Naja...damals, zu den Delta-Blues Zeiten, da gehörte Mittelhessen noch zu Südhessen
"Standing at the Crossroads of Hünstetten-Bechtheim - Bei den Wurzeln des hessischen Delta-Blues"
Wie bereits in der letzten Ausgabe von Blues Juice angekündigt folgt nun ein Reisebericht meinerseits auf von meiner Reise zu den Wurzeln des hessischen Delta-Blues. Werden wir hier auch Spuren von Peter wiederfinden ?
Frühmorgens um 5 Uhr besteige ich mit spärlichem Gepäck, bestehend aus eine Seesack und meinem Gitarrenkoffer in dem meine betagte Martin ruht, den Zug richtung Hessen. Auf der Fahrt verzichte ich auf Unterhaltungselektronik á la iPod. Ich packe meine Gitarre aus und stimme ungeniert alte Bluesklassiker wie "Another Bembel, another Rider" oder "Mary had a little Handkäs" an. Ich kassiere verwunderte Blicke aber ich fühle wie ich mehr und mehr in diese ganze Geschichte reingleite.
Um das Feeling eines alten Bluesers auszukosten steige ich eine Station eher aus und gehe die letzten Kilometer entlang der Lanstrasse nach Hünstetten. Ich atme die Luft, fühle mich mehr und mehr wie ein alter Blueser. Ja, das ist es ! So muss sich Peter damals gefühlt haben als er mit seiner Band fast ohne Geld zu allen möglichen Gigs trampte.
Nach einigen Kilometern und ein paar Regenschauern liegt es nun vor mir: Hünstetten-Bechtheim ! Am Ortseingang befindet sich auch eine Kreuzung...wenn das kein Zeichen ist.
Ich betrete den Ort...ein angenehmer Schauer durchfährt mich.
Das ist also der Ort, wo die Legende von Peter Ende der 60er, nach der Gebietsreform vor der Hünstetten noch zu Südhessen gehörte, entstand.
Gleich springen mir Relikte aus der Zeit von Peter entgegen: Man baut Petersilie an, fast alle Jungen heissen Peter mit Vornamen, die schwarzen Katzen heissen Peterle...
Die Zeit scheint hier stillgestanden zu sein. Man sitzt auf den Verandas und spielt man Dame, man fährt mit dem Traktor durch den Ort, Autowracks mit eingeschlagenen Scheiben, aufgebockt, ohne Räder stehen am Strassenrand.
Die Menschen schauen mich erstaunt an, als würde sie mein schäbiger schwarzer Anzug, mein Seesack und mein Gitarrenkoffer an etwas vergangenes erinnern.
Als erstes gehe ich "Bolle's Blues Pub" und treffe dort Bolle Neumann, der Mann, der Peters Gitarre elektrifizierte.
Ein schäbiger, heruntergekommener Schuppen, der viele Stars gesehen hat. Der Schweiss und Rauch vieler durchzechter Jamsessions steckt in jeder Ritze und Fuge. Als Getränk gibt es nur "Whiskey oder Bourbon"...
Ich frage Bolle, ob er mir von der Zeit mit Peter erzählen möchte. Der Mann schaut auf, wischt über den Tresen und beginnt zu reden....
"Wissen Sie, die Zeit mit Peter, damals, ender der 60er als hier alle nach Peters Hesseblues verrückt waren...das war eine geile Zeit. Sie kamen alle um uns, uns drei klenne Bubbe zu sehe..." Eine Träne läuft Bolle die Wange runter.
"Viele haben nur Musik wesche dem Geld gmacht...Peter hat sie aus Überzeugung gemacht; eigentlich wir alle. Peter hat uns zu verstehen gegeben, den Blues als Musik zu sehen...nur so waren wir bereit für etwas ganz neues...."
Bolle schenkt sich einen Whsikey ein..
Was ich noch alles in der Wiege des hessischen Deltablues erlebt habe und zu welcher grossen Überraschung es noch kam lesen Sie in der kommenden Ausgabe des Blues Juice.
Cat Weazle