Muss man da 10 Jahre Klassische Musik für studieren? Oder kann man sich auch einfach hinstellen und sagen "so, wer will kriegt von mir Gesangsunterricht für soundsoviel Euro" (also so wie wenn man private Nachhilfe gibt). Die Frage klingt vielleicht ein bisschen blöd, aber ich weiß wirklich nicht, wie man sich das vorstellen muss. Würde mir extrem helfen, wenn ihr einfach mal erzählt, wie es in eurem Fall funktioniert hat. ;)
 
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Kommt drauf an, wo du unterrichten willst. An Musikschulen z. B. wird meist ein Diplom gefordert, an der Uni natürlich auch. Wer freiberuflich Gesangsstunden gibt, kann das einfach so tun - Aushang/Anzeigen machen und loslegen. Ist man fähig, wird man auf Dauer auch einen Schülerstamm haben. Um den Freiberufler anzumelden, genügt ein kurzes Schreiben ans Finanzamt, da braucht man keinen Abschluss für.
 
Aus eigener Erfahrung kann ich zwar nict sprechen, da ich kein Gesangslehrer bin, aber ich kenne ja ein paar.

Von den meisten Lehrern hier im Board glaube ich zu wissen, dass sie kein staatliches Musikstudium absolviert haben.

Gesangslehrer ist keine geschütze Bezeichnung. Eine private Gesangschule kann also jeder eröffnen.

Ein bißchen Papier macht natürlich was her .... Da gibt es zb die Mitgliedschaft im BDG (Bundesverband Deutscher Gesangspädagogen) oder Zertifikate und Zusatzqualitifaktionen, die dich als Gesanglehrer ausweisen.

Von meiner alten Gesangleherin weiß ich, dass sie Musik in Weimar studiert hat - noch zu DDR-Zeiten. Ihre Mitarbeiterinnen sind aber rein privat ausgebildet mit staatlichen Zusatzqualifikationen. zB "staatllich geprüften Sprech, Atem- und Stimmlehrer ". Das ist zwar keine künstlerische Ausbildung, sondern eine rein pädagogisch-therapeutische, verleiht dem Profil aber eine gewisse didaktische Glaubwürdigkeit.

Und bei diesen ganzen Alternativ-Seminar-Methoden wie CVT und so kann sich ja ebenfalls jeder zum Coach machen lassen - auch ohne Studiium. Ist nur nciht ganz billig.

Oder macht man macht es einfach ohne Papier und rutscht über das aktive Musikmachen einfach so rein, schafft sich einen guten Ruf in seiner Gegend und gibt mehr und mehr Unterricht.
 
Zuletzt bearbeitet:
Hi, ich zum Beispiel habe klassischen Gesang studiert. Ich habe zwar ein künstlerisches Diplom gemacht,
aber meine Lehrerin hat uns noch in zusätzlichen Stunden das Handwerkszeug zum Unterrichten vermittelt. Wir haben auch viel hospitiert und mit ihr über pädagogische Aspekte diskutiert. (Sie hatte beides, das künsterische und pädagigische Diplom)
Ich bin ihr heute noch extremst dankbar dafür.
So unterrichtete ich schon während des Studiums, aber immer mit jemandem im Hintergrund den ich bei Unsicherheiten fragen konnte.

Ich hätte dann noch zwei Jahre `ranhängen und mein Pädagogendiplom machen können, aber das wäre mir dann zu lange gewesen.

Ganz theoretisch kann sich jeder hinstellen und sagen "Ich unterrichte jetzt mal". Ist alles legal.
Auch bei privaten Musikschulen sind die Lehrer nicht immer mit einer wie auch immer gearteten Qualifikation ausgestattet.

Bei städtischen Musikschulen wird man nur mit Abschluß genommen.

Mitglied im BdG wird man nur mit mindestens fünfjähriger nachgewiesener Unterrichtserfahrung.
Dort gibt es auch die Möglichkeit ein Zertifikat zu bekommen, entweder mit künstlerischem Abschluß oder mit Eignungsprüfung.

Ich hätte noch mehr zu schreiben, aber ich gehe jetzt meine lieben Schüler verarzten.:D
 
Zuletzt bearbeitet:
Ca. 29 Jahre Unterricht in 5 verschiedenen Instrumenten genommen, davon ca. 6 Jahre Gesang - alles bei Privatlehrern. Seit ca. 17 Jahren mehr als reichlich Band-, Bühnen- und Studioerfahrung. Jede Menge Lesearbeit, jede Menge eigenes Forschen, jede Menge Austausch mit Gleich- und Andersgesinnten. Und die ersten Jahre des Selbst-Unterrichtens mit ehrlicher Offenheit den Schülern gegenüber bzgl. was man kann und nicht kann, was man weiß und nicht weiß. Mittlerweile kann ich sagen, daß ich alles weiß und kann - stimmt zwar nicht, aber merken tut's keiner mehr :rofl:

Übrigens muß ich garst hier widersprechen: Ich bekam sowohl eine Stelle bei einer privaten als auch bei einer öffentlichen Musikschule angeboten - und dann noch in einer ganz normalen Gesamtschule - und alles ohne offizielles Diplom oder sonstige anerkannte Abschlüsse. Habe alle drei abgelehnt, bin lieber mein eigener Chef.
 
Bei mir wars ähnlich wie bei sing-it.
Ich habe eine private Ausbildung bei privaten LehrerInnen gehabt, habe daneben auch Gitarre und Querflöte gelernt und ganz bisschen Klavier. Ich habe schon während meines ersten Studiums (Sozialwesen) angefangen in Gruppen Gesang zu unterrichten und auch damals schon parallel zu meinem eigenen Unterricht welchen gegeben. Damals aber nur sporadisch auf Anfrage. Und natürlich habe ich schon früh in Bands gesungen.
Als sich herausstellte, daß ich den falschen Beruf ergriffen hatte habe ich diesen schnell an den Nagel gehängt und angefangen, mehr zu unterrichten. In der Zeit habe ich auch noch an der FH wissenschaftliche Lehraufträge gehabt und mich an der Uni getummelt. Aber der Gesangsunterricht ist mehr geworden und hat sich schließlich zu meinem Hauptberuf entwickelt. Daneben habe ich selber wieder bei einem wie ich finde sehr guten Lehrer weiter gelernt, gezielt auch im Hinblick auf das eigene Unterrichten und schließlich habe ich auch beim BDG das Gesangspädagogische Zertifikat gemacht. Ich wollte einfach ein offizielles Papier haben und auch eine Prüfung gemacht haben ;-) Die haben Physiologie und Methodik geprüft. Danach fragt zwar kein Schüler jemals, aber ich wollte es für mich.
Inzwischen unterrichte ich seit gut 10 Jahren sowohl Gruppen als auch EinzelschülerInnen, als auch Chöre. Und ich habe wie sing-it auch schon an einer städtischen Musikschule gearbeitet und dort Chorstimmbildung gemacht sowie einen Workshop "Pop/Rockgesang" geleitet. Für Einzelunterricht wollten die mich auch, aber es hat aus anderen Gründen dann doch nicht geklappt. Vielleicht hing es damit zusammen, daß ich an der privaten Konkurenzmusikschule in der gleichen Stadt ebenfalls Unterricht gegeben habe. Dort bin ich auch bis heute, also an der privaten Musikschule. An die städtische bin ich durch Empfehlung gekommen, denn eine Klavierlehrerin, die dort unterrichtet war über Jahre meine Privatschülerin. Da musste ich keine Papiere vorlegen und noch nicht einmal vorunterrichten. An der privaten Musikschule muss jeder Neubewerber mindestens 2 Lehrproben abhalten. Und es wird keineswegs jeder durchgewunken, ich war selber kürzlich in einer Lehrprobe einer Anwärterin dabei, die wir schließlich lieber nicht aufgenommen haben.
Ich habe auch jahrelang Gruppen an allgemeinbildenden Schulen oder in Jugendzentren geleitet. Das muss ich jetzt zum Glück nicht mehr machen. Ich mache nur noch Einzelunterricht an der Musikschule und privat und einen Workshop an der Musikschule. Die Workshops machen schon auch Spaß können aber auch sehr sehr anstrengend sein, vor allem wenn es reine Jugendgruppen sind und ganz besonders wenn es sich um Haupt-, oder FörderschülerInnen handelt.

Inzwischen lebe ich ausschließlich vom Gesangsunterricht und verdiene damit mehr als mein Freund in fester Anstellung.

Shana
 
Hier ist noch eine Praktikerin :)
Gesang bzw. Musikpädagogik habe ich nicht studiert, ich komme von den Geisteswissenschaften. Sehr früh mit dem Singen angefangen, das Gitarrespielen einigermaßen selber beigebracht und seit dem 15. oder 16. Lebensjahr auf der Bühne. Ich behaupte mal ganz frech, daß ich eigentlich schon immer singen konnte bzw. es nie extra lernen musste. Es fehlte aber der Feinschliff. Also habe ich eine klassische Gesangsausbildung begonnen (wobei ich sagen muß, es gab damals nichts anderes - ihr jungen Leut´ habt ja heutzutage so ein Glück mit all den Musicalschulen, Pop-Akademien, Jazzgesang-Instituten und was es sonst noch alles gibt...), die ich zwar nicht missen möchte und von der ich heute noch zehre (die Lehrerin war der Hammer); aber mit Arietten, Arien und Liedern konnte ich herzlich wenig anfangen, also brach ich nach ein paar Jahren ab und begann ein Studium. Das habe ich mir mit meinen Coverbands finanziert, damals konnte man damit richtig Geld verdienen *seufz* Die Liebe zum Jazz entdeckte ich mit dem Niedergang der Punk/Wave-Ära, es folgte ein erstes Angebot, in eine Jazzcombo einzusteigen. Beschäftigung mit neuen Stilen (vor allem Latin) und dann ein paar Jahre nur noch Jazz und wenig Pop/Rock. Ach ja, Studioerfahrung natürlich auch, jede Menge sogar, darunter auch bezahlte Studiojobs, aber ich ziehe die Bühne bei weitem vor.
Nach einem Konzert (ist lange her) fragte mich ein Mädel, ob ich ihr Unterricht geben würde. Sie wurde sozusagen mein erstes "Versuchskaninchen". Wie bei sing-it folgte jede Menge Lesearbeit, Austausch, ich habe auch workshops und masterclasses besucht, weil die Anfragen nach Unterricht sich häuften. Bei zwei weiteren Gesangslehrerinnen habe ich mir dann das weitere Rüstzeug zum Unterrichten geholt, der Unterricht war eher lehr-orientiert und teilwesie sehr physiologisch (hab das meiste aber wieder vergessen bzw. muß es im Falle eines Falles nachlesen).
Mittlerweile unterrichte ich nun auch schon seit bald zwanzig Jahren und habe kürzlich in Erwägung gezogen, das Gesangspädagogische Zertifikat beim BDG zu machen. Hab die Idee aber wieder verworfen, weil ich freischaffend bin und es eigentlich nicht brauche. Ich hab in meinem Leben genug Prüfungen gemacht, bin oft genug beurteilt worden - irgendwann reicht´s ;)
 
Dann meld ich mich auch mal, auch wenn mein Lebenslauf noch nicht so lang ist. (Kleiner Seitenhieb ^^)

Ich hab damals mit 15 oder so angefangen privaten Gesangsunterricht bei einer Opernsängerin im Ruhestand zu nehmen, weil ich in der Schulband singen wollte. Da ich keine Konkurrenz hatte hab ich den Posten trotz katastrophaler Stimme und Technik bekommen und hab so deshalb auch von Anfang an Live-Erfahrung gehabt.
Dass mein Gesangsunterricht klassisch war, hat mich eher weniger gestört.
Es folgten wechselnde Bands und Gesangslehrer sowie viele viele Auftritte. Ich studierte damals Englisch und Philo auf Lehramt und hab in 'nem Jugendclub ein Praktikum gemacht und wurde dort als "Bandcoach" eingespannt, sprich: Ich hab Jugendlichen das (gemeinsame) Musizieren beigebracht.
Irgendwann hat mich dann ein Mädel gefragt, ob ich ihr auch das Singen beibringen kann. Wir habens versucht und wie sich rausstellte, konnte ich.
Ich hab bin nach dem Praktikum noch eine Weile dort geblieben und hab ehrenamtlich unterrichtet (u.a. weil ich mich nicht getraut hab, Geld zu nehmen). Ich stellte bald fest, dass mir das pädagogische zwar liegt, aber das Lehramtsstudium trotzdem eine Fehlentscheidung war. (Weil ich außer dem Pädagogikschein nichts gerissen hab^^) Also hab ich die Gelegenheit ergriffen und mich fürs klassische Gesangsstudium am Institut für Kirchenmusik in Greifswald beworben.
Nebenher haben sich durch Mund-zu-Mund Propaganda die Unterrichtsanfragen derart gehäuft, dass ich mich entschloss eine kleine Aufwandsentschädigung zu nehmen und das ganze zu meinem studentischen Nebenverdienst zu machen. (Zeitweise hab ich mehr unterrichtet als studiert und ganz gut davon gelebt^^)
Es folgten ein Umzug nach Hamburg und ein Uni-Wechsel, noch mehr Studium und tadaaa... hier bin ich.
Derzeit versuch ich mir in Hamburg wieder eine kleine Schülerschaft aufzubauen um noch mehr pädagogische Erfahrung zu sammeln.
 

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