Ist das nicht sehr einschränkend? Ich denke da an Musikerinnen und Musiker, die insbesondere mit neuen Formaten erfolgreich sind. Die Digitalisierung bietet mehr als nur elektronische Drums und Bässe, oder Unterricht via Zoom. Z.B. ist "Scotts Bass Lessons" ein sehr erfolgreiches Format für Bassistinnen und Bassisten, mit dem man Musik auch anderen näher bringen kann - und das in der Masse, corona-konform und durchaus finanziell erfolgreich.
Taxis braucht man im übrigen bald auch nicht mehr und Kellnern wird mit Delta auch wieder ein schlechtes Geschäft...
Klar gibt es diese Möglichkeiten, allerdings gehört Scott von SBL natürlich auch wieder zum 1% und ist neben gutem Musiker auch einfach Enterpreneur. Diese Seite seines kreativen Schaffens hat natürlich nicht mehr so viel mit Musikmachen zu tun, sondern ist einfach Geschäftsführung.
Ich kenne einen Haufen Instrumentenlehrer, die es mit dem Verkauf von Online-Kursen versucht haben und kläglich gescheitert sind, weil ihnen der richtige (marketingwirksame) Umgang mit digitalen und sozialen Medien fehlt. Was ich damit sagen will: So ein Scott hat vermutlich sehr viel mehr auf dem Kasten als ein ottonormaler Musiker und dazu eine scheinbar unerschöpfliches Durchhaltevermögen, so dass sein Geschäft jetzt floriert.
Man muss da den Threadersteller fragen: Was ist er denn für ein "Musiker"? Ist er ein junger Gitarrengott, ein massentauglicher Pop-Frontmann, ein klassischer Geiger oder ein Techno-DJ? Was ist das langfristige Ziel des 20 Jährigen?
Die allermeisten Musiker in meinem Umfeld verdienen ihr Brot nicht mit "Musik machen" wie man (bzw ich

) es sicht romantisch vorstellt (Riesen Bühnen, Tourleben, eigene Musik mit durchschlagendem Erfolg veröffentlichen), sondern haben entweder einen Nebenerwerb (Bürojob, Einzelhandel, Service, etc.) oder verdienen ihre Miete als Produzenten, Songwriter, Komponisten, Studiomusiker oder Musiklehrer, um an den Wochenenden dann mit der eigenen Musik in den Tourbus zu springen. Die allermeisten können so recht komfortabel und sicher leben, einige auch ihre Familie ernähren, aber mit Rücklagen bilden, Altersvorsorge etc. ist häufig nicht so viel. Das ist in meinen Augen das klassische "Musikerleben" heutzutage - nicht bitterarm, nicht reich, aber für den Moment ok. Richtig gute Musiker (also die, die wirklich viel geübt haben und dann auch noch sozial umgänglich sind) spielen meist in mehreren Bands parallel und sind den Großteil des Jahrs unterwegs (wenn nicht gerade Corona ist) und verdienen dann auch ganz gut.
Am Ende gibt es verschiedenste Wege mit "Musik" Geld zu verdienen. Allerdings gehört dazu ein gewisser Geschäftssinn, den man entweder haben oder wirklich trainieren muss. Viele Musiker die ich "scheitern" gesehen habe, sind entweder zu schüchtern und selbstunsicher oder zu freigeistig, so dass sie ihre ARBEITSKRAFT und ihre KREATIVE LEISTUNG immer unter Wert verscherbelt haben. Ich will hier nicht den riesen Kapitalisten raushängen lassen, aber wer für 30 Euro Sprit und 3 Getränkemarken Gigs spielt, und denkt davon ein Leben aufbauen zu können, der hat schon im Ansatz versagt. Die erfolgreichen haben entweder ihre ganze Energie in ihr Instrument und ihr spielerischen Können investiert, um quasi einen hochspezialiserten Job auszuführen, oder sie haben sich Diversifiziert und sich andere Fähigkeiten angeeignet, um aus dem Musizieren ein Business machen zu können. Wie gut dieses Business dann läuft, hängt dann wiederum von einem Haufen anderer Fähigkeiten und Faktoren ab...
So und nach langem Geschwafel: Ja natürlich braucht der 20 Jährige einen Job um Geld zu verdienen. Aber nebenher (ambitioniert!) an seiner Musikkarriere zu arbeiten und sich das Geschäft Stück für Stück zu erarbeiten, ist absolut machbar und kann man auch sehr empfehlen!