Balg.... und Klang (??)

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Meisterklasse454
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Hallo zusammen,

Habe soeben diese Thread gelesen... Hochachtung an die jenige hier, die solche Fantastische Arbeit geleistet haben!!!!

Da ich, leider, die notwendigste Handwerklichen-Fähigkeiten dafür gar nicht besitze, ist für mich die Idee, ein Balg zu bauen (?!), nicht relevant. ALLERDINGS, frage ich mich, was für ein Klang-Unterschied kann ein Balg machen?

Hat jemand hier etwa Erfahrung damit gesammelt?

Überhaupt ist es für mich schwer vorzustellen, das verschiedene Materialen (z.B. - ein anderer Art von Pappe, Klebstoff, Holz usw.), das gleiche "klingen". So etwas ist normalerweise nicht möglich. Dazu soll verschiedene Balge auch unterschiedliche Bewegungen erlauben, auch die Sinnesempfindung des Spielers darf anderes als zuvor sein...

In andere Worte: Der Balg darf schon Einfluss auf den Gesamtklang habe. Nun frage ich mich, welche?

Gruß,

Mkl.454
 
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Hallo Meisterklasse454,

eine interessante Frage! Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass der Balg selbst klangbeeinflussend ist. Die Funktion des Balges ist ja, Druck zu erzeugen, damit die Zungen ansprechen. Der Druck sollte möglichst gleichmässig alle Zungen erreichen, Resonanzen im Balg selbst und andere akustische Phänomene sind nicht zu erwarten.

Einen Einfluss hat wohl das Gehäuse, dessen Abmessungen, Proportionen und Gestaltung, sowie Form, Material der Stimmstöcke und der Füllung etc.

Was mir aber bei der Morino der M Serie auffiel, ist die geringere Faltenanzahl gegenüber anderen Instrumenten: das beeinflusst die Balgarbeit und dadurch können sich auch Auswirkungen auf den Klang ergeben.

Grüsse, accordion
 
Hallo Meisterklasse 454,

so profan es klingen mag, aber die Art, wie der Balg gefertigt ist und aus was der gefertigt ist, hat praktisch überhaupt keinen Einfluss auf den Akkordeonklang.

Und das kommt daher, dass das Akkordeongehäuse anders als bei der Geige oder so nicht in Form von Resonanz am Klang beteiligt ist, das haben vierschiedene Untersuchungen (z.B. von Gotthard Richter ) gezeigt - mehr als ein leichtes Vibrieren ist da leider nicht. Damit wird kein Schall aktiv durch das Gehäuse (wozu ich hier auch den Balg zähle) übertragen und das Gehäuse kann damit eben nur den Schall beeinflussen, der die Oberfläche trifft. Dort wird der Schall absorbiert, reflektiert oder gestreut - aber eben wieder nach innen und so gut wie gar nicht nach außen und ist somit am hörbaren Klangbild ziemlich unbeteiligt.

Nur der Schall, der durch die Kanzelle und die Füllung und durch das Verdeck (bzw. das Bassverdeck) nach außen kommt ist klangbestimmend. Aber hierfür ist außer der Stimmzungen eben nur noch die Kanzelle und deren Oberfläche, die Füllung und die Gestaltung des Verdecks (evtl. noch mit Jalousie) an der Klangbildung beteiligt. Und den gleichen Weg muss der Schall auch nehmen, der in das Innere des Gehäuses abgestrahlt wird - sonst kann man den ja nicht hören und damit nimmt er den glecihen weg wie der restliche Schall und wird auf die gleiche Weise beieinflusst und somit wiederum nicht von dem Schall unterscheidbar, der sowieso gleich den Weg nach aussen genommen hat.

Aber das ist nicht nur negativ, sondern für das Gerät vielleicht sogar eher von Nutzen, denn dann kann man die Gehäuseform und die Balgformung ganz nach den Gesichtspunkten für den Gebrauch fertigen - oder auch nach optischen, je nach dem. So kann man den Balg so bauen, dass er leicht und leise funktioniert und möglichst wenig Gegenkraft aufbaut, ohne dass man auf akkustische Dinge achten muss.:)

Gruß, maxito
 
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Bälge können nicht die Klangfarbe verändern. Allerdings klingen beim Wechseln und besonders beim Shaken verschiedene Bälge schon unterschiedlich. Meine aktuellen Instrumente schlagen allesamt relativ weich auf. Dadurch ist beim Shaken kein akurrater Tonbeginn möglich. Dazu kommt eine schlechte Ansprache der Zungen.
Mein bester Balg hatte einen exakten Anschlagspunkt und entwickelte einen charakteristischen und sicherlich empirisch ermittelten eigenen Schwung, der das Shaken leichter machte und beim Wexel eines weit geöffneten Balgs trotzdem keine Vibrationen verursachte. Einmal zum Shake angestossen schwangen die Kanten (aus Messing) von selbst weiter und es war nur wenig Kraft erforderlich. Die selbe Spielweise klang auf einem anderen mäßigen Instrument schwächlich und heisser. Der Balg und der Anschlag machen auch selbst Geräusche, die ich gern einsetzen würde. Das ist ein bischen wie beim Türenzuschlagen einer Autotür. Bei BMW sitzen Sounddesigner für Türschlösser! Bei Bälgen wird im Moment scheinbar garnicht darauf geachtet.
Den schlimmsten Balg habe ich an einem Bandoneon. Dessen Widerstand nimmt 5 cm vor dem Schließen dermaßen zu, dass es bei normal weitergeführtem Kraftaufwand leiser wird und es fühlt sich an wie ein Gummipolster. Wenn das nicht Klangbeeinflussend ist?
Das Roland hat ähnliches Problem beim Aufziehen ... schon nach 20 cm Öffnung wird es ungemütlich schwer. Außerdem fehlt ein bischen das Eigengewicht des Bassteils.

Tut mir leid ... ich bin wieder der Meckeronkel. Aber (Balg)Spielbarkeit wirkt sich definitiv auf den Klang aus.
 
Um mal salopp zu antworten: Gut gemeckert, Onkel :great:!

Da fällt mir ein: in neuer und frei improvisierter Akkordeonmusik wird der Balg als Klangerzeuger eingesetzt: Rasseln mit den Balgecken, Schlagen auf den Balg und ripschen über die Balgkanten etc. Da werden die Bälger sicher unterschiedlich klingen.

exakten Anschlagspunkt

beim Balg: da brauch ich noch eine kleine Steighilfe: was ist das?
 
Danke für Dein Verständnis ;-)

Ein exakter Anschlagspunkt ist, wenn es beim Schließen keine Bremsung gibt sondern wenn es beim Aufschlagen der Balgkanten relativ hart zu geht aber ohne zu knallen.
Eine andere Option ist auch zwischen den Falten - auch dort darf es nicht kleben oder Widerstand geben sondern es muß leicht gehen und die Steifheit sollte mit dem Gewicht und dem Material harmonieren um diesen Eigenschwung zu bekommen.
 
Hallo Accordion, maxito, Klangbutter!

Ich bedanke mich herzlich für die sehr interessante und informative Auskünfte!

Irgendwann bald werde ich zweiten Balg, für meine andere Akkordeon, beschaffen. Es liegt also „auf dem Hand“, einer zweite Kompletbalg (mit Rahmen) zu haben – und beide dann zu vergleichen...

Ich neige jetzt (dank eure exzellente Infos!), etwa härtere Balg zu probieren, auch wegen das Bellow-Shake und die Anschlagspunkt. Dazu kann es schon sein, das man ein ganz andere Gefühl beim gleich Instrument bekommt, allein wegen das Balg härte, wiederstand usw., die sein Spielart entscheiden beeinflussen!! Dadurch können auch die Auswirkungen auf der gesamten Spielart, mächtig sein, Klang inklusive.

Apropos meine Überlegung betr. Klangveränderung durch Nützung von verschiedenen Balg-Materialen: Ich frage mich, wieso dann, verändert sich die Klangfarben einer Bassteil, wenn man eine Jalousie auf dem Diskant aktiviert? Das musste ich mal erlebt habe (ich habe z.Z. keine solche Akkordeon).
Oder, irre ich mich hier, und waren es nur die Klang-Volumen am Bass die sich geändert haben?

In andere Worte: Ich neige es, auf“ Rechnung“ das Gehäuse, und insbesondere auf Rechnung des Balg Aufbau und materialen, zu liegen. Denn der Klang vom Bass, musste dann durch den Balg nach innen gehen, bis das Diskant-Verdeck (z.B. mit Jalousie) der ihm etwa „bremst“ - und dann Ihm zurück, nach links und durch das Bassteil, sendet. Also – als Reflektion.

Leicht zu experimentieren, wäre es wenn Jemand hier, eine Jalousie hat: Spiel mal bitte nur die Bässe, und hört durch deine Linke Ohr (...) , ob das Bassklang, das gleiche ist, mit und ohne aktivierte Jalousie im Diskant. Sind die Volumen ander, oder die Farben sogar?

Eventuell liege ich hier ganz Falsch; nun, falls eine Merklich Unterschied gibt, dann soll es wegen die Einflusse die den Klang, drinnen, ins Gehäuse, bekam. Dazu gehört auch den Balg, versteht sich.

Hat jemand hier, vielleicht, 2 Bälge für das gleiche Instrument? Dann kann man es leicht ausprobieren...

Besten Dank,

Mkl.454
 
Es ist von entscheidender Wichtigkeit, daß die Balgpappe langlebig ist und der Balg nicht wie Gummi funktioniert.

Der Schall sucht sich jede Möglichkeit, um aus dem Akkordeon herauszukommen. Das meiste geht durch das eigene Tonloch, ein Teil geht durch den Balg, was dann der Spieler stärker als der Zuhörer hört, und ein geringer Teil kann natürlich auch durch die offenen Diskantklappen gehen. Dieser Teil dürfte aber verschwindend gering sein, weil vor dem Tonloch noch die Stimmplatte sitzt, die selbst schwingt und somit die tiefen Töne sehr stark überdecken dürfte. Ich kann mir daher nicht vorstellen, daß man Unterschiede im Baß hört, wenn man im Diskant die Jalousie einsetzt, zumal die Wirkung der Jalousie ja auch nicht beträchtlich ist.

Grüße

Ippenstein
 
An d. Runde,

Heute fand ich die folgende Info beim Marconi Bellows (Castelfidardo):

"The bellows are the lungs of the accordion but they are the resonance box too; a good sealing and the composition in cellulose fibre
of the cardboard give the instrument a clean sound. In fact, our cardboard is a phonoreverberating one, in other words it obsorbs the sound".

Na, so was!!!!

Ich hätte sehr gerne damit experimentieren; vielleicht gibt es gerade hier ein Teil des Antworts. Ach ja, auch ein Cassotto Instrument kann
davon profilieren (oder umgekehrt). Ich z.B. hätte sehr gerne zumal eine meine cassotto Akkordeons, mit reichlich "Cellulose Fibre" bereichern.

Man muss am Ball bleiben :bang:

Grüß,

Mkl.454
 

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