Approach Notes and Enclosures

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Danke, Claus, für die Erwähnung dieser Technik in dem Maceo-Parker-Thread. Da sich das ja aber nicht nur auf Maceo Parker bezieht, dachte ich, es wäre vielleicht interessant, dazu ein eigenes Thema aufzumachen, denn das interessiert bestimmt auch Leute, die nicht Maceo Parker spielen wollen, wie mich zum Beispiel. :)

Sehr hilfreich sind beim Solieren die Standardtechniken Approach Tones und Enclosure, dazu können wir gerne noch diskutieren.

Das würde ich sehr gern nicht nur diskutieren, sondern auch richtig lernen. Nachdem Du das erwähnt hattest, habe ich das mal gegoogelt und das hier dazu gefunden: https://www.bestsaxophonewebsiteeve...roach-notes-enclosures-jazz-improv-technique/

Das hört man bei allen versierten Spielern und Profis sehr oft, aber es so hinzukriegen, wie die das machen, dazu muss man wohl eine Weile üben. Bei dem Sonny-Rollins-Beispiel, das dort als erstes genannt wird, ist der erste Akkord Dm7, aber es geht mit einem G los als Approach Note (oder Annäherungsnote auf deutsch).
G Gb F A C C# E D Db. Man landet also erst kurz vor Schluss des Taktes auf dem D von Dm und dann geht es auch gleich wieder einen halben Ton abwärts.
Der nächste Akkord ist G7, da beginnt er auf C und endet auf F#, und der letzte Akkord ist Cmaj7, da beginnt er auf G.
Wenn man das nachspielt, hat man sicher schon einiges gelernt, und da sind auch noch ein paar mehr Beispiele, aber interessant ist, warum er da auf einer bestimmten Note beginnt und wie er die Note umspielt, um dann zum Ende zu kommen.
 
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Mein Beitrag wurde wegen Änderung des Themas verschoben aus:
https://www.musiker-board.de/threads/noten-von-maceo-parker.694230

Das hört man bei meinen Solos auch. :)
Der Vollständigkeit halber sollte ich sagen, das ich schon mehrere Ursachen wahrnehme.
Ich habe als Normalzustand erlebt, dass Big Band Kolleg/inn/en (alles Hobbymusiker wie ich) ihre Stimme sehr gut spielen und teilweise Satzführer sind, aber das Solo dann "lasch" klingt (mea culpa).
Der Grund dafür ist, dass die typischen Jazz-Clichées nicht bedient werden, genau das tun aber fast alle Profimusiker.
Nur Genies prägen neue - da sind gerade einige Saxer das beste Beispiel.

Ich meine damit, wenn grundlegende Elemente wie Arpeggios, Approach Notes und Enclosures nicht benutzt werden, dann hört sich das Solo eben nicht total nach Jazz an.

Seit Aebersolds Veröffentlichungen Ende der 70er Jahre entstand aufgrund des Erfolges der Play-Along Serie das Missverständnis, das Chord Scales die Basis der Improvisation sind und vor allem Amateurmusiker solieren entsprechend "linear".
Bezogen auf "Modern Jazz", also dem Jazz abgeleitet aus Bebop sind Chord Scales aber nicht der Weisheit letzter Schluss.

Was ich oben nicht erwähnt habe, es gibt einen Wert von "fremden" Solotranskriptionen, der sich an diesem Punkt zeigt, nämlich den der Analyse.

Ich habe mir früher einzelne Solos (meiner Vorlieben) wie z.B. Clifford Brown oder eben von Charlie Parker aus der Improvisationsbibel Omnibook gescannt, ausgedruckt und mit Farbstiften bearbeitet, das WWW gab es da noch nicht.

Dabei ging es um folgende Markierungen: Platzierung von Akkordtönen, Arpeggios, Chord Scale Fragment, Approach Notes, Enclousures, weitere Embellishments (Verzierungen).
Dazu schrieb ich dann in die Noten, was genau gemeint war, z.B. welche Substitution oder welche Skala usw.

Man kann dabei feststellen, was mir früh bei Clubbesuchen auffiel, ohne dass ich es wusste: das Spielen entlang von Akkordtönen (oft Guide Tone Lines) benutzen viele professionelle Jazzer und die Gestaltung des Solos besteht aus den genannten Elementen plus Rhythmik.
Im tonalen Jazz geht es eben doch viel Handwerklicher zu als nur von der Muse geküsst.
Wobei es natürlich etliche wunderbare Naturmusiker gibt, die als Jazzer allein intuitiv über ihre Musikalität gelernt haben. Nun ja, ich gehöre sicher nicht zu den Auserwählten.

Das fortgeschrittenere Element, dass uns Amateuren meist fehlt ist der souveräne Umgang mit Rhythmus und Time und überhaupt dem Phrasing. Es fehlt sowohl an den richtigen Betonungen wie an überraschend gesetzten Pausen, am gekonnten Platzieren von wichtigen Tönen oder dem Einsatz von Double Time.
Das ist verständlich, schließlich haben wir nicht jahrelang den ganzen Tag zum Üben und Experimentieren zur Verfügung und im Einzelfall vielleicht auch nicht die steilste Lernkurve.
Aber es lohnt sich m.E., die rhythmische Gliederung von eigenen Solo Lines zu beackern, wenn man im Umgang mit Akkordtönen sicherer geworden ist.

Es gibt mittlerweile mehrere Youtube Kanäle, die diese Dinge sehr gut behandeln. Besonders lohnenswert finde ich die Videos und das Material (kenne ich nur teilweise) von Nick Homes (Jazz Duets), Jeff Antoniuk (redet sehr viel, aber es lohnt sich) und Chad Lefkowitz-Brown. Nicht gerade didaktisch optimiert, aber insgesamt stimmig und natürlich topmusikalisch finde ich auch Aimée Nolte.

Gruß Claus
 
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Der Grund dafür ist, dass die typischen Jazz-Clichés nicht bedient werden, genau das tun aber fast alle Profimusiker.
Nur Genies prägen neue
Was auch wahnsinnig toll ist, aber ich bin kein Genie. ;) Mir würde es wirklich reichen, die Clichés zu beherrschen. Aber ich habe noch keinen Weg gefunden, die in meiner begrenzten Übungszeit zu lernen. Möglicherweise habe ich da aber auch das Naheliegendste übersehen. Du fasst das hier so gut zusammen, wie ich das noch nirgendwo gelesen habe.
Seit Aebersolds Veröffentlichungen Ende der 70er Jahre entstand aufgrund des Erfolges der Play-Along Serie das Missverständnis, das Chord Scales die Basis der Improvisation sind und vor allem Amateurmusiker solieren entsprechend "linear".
Bezogen auf "Modern Jazz", also dem Jazz abgeleitet aus Bebop sind Chord Scales aber nicht der Weisheit letzter Schluss.
Oh danke, danke, danke! Da habe ich ständig Probleme mit meinem Bandleader, einem jungen Mann, der Chord Scales absolut für der Weisheit letzten Schluss hält. Da ich aber einfach zu wenig über das Improvisieren weiß, kann ich da immer schlecht dagegenhalten. Nur hatte ich vom Gefühl her da immer Bauchgrimmen, weil ich anders an Soli herangehe. Aber wie gesagt: Ich kann es noch gar nicht richtig, also was soll ich ihm da widersprechen? Du bringst es aber genau auf den Punkt, den ich gesucht habe oder vielleicht intuitiv gefühlt habe.
Dabei ging es um folgende Markierungen: Platzierung von Akkordtönen, Arpeggios, Chord Scale Fragment, Approach Notes, Enclousures, weitere Embellishments (Verzierungen).
Dazu schrieb ich dann in die Noten, was genau gemeint war, z.B. welche Substitution oder welche Skala usw.
Da hört es bei mir schon auf. Was heißt in diesem Zusammenhang "Substitution"? Skala ist klar, aber was wird bei einer Substitution ersetzt? Ein bestimmter Ton durch einen anderen? Gibt es da Regeln?
das Spielen entlang von Akkordtönen (oft Guide Tone Lines) benutzen viele professionelle Jazzer und die Gestaltung des Solos besteht aus den genannten Elementen plus Rhythmik.
Mit der Rhythmik habe ich weniger Probleme, aber was ist eine Guide Tone Line? Spiele ich da im ersten Akkord den Leitton dieses Akkordes, dann im zweiten Akkord den Leitton des zweiten Akkordes usw.?

Ich würde das Handwerk jetzt so gern endlich mal lernen.

"Jazz Duets" habe ich auch schon öfter konsultiert, und ich finde das toll, wie er das erklärt. Aber manchmal ist es doch noch zu hoch für mich. Ich muss da glaube ich ein paar Stufen tiefer anfangen.
 
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Ich bin auch nur "Lernender" und mein Wissen ist deutlich weiter als die Ohren und die Hirn-Finger-Verbindung.
Auf der Trompete habe ich dann noch das Dauerthema, dass ich fast täglich gut bis zu 45 Minuten Grundlagenübungen spielen muss, sonst baue ich erst Höhe ab und bei noch mehr Vernachlässigung gehen Ansatz und Tonqualität den Bach runter... :rolleyes:
Aber für einen älteren Hobbymusiker ist halt besonders der Weg das Ziel...:D

Dein Bandleader hat halt seine Erkenntnisse und wenn er damit vernünftig spielen kann, warum auch nicht.
Wir diskutieren hier letztlich nur die beiden Seiten der gleichen Medaille.

Es ist sicher leichter, bei den Grundlagen des Solierens anzufangen. Das heißt, es hört sich gleich besser an, wenn man zunächst einmal ein ausgewogenes Verhältnis von Akkrodtönen an den richtigen Stellen und Akkordskalen schafft (bzw. einübt).
Wenn das klappt und wie ein (musikalisch gespieltes) Stereotyp anhört, dann hat man die die erste Stufe der Improvisation geschafft, nämlich Imitation.
Ich finde das gut, wenn man als Hobbymusiker/in in einem Stück die Akkordfolgen des Solo Chorus sieht und anhand einer handvoll Möglichkeiten locker damit umgehen kann.
Wer da allein auf Musikalität und spontane Eingebung vertrauen möchte ist entweder besonders begabt oder findet sich auf verlorenem Posten wieder.

Nachdem es heutzutage alles auf Youtube gibt, ist das ein guter Startpunkt.
Das kann man für eigene Überlegungen und Malübungen nehmen, um so möglichen Nutzen zu ziehen.

Ich beziehe mich dabei auf meine Lieblingsmusik, aber das Prinzip gilt bei jeder funktionsharmonisch komponierten Musik.

Die Definition des Bebop-Solos ist bekanntlich Donna Lee und einige relevante Punkte des Stils und des Stücks werden im folgenden Video ab Minute 14:00 angesprochen.
Der Teil davor ist eine gute Einführung.


Das Schöne an diesem Solo ist für unsere Zwecke, dass es zur Anregung jeder Menge Übungen taugt. Zunächst sind da natürlich die Chord Scales und Arpeggios, aus heutiger Sicht sozusagen Aebersold Vol.3 in echter Musik.

Ein mustergültiges Enclosure siehst Du u.a. am Ende von Takt 4 mit Zielton Eb (die gut klingende 11 von Bbm7) in Takt 5.
Die Approach Notes und Enclosures von Grundton, Terz und Quinte kann man mit einem Play-Along (Band in A Box, Aebersold, Garage Band) zumindest anhand der Dreiklänge Dur und Moll üben, einmal durch den Quintenzirkel (rückwärts).

Substitutionen sind Sekundärdominanten und Tritonussubstitution, im Bezug auf Solos werden oft auch Skalen substituiert, z.B. wenn man über G7 (= eine Dominante) statt der "langweiligen" Chord Scale Mixolydisch bzw. statt der Bebop Scale die Diminished Scale oder MM7 spielt.
Dabei sollte den musikalischen Stil beachten, denn im Swing macht sich das zumindest dann nicht so gut, wenn man nur einen Solo Chorus zur Verfügung hat und die Zuhörer deshalb nicht vom Hölzchen übers Stöckchen führen kann.
Die alterierte Skala kommt aus der Mollkadenz und früher wurde in Dur eher bei nachfolgender Auflösung verwendet. Heute sind wir mehr an Chromatik gewöhnt und deshalb ist der Spielraum deutliich größer geworden.

Eventuell müssten all die Begriffe aus dem letzten Abschnitt noch genauer angesprochen werden, aber das führt sehr weit und außerdem leicht zur Verwirrung.

Bleibt man bei der Praxis geht Alles einfacher, man lernt dann Eins nach dem Anderen und kann binnen eines Jahres schon viel besser solieren, weil die Grundlagen intus sind.
Die erste super-nützliche Übung wurde bereits angesprochen und sie ist nicht einmal schwer.

Die Jazztheorie erklärt sich im Laufe der Übungen aufgrund des praktischen Erfahrungshintergrundes viel besser.

Gruß Claus
 
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Das ist sehr interessant, Claus. Vielen Dank dafür!

Das sind eine Menge Noten. ;) Allerdings hat es mich etwas gestört, dass er sehr, sehr lange nur spricht, aber nicht spielt. Am meisten versteht man Musik doch durchs Spielen, nicht durchs Reden. :) Und als er dann spielt, spielt er auch nur, statt Schritt für Schritt vorzugehen und alles zu erklären, was er macht. Und warum. Und wie das zusammenhängt.

Das war es, was ich mit "Ich muss auf einem viel tieferen Level anfangen" meinte. Was er da macht, könnte ich weder nachmachen noch richtig verstehen. Ich muss da mehr auf Anfängerniveau anfangen. Also z.B. mit welchen Tönen umspiele ich das erste F von "Smoke gets in your eyes". Nur um mal zu illustrieren, was ich mit Anfängerniveau meine. Da ist eine halbe Note F (wenn ich Tenorsax spiele, klingend natürlich ein anderer Ton, aber ich gehe jetzt mal von den Noten aus, die ich hier vor mir habe) am Anfang des Songs. Nun will ich den umspielen. Also nehme ich als approach notes sagen wir mal ein C und ein D? Oder doch lieber ein E, gehe dann zum F, dann zum G und dann wieder zum F zurück? Also wenn ich C-D-F-G-F spiele, ist das "I will follow you", habe ich jetzt gerade festgestellt, wo ich es gespielt habe. ;) Auch interessant.

Aubra Graves hier macht es wiederum ganz anders:


Er umspielt und schließt, aber auf völlig andere Art. Aber vielleicht ist Smoke gets in your eyes auch ein schlechtes Beispiel. Deshalb hier noch Georgia on my mind:


Oder hier noch das Beste vom Besten. Body and Soul:


Mit welcher Leichtigkeit er das macht, von einem Ton zum anderen, von einem Akkord zum anderen, die Töne immer wie Perlen auf einer Schnur. :) Herrlich. Und man hört hier die Approach notes und enclosures sehr gut, finde ich, weil es langsamer ist. Aber garantiert hat Aubra Graves in seiner Jugend Bebop rauf und runter gespielt, deshalb kann er das so gut. Das muss ich mir erstmal vornehmen. Dann komme ich vielleicht auch mal zu so einer Meisterschaft. (Nein, sicher nicht. Aber von solchen Meistern kann man es vielleicht zumindest auf Anfängerniveau lernen. Das hoffe ich jetzt mal.)

Wenn er schneller spielt, hört man viel von dem, was vorher in dem Bebop-Video war:


Doch grau ist alle Theorie, wie schon der alte Goethe sagte. Da hilft wohl nur eins: Üben, Spielen, Üben, Spielen, Üben, Üben, Üben ...
 
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Im Video von Walk that Bass wird das Solo bzw. der erste Teil m.E. durchaus erklärt und auch schön bunt in die Noten eingezeichnet.
walkthatbass.jpg

Quelle: Youtube Bebop Explained

Nur wird das Stück halt nicht so super ausführlich analysiert, es bleibt knappen Anmerkungen zu Arpeggio rauf, Tonleiter runter - ich finde es aber interessant als Einstieg.
Genau das Handwerkliche will der Musiker in dem Video demonstrieren und das ist auch eine tolle Übungstechnik, wenn man die Akkordfolgen von Standards improvisatorisch kennenlernen will.


Da hilft wohl nur eins: Üben, Spielen, Üben, Spielen, Üben, Üben, Üben ...
Klar und am besten hilft, wenn man (als Erwachsener) genau weiß, was man wozu übt. So lernt man m.E. das Handwerk besser als "rein intuitiv", was dagegen Kinder meistens sehr gut drauf haben. Allerdings funktioniert deren Gehirn auch dazu passend anders..., aber das zu erläutern würde arg off topic.

Also z.B. mit welchen Tönen umspiele ich das erste F von "Smoke gets in your eyes"...
Geht schon, nur würde ich die Verzierungen aus Geschmacksgründen in einen Auftakt verschieben, weil das F hier der erste und absolut wichtigste Ton des Themas ist.
Übrigens stellt das sich anschließende thematische Motiv eine Umspielung des Anfangstones F dar.
Einige Möglichkeiten folgen als Übung. Du kannst bei der Gelegenheit auch Phrasierungen ausprobieren, hier also mehr oder weniger Swingachtel und Off Beat-Betonung, dazu finde ich die Hinweise von Chad Lefkowitz-Brown beachtenswert.
youtube.com/watch?v=CE6JRUyJS8g

Wie man beim normalen Thema hören kann ist das D auf der 4+ die Quint des durch seine Mollterz repräsentierten Akkords Gm in Takt 3, also eine Vorwegnahme. So ein Verschieben von Akkordtönen (engl. rhythmic displacement) wird auch beim Solieren als beliebte Bebop-Technik verwendet.

enclosures.jpg


Takt 1 von Smoke Gets Hoke beginnt mit dem Grundton F, der in der zweiten Takthälfte umspielt wird und funktional zur verminderten Septime des dortigen Abdim wird.
So ein Verminderter ist der perfekte Verbindungakkord, seine Töne gehören auch zum Akkord davor und dem danach oder stehen jeweils im geschmeidigen Halbtonabstand.
Dim-Connection.jpg



Takt 2 bringt eine II V Verbindung mit Auflösung in Takt3, erste Takthälfte.
Du kannst die Bedeutung der "wichtigen" Töne jeder Melodie ausprobieren, indem Du sie radikal auf Akkordtöne vereinfachst und zu den dazugehörenden Akkorden spielst.

Angewendet auf unser Beispiel wird auf der Zählzeit 3 von Takt 1 das F zur Halben gemacht.
Dadurch wird die Umspielung entfernt und auch die Vorbereitung des Folgetaktes durch das D als Quinte des Gm7 aus Takt 3.

Auf der 1 des zweiten Takts kommt direkt das Bb, es ist die Terz des Akkords Gm7 und erster Teil der II V Verbindung in diesem Takt 2, die sich in der Originalmelodie zum Grundton F in Takt 3 (erste Hälfte) auflöst.

Das Bb in Takt 2 kannst Du auch wiederholen, es wird dabei zur Dominantseptime des C7.
Takt 3 bringt in der ersten Hälfte die Auflösung der II V Verbindung, man nimmt dazu vorzugsweise einen starken Akkordton - einfach ausprobieren, wie sich die Möglichkeiten zu einem Play-Along-Loop anhören.


Was noch auffällt, das Ganze wird eine Guide Tone Line. In Halben betrachtet spielst Du in Takt 1 den Grundton, dessen Wiederholung die verminderte Septime des dort herumlungernden Verbindungsakkordes ist.
Dann spielst Du in Takt 2 eine II V durch deren Terz und Septime, die klassischen Guide Tones.
Am Ende folgt noch in Takt 3 die Auflösung der II V Verbindung, in der Originalmelodie in den Grundton.
Nimmt man diese Akkordverbindung als Improvisationsübung kann man die Möglichkeiten ausloten, wie man von einem "wichtigten" Ton zum nächsten kommt und diese ggf. an- oder umspielt.
gtline.jpg



Am Rande: Noten für Tenorsax transponieren "nach oben", und zwar um einen Ganzton plus eine Oktave, aka None.
Tenorsax.jpg
 
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Im Video von Walk that Bass wird das Solo bzw. der erste Teil m.E. durchaus erklärt und auch schön bunt in die Noten eingezeichnet.
Nur wird das Stück halt nicht so super ausführlich analysiert, es bleibt knappen Anmerkungen zu Arpeggio rauf, Tonleiter runter - ich finde es aber interessant als Einstieg.
Das stimmt. Er hat mir einfach nur zu viele Noten und zu schnell gespielt. ;) Ich bin halt kein Bebop-Fan. Ich mag eher Balladen. Aber trotzdem hat er das toll gemacht, das finde ich auch.

Ich kann so schnell gar nicht spielen, ich spiele verglichen damit sehr, sehr langsam. Erst jetzt wird manches etwas schneller. Aber lange noch nicht so ein Tempo. Was allerdings auch nicht mein Ziel ist. Ich möchte nicht unbedingt schnell spielen können, sondern schön. Allerdings ein bisschen schneller möchte ich schon spielen können, als ich jetzt spielen kann. Also normal schnell. Deshalb habe ich heute eine Menge Tonleitern und Arpeggios geübt. Da merkt man schon, dass die Finger dann besser reagieren. Wenn man zu wenig Zeit zum Üben hat, ist das ein großes Problem, finde ich. Da hat man dann immer so das Gefühl: "Ich will, aber ich kann nicht". Weil man natürlich nie genug übt, um wirklich fließende Fingerbewegungen machen zu können.

Wie man beim normalen Thema hören kann ist das D auf der 4+ die Quint des durch seine Mollterz repräsentierten Akkords Gm in Takt 3, also eine Vorwegnahme. So ein Verschieben von Akkordtönen (engl. rhythmic displacement) wird auch beim Solieren als beliebte Bebop-Technik verwendet.
Ja, das ist wirklich klasse. Das muss ich mal üben. Ich mache zwar schon intuitiv solche Verschiebungen, vom musikalischen Gefühl her, aber das ist zu unsystematisch, weshalb es dann manchmal auch nicht passt, weil der Akkord schon wieder vorbei ist. Da muss ich besser aufpassen und das immer wieder üben.

Takt 1 von Smoke beginnt mit dem Grundton F, der in der zweiten Takthälfte umspielt wird und funktional zur verminderten Septime des dortigen Abdim wird.
So ein Verminderter ist der perfekte Verbindungakkord, seine Töne gehören auch zum Akkord davor und dem danach oder stehen jeweils im geschmeidigen Halbtonabstand.
Das ist so "sophisticated", dahin muss ich erstmal kommen. :) Aber wenn man sich das Ganze so genau betrachtet und es so analysiert, wie Du das jetzt hier tust, dann wird einem das immer klarer. Auch das, was man auf den ersten Blick nicht so richtig versteht. Das ist toll, wie Du das machst! :great:


Du kannst die Bedeutung der "wichtigen" Töne jeder Melodie ausprobieren, indem Du sie radikal auf Akkordtöne vereinfachst und zu den dazugehörenden Akkorden spielst.
Genau. Das ist mehr mein Niveau. ;) Ich bin wirklich absolute Anfängerin, was das betrifft. Ich muss mich da langsam herantasten. Ich habe jetzt einfach mal versucht, die Arpeggios zu spielen, so dass ich die Akkorde in die Finger bekomme. Ich kann aber noch nicht das entsprechende Arpeggio im normalen Tempo zum entsprechenden Akkord spielen. So schnell bin ich mit dem nächsten Arpeggio noch nicht da, weil ich erst immer noch überlegen muss, welche Töne zu dem Akkord gehören, und dann ist er natürlich schon wieder vorbei. Da muss ich mehr Routine bekommen, die Töne direkt wissen. Gerade bei solchen Akkorden wie F#7b5 dauert das einfach immer noch viel zu lange, weil ich da erstmal nachdenken muss, welche Töne das sind. C-Dur, D-Dur, F-Dur, G-Dur, E-Moll, A-Moll und solche Sachen, das habe ich schon drin, das geht schneller.

Also ich kopiere mir das, was Du geschrieben hast, jetzt mal alles hier raus und werde mich intensiv damit beschäftigen. Wenn Du Dir schon so viel Arbeit gemacht hast, soll das nicht umsonst gewesen sein. Das hilft mir sehr, und wenn ich mir das alles mal richtig klarmache, werde ich wahrscheinlich einen ganz großen Sprung machen. Danke! :)
 
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Ich kann aber noch nicht das entsprechende Arpeggio im normalen Tempo zum entsprechenden Akkord spielen.
Arpeggios sind m.E. Lektion 1 und dabei wiederum die Drei- und Vierklänge in Dur in allen Tonarten, später wird es in Moll und mit alterierten Dominanten deutlich raffinierter.
Damit es nicht völlig langweilig wird kann man mit II-V Verbindungen starten. Wie so oft ist dabei ein professioneller Vorturner hilfreich, ich mag dafür Jamey Aebersold. Du kannst Dir ein Taktschema mit den Akkordbezeichnungen in allen Tonarten aufschreiben, das fördert die Vertrautheit.
Aebersold auf deutsch: https://www.alle-noten.de/Play-Along/Aebersold-Vol-3-Die-II-V-I-Verbindung.html
Engl. Originalausgabe: https://www.alle-noten.de/Play-Along/Aebersold-Vol-3-II-V7-I-Progression.html

Transponieren sollte man im Kopf und wenn man die Arbeitsweise "Übungen erst singen, dann spielen" beibehält, dann verbessert man mit diesen beiden Techniken (singen, transponieren) sogar durch eine so einfache Übung bereits ein wenig das Spielen nach Gehör.
Im Heft zu Aebersold Band 3 sind wie immer die Akkordskalen der jeweilligen Play Along Aufnahmen komplett notiert, dort kann man sich bei Bedarf rückversichern.

Aebersolds Band 3 hat zwei Beihefte, eines mit den Akkordskalen der Übungsstücke und eines mit Solo-Linien (Supplement).
Diese fangen sehr einfach an und sind damit genau das Richtige für unseren Zweck. Zunächst geht es nur um die Übungen 1, 2 (Skalenfragmente) sowie 6 (gebrochene Dreiklänge Moll und Dur) und 7 (gebrochene Vierklänge Moll, Dominant und Dur).
Die Arbeitsweise ist wie gesagt immer: eine Übung verstehen, dann singen, dann spielen.
Übung 1 verstehen: Akkordskalen dorisch, mixolydisch und ionisch, jeweils die ersten drei Töne, insgesamt ergeben sich alle Töne der jeweiligen Durtonleiter. Mit dorisch bezeichnet man eine Tonleiter, die sich aus der zweiten Stufe der Durtonleiter ableiten lässt, in C Dur also D E F G A B C D, wobei B das dt H meint, im Jazz ist mir die englische Nomenklatur (Großbuchstaben, z.B. B statt h, z.B. Eb statt es) lieber.
Mixolydisch bezeichnet die Tonleiter auf der 5. Stufe einer Durtonart, im Beispiel C Dur: G A B C D E F G und ionisch die Tonleiter der ersten Stufe, hier also C D E F G A B C. Der Reihe nach sind die Namen der "Major Modes" (Major meint hier: Dur) ionisch, dorisch, phrygisch, lydisch, mixolydisch, äolisch und lokrisch.
Übung 2 bei Aebersold ist nur eine rhythmische Variation auf der zweiten Zählzeit, Übung 6 das Dreiklang-Arpeggio Moll, gefolgt vom Dur und Übung 7 das Vierklang-Arpeggio plus rhythmischer Variation in der Abfolge Minor7, Dominant7 und Major7.
Off-Beat Achtel sind jene auf den "und"-Zählzeiten. Sie sind im swingenden Jazz kürzer sind als die auf vollen Zählzeiten, das ist vermutlich längst bekannt. Bei swing-orientierten Balladen "kommt es drauf an", dazu hört man sich besten bekannte Vorbilder an, im Latin werden verkettete Achtel gleichlang gespielt.
Die ersten Übungen bei Aebersold sind so trivial, dass niemand einen Urheberanspruch geltend machen kann. Ich zitiere zwei davon wegen möglicher Bezugnahme in der weiteren Diskussion in eigener Notation. Auf dem Tenorsax startest Du in D-Dur, damit die Aufnahme mit Beginn in C-Dur dazu passt.
Aebersold 3-1.jpg

Ok, diese 4 Übungen (Aebersold Band 3, Beiheft Übung 1, 2, 6, 7) zu einem Play Along zu singen geht mit Sicherheit intuitiv, aber außerdem hat Jamey Aebersold diese und alle weiteren Übungen freundlicherweise als vollständiges Demo auf der Begleit CD eingespielt.
Hat man diese Übungen gemeistert und in deinem Fall damit erstmals in allen Dur Tonarten gespielt ist ein neues Kapitel aufgeschlagen und man hat das Rüstzeug für den eigentlichen Stoff dieses Threads, das An- und Umspielen von Akkordtönen.

Damit kann es nach einer Rückmeldung weitergehen, viel Spaß mit dem Erobern der zwölf Tonarten:
D - G - C - F - Bb - Eb - Ab - Db - Gb - B - E - A - D; (B = dt H).

Gruß Claus
 
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Weißt Du, was richtig peinlich ist, Claus? Ich habe das Heft sogar. Am Anfang habe ich mir unheimlich viele Noten gekauft, konnte aber erst einmal nichts damit anfangen (insbesondere was Improvisation betraf) und habe das dann einfach irgendwo auf den Stapel gelegt. Außerdem war das eben in der klingenden Tonart, und damals hat mich das völlig irritiert, weil die Backing Tracks dann nicht zu den Noten gepasst haben, wenn ich das mit dem Altsaxophon gespielt habe. Obwohl ich theoretisch wusste, was Transponieren ist, konnte ich das einfach nicht. Direkt beim Spielen kann ich das immer noch nicht, aber mittlerweile weiß ich zumindest, dass ich beim Alt ein Eb habe, wenn ich ein C drücke und beim Tenor ein Bb ertönt, wenn ich ein C drücke. Und wenn ich mich jetzt mehr damit beschäftige, werde ich das mit der Zeit wahrscheinlich auch können, dass ich C-Noten sehe und Bb- oder Es-Noten spiele. Dauert aber sicher noch eine Weile. Normalerweise habe ich die Noten für das entsprechende Instrument und kann das so spielen, wie es notiert ist. Deshalb muss ich da nicht umdenken.
 
Claus

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Ich habe diese Erfahrung auch selbst gemacht, es ist nur schon etwas her.

Die Übungen 1, 2, 6 und 7 aus dem Band 3 zur II V Verbindung erfordern kaum Anstrengungen beim "transponieren".
Nur, wenn man frei spielen lernen will, dann muss man im Jazz komplett durch die Tonarten üben, weil die Musik diese Beweglichkeit auf dem Instrument häufig erfordert.

Die drei bis vier Töne der genannten Übungen stellen aber vermutlich kein Problem dar und das Akkordschema beginnend in D Dur ist schnell als Abfolge fallender Quinten aufgeschrieben.
Wenn das Spielen der ersten 3 Skalentöne bzw. der Drei- und Vierklänge als gebrochene Akkorde flüssig funktioniert, dann kann es losgehen.
Es dauert sicher nur ein paar Tage bis es soweit ist, wenn überhaupt.

Gruß Claus
 
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Habe ich das jetzt so richtig verstanden, dass die Übung so abläuft? Ich habe das mal im MuseScore aufgeschrieben.

Abersold Vol. 3, Track 1, II-V7-I, all keys.png


Ich spiele also jeweils nach der II-V7-I einen Halbton höher weiter? Durch alle Tonarten?
 
Claus

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Das wäre auch eine Möglichkeit, nämlich die chromatische Progression.
Ich hatte aber in Beitrag #8,vorgeschlagen, die Tonarten in fallenden Quinten zu durchspielen, weil fallende Quinten des Grundtons der Hörgewohnheit entsprechen, eine neue Tonart zu etablieren.
Guck mal in die letzte Zeile, da steht deshalb der Quintenzirkel rückwärts.
Solche fallenden Quinten der Grundtöne kommen in Standards alle naselang vor.

Gruß Claus
 
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Ach, ich hatte in dem Backing Track den Eindruck, dass es immer einen halben Ton höher geht. Dann muss ich das im MuseScore mal umwurschteln. Alle 12 Tonarten habe ich da jetzt ja eingetragen. Das ist kein Problem, da eine andere Reihenfolge zu machen. Wenn das dann zu dem Backing Track passt, was ich nicht dachte, weil ich dachte, es geht immer chromatisch, dann spiele ich es so.

Allerdings habe ich jetzt so viel Zeit (ca. 4 Stunden) damit verbracht, diese eine Übung in allen Tonarten einzutragen, dass ich diese Woche wohl nicht mehr zum Üben komme, denn meine Übezeit ist sehr begrenzt, und heute habe ich nur Noten geschrieben und keinen Ton gespielt. Das ist natürlich nicht gut. Da muss ich noch eine Möglichkeit finden, dass ich trotzdem spielen kann, auch wenn ich mich mit den Akkorden und Progressionen beschäftige. Denn wenn ich am Montag in die Probe komme und kann keinen einzigen Song spielen, weil mein Ansatz futsch ist und die Töne nicht kommen, weil ich nur Noten geschrieben habe, ist es auch nicht gut. :)
 
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Oh sorry, das habe ich jetzt gar nicht nachgeschaut.
Zum Üben in kleinen Portionen habe ich dir eine PN geschrieben, ich wollte die Zeitfalle eigentlich vermeiden.

Wenn ich mir ein Lick aneignen will, übe ich es immer zuerst im Quartenzirkel (= Quintenzirkel links herum), weil das die wichtigste Grundtonfortschreitung ist.
Ok, dann halt chromatisch oder ich kann dir auch ein selbst gemachtes mp3 senden.

Gruß Claus
 
Asterixa

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Nein, das ist nicht nötig. Danke für das Angebot. :) Ich habe nicht nur die Noten aufgeschrieben, das hätte nicht so lange gedauert, sondern auch noch über die ganzen Akkorde und Harmonien nachgedacht, um mir auch zu merken, wie ich dann automatisch transponieren könnte (was nicht ging, trotz der Piano-Akkorde direkt unter den Tenor-Akkorden). Irgendwie fiel mir das heute furchtbar schwer, weil auch noch einige andere Sachen (technisches Zeug mit Computer) mir im Kopf herumschwirrten, worum ich mich kümmern musste, und irgendwann schwirrte mir dann ganz der Kopf, und wahrscheinlich auch deshalb hat es so lange gedauert.

Ich glaube, die Herangehensweise mit dem Quartenzirkel ist genau richtig. Ich bin einfach noch nicht richtig in dem Thema drin, deshalb bin ich sozusagen den "banalen" Weg gegangen, chromatisch. Aber es so zu machen, wie es dann meistens in den Stücken vorkommt, ist ja viel logischer und praktischer. Auch vom Hören her. Weil man das aus der Hörgewohnheit heraus irgendwie erwartet. Und Backing Tracks habe ich genug, kann auch selbst welche im Band-in-a-Box machen. Außerdem reicht es ja auch, wenn man das alles erst mal ohne Backing Track spielt. Es geht ja hauptsächlich darum, das in die Finger (und in den Kopf) zu bekommen. Das fiel mir heute außergewöhnlich schwer. Aber ich werde das morgen probieren zu spielen, nachdem ich es nun alles aufgeschrieben habe. Dann ist es ja auch für alle anderen Übungen benutzbar. Sind ja immer dieselben Akkorde, nur ein paar andere Noten.

Weil ich jetzt so interessiert an dem allen bin, bin ich auch noch über diesen interessanten Herrn hier gestolpert:


Ist der nicht toll? :) Ist jetzt nicht direkt unser Thema hier, aber ich habe einfach so gute Laune gekriegt, als ich ihm zugesehen und zugehört habe, dass mir die Akkorde gleich wieder mehr Spaß machen. :)
 
Claus

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Ja, Quartenzirkel ist genau richtig und kleine Portionen, damit der Kopf und die Ohren mitkommen.
Improvisieren lernen ist vor allem eine Frage des musikalischen Hörens, deswegen sind Noten dabei nur als Anstoß und erste Merkhilfe interessant.
Solange die Routine fehlt, kann man sich vorher alles im Kopf überlegen, wenn es nur um eine weitere Tonart und drei bis vier Töne geht.
Die Praxis sollte unbedingt über Singen und Spielen erfolgen, mit dem Spielen nach Noten verschwendet man im Hinblick auf Improvisation schnell zu viel Zeit.
Der Herr im Video sagt mir musikalisch nichts, schau dir mal zum Vergleich das Blues-Video von Nick Homes an.

 
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Asterixa

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Ja, Nick Homes ist einfach phantastisch! Die Analogie mit Pizza prägt sich so ein. :)

Und auch die ganzen Akkorde und Chord Progressions erscheinen so einfach, wenn er sie erklärt:


Nur nachmachen ist so schwierig. :)

Und hier kommt gleich noch "Georgia" als Beispiel (u.a.), was ich gerade spielen muss:

 
Claus

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Außerdem reicht es ja auch, wenn man das alles erst mal ohne Backing Track spielt.
Nur dann, wenn Du dir beim Üben Akkorde innerlich erklingend gut vorstellen kannst. :gruebel:

Mas braucht das Play-Along, weil es bei den wenigen, rhythmisch einfachen und vorher überlegten Tönen allein darum geht, beim Spielen die Ohren aufzumachen und den Gesamtklang in sich aufzusaugen bzw. dank genügend Wiederholungen mit der Zeit abzuspeichern.

Wenn ich an eine II V Verbindung denke oder z.B. Em7 A7 lese, dann höre ich unwillkürlich eine mehrstimmige Akkordfolge im Kopf. Deren Grundtöne sind ohne vorherigen Referenzton sicher nicht genau E und A, aber das macht nichts, denn es geht um die abgespeicherte Klanggestalt Mollseptakkord zur Dominante..

Ohne guten Grund nach Noten spielen, zuviel auf einmal spielen und einstimmig ohne Play-Along spielen erschwert das Lernen der Improvisation.

Zuerst überlegt man sich nur folgende Töne in D Dur, dann die im Quintfall (Quintenzirkel rückwärts), im Beispiel also G Dur.
Los geht es dann mit Play-Along (klingend C Dur, F Dur) und den Skalenfragmente in D und in G, jeweils mit Wiederholung singen und dann spielen.
upload_2019-6-27_12-5-30.png



Das kann samt Vorüberlegungen nur wenige Minuten dauern und so ist das auch beabsichtigt. Improvisationsübungen sollen wie eine Belohnung zum "normalen Üben" wirken und nicht wie eine schwere Arbeit, die gemacht werden muss.

Kann man das nach 2-3 Tagen im Schlaf, kommen die Akkordtöne, der Dreiklang ist solistisch wichtig.
upload_2019-6-27_12-13-46.png


Das dann auch in G Dur und wenn die Akkordbrechungen zum Play-Along ebenfalls schon innerlich vorausgehört werden, kommt noch die Verbindung, erst Skalenfragment und statt der Wiederholung die Akkordbrechung, erst in D Dur und dann in G Dur.

Ist das gemeistert, überlegt man sich die Akkorde und Töne der nächsten beiden Tonarten im Zirkel, für Tenorsax also C Dur und F Dur. Das Übungsschema bleibt wie zurvor.

Die nächste Übe-Einheit sind dann Bb und Eb und siehe da, der halbe Quintenzirkel wurde in maximal 3 Wochen und höchsten 10 Minuten am Tag mit kompletter Diatonik gemeistert.

Es kann gut sein, dass es sogar schneller geht, wenn man die Struktur der Übung beibehält. Nach weiteren 2-3 Wochen kann man jedenfalls alle Töne und die II V Verbindungen in Dur in allen 12 Tonarten benennen und spielen.

Wurde tatsächlich so geübt, also erst die Töne und Akkorde der kleinen Portionen von je 2 Tonarten überlegen, dann zum Pla-Along singen und dann spielen und solange bei einer Tonart bleiben, bis man die Töne mit dem ersten Schlag schon innerlich voraushört, dann kann der Ausbau der Improvistionstechnik jetzt auf einem soliden Fundament beginnen.
Andernfalls schleppt man das alte Problem "kann nicht improvisieren" einfach nur weiter wie in allen Jahren zuvor.

Gruß Claus
 
Asterixa

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Man braucht das Play-Along, weil es bei den wenigen, rhythmisch einfachen und vorher überlegten Tönen allein darum geht, beim Spielen die Ohren aufzumachen und den Gesamtklang in sich aufzusaugen bzw. dank genügend Wiederholungen mit der Zeit abzuspeichern.
Damit habe ich heute angefangen. :) Du hast recht. Ohne Playalong ist es nicht so gut. Obwohl ich es auch nicht uninteressant fand, wie sich die Töne und Griffabfolgen auch dann einprägen. Was für mich durchaus noch wichtig ist, weil ich damit ja noch nicht sehr weit bin, dass ich schon mal die Griffe parat habe, bevor ich sie brauche.

"Die abgespeicherte Klanggestalt Mollseptakkord zur Dominante" direkt zu erkennen und zu hören, das braucht sicher noch eine Weile, aber ich muss sagen, schon heute hat sich da ein bisschen was getan, weil ich das ja immer wieder hintereinander gehört habe. Bestimmte Sachen höre ich schon, darauf warte ich praktisch schon, aber spielen kann ich sie nicht. Das kommt jetzt erst mit den Übungen.

"Ohne guten Grund nach Noten spielen" - Das ist ein netter Ausdruck. :) Die meisten Leute, die ich kenne, würden keinen Grund brauchen, um nach Noten zu spielen, weil sie - wie ich - nur nach Noten spielen können. Also entweder nach Noten spielen oder gar nicht, das ist für uns die Wahl. Deshalb habe ich heute auch nach Noten gespielt. Und mir gestern so viel Mühe gegeben, jede einzelne Noten inkl. der Akkorde in MuseScore aufzuschreiben. Wenn ich jetzt so lese, was Du schreibst, denke ich, ich hätte vielleicht einfach losspielen sollen, statt so viel Zeit mit dem Aufschreiben zu verschwenden. Aber ich denke eben immer zuerst in Noten. Wenn ich keine Noten habe, kann ich nicht spielen. Das ist immer noch in meinem Kopf. Das muss ich unbedingt loswerden. :) Aber ich habe das Gefühl, das kommt. Morgen werde ich definitiv das Playalong anmachen und die Augen zumachen und nur nach Gehör spielen. Ich muss mir das mit den Noten echt abgewöhnen.

Vor allem, mich nur auf 2 Tonarten zu beschränken, fällt mir schwer. Aber das muss ich unbedingt machen, damit ich mich nicht wieder verzettele und es nie lerne. Morgen also nur nach Gehör und ohne Noten. :)
 
Claus

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Aber ich denke eben immer zuerst in Noten.
Das ist doch super, Du brauchst nur den Ton dazu.
Also nicht nur Kleckse auf langen Strichen denken, sondern Klänge.
Falls das nicht sowieso der Fall ist: das innere Voraushören stellt sich mit der Zeit ein, wenn man Übungen (bzw. Alles) erst singt. Durch das Play-Along hat man automatisch die richtige Tonhöhe.
Deine Aufschreibmühe wird noch nützlich sein, aber im Augenblick schlage ich dir die andere Baustelle zur Bearbeitung vor.

Übrigens, wir sind ja im Jazz: bevor das Spielen der drei Töne langweilig wird, kannst Du sie gerne rhythmisieren. Das ist wichtig und wird doch meist zu wenig beachtet.
Praktisch bedeutet das auf die beiden Beispiele aus dem letzten Beitrag bezogen: wenn die von mir notierte Grundform funktoniert, kann man ein paar rhythmische Übungen daraus machen.
Also z.B. den ersten Ton eine Achtel vorziehen und dadruch zur punktierten Viertelnote machen oder verzögern und auf der "1+" mit einer Achtel beginnen oder die Anwendung des Charleston-Rhythmus auf die Übung.
Später kann man sich auch die Änderung zu triolischen Figuren und auch Duolen vornehmen, aber das wird im Augenblick vielleicht zu viel.

Noch etwas: man übt hier Halb- und Ganztonschritte sowie die kleine und große Terz.
Man sollte sie aufwärts wie abwärts voraushören können, um sie für die Melodiebildung zur Verfügung zu haben. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich Intervalle einzuprägen, z.B.Liedanfänge.

Wenn man mehr tun möchte, gefällt mir dazu der Song von Django Bates, mit dem man die Intervalle des Oktavraums komplett sowie schmerzfrei rauf und runter üben kann - einfach 3 Minuten am Tag Mitsingen und man ist damit bald recht fit.
youtube.com/watch?v=nl2d4zS56cY

Gruß Claus
 
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