@maxito Ich kann dein Problem absolut nachvollziehen. zwar bin ich ein kompletter Auswendigspieler- ABER es gibt ein paar bestimmte Stücke, die sich mir einfach nicht einprägen wollen, obwohl sie an sich einfach sind.
Ich beschreibe mal einfach, was in mir vorgeht, wenn ich was spiele:
zunächst ist das Stück
klanglich komplett im Kopf, inclusive aller Stimmen. Ich weiß was wann wie klingt. Würde ich den Ton nicht spontan treffen, könnte ich ihn singen (oder innerlich tönen lassen) hätte ich das nicht, könnte ich nix auswendig spielen.
Dann kommt dazu, dass ich
motorische Muster eingeprägt habe. Das ist weitgehend unbewusst und läuft quasi von selbst.
Als drittes merke ich mir (allerdings inkomplett)
bestimmte Merkmale: Tonart oder Harmoniewechsel, Schlüsseltöne (besondere Töne, Abweichungen vom Normalen)
Wenn ich ein neues Stück übe, dann gehe ich so vor: Ich spiele einen Part von etwa
4 Takten von Noten ab und tu das genau so oft, bis ich es
im Ohr habe (in der regel ein paar mal reicht) - ab dann lege ich die
Noten weg und übe ich diesen Part so lange, bis sich die Motorik eingeprägt hat. Das kann mal länger mal kürzer dauern, je nach Neuigkeitsgrad der Bewegungen. Ich gehe erst dann weiter, wenn der Part absolut sicher sitzt und ich ihn jederzeit abrufen kann. Dann das nächste Teil. Ich merke dabei, wenn sich was motivisch wiederholt und das hilft mir beim Einprägen insgesamt.
immer wieder spiele ich den bisherigen gesamten Part und überprüfe, ob ich irgendwo hänge. Wenn ja, dann muss das zuerst weg, bevor ich weiter mache.
... Irgendwann ist das
ganze Stück dann durch. Ab dann fängt für mich das
eigentliche Üben an: Artikulation, Gefühl etc etc etc.
Jedenfalls habe ich bei all dem nur eine sehr kurze Zeit Noten vor Augen gehabt. Ich vergesse auch irgendwann, wie die Noten aussehen.
Wenn ich ein Stück also "kann", dann entweder auswendig oder gar nicht.
Nun zum Problem: Einfachere Stücke verleiten mich dazu, sie nicht so zu üben, sondern sie eigentlich gleich vom Blatt zu spielen. Einfach weils geht. Hier habe ich sehr oft das Problem, die intensive Einprägung s.o. nie gemacht zu haben und bin dann ebenfalls von Noten abhängig. Abhilfe WÜRDE schaffen, wenn ich einfache Stücke nach Strukturen und Stufen lernen würde. (Also in der Weise: beginnt mit Stufe I, dann IV, dann ii (moll), dann V7, dann .... und Starttöne in Zahlen merken würde: also Beginnt mit 3 (der Skala) ... ich weiß das aber hab grad erst angefangen mir diese Methode anzueignen und bin oft nicht konsequent genug, das routinemäßig zu tun, höchstens es fällt mir grad so in den Schoß

Meine Baustelle ....
Kannst du beschreiben, was sich bei dir abspielt, WENN es klappt? Also wie hast du es dir dann gemerkt? (auditiv, visuell/ Notenbild, Merkmale, musikalische Struktur, ...) Es gibt ja unterschiedliche Lerntypen und man müsste rausfinden, auf was man am effektivsten zurückgreifen kann (bei mir ist es Gehör, gefolgt von Motorik)
Ziel wäre es theoretisch, sich mehrere Dinge einzuprägen und bei Ausfall von einem dann auf andere zurückgreifen zu können. (Beispiel: klanglicher verlauf ist "weg", aber ich weiß, es kommt der fünfte Finger auf der Septime oder auf dem c'' oder es geht hier mit D7 weiter ......)
Was mir bei all dem auffällt: ich behalte Stücke umso besser, je jünger ich war, als ich sie begann zu spielen

Also wenn ich Stücke auf meiner Jugendzeit "auspacke" sind die innerhalb kurzer Zeit voll da. Packe ich ein viel intensiver geübtes Stück aus, das ich vor 3 Jahren begann und auch beherrschte, dann isses erst mal nicht da und ich brauch mehr Mühe, um es abzurufen. Ich führe das darauf zurück, dass man in jüngeren Jahren biologisch bedingt Bewegungsabläufe besser abspeichert als ab dem jungen Erwachsenenalter. An der Häufigkeit kann es nicht liegen, da ich auch später sehr häufig geübt habe aber die älteren Stücke trotzdem besser abgespeichert sind.
Fazit: Wenn unsereiner Stücke abspeichern will, kommt man um ein
analytisches Erarbeiten kaum drumherum: Das heißt: Stücke nicht nur nach Gehör und morotisch / visuell merken, sondern auch nach Logik und musikalischen Merkmalen/ Struktur/harmonische Verläufe. Als JUNGER Mensch braucht man das nicht so. Und es bedarf einiger Überwindung, um das einzusehen (bei mir) und sich diese zusätzliche Mühe zu machen. Gerade wenn man gewohnt ist, dass es immer geflutscht hat.
Allerdings ist diese "zusätzliche Methode" wiederum ein Riesengewinn. Man bildet Zusammenhänge, die einem ermöglichen, immer freier zu spielen und auch mal Varianten zu bauen (spontan) - je sicherer einem diese Zusammenhänge klar sind, um so cooler spielt es sich dann. Das mündet dann in freie Improvisation.
Anhang:
Ich stelle fest, dass es Spieler gibt, die dieses analytische memorieren recht früh gelernt haben und sehe Riesenvorteile bei denen. Deshalb versuche ich bei meinen Schülern (die ich seit kurzem habe) dies zu vermitteln. Was ja für mich auch eine perfekte Übung ist. Ich merke dann z b bei Weihnachtsliedern, warum mir als Kind diese oder jene Passage immer so gut gefallen hat, oft waren es Substitutionen in der Art Emoll statt Gdur- Akkord etc etc, die so "feierlich" wirken. Dann merkt man, dass so etwas generell mal angewendet kann und schwupps beginnt man, mit den Lieder regelrecht zu spielen, auch auf Anfängerniveau. Und Nebeneffekt: man merkt sich das ganz anders und recht effektiv.