Das ist ja echt interessant, wie hier die Kosten der Gitarrenproduktion hochgerechnet werden, nur schön, dass hier wohl kaum einer ansatzweise eine Ahnung hat, wie die Kostenstruktur in Produktionsbetrieben und beim Vertrieb letztlich aussieht. Abschreibung der CNC-Fräsmaschine, Kosten für Eigen- und Fremdkapital, Arbeitnehmeranteil zur Sozialversicherung des Vertriebsmitarbeiters in Deutschland? Die Liste ist ewig lang und außer den Contollingmitarbeiter an den richtigen Stellen, wird die Kosten keiner von euch auch nur annähernd kalkulieren können. Das Fender und Gibson bei der Produktion einer gleichwertigen Gitarre höhere Kosten hat, als irgendein großer Vertrieb, der den Auftrag an eine chinesische Fabrik mal ne Charge von Gitarren mit diesem oder jenem Logo zu produzieren, sollte klar sein, aber das weiter auszuführen geht hier zu weit.
Aber die Kosten kalkulieren und den Preis zu kennen muss man auch gar nicht. Der Preis ist letztlich ziemlich genau da, wo Angebot und Nachfrage sich treffen, sprich ein guter Preis bei einer lohnenswerten Menge erzielt wird. Wie hoch die Kosten sind ist relativ egal, hauptsache sie liegen unter diesem Preis.
Bestimmt könnten Fender und Gibson billiger anbieten oder bei gleichem Preis die Qualität verbessern, aber warum sollten sie das, so lange es Leute gibt, die den Preis bezahlen. Auf so gesättigten Märkten wie dem E-Gitarren Markt ist die Qualität in der Regel so hoch, dass man nicht gezwungen ist zu einem bestimmten Anbieter zu gehen, es gibt viele gute. Und so lange die allgemeine Meinung ist, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis von Fender und Gibson schlecht ist, wird es immer Hersteller geben (Tokai, FGN etc.), die versuchen bessere Leistung zum kleineren Preis anzubieten. Darüber sollten wir uns doch eigentlich freuen.
Der Gitarrenkauf ist etwas ganz persönliches und wenn jemand meint, er bräuchte eine Fender oder Gibson und ist bereit, dafür einen gewissen Aufpreis zu zahlen, dann soll er das doch tun. Fender und Gibson haben schließlich auch eine Menge Geld dafür ausgegeben uns glauben zu machen, dass wir sie bräuchten.
Klar, für den, der sich nicht fürs Logo interessiert, mag das u.U. heißen, dass Fender und Gibson aus seiner Auswahl rausfallen, aber wer ein einigermaßen gesundes Ego hat, wird das wohl verkraften können.
Wenn man sich über die Preisgestaltung aufregt, obwohl es Alternativen gibt, dann werd ich den Eindruck nicht los, dass da eine gewisse Portion Neid mitspielt. Erinnert mich irgendwie an die Leute, die sich darüber aufregen, dass iPhones so teuer und gleichzeitig sagen, dass htc Smartphones ja eh viel besser sind...
Ich werde mir übrigens bei Zeiten eine schöne Gibson Les Paul Gold Top mit P90ern und ne Sunburst mit Humbuckern zulegen und bestimmt auch was höherpreisiges von Fender, als die MiM Strat, sofern das Interesse noch besteht, wenn das Geld da ist. Warum? Ich find die Gitarren einfach geil und wenn schon, dann darf es auch ne Gibson oder Fender sein.
