Anfänger erzählt: Der Kauf des ersten Klaviers bzw. Kawai Novus NV12 vs. GL10

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mszongott
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Hallo zusammen!

Während ich diesen Post verfasse bin ich selbst der Meinung, dass es vermessen von mir ist bzw. wäre, dieses oder jenes Kawai zu beurteilen. Darum seht meinen Post bitte nicht als Beurteilung an, sondern mehr als eine kleine Kurzgeschichte, die ich erzähle.

Vorweg möchte ich sagen, dass ich was Musizieren angeht absoluter Anfänger bin, noch nie zuvor ein Instrument gespielt hatte, vor wenigen Monaten mit Klavier spielen begann und erstmal Noten lesen lernen musste. Meine möglicherweise hilfreichen Fähigkeiten sind: Ich kann sehr gut maschinschreiben. Bin also zumindest gewohnt mit der linken Hand flink etwas zu tippen und ich behalte Klänge, Töne und Texte recht gut im Kopf. Vor allem Letzteres. Ich kann wahrscheinlich über tausend Liedtexte auswendig.

Ich wohne in Wien Umgebung in einer neu gebauten Whg mit guter Dämmung (Stahlbeton) und habe noch von damals ein 25 Jahre altes E-Piano. Ich wollte als junger Erwachsener schon Klavier spielen erlernen, aber wg. zu viel Arbeiten ist nichts daraus geworden.

Bei meinen beiden Klavierlehrern darf ich immer auf einem Flügel spielen und bin dann immer einigermaßen deprimiert, wenn ich anschließend wieder bei mir Zuhause das E-Piano höre. Trotzdem wollte ich nicht mehrere tausend Euro ausgeben, wenn ich mir nicht sicher war, ob ich auch für längere Zeit spielen lernen möchte und nicht vorher aufgebe. Und ich wollte bzw. will mir auch kein "Zwischenklavier" kaufen und in wenigen Jahren dann wieder ein neues. Obwohl man wie ich sehe für gebrauchte Klavier idR noch gutes Geld erhält (ich sehe häufig 75 % des Neupreises).

Ich hatte mich auf ein E-Piano eingestellt, weil wartungsfrei hat mich sehr angesprochen sowie habe ich den für mich perfekten Platz dafür in meiner Wohnküche. Ich wohne alleine und habe auch keine Haustiere. Meine Nachbarn habe ich vorgewarnt :) sodass ich sie bat mich zu informieren, falls mein Klavier spielen zu laut wäre, aber nein, sie hören gar nichts.

Als ich mir nun sicher war langfristig Klavier zu spielen habe ich mich auf die Recherche nach einem guten Digitalpiano gemacht. Als mich keines so richtig vom Hocker gehauen hat, habe ich das Kawai Novus NV12 entdeckt und war fasziniert. Die neueste Elektronik, Touchscreen, hundert Einstellmöglichkeiten und das Versprechen, dem Klang eines echten Flügels schon sehr nahe zu kommen haben dazu geführt, dass es mich sofort begeistert hat. Noch dazu hat es keine Lautsprecher und der Klang erfolgt über den natürlichen Resonanzboden im Inneren. Zudem weist es auch die Flügelmechanik auf, was irgendwann sehr viel später für mich einmal relevant sein könnte. ;o)

Als ich mich dann für einen Fachhändler meines Vertrauens in Wien entschieden und einen Termin vereinbart hatte, war ich schon sehr aufgeregt. Klavierhaus Stingl hat auf mich einen sehr guten Eindruck gemacht und parallel haben meine beiden Klavierlehrer meine Absicht dorthin zu gehen mit Lob bestätigt. Sie finden beide Stingl ebenfalls sehr gut.

Dort angekommen nach sehr netter Begrüßung durfte ich gleich auf dem Novus NV12 loslegen und dachte mir, es klingt schon gut, aber ehrlich gesagt nicht so gut, wie ich erhofft hatte. Nicht so gut, dass ich überzeugt war, dafür 14.000,- bezahlen zu wollen.

Ich hatte dann getan, was ich unabhängig davon ohnehin geplant hatte nämlich zum Vgl auch auf einem richtigen Flügel zu spielen. Ein Kawai GL10 wurde mir gezeigt und als ich spielte, waren meine ersten Gedanken: Verdammt! Ich muss doch einen echten Flügel kaufen!

Versteht mich nicht falsch. Ich liebe Elektronik, Smartphones, teilweise SmartHome und ich arbeite als IT-Techniker. Ich hätte wirklich gerne ein tolles Klavier voller Elektronik gekauft, aber im Grunde ist all das für mich doch mehr ein "nice to have", "es wär schon cool", aber es wiegt für mich persönlich definitiv nicht schwerer als ein besserer Klang.

Ob ich vom Spielgefühl her einen Unterschied feststellte kann ich ehrlich gesagt leider nicht sagen. Weil ich so abgelenkt und etwas irritiert war, dass der Flügel, obwohl der kleinste Flügel dort, doch - sogar für mich als totalen Anfänger - deutlich besser klang.

Nun, mein E-Piano hat eine Tiefe von 41 cm. Das Novus NV12 wäre auf 87 cm gekommen. Das hätte ich noch bei mir untergebracht. Aber der GL10 ist 153 cm tief und passt damit nicht mehr dorthin, wo ich wollte.

Ich hatte nun hin und her überlegt und final sieht es so aus: Ich habe eine U-förmige Couch mit Sitzsofas, die dran geschoben sind. Ich muss eine Liegefläche auf jeden Fall behalten, weil ich auch wahnsinnig gerne und länger meine Serien schaue. Aber der rechte Teil der Couch fliegt nun raus, der Couchtisch ebenfalls und das gesamte Sofa wanderte knapp einen Meter näher zur Eingangstüre des Vorzimmers. So geht sie nur noch 90 Grad auf, aber das muss reichen. Damit habe ich genug Platz für das GL10 geschaffen.
Dort wo mein E-Piano stand kommt das eine Sitzsofa hin und ich zähle schon die Tage, bis mein neuer G10 geliefert wird.

LG Martin
 
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PS.: Wichtig sind mir noch drei Dinge zu sagen:

1.) Der Verkäufer hat mir gesagt, es ist ganz klar, dass der echte Flügel besser klingt, weil es einfach ein echter Flügel ist und selbst die beste Elektronik das niemals so hinbekommt.

2.) Sehr verwundert hat mich, dass bei meinem testweise Anspielen obwohl das NV12 auf voller Lautstärke eingestellt war, deutlich leiser klang als der Flügel. Mir ist schon klar, kleinerer Resonanzboden, leiserer Klang, aber ich hätte mir erwartet, dass die Elektronik dies ausgleicht und bei der lautstärksten Einstellung es auch entsprechend laut wäre und ich es runterschalten müsste. Dieser Punkt war zugegeben ebenfalls ein Mitgrund dafür, warum das NV12 für mich letztlich doch keine Wahl war.

3.) Für alle die in Wien/Umgebung wohnen: Ich möchte Hrn. Ronald Sedlaczek vom Klavierhaus Stingl im 4. Bezirk lobend erwähnen. Mir ist schon klar, man verkauft nicht jeden Tag einen Flügel, aber beispielsweise habe ich schon mehrere Autos in meinem Leben gekauft (zum Vgl.). Mir ist bisher noch nie ein Verkäufer begegnet, der jemanden mit so viel Freundlichkeit, Herzlichkeit und Wärme empfangen, in die Welt der Klaviere eingeführt hat und dies mit beeindruckender Kompetenz verbindet. Ich denke, auch ohne richtig Klavier spielen das beurteilen zu können. Oder um es anders zu sagen: Ich könnte den selben Flügel um ca. 1.500,- online wo günstiger erhalten und habe nicht einmal eine Sekunde darüber nachgedacht dies in Erwägung zu ziehen.
 
Glückwunsch. Klingt nach einer guten Entscheidung!

Ich bin Pianist, Klavierlehrer u.ä. und berate öfters Schüler bzw. Eltern, wenn ein Klavierkauf ansteht. So wie deine Beratungsgeschichte war, hätte ich es auch angeraten. Bei Erwachsenen, die die Beständigkeit ihres Spielens abschätzen können, wo Kontostand und Platz es hergeben, ist ein Flügel i.d.R. die beste Wahl. Vor allem deswegen, weil es eine Investition in die eigene ästhetische Bildung ist...das Instrument und der Klang werden dein Spiel beeinflussen und du wirst auf Dauer nuancenreicher, sensibler und farbiger spielen lernen, wenn du einen Flügel zur Verfügung hast.

Jeder Pianist hat da so seine Geschichte durch die verschiedenen Instrumente, und bei den allermeisten ist es ein Weg hin zu qualitativ hochwertigeren Instrumenten, digital wie analog. Man wächst musikalisch an und mit (manchmal auch: trotz) seinen Instrumenten. Ein Klavier hat viel von einer Werkbank, und jeder Handwerker wird dir zu gutem Werkzeug raten.

Mein Weg ging vom Berdux-Klavier über ein Kawai-Klavier zu einem Yamaha- und einem Steinway-Flügel, jedes Instrument war in seiner Phase eine gute Wahl. Ich hatte bei einem Konzert vorletzte Woche einen Bösendorfer Imperial unter den Fingern, eine Phase wo ich so ein Instrument privat brauche (und so einen Kontostand) werde ich wohl nicht mehr erreichen :D.
 
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Hallo Harald!

Na gut. Ich bin zwar etwas verrückt, aber nicht so, dass ich als totaler Anfänger einen Steinway oder Bösendorfer Imperial bzw. einen teuren Kawai Shigeru kaufe. :ROFLMAO:

Yamaha scheint bei allg. Elektronik und ich nenne es mal Popmusik und so eine gute Wahl zu sein. Bei klassischer Musik erscheint mir Kawai eine Marke mit sehr gutem Preis-Leistungsverhältnis ideal. Und ich glaube, ich bekomme für das Geld, dass ein GL10 kostet, einfach keinen besseren Flügel.
Tatsächlich habe ich schon aus Spaß auf einen GL30 geschielt, aber zum einen der Preis und zum anderen - so blöd es auch klingt - es sind diese 13 cm Tiefe, die ich einfach nicht mehr zur Verfügung habe. Ich glaube, ich müsste dann die Türe zum Vorzimmer aushängen oder so. :ROFLMAO:

Es gibt bei meinem Händler eine Upgrade-Garantie. D.h. binnen 5 Jahren wenn ich auf ein teureres umsteige, erhalte ich den vollen Kaufpreis für meines zurück. D.h. ich habe nun etwa so lange Zeit um mir zu überlegen, ob es dann ein GL30 werden soll. Aber 5 Jahre sind eine lange Zeit und mal sehen, was bis dahin alles geschieht.

Danke für deinen Post! Habe mich sehr gefreut!

LG Martin
 
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