Improvisation klingt langweilig [Audio + Tabs inside]

  • Ersteller montifya
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Hi @montifya

Wie lange arbeitest du denn schon an Improvisation?
 
Ich schreib jetzt mal als Drummer mit etwas Gitarrenkenntnisse meine Eindrücke bzw. Herangehensweise. Für mich hören sich deine Soli technisch schon ganz gut an, aber ein wenig, als ob du dich nur an antrainierten Skalen langhangelst wie ein Kind im Klettergarten.

Ich gebe zu, zum endlos Skalen lernen fehlt mir die Muße, und nur Pentatonik bringts nicht. Daher würde ich eher mal den umgekehrten Weg gehen, mir diverseste Soli meiner Gewichtsklasse anhören, die ich geil finde, und diese dann erst mal mitsummen, um im Kopf ne Vorstellung der Melodieführung zu bekommen. Vorteil: geht immer,auch ohne Gitarre. Dann erst wäre mein Ansatz, das ganze aufs Instrument zu übertragen und zu begreifen, was genau daran so cool ist. Und wenn ich dann noch Bock hab, schlüssel ich mir auf, welche Skala zur Anwendung kommt.

Aber gerade bei harmonisch eher einfach gehaltener Musik wie Blues und vielen Rockgeschichten kommt man m.E. noch gut ohne viel Theorie klar, wenn man ein Gehör fürs Genre entwickelt.
 
Moin!

Die Frage, was der TE davon hält, ist bereits dadurch beantwortet, dass er das neue Beispiel gepostet hat.

@montifya Gegenüber dem ersten höre ich deutliche Fortschritte im Timing, nur noch minimale Wackler, die ich eher unter Übungssache abheften würde. Allenfalls die Neigung, leicht vor dem Beat zu spielen, würde ich noch als etwas benennen, das Du zu kontrollieren arbeiten solltest. Es ist trotzdem grundsätzlich nichts dagegen zu sagen, sich vor den Beat zu platzieren. Es erzeugt eine aufgekratzte Grundstimmung und ist somit ein gutes Werkzeug, um damit verbundene Gefühle darzustellen.

Was mir ganz besonders im Beispiel mit dem Wah auf- und gefällt ist, dass Du eine Phrasierung umgesetzt hast, die ein musikalisches Grundprinzip ist: Forward Motion, d.h. Deine Melodie arbeitet auf einen Endpunkt hin. Hierzu hat Hal Galper, den ich weiter oben verlinkt habe, ein Buch geschrieben, in dem er intensiv darauf eingeht. Das Werk heißt, kein Zufall, "Forward Motion" und gehört meiner Meinung nach in jeden Musikerhaushalt, der sich mit Improvisation im Blues/Jazz-Kontext beschäftigt https://www.amazon.de/Bach-Behop-Corrective-Approach-Phrasing/dp/1883217415

Vielfach höre ich anderswo den Ansatz, einen Startpunkt/Startton zu wählen und dann "irgendwo hin zu spielen". Bei Forward Motion ist es anders: Man begreift die Phrase quasi rückwärts und spielt auf einen Endpunkt hin. Und das hast Du getan, bewusst oder unbewusst, aber auf jeden Fall richtig. "Gute" Melodien funktionieren so, dass sie den Zuhörer antizipieren lassen. Und genau das passiert in Deinem letztem Beispiel.

Was die übrige Kritik angeht: Natürlich kann man sich alles mögliche Ausdenken, um interessanter zu klingen. Aber erstmal geht es um die Basics. Und da bist Du auf einem gutem Weg.

Grüße Thomas
 
Es ist trotzdem grundsätzlich nichts dagegen zu sagen, sich vor den Beat zu platzieren. Es erzeugt eine aufgekratzte Grundstimmung und ist somit ein gutes Werkzeug, um damit verbundene Gefühle darzustellen.

Hm .... in dem von dir verlinkten Bumblefoot Video sagt er bei ca 1:42
"never ever jump in front of the beat. It`s the worst you could do"
 
Die Frage, was der TE davon hält, ist bereits dadurch beantwortet, dass er das neue Beispiel gepostet hat.
und meine Frage bezog sich auf den neue Beispiel. das hab ich ja zitiert. 🙄

da würde mich interessieren, was er selbst davon hält.
 
Vielleicht hätte ich es anders ausdrücken sollen, aber dann wird es schnell kompliziert.

Ja, das sagt er und grundsätzlich stimmt es auch, weil es hibbelig und eckig klingt.

Und trotzdem spielt auch er hier und da vor dem Beat, wenn man sich seine Livevideos anschaut. Das liegt aber nicht an ihm, sondern z.B. bei Sons Of Apollo an seiner fantastischen Rhythmusgruppe. Vor dem Beat zu spielen ist nicht per se schlecht, sondern ein Stilmittel. Es passiert ganz von allein, wenn z.B. Dein Drummer eine hängende Snare spielt. Und in diesem spielt man selbst auf dem Beat, aber dadurch, dass der Drummer hinter dem Beat spielt, bist Du selbst im Ergebnis davor.

Hier ein Video, das dieser Frage nachgeht:


Im Bumblefoot-Video geht es auch nur vordergründig darum, hinter dem Beat zu spielen. Seine eigentlich Zielrichtung ist eine ganz andere: Es geht darum, den externen Beat überhaupt erst einmal zu internalisieren.
 
Kleines Update, hier der aktuelle Stand vom Improvisieren.
Progression ist: I vi IV V


@B.B: kannst du bitte mal deine ehrliche meinung sagen, du machst immer super Kritik!

lg alex
 

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Hi

Erst mal die Frage wie lange spielst du eigentlich ??

Das klingt gar nicht schlecht und da sind auch einige schöne Melodie Ideen dabei z.B. bei 1:00
was mir sonst so auffällt ist
a) das klingt wie ein Solo aber sehr wenig nach Improvisation. Soll das so ?
b) die Akkorde hört man aus deinem Solo nicht richtig heraus (hör dir das mal ohne Akkorde und Bass an) mehr starke Akkordtöne an den richtigen Stellen
c) welche Tonleiter benutz du ? Pentatonik ? hier könnte man die ganze Zeit alle G Dur Töne spielen
d) wenig Dynamik ist alles auf ähnlichem Lautstärke Level
e) wenig rhythmische Abwechslung
f) etwas mehr Abwechslung z.B. Slides oder mit dem Anschlag deutlicher variieren
g) etwas mehr Leidenschaft, mehr Gefühl an einigen Stellen (nicht mehr Töne aber d) e) und f) mehr nutzen)
h) und überhaupt weniger denken (wenn das möglich ist, darum die Frage wie lange du spielst)


:hat:
 
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Im Ansatz gar nicht schlecht. Du bist melodieoroentiert. Gut so! Wesentliche Kritikpunkte:
- Töne sind meist nicht im Rhythmus platziert. Höre nicht nur auf die Harmonik, sondern auch auf den Takt.
- Zu wenig Betonung. Was möchtest du aussagen? Welche Töne/Ziele/ Schwerpunkte sind dir wichtig? Mach' ein Statement. Musik ist wie sprechen und wir sprechen ja nie wie ein Automat. Sondern: ICH mag Pizza. Ich MAG Pizza. Ich mag PIZZA.
Versuch mal, diese jeweils 4 Silben in musikalische Betonung umzusetzen.
 
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wie @RayBeeger
Du spielst zu viele Noten. Die Pausen sind wichtig.
@montifya

in deinem neuem Soundbeispiel spielst du 2:08 min dein Ding stur durch. Dadurch wird das ganze langweilig, was du ja beklagst.
Les dir nochmal @RayBeeger `s Beitrag durch, er trifft es ganz gut auf den Punkt. Um es interessanter zu gestalten, sind halt kurze Pausen durchaus sinnvoll und ebenso das Hervorheben bestimmter Töne, sprich die Betonungen zur richtigen Zeit. Du kannst auch ruhig mal einen Ton stehen und ausklingen lassen. Bei Improvisationen passiert das halt nach Gefühl. Einerseits das Gelernte verinnerlichen, andererseits dann auch wieder sich davon lösen, um dem Solo, auch für dich, überraschende Wendungen zu geben.
 
vielleicht auch einfach mal 12 takte, und die dann super.
2 minuten sind echt lang.
 
Hallo,
Danke für euren input. Hilft mir echt weiter!
Ich melde mich wieder, ich gehe mit euren Tips mal üben! ☺️

P. S: gitarre habe ich seit 2008, auch die griffe gelernt, aber bis vor 2 Jahren war mir Rhythmus unbekannt, sowas hatte ich gar nicht.
Also seit 2 Jahren versuche ich das ernsthaft zu lernen.
Zusammengefasst kann man sagen, seit 2008 (mit Pausen) habe ich nur mechanisch die finger trainiert, theorie,... Bis auf pentatonik erste Lage (aber nur griffmuster, keine intervalle) gewußt.
 
aber bis vor 2 Jahren war mir Rhythmus unbekannt, sowas hatte ich gar nicht.
:eek: what

Hier mal ein Beispiel einer simplen I - iv Verbindung , hauptsächlich Pentatonik und tollem Rhythmus feel

 
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Hi Montifya,
Eine Sache möchte ich noch Ergänzungen:
Feeling- Emotionen- klingt sehr pathetisch, sorry
Aber nein doch! Mann, du sprichst mir aus dem Herzen!
Genau das war mein erster Gedanke. Die Gitarre lacht nicht, sie weint nicht, sie stottert nicht, sie überschlägt sich nicht vor Erzähllust.
Das setze ich vor die Technik: Wenn ich meine eigenen Gefühle in den Geräuschen wiedererkenne, berühre ich auch die Menschen, die emotional auf Wellenlänge sind. Den anderen war das dann zu blöd.
 
@montifya: Hi, hab mir Deine Sachen auch mal angehört. Was mir negativ aufgefallen ist, das ist der Ton an sich - die Töne stehen durchweg alle vor dem Absterben und Du wirkst wie jemand, der jeden Ton krampfhaft versucht durchzuhangeln. Ich denke, dass Du hier auch ein relativ schweres Stück, irgendwo klingts für mich schon bekannt und einstudiert, ausgewählt hast, denn es lebt von lang stehenden Tönen, die wohlklingend geformt sein wollen und die Gitarre sollte das nötige Sustain liefern, sonst wird die Luft dünn am Ende.
Vibrato und Bending liegen auch viel zu oft leicht daneben, sodaß es schon recht anstrengend wird, zuzuhören.
Vieleicht wär's gut, wenn Du erstmal am "Ton" feilst, bevor Du sie zusammen fügst zu einer Melodie. Weil . . . die Melodie und die Impro fand ich garnicht schlecht.

Du verwendest einen eher synthieartigen Sound, dachte mir , stellste mal was von Jack Thammarat als Beispiel rein, der einen ähnlichen Sound hauptsächlich nutzt.
 
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@montifyaIch denke, dass Du hier auch ein relativ schweres Stück, irgendwo klingts für mich schon bekannt und einstudiert, ausgewählt hast, denn es lebt von lang stehenden Tönen, die wohlklingend geformt sein wollen und die Gitarre sollte das nötige Sustain liefern, sonst wird die Luft dünn am Ende.

Naja harmonisch geht es kaum einfacher als I-vi-IV-V wie in Stand by me. Was das Stück schwierig macht,
ist mMn eher das jeder Ton und jede ungünstige Auflösung (Ruhepunkt) sofort total auffallen. Bei dem
langsamen Tempo und dem sparsamen Arrangement fällt halt jede Kleinigkeit auf.
 
Ja eben, je langsamer man vergleichbare Stücke spielt, desto schwerer werden sie. Das ist selbst für Fortgeschrittene eine harte Nuß. :gruebel:
 
Noch ne Frage an @montifya: Wie sieht es mit regelmäßigen Griff- bzw. Spieltechnikübungen aus, um Kraft und Koordination in den Fingern aufzubauen, was man unbedingt auch braucht für saubere Bendings und Vibratos. Technik geht meiner Meinung nach vor allem anderen nach dem Motto "Erst laufen lernen, dann zum Marathon anmelden."
Mir scheint Du hast ein paar Schritte übersprungen, um so ein Stück "technisch" zu meistern.
 
Hallo :)

hier mal was kurzes Improvisiert.

Könnt ja gern mal schreiben ob ich mich verbessert habe.

lg alex

 
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