new orleans jazz / Dixiland

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Florian1990
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hi,
mich hat der new orleans jazz / dixieland zimlich angetan,
gibt es da ausnotierte noten oder leadsheets dafür?
wie läuft das genau?
 
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endlich mal was konkretes für tantrix - am besten fragst du ihn direkt per PM.
 
endlich mal was konkretes für tantrix.

Yepp!

- am besten fragst du ihn direkt per PM.

aha, soll wohl heißen: "Verschone mich oh Herr und laß diesen Kelch an mir vorübergehen. Da bin ich getz abber tief zerknirscht.:(
Ich respektiere das, die Antwort gibts trotzdem - ätsch.:D

Noten gibt es im real book. Da ist hier irgendwo gerade ein Thread.

Den gravierenden Unterschied zwischen New Orleans Jazz und Dixieland erklärt das aber nicht.
Will auch keiner wirklich wissen.:screwy:

------------------
(New Orleans Jazz ist so gut wie tot, viell. noch bei Woody Allen. Ich selbst habe den Begriff auch aufgegeben. Ich mache nur meine Songs. Ich mache keinen Jazz.)
 
Wie schon erklärt, sind die typischen New Orleans-Stücke in den Real Books enthalten.

Typische Standards im Bereich New Orleans/Dixieland sind Sachen wie St. Louis Blues und When The Saints Go Marching In aber auch alte Swing/Stride-Piano-Sachen wie All Of Me passen prima in den Stil rein. Was die Umsetzung angeht, einfach mal einschlägige Dixieland-Aufnahmen anhören, wenn man die technischen und musiktheoretischen Grundlagen drauf hat, ist das nur Gefühlssache.
 
vielen dank!
ich werd mich reinhören...
mein lehrer meinte, dass es ein besonderer genuss sei, es mit einer jazzposaune zu spielen
da wird "nur gerotzt" :D


also entweder bin ich blind, oder es gibt keinen thread, in dem mehrere dixieland/new orleans standards aufgelistet sind...
und google spuckt auch keine verwertbare ergebnisse aus :(
 
Solche Musik ist heute schwer zu finden. Das liegt u. A. daran, daß in beiden Stilrichtungen alle Instrumente eine festgelegte Rolle spielen. Somit ist eine Posaune als Soloinstrument im New Orleans Stil nicht so recht vorstellbar. Die Rollenverteilung war in etwa so:
Die Trompete (Cornett) spielt die Lead-Melodie, die Posaune spielt dazu einen rhytmischen und kommentierenden Kontrapunkt. Die Klarinette vermittelt und füllt dazwischen. Die großen Glissandobögen der Posaune machen gerade im New Orleans Stil doch eigentlich nur Sinn, wenn sie sozusagen die beiden anderen Instrumente in die nächste Phrase führen.
Allerdings ist alter Jazz, wenn er als echte, gute Musik und nicht als Saufbegleitung gespielt wird, ein Hochgenuß, vor Allem wegen der Posaune. Was ich aber in Dresden auf einem Festival den Posaunisten persönlich etwas übel genommen habe, war, daß sie sich kaum noch an ihre Stammrolle gehalten haben, sondern eine hochmoderne Virtuosität zeigen wollten und mehr wie eine Klarinette in den mittleren und hohen Lagen dazwischen geträllert haben. Das hat mich gestört.
 
... aha, soll wohl heißen: "Verschone mich oh Herr und laß diesen Kelch an mir vorübergehen. Da bin ich getz abber tief zerknirscht.:(
Ich respektiere das, die Antwort gibts trotzdem - ätsch ...
Aber ganz im Gegenteil!!!
ich wollte einfach, daß der junge Kollege schnellstens kompetenten Rat bekommt - wußte ja nicht, wie oft Du hier im Forum bist.


Ich habe bei Dixieland- und Oldtime-Kapellen auch sehr häufig ausnotierte Arrangemants bzw. offizielle Transkriptionen gesehen - ich hatte eher gedacht, daß Du in diesem Bereich vielleicht eine gute Bezugsadresse nennen kannst.
...im Zweifelsfalle immer Advance-Music in Rottenburg/Neckar...
 
hi WilliamBasie
War doch nur Spaß. ;)

Ansonsten muß ich, glaube ich, mal einen Generationenkonflikt erklären.

Zu meiner Zeit gab es keine Noten für Jazz und Dixieland. Gabs seit Generationen nicht. Es gab auch kein Internet. Wenn es so in den 60ern das erste fake book und real book gab, wußte man nichts davon. Wir haben uns die Nummern aus dem Radio abgehört. Für Platten hatten die wenigsten Geld. Und wenn einer mal eine hatte, hockten wir stundenlang davor und hörten.
Hatten wir ne Mucke, ging das irgendwie. Hauptsache, der Trompeter hatte die Melodie so einigermaßen drauf, der Rest hatte gefälligst was zu erfinden. die heilige Kuh hieß: Improvisation.
Wenn hier wer Noten brauchte, dann die lahmen und verknöcherten Klassiker. Diese Trantüten haben wir mit Arsch nicht angeguckt. Wir hatten Musik im Blut. Musik in jedem Knochen - und nicht auf Papier. Noten? So was beklopptes. Wir waren Jazzer! Noten ...

Doch dann, letztes Jahr, da hat mich einer zu ner Session mitgeschlört. Hörte sich von weitem nicht so gut an, aber na ja. Als ich dann um die Ecke bog, wäre ich fast lang hingeschlagen. Nä, ich fass es nicht. Da stand ne Dixieband und spielte - nach NOTEN!! Sowas hab ich ja noch nie gesehn. Was sind denn das für Komiker. Ich glaub mich knutscht ein Elch. Steh ich im Wald? Bin ich in der richtigen Galaxis? - Nach NOTEN!! Und ohne Vorwarnung, das sollte man verbieten. Sowas beklopptes. Unfassbar.
Aber dank diesem Forum habe ich ja dazugelernt, bin nicht vom Hocker gefallen, höflich geblieben, keinen Schreikrampf gekriegt, Psychose ist noch in der Dose. Echte Leistung von mir!!!:great:
Aber schwerverdaulich ist das schon.
 
Hi Tantrix!
Über Noten hätten wir uns damals auch kaputtgelacht. Wir haben genau, wie du sagst, die neuen Stücke einfach abgehört und selbst arrangiert. Der Grund, warum wir keine Noten brauchten, war aber das, was ich schon weiter oben erwähnt habe: Jeder Musiker in einer Oldtime Jass Band hat seinen Platz. Und zwar in jedem Stück. Auch wenn ich das Stück zum ersten Mal gespielt habe, mußte ich mich nur anfangs ein bißchen mit den Harmonien anfreunden, wußte aber, was von mir auf der Posaune verlangt wurde. Daher noch mal meine Meinung: New Orleans ist ein Band-Stil, kein Instrumentalstil. Nur eine funktionierende Band kann diesen Stil reproduzieren. Einzelkämpfer haben keine Chance.

Ein Wort zu den Noten: Wir haben uns damals schon ein paar Sachen aufgeschrieben für die vielen kleinen dreistimmigen Arrangements, aber das waren nur Gedächtnisstützen. Und da ich schon immer ein schlechter Notenspieler war, konnte ich die Stelle, in dem Moment, wo ich sie richtig ´rausgekricht hatte, auch schon auswendig.
 
Ja Cyril, wohl gesprochen. Das Rausschreiben und Nacharrangieren war ja auch unsere Fortbildung. Wenn man genau zuhört "wie" die einstigen Größen das machten, hat man fast masterclass Unterricht. Soviel Feinheiten kann man gar nicht in Noten fassen. Ich habe auch Bigbands erlebt, die auswendig spielten. Viel dynamischer als die Leute die am Notenblatt kleben.
Doch der Vollständigkeit halber eine kleine Darstellung für den Nachwuchs.

New Orleans Jazz
Diese Musik war eingebunden in das Leben der Menschen in dieser Region und begleitete alles, von der Wiege bis zur Bahre, jedes gesellschaftliche Ereignis. Geburten, Hochzeiten, Feiern, Tod usw.. Sie hatte vielfältige Funktionen, deshalb nennt man sie auch funktionale Musik und war natürlich eher folkloristisch. Es gab auch musikalische Wettbewerbe, wo Solisten gegeneinader antraten. Im frz. hieß dieser Stil chase, gesprochen Tschass, englisch Jass und anfangs auch so geschrieben. Das ist eine Deutung des Wortes, die 2. ist, läßt man das J weg, wirds eindeutig ( ass). Deshalb später das zz. Diese Musik war also außerordentlich vielfältig! Chase heißt auch Jagd. man jagte sich gegenseitig die Themen ab. Louis und King Oliver standen Rücken an Rücken, so nach 24 Chorussen hatten sie den Tiger erlegt (Tiger Rag) schmunzelte Armstrong - und es war nichts aufgeschrieben.
Als die New Orleanser in die anonyme Grosstadt Chicago zogen, brach der gesellschaftliche Zusammenhang der Familien und Clans weg, ebenso die Funktionen und damit die funktionale Vielfalt. Das war zuerst einmal eine Verarmung. Damit war der New Orleans Jazz eigentlich tot. Was blieb ist Legende. Der Chicago Stil passte sich dem Bühnengeschehen an und eroberte die Welt. Spaltete sich dann auf in die Richtung Tanz- und Unterhaltungsmusik (Paul Whiteman) bis später dem Swing. Ein kleiner Zweig aber war, dass nach Feierabend die jazzbesessenen Berufsmusiker sich trafen um "echten" Jazz zu machen (siehe Bix Beiderbecke). Wer diese Atmosphäre tanken möchte sehe den Film "Kansas City" mit dem alten Harry Belafonte in der Rolle eines Al Capone, während im "Speak Easy" die Musiker sich die Seele im Wettkampf aus dem Leibe bliesen. Sie Saxsolos sind grandios! Ich sah den Film im Fernsehen, Viell. gibts bald eine DVD auf deutsch.
New Orleans wurde nie wieder erreicht. Sidney Bechet, den ich für bedeutender ansehe als Louis Armstrong, (der als Popstar überlebte und auch Schlager machte, während andere untergingen und den Swingleuten Platz machten), arbeitete S.B. als Schneider und leitete in den 40ern eine Revival der fast vergessenen Musik ein. Ein Fan überredete ihn und bezahlte die Platten. Seine dritte Karriere in Paris bestritt er trotz Begleitband m.E. als Einzelgänger. Die "Community" von New Orleans entstand nicht wieder. So manche Solos von ihm erwecken in mir den Eindruck, dass er sich nach der Sonne des Südens sehnte. Da ist so ein Unterton der nicht recht passt und früher nicht da war. Er hinterließ uns eine Ahnung von New Orleans. Es gab Restaurationsversuche, etwa von Turk Murphy mit sehr guten Arrangements. Nennt sich Westcoast Stil. Endgültig verloren ist die Musik nicht. Es hat früher Beispiele gegeben, wo im Sinne New Orleans eine eigenständige und hochwertige künstlerische Ausprägung gelang.

Dixieland
Das war eine parallele Entwicklung (wie der Blues, aber der kommt aus Memphis). Die erste Platte die aufgenommen wurde, war mit der Kapelle "Original Dixieland Jazz Band". Das waren Spaßvögel. Da kicherte die Klarinette, es krähte ein Hahn wieherte ein Pferd etc. die Platte schlug ein, schwappte nach Europa. Hier entstanden Bands, die mit Kuhglocken, Pottdeckeln und fürchterlicher Kakophonie allerlei Hallotrie trieben. Dieser Blödsinn wurde als die "neue Musik Jazz aus Amerika" verkauft. Damit zog der Humor in die Musikgeschichte ein. Dixieland ist Spaßmusik! Da wird nichts ernst genommen, man nimmt sich auch mal selbst auf die Schippe.
Die ersten Aufnahmen sind technisch saumäßig, klar. Deshalb verweise ich mal auf die Band "Firehouse five + two". Die trat als Feuerwehrkapelle auf, betätigte Glocken, Sirene und Hupen. Das ist eine Band:
frisch frech, dreist und - Gut!, mit wirklich witzigen Arrangements. Das ist echter Dixieland. Nicht New Orleans, nicht Chicago, nicht Kansas oder sonst was für´n Stil. Auch kein eklektischer Mist mancher Bands, die New Orleans, Blues, Swing anbieten und wo nichts stimmt. - Echter Dixieland!
Wer sich für diesen "echten" Dixieland interessiert, bzw. als Schulmusiklehrer pädagogisch verwertbares Material sucht, kommt an den Firehouse five + two nicht vorbei.

Fortsetzung?
Die Klassiker haben es hinter sich. Bach und Mozart schrieben Musik für den einmaligen Gebrauch. Da wurde nichts gedruckt. Mozart produzierte verdauungsfördernde Unterhaltungsmusik für Euer Durchlocht und war ursprünglich ein Wegwerfartikel.
Irgendwie ist aber beschlossen worden, dass diese Musik erhaltenswert wäre. Mit gigantischem Aufwand an Konservatorien, langjährigen Ausbildungen, Errichtung von Musentempeln und großen Subventionen und Spenden wird diese Musik erhalten. Das wird wohl auch noch lange so bleiben.
Im Oldtimejazz und Blues steht diese Entscheidung an. Doch die geschieht anarchistisch - von unten heraus. Indem Menschen beschließen sie zu machen. Eigentlich ist dieser Entscheid schon seit Jahrzehnten gefallen, ohne Musikpäpste und Subventionen. Mal abwarten ob dem Rock das auch gelingen wird. Eine Ausbildung ist problematisch, da vieles an dieser Musik so eigenartig und einzigartig ist und soviel künstlerische Techniken verlangt wie keine andere Musik (und ich habe schon alles Mögliche gemacht) und daher nicht durch notengetreue Wiedergabe erhalten werden kann. Das mag in "Klassik" gehen oder Modern Jazz. Schwerlich bei Blues und Oldtime, dabei wäre es so notwendig. Ich habe auch keine Pädagogik dafür. Bei Wycliffe Gordon sah ich mal einen interesssanten Ansatz/Versuch, einen masterclass Schüler in den Blues einzuführen.
Der Jazz ist nunmehr seit fast 100 Jahren hier und damit längst zu unserem Kulturgut geworden. Mit die besten Musiker kamen und kommen von hier Aber ihre öffentliche Präsentation ist schlecht.

1. Es wird aber auch darauf ankommen, ob es genügend qualitativ hochwertige Vorbilder gibt, welche die kleinen Krauter befruchten und inspirieren. Organismisch ausgedrückt heißt das: Stirbt der Wirt (Künstler) sterben später auch die Parasiten (Partizipienten, Nutznießer). Beide brauchen auch einander sonst wäre das wie ein Darm ohne Bakterien. Nutzlos.
Verfolgt ein Künstler, seine Erben, zu sehr mit Rechtsanwälten, Gema und Copyright zu sehr die kleinen Coverbands kommt mir das doch recht dumm vor. Gibt es zu viele Parasiten (schlechte Mitverdiener) welche ihren Wirten nicht das Leben lassen, sie zu wenig beachten und fördern, ist das Selbstmord. Dies gilt auch für Oldtimejazz und Blues, die zwingend eine genügend große Zahl an Künstlern und künstlerischer Reputation brauchen und fördern müssen um zu überleben. Das organismische Gleichgewicht muss stimmen.
Was man nicht braucht ist giftiger Verbalqualm, den ich in einer Jazzeitung las, mit dem Modern Jazzer Wynton Marsalis angriffen. Louis Armstrong stand ebenfalls früher unter Beschuss und wurde von Hugues Panassie verteidigt.

2. In der MH Detmold hörte ich Heultöne. die kamen aus einem Raum an dessen Tür ein Poster hing: "Die Oper voran bringen"! Mir scheint dass Oldtimejazzer und Blueser diese Metapher als gemeinsames Anliegen (wie Community) begreifen müssen: "Ihre Musik voranbringen". Die Klassiker haben jedenfalls Erfolg mit diesem Bewußtsein.
Na ja, ein paar Ansichten, falls es interessiert.
 
danke für die infos! :great:
 

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