Analyse: Chopin, Nocturne No.2 Op.9

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Messedupkid
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Hallo,

Ich versuche zur Zeit die Nocturne No.2 aus dem opus 9 von Chopin zu analysieren. Habe aber noch nie vorher irgendein Stück analysiert und weiß auch nicht so recht, wie man dabei vorgehen soll. Also im Grunde hab ich mir bisher folgendes überlegt: Das Stück steht in Eb-Dur wodurch die Hauptakkorde ja erstmal Eb-Dur (Tonika), Ab-Dur(Supdominante) und Bb-Dur(Dominante) sind. Außerdem weiß ich, dass das Stück in die Epoche der Romantik einzugliedern ist und das Nocturne soviel wie "Nachtmusik" heißt. Habe mir nun überlegt erstmal anzuschauen, welche Akkorde in der Begleitung gespielt werden und gedacht, dass man die ja mit den Stufen relativ leicht nachvollziehen können sollte. Aber da fängt mein Problem schon an. Der erste Akkord ist ja ein Eb-Dur, aber darauf folgt quasi ein Akkord, den ich nicht genau bezeichnen kann ...da wird ja Eb Ab H und D gespielt...wäre das dann sowas wie ein Ab vermindert? Oder wie bezeichnet man das, bzw. wie ist dieser Akkord dann in Bezug zu den Stufen zu sehen? Und dann würde mich noch interessieren, ob ich im Grunde her richtig vorgehe. Wäre cool, wenn mir jemand helfen würde...Vielen Dank im Voraus, der Andy
 
Eigenschaft
 
Es ist nicht leicht, einen lebendigen organismus zu zergliedern, stimmführung und harmoniefremde töne verschleiern die "reine" harmonik, Chopin hat dabei gewiss nicht an analysierfreudige studiosi gedacht, und für mich als spieler drängt sich die frage auf, warum?
Dabei herrschen in diesem stück noch einigermaßen klare verhältnisse, wer versucht sich am finale der b-moll-sonate oder dem es-moll-präludium, wo die harmonik jede fesseln sprengt? Nehmen wir den von dir genannten, zweiten akkord, über dem orgelpunkt-bass auf "es" baut sich ein verminderter dreiklang auf, während die melodie in wechseltönen schwelgt. Dann kommt ein vorhalt, und im 4.taktteil schreitet der bass zur tonika-parallele, die aber im nächsten takt sofort in Dur gewandelt wird.
Das alles könnte man beziffern, heraus käme ein ungetüm. Achte auf die bässe als fundament und weniger auf die "koloraturen".
Ich weiß nicht, welchen zweck du verfolgst, aber als anfänger würde ich ein harmonisch klareres stück wählen, das Nocturne lieber spielen und mich an ihm erfreuen. Aber ich bin nur ein spieler, und wir haben fähige theoretiker an bord.
 
Zuletzt bearbeitet:
Zu dem "warum"...Also ich habe vor dieses Stück bei meiner Aufnahmeprüfung für Musik auf Lehramt Sek I zu spielen, und dann muss ich so ca. 5 Minuten unter Analytischen Gesichtspunkten darüber reden. Hab nur leider noch nie irgendwas so richtig analysiert.
 
Dann beschränke dich doch auf eine formanalyse, mit einer harmonischen kommst du in 5 ' nicht zurecht. Es gibt einen hauptteil A, einen nebensatz B, beide werden variiert, vor dem schluss noch eine kadenz.
Dass moduliert wird, und die ausgangstonart in der reprise wieder erreicht wird, kannst du auch erwähnen. mach es nicht zu kompliziert, das wird von dir auch nicht erwartet.
Was nachtstücke wohl mit romantik zu tun haben?
 
"Was nachtstücke wohl mit romantik zu tun haben?"

Was haben sie denn mit Romantik zutun?^^

Aber wenn ich nur so oberflächlich die Form bespreche komme ich doch auch nicht auf 5 Minuten denke ich mal, oder?
 
Günter Sch.;3775799 schrieb:
Dass moduliert wird, und die ausgangstonart in der reprise wieder erreicht wird, kannst du auch erwähnen. mach es nicht zu kompliziert, das wird von dir auch nicht erwartet.

Könntest du das mit dem modulieren evt. auch genauer erläutern?

Also könnte man dann quasi erstmal sagen, dass das Stück aus 2 sich wiederholenden Teilen und einem Schlussteil besteht? und der aufbau dann A A B A B A B C(=3. Seite) ist?
 
In welcher tonart steht denn der nebensatz ab takt 9? Und wie geht es bei takt 13 weiter?
Eine formanalyse muss nicht oberflächlich sein, hängt auch mit der harmonik zusammen, es gibt einen modulationsplan.
Ich kenne nicht die aufgabenstellung, ich nehme an, du sollst das stück, das du spielst, auch kommentieren.
Aufgaben sind immer eine gelegenheit, den gesichtskreis zu erweitern, zu lernen, nachzuforschen, auch um das thema herum zu lesen.
Da gibt es z.b. die "Nachtstücke" von E.T.A. Hoffmann und einen weniger bekannten vorläufer Chopins, der zu erwähnen wäre.
Ich gebe aus gutem grund nur anregungen, keine lösungen.
 
...Aber da fängt mein Problem schon an. Der erste Akkord ist ja ein Eb-Dur, aber darauf folgt quasi ein Akkord, den ich nicht genau bezeichnen kann ...da wird ja Eb Ab H und D gespielt...wäre das dann sowas wie ein Ab vermindert? Oder wie bezeichnet man das, bzw. wie ist dieser Akkord dann in Bezug zu den Stufen zu sehen?

Günter hat ja schon einiges klargestellt. Super! Das sind oft Dinge die ich nicht so drauf habe.;)

Als Jazzer sehe ich das Stück folgendermaßen:


Den Akkord auf der 2. Viertel im 1. Takt bezeichnet man Do7/Eb.
Das Do7 steht für den kleinen verkürzten Dominantseptnonakkord in Eb Dur.
Dominante = Bb7, Dominante mit b9 = Bb7b9, Dominante mit b9 und ohne Grundton = Do7.
Dieser Akkord steht sozusagen als Vorhalt über dem Grundton der Tonika. Er baut dadurch Spannung auf die sich wieder zurück zur Tonika auflösen will.

Hier der harmonische Durchgang des Stückes, notiert in Akkordsymbolen (internationale Schreibweise!). Der harmonische Rhythmus ist zeitweise nicht ersichtlich durch den miesen Editor den wir hier im Board haben. (Muss ja ab und zu mal gesagt werden! :D)

A-Teil ||: Eb Do7/Eb Eb Eb/D | C7 C7 Bb-/F Eo7/F F- |

| Bb7 G7/B C- Ao7 | Bb7sus4 Bb7 Eb :||

B-Teil || Bb Bb F/A F/A | Ab Ab- Eb Eb |

| Eo7 C7/E F7 G- | C- F7 Bb B E C7/G F7 Bb7 ||


1.Takt: Do7/Eb fungiert als Dominante zur Tonika. Eb/D ist ein Durchgangsakkord der zur VI Stufe leitet.

2.Takt: C7 ist Sekundärdominante und zwar V7/II-7, also Dominante zur II Stufe. Bb7/F ist ein SDM (Subdominantmoll) Akkord und bildet zusammen mit dem folgenden Eo7/F (=kleiner verkürzter Dominantseptnonakkord von C7/b9) eine Kadenz zur II Stufe.

3.Takt: Bb7 = Dominante. Sie wird trugschlußartig weitergeleitet zur VI- Stufe. Diese wiederum wird vorbereitet durch ihre Zwischendominante V7/VI- als Quintsextakkord. Es folgt die VI Stufe. Ao7 ist ein kleiner verkürzter Dominantseptnonakkord. Er verkörpert die Verkürzung von F7b9. Er hat somit Funktion der Doppeldominante und löst sich im nächsten Takt zur Dominante hin auf.

4.Takt: Bb7sus4 = Dominante mit Quartvorhalt. Der Vorhalt löst sich zur Dominant-Terz hin auf. Es folgt die Kadenz V7 I als Abschlußzäsur des 1. Teils.

Moduliert wird nun mit einer direkten Modulation (Rückung) vom A-Teil zum B-Teil.

usw.usw.

Ich als Jazzer sehe es so wie ich es schrieb. Das ist mein Gerüst als Improvisationsvorlage, denn als etwas anderes würde ich das Stück nicht spielen.


CIAO
CUDO
 
Günter Sch.;3776142 schrieb:
In welcher tonart steht denn der nebensatz ab takt 9? Und wie geht es bei takt 13 weiter?

Wenn ich ehrlich bin kann ich das nicht so genau sagen. In dem Nebensatz sind doch auch hauptsächlich ertmal Akkorde wie Bb Dur Ab Dur und Eb Dur zu erkennen, die doch eigentlich zur Eb Dur Tonart gehören oder nicht?
Günter Sch.;3776142 schrieb:
Eine formanalyse muss nicht oberflächlich sein, hängt auch mit der harmonik zusammen, es gibt einen modulationsplan.
Also könnt ich am besten das Stück erstmal mit A B und so gliedern, dann über die modulationen Sprechen und eventuell alles auf eine einfache harmonische Struktur zurückführen, die dann quasi mit ganz kniffligen sachen wie Cudo das analysiert hat verfeinert wird, ich aber nicht unbedingt detailliert erklären muss?
Günter Sch.;3776142 schrieb:
Ich kenne nicht die aufgabenstellung, ich nehme an, du sollst das stück, das du spielst, auch kommentieren.
Aufgaben sind immer eine gelegenheit, den gesichtskreis zu erweitern, zu lernen, nachzuforschen, auch um das thema herum zu lesen.
Da gibt es z.b. die "Nachtstücke" von E.T.A. Hoffmann und einen weniger bekannten vorläufer Chopins, der zu erwähnen wäre.
Ja genau. Eine genaue Aufgabenstellung habe ich eigentlich nicht. Aber es sollte glaub ich schon etwas analytisches sein. Natürlich wäre es glaub ich auch gut wie du vorschlägst den vergleich zu anderen Nachtstücken zu ziehen. Hast du denn da irgendwelche (wenn möglich frei online zugängliche) Literaturtipps?
Alles was ich bisher gefunden habe ist, dass John Field die Nocturnes quasi erfunden hat.
@ Cuno: Danke, für die schon etwas tiefere Analyse;) ... denke, damit muss ich mich in den nächsten Tagen mal etwas tiefer auseinander setzen um das alles zu verstehen. Danach melde ich mich nochmal diesbezüglich.
 
Zuletzt bearbeitet:
Günter Sch.;3776264 schrieb:
da werden die prüfer aber augen machen, wenn unser messed-up deine gedanken vorträgt! So etwas hat man an einer PH noch nicht gehört.

Aber an einer MuHo (Essen) haben die Profs in meiner Klavier-Aufnahmeprüfung (Musik auf Lehramt Sek II/I) bei meinen vorbereiteten barocken/klassischen/romantischen Stücken durchaus bemerkt, daß das nicht mein Spezialgebiet ist. Sie haben mich dann befragt und ich habe zu meinem Jazz-Background was erzählt, durfte aber nichts anderes mehr vorspielen, weil jeder Prüfling die gleichen Chancen haben sollte (3 Stücke). Ich habe lediglich die freundliche Aufforderung mitbekommen, bei weiteren Prüfungen ruhig das zu spielen, worin meine Stärken liegen. Von daher kann ich jedem Aufnahmeprüfling nur empfehlen, Stärken zu zeigen, wo man sie zeigen kann.

Und an den Threadersteller: du hast doch sicher Klavier- und Theorieunterricht; was sagen deine Lehrer zu dieser Aufgabe? Sie sollten dir Hilfestellung geben. Auch könntest du deinen 5-Minuten-Vortrag mal probeweise vorher in einem Musikkurs oder deiner Theoriegruppe halten, um das freie Vortragen zu üben.

Harald
 
Ja, habe einen Klavierlehrer, der aber leider nicht wirklich eine idee hatte was ich da machen könnte.
Habe jetzt auch mal versucht allgemeine Informationen über die Nocturnen zu finden, aber diesbezüglich war ich nicht sehr erfolgreich. Bei Wiki steht quasi nur, dass sie aus der Barockzeit stammen und welche Komponisten sowas gemacht haben. Weiß jemand wo man Informationen finden kann, die Nocturnes im Allgeimeinen erläutern oder sowas in dieser Richtung?
 
Günter Sch.;3776264 schrieb:
Hallo, Cudo,
da werden die prüfer aber augen machen, wenn unser messed-up deine gedanken vorträgt! So etwas hat man an einer PH noch nicht gehört.

Que viva la revolution! :D


Korrigierte Version:

A-Teil ||: Eb Do7/Eb Eb Eb/D | C7 C7 Eo7/F F- |

| Bb7 G7/B C- Ao7 | Bb7sus4 Bb7 Eb :||

B-Teil || Bb Bb F/A F/A | Ab Ab- Eb Eb |

| Eo7 C7/E F7 G- | C- F7 Bb B/A E/G# C7/G F7 Bb7 ||


Schau mal in diesem Forum. Dort haben verschiedene Leute verschiedene Chopin Etüden analysiert. Für meinen Geschmack sind die aber zu lauwarm. Ich habe gern Hardcore. Wieso die Sachen nicht beim Namen nennen? Für mich ist eine Analyse ohne vollständige Harmonieanalyse keine Analyse. Für was soll die denn gut sein? Wenn ich eine Analyse lese, muss ich die Musik im Inneren hören können, dann ist sie gut.:D

CIAO
CUDO
 

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