Zu den ägyptischen Lauten:
[Pletrum an Fangschnur]
Ich verstehe gar nicht, warum sich diese Erfindung nicht erhalten hat...
Ja, das verstehe ich auch nicht, vor allem, wenn man die Schalllöcher bei Akustikgitarren (oder noch schlimmer: F-Löcher bei Halbakustischen) als plektrenfressende Ungeheuer kennengelernt hat.
Das ist so "Woodstock" mässig.
Vor allem die bunten Strickliesel-Würste des linken Instruments...
Weiß allerdings nicht, ob das sooo historisch korrekt ist (kenne mich in dem Bereich aber auch nicht aus, das war eine andere Baustelle).
Sieht für mich wie die antike Version des Gitarrengurtes aus.
Eigentlich waren das Schnüre, die zum Stimmen (!) benutzt wurden und mit denen die Saiten am Hals befestigt waren. Keine Ahnung, wie das genau ging.
Wolle oder Filz hätten da nicht funktioniert. Kann aber sein, dass es zusätzlich solcherlei Zierat gab. Wie gesagt: keine Ahnung, andere Baustelle.
Die bei Harmosis (so hieß der genannte Musiker Hatschepsuts) gefundene Laute war jedenfalls deutlich unbunter, die Schnüre waren andererseits auch dekorativ. Jedenfalls keine Gurte - das sieht man auch auf bildlichen Darstellungen.
Edit: Hier ein Ausschnitt aus einer Prozessions-Szene im Luxor-Tempel (also auch aus der Zeit des Neuen Reichs):
Bei aller künstlerischen Freiheit (sprich: Ungenauigkeit) kein Gitarrengurt in Sicht. Diese Lauten wurden offensichtlich am Hals und in der Armbeuge gehalten bzw. auf den Unterarm aufgelegt.
Ok, waren nur paar so Gedanken zur Frage des Threads - ist für mich kein Thema, eine technisch/wissenschaftliche Abhandlung draus zu machen.
Ich wollte es auch nicht übertreiben und lasse es damit endlich gut sein.

Solch einfache mathematisch-physikalische Abschätzungen helfen mir aber oft dabei, ein Gefühl für Größenordnungen zu bekommen.
Am Beispiel meiner Konzertgitarre: Hals am Sattel ca. 50 mm breit und insgesamt ca. 20 mm dick:
Für die erhöhte "Biegesteifigkeit" (Flächenträgheitsmoment) bringen 2 mm mehr Dicke mehr als die um 10 mm vergrößerte Breite am Korpusübergang.
Da wäre ich rein vorstellungsmäßig und aus dem Gefühl nie draufgekommen und hätte mich komplett verschätzt.
Viele Grüße
Torsten
Noch'n Edit: Ich lach mich schlapp - ein arabischer Filmbeitrag, ausgerechnet über unsere Bundeshauptstadt Berlin bzw. Susanna Schulz, die sich mit der Rekonstruktion ägyptischer Musikinstrumente beschäftigt.