Ashdown Klystron 500 long

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Ashdown Klystron


Allgemein
Die Firma Ashdown hat seit ihrem Bestehen mehrfach die Verstärkerserie gewechselt, neue Amps hinzugefügt und herausgenommen, den Herstellungsort (Land) gewechselt und auch innerhalb der einzelnen Baureihen Änderungen vorgenommen. Gerade bei der recht teuren Klystron (später Classic) Baureihe fragt man sich, wodurch der enorme Preisunterschied zur ABM Baureihe gerechtfertigt ist.
Ich habe in den letzten Jahren einen ABM 500 EVO III RC, einen ABM 900 EVO II ("Made in PRC " = "Made in People's Republic of China“), einen ABM 500 EVO I (Made in UK) und aktuell einen Klystron 500 (Made in UK) in der „long“-Version, d.H. mit dem breiterem Gehäuse des 1000er, gespielt und recht deutliche Unterschiede im Klang vernommen (und darauf kommt es ja an!). Der Klystron ist in folgenden Versionen erschienen:
- Klystron 500 (470 mm Gehäusebreite, 575 Watt an 4 Ohm)
- Klystron 500 long (610 mm Gehäusebreite, 575 Watt an 4 Ohm)
- Klystron 1000 (610 mm Gehäusebreite, 2 x 575 Watt an 4 Ohm)




Ashdown Klystron 1000
1000.jpg





Ashdown Klystron 500
500.jpg





Der Klystron 1000 hat im Gegensatz zum 500er einen Stereo Effekt-Return, so dass man über ein dort angeschlossenes Stereo-Effektgerät auch richtige Stereo-Sounds fahren kann. Oder man schleift dort eine Frequenzweiche ein und betreibt der Amp im BiAmp Modus. Ist kein Gerät dort eingeschliffen, oder ein Mono-Gerät, so liefern hier beide Endstufen das gleiche Signal. Die beiden Endstufen des Klystron 1000 sind nicht Brückbar.
Lt. Manual haben die Amps der Klystron Serie goldbeschichtete Ein- und Ausgänge sowie einen teureren, hochwertigeren Transformator verbaut als „normale“ in Amps verbaute Trafos . Dieser stellt schneller die für Bässe benötigte Leistung zur Verfügung als herkömmliche Trafos und erzeugt ein schwächeres Magnetfeldt, was gerade Single-Coil Bässen zu Gute kommen soll.. Auch wird dort davon geschrieben, dass durchweg nur die besten Komponenten verbaut wurden (aber das schreibt ja jeder Hersteller).
Ich spiele den Ashdown Klystron 500 long nun etwa 6 Monate mit einem Fender USA PJ Precision in eine ABM 810 Box aus der EVO I Serie (Achtung: Bei den Boxen gibt es auch große Klangunterschiede!).


Übersicht/Datenblatt Klystron 500 long


Power Output

575 Watt

Power Requirement

230 Volt

Speaker Outputs

2 x Jack/Speakon outputs

Frequency Response

-3dB an 17Hz und 30kHz

High Instrument Input

Impedance 3.9m Ohm, input range 150mV -

Low Instrument Input

Impedance - 10k ohms Input range 300mv to 40v p - p

Line Input

Impedance 22k Ohms / Input level 0dBu nominal

Sub Output

Impedance 1k Ohm, level 0dBu Nominal

DI Output

600 Ohms balanced / Level -20dBu nominal With Ground Lift

Tuner Output

Impedance 22k Ohms, level 0dBu nominal

Impedance

minimum 4 Ohm

EQ

bass +/-15dB @ 45Hz Middle +/-15dB @ 660Hz Treble +/-15dB @ 7kHz shelving:
Slider 1 +/-15dB @ 180Hz
Slider 2 +/-15dB @ 340Hz Slid
Slider 3 +/-15dB @ 1,3kHz
Slider 4 +/-15dB @ 2,6Hz Slid

Effects Send

impedance 22k Ohm, Level 0dBu nominal

Effects Return

impedance 22k Ohms, Input Level 0dBu Nominal

Pre-Amp Tubes

1 x 12AX7

H x W x D (mm)

134 x 610 x 315

Weight (kg)

14
[TBODY] [/TBODY]

Aufbau
Der Amp hat eine einzige Eingangsbuchse, deren Empfindlichkeit per nebenstehendem Taster für aktive- oder passive Bässe angepasst werden kann. „Trocken“ angespielt, d.H. ohne EQ, Valve, Sub und Compressor, klingt der Amp sehr „vintage“. Knorzig und auch knurrig, aber ohne richtig tiefe Bässe und ohne richtigen Attack, eher Tiefmittig bis Mittenbetont. Der Grundsound ist aber schon hier erkennbar.

Preshape
Die Sonne geht für mich auf, wenn ich über den „Push Flat /Shape“ den von den Trace Elliot Amps bekannten „Preshape“ aktiviere, was im Grunde ja nichts anderes ist, als ein voreingestellter EQ im „Badewannenstil“.
Ich spiele den Amp übrigens in dieser Einstellung (+ ein wenig Valve) mit Plektrum und es kommt aus den Boxen ein Sound, der schon stark an den Basssound der Foo Fighters erinnert. Holzig, sehr druckvoll, viel Schub in den Tiefmitten und sehr aufgeräumt (detailreich) im Sound.

Valve Drive
Der Amp ist eigentlich ein Transistoramp, dem ich in der Vorstufe, über einen Taster zuschaltbar, eine 12AX7 Dual Triode Vorstufenröhre stufenlos hinzuregeln kann. Je nachdem, mit welchem Eingangssignal (aktiver Bass, passiver Bass) man den Amp füttert kann bei gleicher Valve-Einstellung deutliche Unterschiede in der „harmonischen“ Verzerrung wargenommen werden. Bei meinem passiven Preci habe ich den Regler bei ca. 11 Uhr. Damit habe ich bei leichtem bis mittlerem Anschlag einen cleanen aber warmen Sound und wenn ich dann mal richtig „reinhaue“, einen leichten Overdrive. Dreht man den Valve-Regler voll auf, hat man einen recht starken Overdrive-Verzerrer-Sound, den ich pers. nicht besonders mag. Für solche Zerrsounds gibt es m.E. bessere Alternativen in Pedalform.

EQ
Der schaltbare EQ ist in drei per Drehregler einstellbare Hauptfrequenzen und vier durch Schieberegler einstellbare Zwischenfrequenzen (siehe Datenblatt oben) einstellbar.
Der EQ greift stark und direkt ein, sobald man einen Regler bewegt. Frequenzmäßig liegt er für meinen Bass und meine Musik genau richtig, auch wenn ich ihn nur bei Wechsel von Plektrum auf Fingerspiel aktiviere.
Bass-Mitten-Höhen werden „grob“ mit den Drehreglern angepasst. Slider 1 sorgt für mehr oder weniger Schub im Tiefmittenbereich, mit Slider 2 betone ich den „Fender-Knurr“, Slider 3 sorgt für stärkeren (oder schwächeren) Attack. Das Geräusch von Saiten, die auf die Bünde scheppern (Steve Harris) und Greifgeräusche regle ich mit Slider 4. Natürlich kann das je nach Bass variieren, bei meinem Preci und bei dem Fender Jazz Bass eines Freundes funktioniert das tadellos.

Dual-Band-Compressor
Der zuschaltbare und regelbare Compressor ist m.E. gewöhnungsbedürftig. Er wird im Netz als Dualband-Compressor beschrieben, der sich unterschiedlich auf die hohen- und tiefen Frequenzen auswirken soll.
Aktiviert und dezent hinzugeregelt macht er erst einmal den Sound leiser und ein wenig „dumpfer“. Leiser ist ja auch OK, denn wenn man die Funktionsweise eines Kompressors verstanden hat macht er ja nichts anderes, als bei Überschreitung des Thresholds (bei soft-knee schon etwas früher) das Signal um die eingestellte Ratio zu komprimieren. Dieser Ein-Knopf-Kompressor hat leider diese Regler nicht. Auch das bei externen Kompressoren einstellbare MakeUp-Gain zum Ausgleich der geringeren Lautstärke fehlt. Es lässt sich nur die „Stärke“ der Kompression beeinflussen, was lt. Information von Ashdown eine Änderung des Thresholds, und der Ratio bedeutet. Attack wird über die Stärke des Eingangssignals automatisch geregelt.
Lt. Anleitung von Ashdown muss man den Input des Preamps so einpegeln, dass es keine Lautstärkeunterschiede zwischen eingeschaltetem und ausgeschaltetem Compressor gibt. Nur so arbeitet der Compressor optimal. Allerdings färbt der Compressor für meinen Geschmack das Signal zu sehr, so dass ich hierfür lieber auf meinen dbx 160xt Compressor zurückgreife, den ich in den Effektweg des Amps einschleife.
Dennoch verlängert der eingebaute Compressor das Sustain merklich und glättet auch das Signal bei zu dynamischem Spiel deutlich und bei richtiger Einstellung auch ohne zu „pumpen“ (was allerdings auch möglich ist, wenn man es möchte).

Oktaver
Den eingebauten, regel- und schaltbaren Oktaver nutze ich nicht, habe ihn aber trotzdem getestet. Er macht, was ein Oktaver soll und klingt auch bei Solopassagen oder Akkordspiel in den oberen Lagen sehr schön und voll. Mehr kann ich leider nicht dazu sagen, da ich für meine Musik keine Anwendung für einen Oktaver finde.

Tuner Out
Weiter rechts befindet sich ein leider nicht über Fußschalter schaltbarer Muteknopf, der das Signal vor der Endstufe und vor dem DI-Ausgang Stummschaltet. Lediglich der Tuner-Out an der Vorderseite des Amps bleibt aktiv. Das Muten wird durch das sehr helle Leuchten einer blauen Diode belohnt, die auf dunklen Bühnen dafür sorgt, dass man schon leicht geblendet wird.

Line Out
Dort, wo bei der ABM-Serie ein Sub-Out Anschluss sitzt ist hier ein „normaler“ Line Out zur Verbindung mit weiteren Amps/Endstufen angebracht.

D.I.
Der D.I. Anschluss ist lobenswert auf der gut zugänglichen Vorderseite untergebracht, so dass der Bühnentechniker nicht hinter den Amp krabbeln muss. Der D.I. ist pre/post schaltbar. Dies bedeutet, dass bei „pre“ das Signal vor den Eingebauten Effekten und vor dem EQ abgegriffen wird. „Post“ hingegen greift das Signal erst nach den Effekten und EQ ab. Die Qualität ist recht hochwertig, was mir bei Konzerten und Aufnahmen oft durch die Techniker bescheinigt wurde. Seit ich Ashdown Amps einsetze habe ich bei Konzertmitschnitten oder im Studio nie einen schlechten oder mittelmäßigen Sound gehabt.


Rückseite
Neben den beiden Lautsprecherausgängen, die als Speakon ausgeführt sind und an die man Lautsprecher mit einer Gesamtimpedanz von 4 Ohm (zusammen nicht pro Anschluss!!!) hängen kann befinden sich noch ein Effekt-Send, Effekt-Return, ein Line Input und ein Anschluss für einen 4-Wege Fußschalter.

Mit dem mitgelieferten Fußschalter kann man die Vorstufenröhre, den EQ, den Compressor und den Oktaver an- oder ausschalten. Leider nicht die Mute-Funktion.
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Verarbeitung und Handling

„Build like a tank“ könnte man schreiben. Der Amp sitzt in einem großen, sehr stabilen Holzgehäuse, das einem unerfahrenen Betrachter wohl einen Vollröhrenboliden vorgaukeln soll. In Wirklichkeit stellt sich heraus, dass die untere Hälfte des Gehäuses leer ist. Auch beim Gewicht ist schnell klar, dass 14kg nicht zu einem VollröhrenTop passen. Optisch macht er aber schon eine recht gute Figur und für mich, dem die Optik des Amps auf der Bühne auch wichtig ist finde diesen „Fake“ recht gelungen.
Dies erinnert mich aber auch an meine Basserzeit in den späten 80ern des vergangenen Jahrhunderts. Da war es üblich einen Amp hochzuheben und je schwerer der war, desto besser war der. Damals hatte ich einen Trace Elliot Amp bei dem auf der Grundplatte des Gehäuses eine 10mm dicke Stahlplatte geschraubt war, um dem Käufer mehr Gewicht zu vermitteln.


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Klang/Klangunterschied zur ABM Reihe

Ashdown Amps haben einen eigenen Klang. Dieser ist nicht neutral sondern auch bewusst färbend ausgelegt. Ich finde, dass man diesen leicht kehligen und warmen Sound gut mit „british sound“ beschreiben kann. Er erinnert mich oft an den Sound meines alten Trace Elliot aus den 80ern, ist jedoch noch ein wenig „moderner“ ausgelegt.
Klanglich ist er wohl am besten in der „Rock-Ecke“ aufgehoben wo er seine Tiefmitten im Bandkontext so richtig ausleben kann. Er macht sich aber auch gut bei Soul und Blues. Durch den guten Einsatzpunkt des 7-Band EQs ist der Amp auch recht flexibel.
Der Unterschied zur ABM Reihe liegt m.E. an dem „höherwertigen“ Klang des Klystrons.
Dies habe ich schon innerhalb der ABM-Reihe bemerkt, als ich von meinem ersten ABM 500 RC EVO III auf meinen ABM 500 EVO I Top umgestiegen bin. Ashdown hat anscheinend zu Anfang höherwertige Komponenten verbaut und später mehr auf die Kosten geachtet.
Alle Ashdown-Amps haben den typischen Ashdown Sound und die Änderung des Sounds ist schwer zu beschreiben und wird auch erst so richtig im direkten Vergleich deutlich.
Am besten zu beschreiben ist der Unterschied von der schon sehr guten ABM EVO I Serie zur Klystron Serie wohl so: Wenn man zu Hause seine LieblingsCD über eine teure Bose-Anlage hört ist der Klang schon richtig gut. Setzt man aber einen guten Bose-Kopfhörer auf, so wird der Klang anders und in der Regel besser. Die höhen kommen feiner, die Bässe druckvoller und differenzierter und der Klang wird „räumlicher“.
Dies fällt aber nur auf, wenn man die beiden Amps direkt nebeneinander stellt und vergleicht.
Bei den ABM EVO I und dem Klystron bewegen wir uns aber m.M. nach schon auf einem recht hohen Klangniveau und lässt sich gut beschreiben mit den Worten „Ampeg goes british“, auch wenn es wahrscheinlich dafür Proteste hageln wird ;-).

Fazit
Alleine durch das andere Gehäuse, den „besseren“ Komponenten und den dadurch resultierenden relativ geringen Klangunterschied zur alten ABM Reihe ist der fast doppelt so hohe Verkaufspreis nicht zu rechtfertigen. Das wird auch der Grund sein, warum Ashdown sehr wenige davon verkauft hat und die Produktion schnell eingestellt wurde. Zum Glück für mich sind gebrauchte Ashdown Amps zur Zeit für einen absoluten Schleuderpreis zu bekommen obwohl die Anzahl der professionellen Ashdown Bassisten doch recht hoch ist und auch sehr bekannte Namen aufweist.
Ich denke, der eher mittelmäßige Ruf der Ashdown Amps ist auf die relativ schwache ABM EVO III Serie zurückzuführen, da diese nicht so richtig den typischen, warmen, britschen Ashdown Sound produzierte wie die EVO I und die ersten Amps der EVO II Serie.
Die Klystron Serie hat wieder diesen „british“ Sound, mit dem auch professionelle Studios oft werben. Der Klystron ist stabil gebaut, sieht optisch aus wie ein Vollröhrentop, kann sehr laut werden und ist ein echter Rocker.

Ashdown Klystron 500:
ListenPreis: 1350 Euro, Straßenpreis: 1150 Euro, Gebrauchtpreis: 500 - 550 Euro

Ashdown Klystron 1000:
ListenPreis: 1950 Euro, Straßenpreis: 1750 Euro, Gebrauchtpreis: 650 - 750 Euro
 
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