Improvisation: Wie komme ich dahin, spielen zu können, was ich denke?

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Fraggle
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Ich lese mich jetzt schon seit einer ganzen Weile durch die verschiedensten Threads, Bücher und Websites über Improvisation. Der Tenor ist im Prinzip immer der Gleiche: Skalen, Skalen, Skalen. Die übe ich ja auch fleißig, und über die improvisiere ich auch. Aber ich finde das noch sehr dilettantisch, denn ich kann dadurch noch lange nicht spielen, was ich im Kopf habe.

Mal ein Beispiel: Ich höre ein Stück in A Moll und "improvisiere" dazu. Solange ich mich von Ton zu Ton hoch oder runter hangele, kann ich den nächsten Ton vorhersagen. Wenn ich mir im Kopf aber eine Improvisation denke, bei der ich in größeren Intervallen als ner Sekunde (peinlich) springen müsste, lande ich ganz oft auf dem falschen Ton und denke dann "na gut, dann mache ich eben da weiter" und bewege mich in Richtung des Tons zu dem ich eigentlich wollte oder lasse die Idee ganz fallen, weil ichs versaut habe und die Idee jetzt nicht mehr passt.

Wie komme ich nun aber dahin, dass ich einfach die Töne spielen kann, die ich im Kopf habe?
 
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hallo fraggle,
wie alt warst du, als du sprechen gelernt hast? am anfang hast du nur geschrien.
wie hast du sprechen geübt und wie lange hast du dazu gebraucht?
jetzt stell dir vor du hättest keine stimme und müsstest dich mit deiner gitarre verständlcih machen. kennst du auch diese momente, in denen du nix raus kriegst und dann wieder momente da redest du wie ein wasserfall. kennst du die momente wo du im proberaum mit einem oder mehreren weiteren instrumenten bist, du nicht hinschaust und trotzdem jeden ton triffst? und die momente wo alles daneben geht?
beantwortet das deine frage?
 
Der Vergleich mit dem Alter und der Sprache ist ziemlich gut, aber mit der Gitarre geht das dann doch ein bisschen schneller als mit der Sprache. :)

Es gibt 2 Dinge, die man tun muss, um das spielen zu können, was man hört bzw. denkt.
1. Du musst viel Gehörtraining machen. Das ist das A und O für Improvisation. Es ist mindestens genauso wichtig, wie die Skalen. Durch Gehörtraining weißt du nämlich, was du grad spielst und musst es dann nurnoch auf die Gitarre übertragen.

Beispiel: Vielleicht ist das Problem bei den Intervallen größer als einer Sekunde nicht, dass du den Finger an den falschen Bund setzen willst, sondern, dass du nicht weißt, welches Intervall du in WIrklichkeit spielen willst und deswegen dein Finger ein ganz anderes Intervall spielt.

2. Du musst natürlich wissen, wie die Intervalle auf dem Griffbrett verteilt sind. Es weiß z.b. jeder, dass auf den unteren Saiten die Oktave 2 Saiten und 2 Bünde höher ist. Aber weißt du auch auf die Schnelle, dass z.b. ne große Sexte zwischen gleichen Bünden der d und h bzw. g und e Saiten ist? Du musst alle diese Intervalle kennen, auch abwärts.

Nimm dir fürs erste kleinere Sachen vor und improvisier mit denen. Wenn du das drauf hast, mach mit den restlichen weiter.

--
Sobald du diese beiden Punkte für sich kannst, musst du sie verknüpfen. Dein Hirn darf nicht denken: "Aha, ich höre ne Quarte" und "ne Quarte ist zwischen der E und A Saite auf dem gleichen Bund", sondern es muss denken: "Ich höre, dass ich jetzt den gleichen Bund auf der nächsten Saite spielen muss". Der Zwischenschritt, nämlich die Überlegung, welches Intervall zu welchem "Griff" passt, muss ausgelassen werden; das soll vollautomatisch passieren. Das geht aber nur, wenn du die Sachen für sich gesehen kannst. Wenn einer der oberen beiden Punkte Probleme macht, dann macht auch die Verknüpfung der beiden Probleme.

So. Ich hoffe, das ist hilfreich und halbwegs verständlich ausgedrückt. ;) Viel Spaß beim Üben!
 
huhu...

ich würde mal folgendes versuchen:

nimm dir eine skala in der improvisieren magst, sagen wir a-dorisch (II. Stufe von G-Dur). nun kommt zunächst a-dorisch in betracht, aussderdem das material aus g-dur (ist ja das gleiche). nimm dir das G-dur-Pattern im dritten und das a-dorisch-pattern im 5. bund und improvisiere zunächst nur auf den saiten E/A, D/G, H/E ! Tue dies erst mit dem Dorisch-pattern und dann mit dem ionisch-pattern und dann zusammen. so lernst du, mit wenigen möglichkeiten zu improvisieren, was deine kreativität auf weniges konzentriert. hört sich komisch an, klappt aber bei all meinen schülern super. wenn die skalen noch zu schwer für dich sind kannste das auch mit einer Blues-Skala (pentatonik plus #4/b5) machen. Du kannst auch als weitere Übung nur auf einer Saite in einer Tonart, Skala spielen, das schult auch. Arbeite parallel an deiner Technik: Legato Wechselschlag, Bendings und Hammer on Pull-offs, Vibrato.

Und wichtig : GIB dir gaaaanz viel zeit, das ist bei keinem über nacht gekommen , sonder durch jahrelanges üben.

Viel erfolg für dein spiel
 
Beispiel: Vielleicht ist das Problem bei den Intervallen größer als einer Sekunde nicht, dass du den Finger an den falschen Bund setzen willst, sondern, dass du nicht weißt, welches Intervall du in WIrklichkeit spielen willst und deswegen dein Finger ein ganz anderes Intervall spielt.

Ganz genau. Ich rate blind rum.

Und auch, was Du sonst geschrieben hast, trifft genau mein Problem. Gibt es für Gehörbildung auch gute Schulen? (Evtl. auch speziell für Gitarre?)
 
huhu...
... und improvisiere zunächst nur auf den saiten E/A, D/G, H/E !

Danke Kazaam666! So probiere ich es gerade seit ein paar Tagen. Mit Saitenpaaren ist es zumindest schon mal übersichtlicher.

Die Idee mit der Gehörbildung ist aber glaube ich noch mehr das, was ich gerade brauche. Beim Saxophon mache ich auch seit einer Weile Mundstückübungen, die mit dem eigentlichen Spielen gar nicht viel zu tun haben. Aber meine Intonation hat sich dadurch deutlich gebessert - auch auf der Gitarre (beim Benden). Und ich höre es viel besser, wenn eine Saite verstimmt ist. Das Gehör lässt sich echt verfeinern. Ich glaube, ich muss jetzt nur noch genau herausbekommen, wie ich das am besten anstelle.
 
Also Gehörtraining ist ein ziemlich umfangreiches Gebiet. ;)

Du könntest dir z.b. mal vornehmen, deine Gitarre ab jetzt immer nach Gehör zu stimmen (mit Referenzton natürlich). Das bringt schonmal einiges.

Außerdem kannst du trainieren, Akkorde (auch mit mehr als 3 oder 4 Tönen) zu identifizieren oder Umkehrungen oder Akkordverbindungen. Diese Sachen sind für dich aber jetzt vorerst von geringerer Bedeutung.

Am wichtigsten für dich ist es wahrscheinlich, Intervalle mit großer Sicherheit richtig zu benennen und vielleicht auch Skalen zu identifizieren. Dazu kann ich dir das Programm Earmaster empfehlen. Audite kannste dir auch mal ansehen. Du kannst dir vornehmen, jeden Tag 15-20 Minuten dafür zu investieren und wirst schnell Fortschritte sehen bzw. hören. ;) Mehr als 20 Minuten am Stück soll man angeblich nicht üben, warum auch immer. Kann auch ne Fehlinformation sein, aber nach 20min wirds ja eh langweilig. :D

Was auch das Gehör schult, ist Singen! Hört sich saublöd an, ist aber so. :D Dazu zählt einfach so Singen und auch Singen vom Blatt oder Intervalle singen.

Zu guter letzt solltest du dich mit dem Raushören von Liedern beschäftigen. Fang mit einfachen Sachen an, wie z.b. Let It Be oder Hey Jude. Allgemein sind Beatles Lieder gut für den Anfang geeignet. ;) Du kannst auch Lieder, die du gut kennst, ohne Aufnahme nebenher auf die Gitarre übertragen. Am Anfang wirst du immer ein bisschen brauchen, bis dus raus hast, aber schon bald wirst du simple Melodien einfach so spielen können, ohne sie je geübt zu haben. :great:

Ein Buch oder so kann ich dir leider nicht nennen, aber mit Earmaster, Raushören und Gitarre stimmen kannst du schon viel erreichen. :)

Viel Spaß!
(Und vergiss auch nicht Punkt 2 von meinem vorigen Post ;))
 
Schön wärs, wenn es solche Programme auch für den Mac gäbe...

Ich schreibe gerade einfach mal auf, was ich hier mit der SuFu noch selbst gefunden habe und besonders nützlich finde:

https://www.musiker-board.de/vb/gehoerbildung/152842-grundlagen-gehoer.html

Die "Neue Jazz-Harmonielehre" von Frank Sikora hat einen ganzen Teil über Gehörbildung, beginnend mit der Überschrift "Das Grauen hat einen Namen". Peinlich: Ich fange das Buch immer wieder von vorn an. So weit bin ich noch nie gekommen.
 
Geh mal zu uns auf die Internetseite (siehe Signatur) und schreib mal eine Email an die dort aufgelistete Adresse mit einer Anfrage zu Gehörbildung, dann werden Sie geholfen :p ! Einfach kurz Dein Problem formulieren und sagen, dass Du hier im Forum darauf aufmerksam wurdest dann bearbeite ich oder mein Kollege das und Du bekommst Literatur- und Toolvorschläge.
 
Improvisier mal nur auf einer Saite. Ein warer Augenöffner. Zumindest bei mir ...
 
Das genannte Kapitel im Sikora ist wirklich sehr gut und mit ganz vielen Übungen versehen. Damit werde ich sicherlich eine ganze Weile lang gut versorgt sein.

Und hier noch ein absolut geniales Programm, dass ich gerade entdeckt habe, und mit dem ich in den letzten Tage viel Spaß :great: hatte: Transcribe!

Auf der Website gibt es eine kostenlose Demo für MacOSX, Linux und Windows. Das Programm ist günstig und funktioniert klasse. Bin völlig begeistert!
 
Eigentlich gibt es nur eine einzige Lösung: Erstmal einfacher denken - und langsamer. Du kannst es üben und üben und üben. Das wird helfen, aber trotzdem dauert es eine Weile.
 
ich würd das ganze nicht so verbissen sehen. Spiel einfach stücke die dir gefallen und zwar was das zeug hält, so prägt man sich 1 . licks ein, die einem wiederum prägen und man verbessert dadurch automatisch sein gehör. was natürlich auch ganz wichtig ist sachen raushören , ich setz mich oft mit schönen cds auf meine couch oder auch vor youtube und versuch die songs nachzuspielen die ich höre.

bei sikora gehts mir genau wie dir. es ist wirklich ein tolles buch, aber einfach irre umfangreich und ich benutz eigentlich nur zum nachlesen wenn ich mal etwas wissen will. ausserdem ist mir das ganze vor allem der erste teil doch etwas zu viel theorie . er schreibt ja auch selbst dass man diesem kaudawelsch nicht nur mit seinem intellekt folgen soll sondern eben aufs instrument übertragen und das ist mir dann doch zuviel arbeit. mir reichen meine bluesskalen völlig aus.
 

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