Wieso ist das Notensystem wie es ist? - Anfängerfrage

von cd06, 11.02.07.

  1. cd06

    cd06 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.02.07   #1
    Hallo,

    eig ist meine Frage ganz einfach:"Wieso ist das Notensystem wie es ist?" Ich meine: das Verhältniss der Frequenzen zweier Töne die sich um einen Halbtonschritt unterscheiden ist ja konstant. Wieso haben aber nur die Töne c,d,e... im Notensytem ihren eigene Platz und cis,dis... müssen durch Voreichen dargestellt werden, obwohl zwar von c auf cis ein Halbtonschritt ist, aber auch von e auf f. Beim Klavier ist es ja genau so, wieso ordnet man bestimmten Tönen schwarze Tasten und anderen Weise zu?
     
  2. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

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    Erstellt: 11.02.07   #2
    Unser system ist historisch gewachsen: im grunde ein koordinatensystem mit zeit- und frequenzachse, aber aus musizierpraktischen gründen geworden, wie es ist und eng verbunden mit unserer mitteleuropäischen hör- und spielkultur. Neumen zeigten als gedächtnishilfe das auf und ab der melodischen linie, dann zog man linien, um die töne genauer zu definieren und landete bei den gewohnten 5, schlüssel zeigen die verschiedenen bereiche. Der rhythmus ergab sich zunächst aus der sprache, aber dann mussten die relativen tondauern festgelegt werden mit verschiedener notengestalt, der taktstrich zur besseren übersicht bei mehrstimmigkeit. Lange waren tabulaturen in gebrauch, bei gitarristen bis heute, chromatik erforderte die schwarzen tasten des klaviers, die vorzeichen und und und. Eine lange geschichte und eine ganze wissenschaft!
     
  3. Colorido

    Colorido Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.02.07   #3
    Weil die diatonische Tonleiter, die einigen Forschern zufolge schon tausende von Jahren alt ist, vor der chromatischen da war. Und die chromatische Tonleiter, wie wir sie heute kennen, ist in dieser Form auch erst mit der gleichschwebenden Stimmung entstanden. Vorher (das heißt etwa zur Zeit der mitteltönigen Stimmung) war ein Cis mitnichten genauso hoch wie ein Des. E-Dur klang ganz gut, da es die Töne E-Gis-H gab, aber H-Dur klang furchtbar, da es kein Dis gab, sondern nur ein Es. Der Dreiklang H-Es-Fis ist bei Komponisten wie Messiaen zwar sicher nicht überraschend, aber auf einem mitteltönig gestimmten Instrument klingt er einfach nur furchtbar.

    P.S.: Im Fahrwasser der Dodekaphonie hat meines Wissens jemand einmal ein Notationssystem entwickelt, das alle 12 gleichschwebenden Halbtöne gleichberechtigt behandelt, es hat sich allerdings nicht durchsetzen können.
     
  4. MaBa

    MaBa HCA Musiktheorie HCA

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    Erstellt: 11.02.07   #4
    Deine Frage ist einfach, aber die Anwort nicht.

    Wenn du wissen willst, warum gerade diese Töne als Stammtöne gewählt wurden, mußt die physikalischen Zusammenhänge in unserer Klangwelt kennenlernen.

    Ich versuche es mal ganz knapp anzureißen:

    Grundlage unseres Tonsystems ist die Obertonreihe.
    Sie läßt sich klanglich gut auf der Gitarre nachvollziehen. Wenn man die Gitarrensaite in der Hälfte dämpft, hört man den ersten Oberton. Er schwingt mit doppelter Frequenz wie der Grundton. Der nächste Oberton - Saite bei einem Drittel dämpfen - schwingt mit dreifacher Frequenz u.s.w. So kann man jetzt die einzelnen Obertöne gut raushören...

    An der Obertonreihe lassen sich einige interessante Sachen erkennen. Zum Beispiel, warum die Quinte und der Durdreiklang eine so zentrale Rolle in unserem Musiksystem spielen.
    • Die Quinte ist der erste vom Grundton (Oktave) abweichende Oberton (Verhältnis 2:3).
    • Die Durterz ist der zweite vom Grundton abweichende Oberton (Verhältnis 4:5)
    • Die Töne im Durdreiklang stehen im Frequenzverhältnis 4:5:6 (das einfachste Verhältnis bei einem Dreiklang)

    Aus dem Wissen "Durdreiklänge" + "Quintverhältnis" kann man schon die Durtonleiter zusammenbauen. Wir legen ein Grundton fest und bilden auf ihm den Durdreiklang. Das selbe machen wir noch eine Quinte tiefer und eine Quinte höher. Aus allen Tönen, die wir erhalten haben, bilden wir jetzt eine Tonleiter von unserem festgelegten Grundton aus und erhalten die Durtonleiter.
    Wäre unser Grundton c und hätten wir die Töne auch so bezeichnet, wie es heute üblich ist, hätten wir jetzt die Stammtöne erfunden. :)
    Die Stammtöne (=weiße Tasten) bestehen ja, wie du sicher weißt, aus den Tönen der C-Dur-Tonleiter.

    Ich weiß, das ist jetzt sehr gerafft und vielleicht auch nicht ganz genau hergeleitet. Ich habe ein paar Wörter hervorgehoben, nach denen du weiter suchen kannst, wenn dich das genauer interessiert.

    Warum jetzt das a ein a geworden ist, da habe ich keine Ahnung. Ich bin zufrieden, daß ich die Logik der Stammtöne durchschaut habe. Die Musik ist viel tiefer mit der Physik verwurzelt, als viele glauben :)
     
  5. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

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    Erstellt: 11.02.07   #5
    Das "a" ist ein a geworden, weil schon im antiken Griechenland die töne mit den buchstaben des alphabets benannt wurden. Ob die theorie vor der praxis da war? War es nicht so, dass der gerade geborene Hermes einen leeren schildkrötenpanzer fand, ihn mit 4 schafsdärmen bespannte, und siehe da, die leier, die lyra war erfunden? Diese tetrachorde stimmte man auf verschiedene weise und begleitete die rhapsoden bei ihren gesängen, spielte in Sparta auch flotte marsch- und blasmusik. Und als jemand der kithara - kommt uns bekannt vor - 3 saiten hinzufügte, war die 7tönige leiter erfunden, deren zwei tetrachorde wiederum verschieden gestimmt wurden, mal harmonisch/schön ionisch wie in Athen, mal kriegerisch dorisch in Sparta, mal weichlich oder ekstatisch phrygisch in Kleinasien, mal hirtenmäßig lydisch noch weiter ostwärts beim König Krösus, von den Äolischen Inseln kamen die winde und unser späteres moll her, und alles weitere ergab sich daraus. Woanders begnügte man sich lange mit 5 tönen, hexachorde hatten weniger mit hexen zu tun als mit der zahl 6, die töne f-g-a-b-c1-d1 um den endton "a" herum reichten lange zum singen in klöstern und kirchen.
    Und nun gute nacht!
     
  6. MaBa

    MaBa HCA Musiktheorie HCA

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    Erstellt: 12.02.07   #6
  7. HëllRÆZØR

    HëllRÆZØR HCA-Harmonielehre HCA

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    Erstellt: 13.02.07   #7
    Unsere Stammtöne lassen sich auf zwei verschiedene Arten herleiten:
    (Notenbezeichnung international, also B und Bb statt H und B)

    1.) Als Aneinanderreihung von 6 reinen Quinten:
    F - C - G - D - A - E - B

    Würde man jetzt an einem Ende einen Ton weg nehmen und am anderen einen im Quintabstand hinzufügen, hätte man im Prinzip die selben Töne, nur verschoben:
    Bb - F - C - G - D - A - E oder C - G - D - A - E - B - Fis
    Auf diese Weise entstehen also die vorzeichenbehafteten Töne.

    Ein # verschiebt einen Stammton um 7 Quinten, was einem Halbton nach oben entspricht:
    7 * 7 Halbtöne = 49 Halbtöne = 48 + 1 Halbton = 4 * 12 Halbtöne + 1 Halbton.
    12 Halbtöne sind 1 Oktave, also 4 Oktaven und 1 Halbton.
    Da die Oktavlage hier unwesentlich ist, bleibt also ein Halbton übrig. Ein b steht entsprechend für 7 Quinten abwärts, also ein Halbton nach unten.

    Diese Herleitung veranschaulicht den Quintenzirkel, Modulationen (Tonartenwechsel) und die Entstehung der Tonnamen. Auf Quintschichtung basierte die Pythagoreische Stimmung.

    2.) Als Aneinanderreihung von großen und kleinen Terzen (abwechselnd):
    Dur: F - a - C - e - G - b - D (Dur-Dreiklänge FaC, CeG und GbD = S, T und D)
    Moll: d - F - a - C - e - G - b (Moll-Dreiklänge dFa, aCe und eGb = s, t und d)
    (Töne mit Großbuchstaben bzw. Kleinbuchstaben sind quintverwandt.)

    Diese Herleitung erklärt, warum ausgerechnet Dur und Moll in unserer Kultur eine so große Rolle spielen, und wie es zu den Bezeichnungen Tonika, Subdominante und Dominante kam. Auf Terzschichtung basierte die Reine Stimmung.
     
  8. MaBa

    MaBa HCA Musiktheorie HCA

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    Erstellt: 13.02.07   #8
    Ich finde es schon erstaunlich, wie sich unsere Stimmungen so entwickelt hat, und bin froh, daß sich unsere gleichstufige Stimmung daraus ergeben hat, trotz der Unsauberheiten.

    Dank Computer geht es heute durchaus auch reiner als die gleichstufige Stimmung, ohne daß man sich auf eine Tonart festlegen muß. In einigen Samplern wird ein "intelligenter" Algorithmus verwendet, der für die einzelnen Noten im Akkord ein unauffälliges Feintuning vornimmt.

    Das, was mich noch interessiert, ist, wie es zu der Zuordnung der Notennamen gekommen ist. Also warum das "a" ein "a" geworden ist. Man hätte ja auch beliebig anders benennen können.
    Für mich klingt daher die Geschichte von Cudo sehr logisch.
     
  9. Pyriander

    Pyriander Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.02.07   #9
    Wobei man nun noch fragen könnte:

    Wie kam es zu C-D-E-F-G-A-B-C für die häufigere Durtonleiter,und zu A-B-C-D-E-F-G-A für die Molltonleiter unserem Alphabet entsprechend ?

    War die Molltonleiter mal als Ausschlaggebender angesehen ?
     
  10. Pyriander

    Pyriander Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.02.07   #10
    Ah, habe gerade die Theorie zum Hypodorischen gelesen; jetzt muss nur noch jemand klären, wie bzw. ob aeolisch aus hypodorisch entstand, desweiteren würde das ja bedeuten, dass vor dem Mittelalter die Bezeichnung der Töne anders war ?

    Interessantes Thema.
     
  11. konbom

    konbom Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.02.07   #11
    Das liegt wohl eher daran:
    A war halt der Endton um den sich alles drehte, und wurde somit mit dem ersten Buchstaben des Alphabets versehen.

    MfG
     
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