Band = Ansammlung von Egozentrikern und Selbstdarstellern?

von Shitbreak, 20.10.06.

  1. Shitbreak

    Shitbreak Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    10.02.05
    Zuletzt hier:
    6.08.10
    Beiträge:
    179
    Ort:
    Ex-Hauptstadt
    Zustimmungen:
    0
    Kekse:
    175
    Erstellt: 20.10.06   #1
    Jetzt ist es passiert: meine Band hat sich mit viel bösem Blut und Ärger aufgelöst. Die Sache begann vor etwa einem Jahr recht vielversprechend: ein guter Drummer und ich an der Gitarre. Dann kam der zweite Gitarrist dazu, der - aufgrund einiger weniger Banderfahrung - sofort die Rolle des Songschreibers und Leadgitarristen an sich riss. Der Bassist war auch schnell gefunden, und schließlich auch noch ein durchaus passabler Sänger gefunden. Und dann begann das Unheil: der Sänger brachte seine fundierten Musikkenntnisse ein (hauptberuflich Musikstudent), der Leadgitarrist fühlte sich angepisst, weil man an "seinen" Songs rumbastelte, dem Drummer wurde alles zu blöd, weil in den Proben halt nicht nur ständig laut und schnell gespielt wurde, sondern auch mal am Sound geschraubt werden musste oder aber einfach Absprachen zwischen den Gitarrenmännern getroffen werden mussten. Der Bassist spielte nur noch mit fast voll aufgerissenem Amp, weil er der Meinung war, dass das so viel geiler käme.. Dazu kam ständiges "Dazwischenspielen" in den Pausen, Egogezocke an den Instrumenten und null Verständnis für die Belange der jeweils anderen.
    Dann kam es schließlich zum Eklat, als der Sänger gern Backgroundgesang haben wollte, aber der Leadgitarrist leider nun mal gar nicht singen konnte und stattdessen meine Wenigkeit eingesprungen ist.
    Die Folge all dieser Dinge war die komplette Auflösung: zuerst wurde mehr oder weniger hinter meinem Rücken der Sänger gekickt, dann bin ich ausgestiegen, weil der Rest lieber plötzlich ganz andere Musik machen wollte .. wie gesagt: die Songs waren ursprünglich alle vom Leadgitarristen.....

    Lange Rede, kurzer Sinn: warum zur Hölle sind denn derart viele Musiker solche Egozentriker, die einfach nur "ihr Ding machen wollen", ohne auf die anderen in der Band Rücksicht zu nehmen? Mir ist bewußt, dass jeder, der sich auf die Bühne stellt, einen gewissen Hang zur Selbstdarstellung hat, aber muss das denn um jeden Preis sein, ohne jegliche Rücksichtnahme oder Teamarbeit? Ich bin es aus anderen Lebensbereichen gewohnt, im Team zu arbeiten, denn nur so kann man brauchbare Ergebnisse bekommen.
    Habt Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Gibt´s überhaupt Bands, in denen es keine derartigen Egozentriker gibt? Bei Berufsmusikern sehe ich das ja noch ein, aber ich mach das als Hobby, das eigentlich Spaß machen und nicht wie in der Endphase ein ständiger Kampf ums musikalische Überleben innerhalb der Band sein sollte.
     
  2. rockbuerosued

    rockbuerosued HCA Musik-Praxis/Recht HCA

    Im Board seit:
    30.03.05
    Zuletzt hier:
    14.04.16
    Beiträge:
    685
    Ort:
    Musikakademie Schloss Alteglofsheim
    Zustimmungen:
    59
    Kekse:
    4.793
    Erstellt: 20.10.06   #2
    Wir machen genau zu diesem Thema Workshops mit dem Produktionsleiter der "Sportfreunde Stiller". Dessen Meinung und langjährige Erfahrung (früher selbst Frontman der "Schweißer" mit über 1.000 Gigs in Europa) lässt sich kurz und knapp bündeln:

    Wer nicht begreift, dass die Band eine Mannschaftssportart ist, der sollte lieber schussern gehen!

    Buffos Philosophie: schau nicht darauf, dass du selbst dich in den Vordergrund spielst, sondern achte darauf, dass auch deine Mitspieler in den Vordergrund gerückt werden!

    lg.
     
  3. stylemaztaz

    stylemaztaz Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    19.02.06
    Zuletzt hier:
    29.11.16
    Beiträge:
    1.257
    Ort:
    Pappkarton unter der Isar
    Zustimmungen:
    17
    Kekse:
    780
    Erstellt: 20.10.06   #3
    hm, musik ist ne ziemlich intime sache, obs jetzt ums herzschmerzraussingen oder 2000kmh skalen durchfrickeln...da möchte man eigentlich keine kompromisse eingehen(das tun so gitarristen mit ihrem equipment ja auch nicht...).
    k.a. was sich dein leadgitarist gedacht hat...ich schreibe auch alle songs, aber ich finde es sauanstrengend und würde mich über unterstützung oder songs von meinen bandkollegen saumäßig freuen...naja, jedem das seine...

    denk ma, es gibt nun mal die egozentriker und die die teamsmäßig unterwegs sind...kommt nur drauf an ob die teamplayer die egos im schach halten können:D

    greetz

    stylemaztaz
     
  4. monomoon

    monomoon Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    28.05.06
    Zuletzt hier:
    10.10.09
    Beiträge:
    40
    Zustimmungen:
    0
    Kekse:
    10
    Erstellt: 20.10.06   #4
    Meine schneller Rat:

    Schnapp dir den Sänger und sucht euch neue Musiker. Einen Sänger findet man nicht leicht, und dass der Musikstudent ist macht ihn nahezu unersetzlich. Wenn du zu Backgroundgesang in der Lage bist, dann ist das perfekt.

    Ansonsten darf es in einer Band meiner Meinung nach nicht darum gehen, die instrumentalen Fähigkeiten der Musiker hervorzuheben, sondern vielmehr darum, gute und präzise zusammengespielte Musik zu machen.

    Christian
     
  5. Ruonitb

    Ruonitb Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    22.08.04
    Zuletzt hier:
    20.10.15
    Beiträge:
    758
    Ort:
    Konstanz
    Zustimmungen:
    6
    Kekse:
    831
    Erstellt: 20.10.06   #5
    Naja, ich denke, dass es in jeder Band jemanden geben sollte, der zeigt, wo es lang geht...das ist natürlich nur bis zu einem gewissen Maße gut aber es wird schon jemand gebraucht, der Entscheidungen trifft.

    Ich schreibe in meiner Band auch fast alle Lieder inklusive Texte...habe aber nichts dagegen, wenn jemand anderes mal was macht oder vorschlägt - ich bin sogar sehr froh darüber, wenn sich andere auch engagieren, da ich sonst das Gefühl hätte, dass den anderen an der Band nichts liegt und nur ich dafür "arbeite".

    Ein bißchen Egoismus gehört wahrsch. schon dazu...wenn ich ein Lied schreibe und dann irgendwo ein Solo von mir einplane ist das natürlich (wenn auch vielleicht nur unbewusst) schon eine kleine "Selbstglorifizierung". ;)
    Aber wie gesagt, wenn ich auch für alle anderen solche "Momente" einplane, dann ist das vollkommen ok.

    Im Großen und Ganzen geht es aber beim gemeinsamen Musizieren immer nur um Kompromisse, denn es kann nicht jeder immer mit allem zufrieden sein...wenn das so wäre, dann wäre die Musik wahrsch. auch recht langweilig.
    Aber wer nicht fähig ist, Kompromisse einzugehen und auch andere Vorschläge und v.a. Kritik zu akzeptieren und anzunehmen, der wird sich wahrsch. nicht gerade bei den anderen Bandmitgliedern beliebt machen und ergo auch nicht unbedingt viel Erfolg haben.

    Such dir einfach neue Leute und berede mit ihnen gleich am Anfang, was du dir vorstellst und v.a. was sie sich vorstellen. Stelle klar was du gerne hättest und gehe auch auf ihre Wünsche ein.

    Nur so wird es funktionieren und Spass machen. :)
     
  6. Matt Damon

    Matt Damon Gesperrter Benutzer

    Im Board seit:
    26.09.06
    Zuletzt hier:
    16.11.06
    Beiträge:
    99
    Zustimmungen:
    0
    Kekse:
    10
    Erstellt: 20.10.06   #6
    ich hab mit meinem leadgitaristen ein irrsinniges glück da er quasi genauderselbe mensch wie ich ist, egal wo aber vorallem musikalisch...blindes verständnis sag ich nur...

    wir beide setzen uns immer zusammen und basteln herum...und meistens wirds geil...

    das problem ist das manche leute sich eben denken das sie das so wie sie das machen am besten ist und sich ja niemand einmischen soll, weil er nicht previlegiert ist dafür....dasselbe problem hätte ich auch....ich würde nicht wollen das sich einer einmischt, ganz ehrlich, wenn ich eine exakte version von etwas im kopf hab und jemand pfuscht mir rein hasse ich das...vorallem von leuten die sich weder in den song reinfühlen können noch ihn verstehen...

    wie gesagt zum glück der lead und ich uns so ähnlich sonst würden wir wahrscheinlich auch schon streiten....:D
     
  7. HellPaso

    HellPaso Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    24.09.06
    Zuletzt hier:
    6.11.12
    Beiträge:
    2.222
    Zustimmungen:
    7
    Kekse:
    3.148
    Erstellt: 20.10.06   #7
    Ich glaube, dass einen erfahrung mit Bands eine tiefe soziale Erfahrung ist die man schon fast mit Liebe und Famile (nur halt nich so extrem) vergleichen kann. Ein paar menschen, die von grund auf verschieden sind, machen miteinander Musik. Und man muss sehr gut mit Menschen umgehen, damit es klappt und immer bei sich selbst anfangen, wenn es probleme gibt, nicht die schuld den andrern zu geben.

    Ich spiel seit 1 Jahr in meiner Hauptband und dann noch in einer Band der Musikschule. In meine "hauptband" ist es einfach wunderschön, obwohl es auch streitigkeiten gibt. Wir haben 4 leute, vielleicht liegt es daran, weil es sonst schwer wäre (wenn 2 Gitarristen in ner Band spielen gibts fast immer streit) . Aber ich glaube auch daran, dass wir eine klare Gewalteneinteilung haben, kurz:

    Sänger schreibt alle Texte (es sei denn jemandem anderen fällt was gutes ein)
    Gitarrist schreibt alle Gitarrenparts (es sei denn jemandem anderen fällt was gutes ein)
    Bassist schreibt alle....

    Allerdings ist es nie so, dass 4 leute 4 verschiedene sachen machen. Das alles macht jeder für sich zu hause, bei der Bandprobe hören wir uns alles an, gucken, was gut ist und arbeiten diese Ideen aus. Und jeder ist in jedem part angagiert, so dass jeder alles klar versteht und es an jeder kleinigkeit ein bisschen (mal mehr, mal weniger) beteiligt ist.

    Ein Beispiel der heutigen bandprobe.
    2 unserer Songs haben das Problem, dass sie einfach nur ein Gitarrensolo als ende haben und nie jemand weiß wie es weitergeht und wann nu schluss ist. Nun hatte ich gestern beim pennen gehen ideen für die Songs. Also komm ich heut zur probe und frage, wie sie die Outros mögen. Nicht so sehr, sagten sie. Also habe ich ein paar meiner ideen vorgestellt, Drummer machte ein paar änderungen, Gitarrist und Sänger fanden eine sache nicht gut, die wurde gekickt. Dann wurde dran gearbeitet und schwupp...nach 40 minuten hatten wie Outros, die alle mögen und wirklich richtig gut klingen!!!!

    und so weiter und so fort. So kann jeder an seinem Part so arbeiten, sich allerdings auf alles andere voll konzentrieren.
    Bei der Bandprobe läuft es immer ähnlich ab.
    1. Auffrischung von bereits gemachten songs (setlist üben) c.a 30 min.
    2. Besprechung der Zukunft (Pläne, Gigs etc.) c.a. 15 min
    3. Gemeinsame Essenspause, wo es mal um Musik, mal um anderes geht - c.a 15 min
    4. Ausarbeitung und Erschaffung eigener Songs - c.a 60-80 min.

    "überstunden"
    (5. das, was nicht geklappt hat, nochmal üben) hängt davon ab

    Das hat keiner "aufgestellt" oder einfach mal gesagt, dass wir das machen. Wir haben uns das einfach angewöhnt.

    ABER ES GEHT NIE OHNE
    KOMPROMISSE.

    Am anfang will unser Drummer nur covern, Gitarrist und Sänger isses egal Bassist will nur eigene SOngs schreiben und nicht covern.
    Kompromiss: Covern und nebenbei Songs schreiben. Mittlerweile ist der Drummer auch auf der "eigenen Song"-seite, d.h. wir schreiben nur noch eigene.

    WEITERE PUNKTE:
    1. SOFORT MIT DER WAHRHEIT KOMMEN UND NIX DEM ZUFALL ÜBERLASSEN

    d.h. SOFORT sagen, wenn einem was nicht gefällt, weil 1. kann man alles verbessern und 2. kann man vorbeugen und 3. man möchte nix spielen, was einem nicht gefällt.

    2. ANDERE IDEEN RESPEKTIEREN.

    d.h. wenn jemand kommt (z.B Bassist), der dem Gitarristen eine Akkordfolge oder nochwas aufgeschrieben hat, dann sollte der GItarrist es auch spielen und nicht sofort sagen "ach nee, das mach ich schon selber" ohne das überhaupt auszuprobieren. Genauso bei anderen. Und wenn es nur ein grobes strickmuster ist , dann kann man ganz leicht eigene Einflüsse miteinbeziehen.

    3. KEINEM DIE "ALPHA-WEIBCHEN" POSITION GEBEN

    In einer normalen Band ist jedes Mitglied gleichwichtig (es sei denn es ist eine Begleitband für nen SOlomusiker). Man sollte es sich von keinem Lead-Gitarristen sagen lassen, was man tun "MUSS". Dafür ist die Musik gar nicht da. Man kann sich sagen lassen, was man tun KANN, aber MÜSSEN gibt es in der Musik NIEMALS!!!

    UND ZUM ABSCHLUSS.


    Eine Band ist eine positive Erfahrung und eine brilliante zwischenmenschliche Beziehung, die man auskosten und nutzen sollte, statt sie zu zerstören. Und das gilt für alle Mitglieder.
    Das allerwichtigste ist absolutes VERTRAUEN!




    Sorry, aber ich musste das jetzt einfach schreiben...ich konnte nicht anders. :cool:
     
  8. d3r_pAPsT

    d3r_pAPsT Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    23.03.06
    Zuletzt hier:
    14.06.12
    Beiträge:
    238
    Ort:
    Siegen
    Zustimmungen:
    0
    Kekse:
    22
    Erstellt: 21.10.06   #8
    hi,
    zu diesem thema kann ich ein lied singen.
    auch in meiner band SYMBIOTE hatt es ähnliche bzw. die gleichen probleme gegeben.
    nachdem wir uns von unserem alten sänger getrennt hatten, spielten wir alleine, aber natürlich immer auf der suche nach einem sänger, im keller des bassis. und dann fingen so langsam die probleme an. jeder wollte einfach zu viel von sich beisteuern. wir sahen nicht das gesamtpacket, sonder nur noch unsere eigenen lines. aber zum glück ist uns das schnell aufgefallen, und wir haben drüber gesprochen. nach ner zeit legte sich das dann auch. und wir fingen an richtig schönen melodic metal zu machen.
    ich könnte noch tausend zeilen verfassen, aber da hab ich keine lust zu :-D
    im endeffekt kann ich nur sagen: wenn die chemie bei uns nicht so super wäre, gäbe es uns schon lang nicht mehr. und ich denke man muss sich einfach von vornherein super verstehen, wissen was man will und gemeinsam dran arbeiten. keine geheimnise haben und direkt offen über probleme reden.
    und so können wir heute sagen, dass wir echt super zusammengewachsen sind.
    seit ein paar wochen haben wir auch wieder einen sänger. den habe ich zufällig über´s internet kennen gelernt. ein sehr netter und talentierter mensch, der sich super in die band einlebt.

    naja das war jetzt mal meine situation...

    achja kann meinen vorredner/schreiber nur zur probengestaltung beglückwünschen. :)
    sieht bei uns nich anders aus.
    1. setlist üben
    2. kurze pause
    3. an neuen songs arbeiten/songs verfeinern
    4. nochmal setlist durchspielen

    wir haben uns als nächstest ziel gesetzt einen ereits vorhanden song mit dem neuen sänger einzuspielen und einen neuen fertigzustellen.
    wenn wir diese zwei soings fertig haben spielen jede probe nur die setlist rauf und runter. dann spielen wir ein paar gigs....
    ..... und dann schreiben wir wieder neue songs.
     
  9. HellPaso

    HellPaso Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    24.09.06
    Zuletzt hier:
    6.11.12
    Beiträge:
    2.222
    Zustimmungen:
    7
    Kekse:
    3.148
    Erstellt: 21.10.06   #9

    Aaaaaaaaammmmmeeeeeennnnnn........:great::great::great:
     
Die Seite wird geladen...