Beratung: Preisunterschied/Einspielzeit

von Ich-bin-doof, 05.01.07.

  1. Ich-bin-doof

    Ich-bin-doof Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.01.07   #1
    Hallo,
    hab nach langen lesen in diesem Forum beschlossen mich auch anzumelden :great:

    ich wollte fragen, was ihr zu dieser Gitarre sagt:
    https://www.thomann.de/de/cort_earth_70_ns.htm

    ntürlich nicht die beste Gitarre, aber besser als die ganzen einsteigermodelle finde ich sie auf jeden fall. 150€ will ich vorerst max. ausgeben um zu gucken ob es was für mich ist.


    hat eine decke aus massiver fichte und mahagoni zargen/hals/boden. Ist doch eigendlich recht gut.
    oder was muss ich bei einem kauf sonst noch so beachten?

    lohnt das sich überhaupt?...also sind die teueren Modelle vom Klang her so verschieden?
    oder warum sind die teurer?

    kann mir bitte auch noch jemand etwas über das 'einspielen' erklären (i-wie gibt es nach ein paar 100spielstundne ein besseren sustain oder so) :confused:
    woher erkennt man, wie lange man braucht um die einzuspielen???

    ok des war's schon
    gruß,
    Lucas :D
     
  2. S.Tscharles

    S.Tscharles Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 06.01.07   #2
    Hi!
    Nachdem Dir scheinbar niemand antworten will, übernehm´ ich es eben.
    Zu Deiner ersten Frage:
    Meiner Meinung nach ist die Cort vor allen anderen Marken in der Preisklasse die beste Wahl, wenn es etwas teurer sein darf, schau mal da:

    Musik-Treff im Turm, Sommerhausen
    und dann nach Tanglewood TW12 oder 15.

    Die Tanglewood-Gitarren wurden zumindest teilweise bei Cort gebaut, waren aber besser ausgestattet als diese, und sind in England (und langsam auch bei uns) hinsichtlich des Preis-/Leistungsverhältnisses der Geheimtip.
    Daß ich immer auf denen herumreite, und die anderen Marken wie Fender, Yamaha, Crafter und Harley-Benton nicht erwähne, hat schon seinen Grund, weil ich schon etwas Vergleiche ziehen kann (krieg aber trotzdem keine Provision.
    Die Tanglewood könnten auch deswegen eine Alternative sein, weil die von Dir ausgesuchte Gitarre bei Thomann ja erst auf Anfrage wieder lieferbar sein wird.
    Zur Einspielzeit:
    Als Faustregel gilt die vier.
    Wenn eine Akustik-Gitarre vier Winter durchgemacht hat, und dann immer noch in der ursprünglichen Form ist, wird sie wahrscheinlich Ewigkeiten überdauern (natürlich nur bei sachgerechter Behandlung/Lagerung/Pflege).
    Für´s Einspielen gilt das gleiche, also etwa vier Jahre, bis eine Fichtendecke ihren vollen Klang hat. Man kann mit viel Einsatz zwar schon eher mehr Ton/Dynamik aus der Gitarre herauskitzeln, aber das vorläufige Endergebnis stellt sich eben erst nach dem genannten Zeitraum ein. Wird die Gitarre dann weniger gespielt, wird sie wiederum eine gewisse - kürzere - Einspielphase benötigen, um wieder voll da zu sein.
    Wichtig beim Einspielen ist auch, daß man wirklich das gesamte Griffbrett bearbeitet, da eine Gitarre, die nur in den unteren Lagen gespielt wird, oder auf der nur offene und Barre-Akkorde gespielt wurden, anders klingen wird, als eine, mit der wirklich alles gemacht wurde, also sowohl Rhythmusarbeit wie Melodie-/Solospiel.
    Und ob man eben nur mit den Fingern, oder nur mit dem Pick spielt, bzw. ob man wirklich richtig laut (also mit Kraft) oder sehr zart spielt,macht auch noch gewaltige Unterschiede.

    Zeder gilt hier nicht, da die schon fast ihren vollen Tonumfang hat, und zumindest bei den billigeren Gitarren im Laufe der Zeit auch wieder Ton verliert.
    Zweiter Nachteil von Zeder: Sie bringt als Deckenholz nicht die Dynamik, die sich durch eine Fichtendecke erreichen lässt, zumindest bei baugleichen Gitarren.
    Ich hoffe, das hilft Dir etwas weiter.
    Und falls Du noch mehr Informationen brauchst, dann hangel Dich mal durch die Seiten von dem Herrrn hier:

    http://www.xn--karl-jrgen--klimke-r6b.de

    Dort finden sich auch noch eine Menge Informationen, die man woanders nicht unbedingt bekommt.

    Und das wär´s jetzt!
     
  3. S.Tscharles

    S.Tscharles Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 06.01.07   #3
    Halt, ich habe ja noch was vergessen!
    Was die Preisunterschiede angeht:
    Bis zu einer Grenze von - sagen wir mal - 500,-€ - wirst Du wahrscheinlich jeden Euro den Du mehr ausgeben hast, hören und fühlen können. Von dieser Grenze bis etwa 1000,-€ sind nochmals gewisse Steigerungen möglich, dann wird es aber langsam esoterisch, bzw. wird die Mehrausgabe nicht unbedingt in besserem, sondern in anderem Klang bemerkbar werden.
    Im unterem Preissegment sind oft die '"Zutaten" bemängeln, und die Bauweise, die sich im ersten Moment und für einen Unbedarften nicht erschließen:
    Geschäftete Hälse, angesetzte Kopfplatten, wobei es hier schon einen Unterschied macht, wo die Holzfasern unterbrochen wurden, bzw. die Kopfplatte angesetzt ist, das dann noch mit einem angesetzten Halsfuß garniert:
    Einteilige Hälse, oder zwei- bis fünffach gesperrte (aber längs gesperrt, um die Verwindungssteifigkeit zu erhöhen) ohne angesetzten Halsfuß.
    Griffbretter aus Palisander oder einem Surrogat (mir fällt der Name von dem Holz momentan nicht ein) oder einem "ebonized" Holz, also irgendein Holz das mit Beize schön schwarz gefärbt wurde.

    Massivholz für Boden und Zargen oder Laminat, wobei es hier auch wieder darauf ankommt, ob zwei Stücke Mahagoni miteinander verklebt wurden, und beide den gleichen Faserlauf haben oder dieser gekreuzt oder quer ist, oder welches Holz im Korpusinneren verwendet wurde, wo die Optik vernachlässigt werden kann, allerdings gerade da eben durch die Schallreflexionen auch der Klang beeinflusst wird.
    Das Vorhandensein von Versteifungen an den Zargen zwischen Boden und Decke, die einerseits Rissen in den Zargen verhindern sollen, aber auch wieder den Klang beeinflussen können. Die finden sich meines Wissens nach aber heute auch bei wesentlich teureren Marken nur noch selten (komischerweise haben die schon erwähnten Tanglewoods gerade in der Region bis 500,--€ genau dieses Feature!).
    Dann kommt es darauf an, welches Holz zum Bau verwendet wurde, weil eben Mahagoni und Palisander oder Fichte erstmal nur die Holzfamilien sind, aber es da auch noch gewaltige Unterschiede gibt (und Preisdruck bzw. Kalkulation macht sehr erfinderisch).
    Bei der Fichte gibt es Sitka-Fichte, europäische (deutsche) Berg- oder Alpenfichte, aber auch chinesisches Holz, das wieder andere Eigenschaften hat.
    Dann kommt es auf den Lack an, und wie er aufgebracht wurde, und die Bundstäbchen und die Mechaniken und den Steg, nicht zu vergessen, aus welchem Material Sattel und Stegeinlage gefertig wurden. Und es macht eben auch einen Unterschied, ob einfach Stückzahlen gefragt sind, oder wirklich noch mit einem gewissen Qualitätsanspruch gefertigt wird.
    Denn man kann Gitarren mit Epoxydharz in ein paar Sekunden "zusammenschiessen" und weiterarbeiten, genauso wie sich Kunst(harz)lacke unter Schwarzlicht in kürzester Zeit zum Aushärten überreden lassen, während die traditionellen Baumethoden mit Leim, oder vielleicht sogar noch Knochenleim und Nitrolack ihre Zeit brauchen und sich dann auch im Preis niederschlagen.
    Ich persönlich halte von den Großseriengitarren (alles was wirklich in Stückzahlen gebaut wird, also z.B. Yamaha oder Ibanez oder Epiphone) gar nicht, während die Yamaha LL oder Epiphone Masterbuild oder Ibanez "made in Japan" zeigen, daß die Herrschaften durchaus wissen, wie man gute (und gutklingende/-ansprechende) Gitarren baut, die dann aber eigentlich erst in der Region ab 600,- bis 800,-€ zu finden sind. Ich hatte erst vor ein paar Tagen beim großen T mal scherzhalber so die einzelnen Kategorien durchprobiert, und muß sagen, das ich bei den Masterbuild und den LL schon schwach werden könnte. Allerdings, vom Preis-/Leistungsverhältnis kommen sie an die Tanglewoods trotzdem nicht heran, wenn´s aber nur um den Klang geht, wär´s ne Überlegung wert.
    Weil´s jetzt doch länger wurde, als geplant, höre ich jetzt mal auf. Ich weiß, das man hier noch vieles schreiben könnte, grundsätzlich gilt aber für den Gitarrenkauf das, was auch im zwischenmenschlichen Bereich Sache ist - wenn´s funkt (die oder keine) - dann Kopf ausschalten und dem Bauch folgen. Damit bin ich zumindest bei meinen Gitarren bis jetzt immer gut gefahren.

    Falls noch mehr Informationen gewünscht sind, unter dem im vorigen Post genannten Link (http://www.xn--karl-jrgen--klimke-r6b.de) finden sich unter Tipps viele Informationen und Bilder, die schon zeigen, worauf man noch beim Kauf achten sollte.
    So, und jetzt soll´s gut sein.
     
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