Ja, das Ding ist im live Kontext nur zu gebrauchen, wenn du entweder ne Bühne von 100m Breite hast oder mit Tricks arbeitest. Einer der Tricks wäre, keine 4x12", sondern nur EINEN Speaker, geringer Wirkungsgrad aber dafür so robust, daß er noch 100W kann. (Auch wenn auf dem Hiwatt "100" Watt stehen, hat mein Techniker deutlich mehr am Ausgang gemessen. Das haben wir damals am zweiten Abend der Tour gemerkt, als die Box abgeraucht ist, das nur am Rande.) Einen ordentlichen Powersoak davor, z.B. nen THD Hotplate, da nicht mehr als -4dB, dann klingt das noch okay. Ist aber immer noch
laut.
Eine weitere Möglichkeit wäre heutzutage die Fryette Power Station, nicht billig, aber halt leider mit eine der besten Lösungen. Zum Aufnehmen wäre eine Möglichkeit, das Ding im Bandkontext mit einer stärkeren Einstellung am Powersoak einzuspielen, das trockene Signal der Gitarre seperat aufzunehmen und danach aus dem Raum zu gehen, wenn das Signal per reamping nochmal ohne Powersoak durch den Amp läuft. Allerdings ist es nicht soo leicht, ein derart lautes Signal adequat aufzunehmen, so daß es klingt und die Gründe überspringe ich jetzt mal.
Es gab früher wirklich eine Zeit, da wolle niemand, also wirklich
niemand einen Hiwatt haben, weil kein Highgain irgendwo an der Vorstufe. Das war die Mode damals. Du konntest die Dinger sehr billig kaufen. Ich hab den meistens für Bass im Einsatz - erstens paßt da die Lautstärke im Bandgefüge und zweitens zerrt er mit einer Festigkeit in den Bässen, die so gut wie kein anderer Bassamp hinbekommt - weißgott schon garnicht der SVT, der da eher wegfurzt. Am ehesten noch ein
guter Bassman oder ein Ampeg B15 - und ich hab als Livemischer für Bands aus allen möglichen Ländern so gut wie alle Amps mal selbst gehört. Es gibt Mosfet Amps, die ähnlichen Klangcharacter haben wie ein Hiwatt DR104 für Bass: die alten
Marshall IBS aus den späten 80ern. ...und natürlich hat die Sache einen Haken: das 300er Top ist beim erreichen der Endstufenzerre ne Ecke lauter als ein Hiwatt (am selben Boxenbesteck) und ich hab das Zeug ja alles im Einsatz, dh. ich sollte wissen wovon ich rede. Und nicht soo der Haken: die Dynamik von clean zu mittel-Zerre zu stark-Zerre ist am Hiwatt über einen deutlich größeren Bereich als bei den Marshall IBS, aber wir reden hier über ein Preisverhältnis von 1:5 und merken tut man das eher am Ausklingen von Bassakkorden im Bereich von Motörhead Soundgestaltung. Die IBS bieten allerdings auch diese angenehm brutale Festigkeit im Bass wenn es zerrt wie der Hiwatt, wo sonst fast alle Röhren-Bassanlagen da wegsoften (Traynor, TraceElliot, etc.etc.)