Bertone Locatelli Restaurierung

  • Ersteller cantulia
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Und schon aus diesen Gründen kann ich dir versichern, finden sich hier viele User die an solchen Renoverungsberichten interessiert sind. :)
Es ist richtig das ich mit Akkordeons wenig vertraut bin, ich mag den Klang da es dem Harmonium das ich selber spiele und besitze sehr nahe kommt. Tatsächlich habe ich schon einige Akkordeons repariert da die Mechanik ja ähnlich ist. Vielleicht solltest du dich mit deinem Bericht an eine Seite wenden die sich mit dem Thema Restaurierung von Akkordeons befasst. So was gibt es ja bestimmt, dann finden die Leute dich danach suchen deinen Beitrag ohne Probleme.
 
Vielleicht solltest du dich mit deinem Bericht an eine Seite wenden die sich mit dem Thema Restaurierung von Akkordeons befasst.

Diese Seite ist HIER ;). Mal ehrlich, ich finde die Diskussion, dass man den Bericht doch am besten woanders (auch) veröffentlichen sollte, ziemlich überflüssig. Wir sind das Musiker-Board, das größte deutsprachige Musiker-Forum und sicher auch eine der größten Akkordeon-Communities. Wer sich für solche Berichte oder unser Instrument generell interessiert, findet leicht zu uns und braucht kein Printmagazin oder keine andere Plattform.

Und nun bitte "back to topic".
 
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Bassteil:

Mit ein wenig Verspätung die Fortsetzung des Restaurierungberichtes.

Nachdem sich nun die Restaurierung des Diskantteils recht lange hingezogen hat, habe ich mich entschlossen die des Bassteiles in einem Rutsch durchzuziehen um mal weiter zu kommen.

Im Mai habe ich mich intensiv mit ihm beschäftigt und es war eine wirkliche sinnvolle Entscheidung das Bassteil ohne größere Unterbrechungen instandzusetzen.

Anstehende Arbeiten waren:
  • Zwei Risse im Gehäuse an der Auflage der Bassabdeckung reparieren und verstärken
  • Risse, Fehlstellen und starke Kratzer im Celluloid beseitigen
  • Fehlende Ornamente aus Aluminium nachbilden und anbringen
  • Lederdichtung der Füllung erneuern
  • Klappenbeläge der Klappen ersetzen
  • Bassmechanik demontieren, säubern, richten, wieder einbauen und komplett neu justieren
  • Stimmstocksohle eines der 3 Bass-Stimmstöcke an die Durchbiegung der Bass-Füllung anpassen durch Aufleimen von Furnier und entsprechendem Abarbeiten
  • Gehäuseoberfläche aufarbeiten
  • Neu gepolsterten Bassgurt anbringen
  • Zusätzliche Befestigung für die Bassabdeckung ersinnen
  • Gängig-machen der Registerschieber in den Sohlen der Stimmstöcke
Sowohl für das Auswechseln der Klappenbeläge als auch für die nötigen Gehäusereparaturen war es notwendig die Bassmechanik auszubauen. Leider ist dieses Akkordeon hier keine Hohner Lucia, die Bassmechanik nur in Einzelteilen demontierbar. Verflucht sei der der das konstruiert hat. Die Demontage ging ja noch halbwegs aber die Remontage, das Wiedereinbringen der Mechanik ins Bassgehäuse und die Neujustierung, war in der Tat eine Herausforderung. Und ich habe schon diverse Bassmechaniken zerlegt, repariert und justiert. Wie die diese hier rationell bei der Herstellung eingebaut und justiert haben erschließt sich mir nicht. Dazu später mehr. Aber wahrscheinlich spielte der Stundenlohn damals nicht so eine Rolle, erst recht nicht bei einem Hochpreisinstrument.

Der Entschluß die Restaurierung des Bassteils zügig durchzuführen ergab sich eigentlich als klar war daß die Bassmechanik als erstes heraus mußte. Einmal zerlegt war offensichtlich daß wenn allzu viel Zeit vergehen würde einmal die Teile durcheinander geraten könnten und zusätzlich ich vergessen würde wie das einmal alles zusammen war. Im Nachhinein und dem besseren Verständnis dieser Bassmechanik könnte ich zwar nun auch einen zusammengewürfelten Haufen der Teile wieder sortieren, doch so war es besser.



Hier das Bassteil vor der Demontage und Restaurierung.

Man erkennt auch daß das Bassverdeck leicht verzogen ist. Mithilfe eines feuchten Lappens konnte ich den Verzug ein wenig beseitigen, eine seitlich eingetriebene Nagelspitze hält die Abdeckung nun bündig am Platz.

Hier mit entferntem Bassverdeck.


Man beachte das schöne Spinngewebe und gut ist auch der mit Garn umwickelte Draht zu erkennen der als Anschlagdämpfer für die Knopfschieber dienen soll.


Die Knopfschieber der Akkordmechanik (das sind alle Knöpfe ohne die Grundbaß- und Terzbaßreihe) hängen alle zusammen und übersichtlich an einer L-förmig gewinkelten Aluminiumschiene in welcher die Schieber geführt sind. Auf der anderen Seite übernehmen die Bohrungen für die Knöpfe im Bassgehäuse die Führung der Knopfschieber. Nach Lösen von zwei gut erreichbaren Messingschrauben lassen sich diese 80 Knopfschieber als Gesamtheit vorsichtig herausziehen. An der Alu Schiene hängen dann diese 80 Knöpfe traurig und wild durcheinander herunter. Wie man sieht sind die Bohrungen für die Knöpfe im Gehäuse nicht mit Filz ausgefüttert wie schon lange bei besseren Instrumenten üblich.



Nun ein paar Photos der Schad/Fehlstellen:


(Einfassung Bassgurtöffnung)


(rechte Gehäuseecke, Zierrat unkomplett)


(linke Gehäuseecke, Zierrat unkomplett)


(Registerdrücker Zierrat unkomplett)


(Riss im Bassgehäuse an der Auflage für die Bassabdeckung)


(demontierte Knopfschieber der Bassklappen)


Bassteil /Lederdichtung


Détail Bassteil Tonlöcher/Lederdichtung für Stimmstocksohle

Hier erkennt man gut wie ungleichmäßig die rechteckigen Tonlöcher in der Füllung sind. Ich vermute daß dies die Folge davon ist daß man erst runde Tonlöcher bohrte und dieses dann händisch rechteckig geschnitten hat. Früher hatten Akkordeons immer runde Tonlöcher da diese einfach mit einem herkömmlichen Holzbohrer in der einfachst ausgestatteten Holzwerkstatt hergestellt werden konnten. Mit Aufkommen der per Register wählbaren Chöre und dem damit verbundenen Hinzufügen der Registerschieber ging man zu rechteckigen Tonlöchern über. Doch rechteckige Tonlöcher sind in der Herstellung weit komplexer, es muß gefräst oder gestanzt werden, man benötigt also andere aufwändige Maschinen. Für kleinere Unternehmen mit einem geringen Ausstoß an Instrumenten war wohl gerade in der Übergangszeit des Aufkommens der Registermechaniken Ende der 40iger es einfacher die runden Löcher dann per Messer/Beitel abzuändern. Man beachte die unregelmäßigen, teils bis auf einen Millimeter geschrumpften, Abstände zwischen den runden und eckigen Tonlöchern.


Um das Bassgehäuse restaurieren zu können mußte nun auch der Rest der Bassmechanik entfernt werden. Damit die Wellen nicht komplett durcheinander geraten habe ich sie durch Pappstreifen „fixiert“ sowie durch schräg verlaufenden Eddingstrichen über die Wellen markiert.

Das Gehäuse ist nun leergeräumt und die Beseitigung der Schäden erfolgte.

Komplettierung der fehlenden Ornamentstreifen an der Bassgurtöffnung, an den Gehäuseecken, sowie am Registerdrücker:









Die neu angefertigten Lederdichtungen für die Stimmstocksohle der Bassstimmstöcke:


Nun mit eingeklebten Dichtungen, wofür ich Pattex benutzt habe, es bleibt elastisch und ist wärme- und weitgehend alterungsbeständig. Original hat man wohl zu der Zeit Knochenleim benutzt, jedenfalls einen Leim welcher ziemlich hart war.


Bei den Bassstimmstöcken des Bertone Locatelli ist der Registerschieber in der Stimmstocksohle geführt. Auf der Diskantseite sind diese ja in der Füllungsplatte geführt.
Das heißt daß im Bassstimmstock zwischen Stimmstocksohle und dem Stimmstockkorpus eine Führungsbahn für den Registerschieber eingefräst ist. Die Stimmstocksohle hatte sich partiell von dem Stimmstockkorpus gelöst und mußte neu verleimt werden:


Zudem war der Registerschieber recht schwergängig so daß ich mittels eines sehr dünnen Stahllineals, welches ich mit feinem Schmirgelpapier umwickelte, die Führungsbahn im Stimmstock etwas bearbeitet habe mit dem Erfolg daß der Schieber nun leichter darin gleitet.

Die Füllung auf der Bassseite besteht aus Sperrholz welches sich im Laufe der Zeit etwas durchgebogen hat. Die Folge war daß die Stimmstocksohle eines der Stimmstöcke nicht mehr dicht auflag.



Es wäre aussichslos die Füllung wieder in ihre ebene Form zu bringen zu wollen. Das Problem kannte ich schon von einigen Cantulia Instrumenten. Als Lösung bietet es sich da an dünne Furnierstreifen auf die Stimmstocksohle aufzuleimen und danach die Balligkeit der Stimmstocksohl so anzupassen daß sie konform zur Bassfüllung ist. Hier sieht man wie ich zwei Lagen Furnier auf die Sohle leime:




So, nun geht es an das Wiedereinbringen der Bassmechanik samt der neuen Bassklappenbeläge.

Hier das nackte, noch leere Bassgehäuse:


Erster Schritt ist die Montage der Bassklappenhebel. Da ich jedoch lediglich die Klappen gereinigt und neu belegt habe (und nicht die Klappen von den Klappenhebeln gelöst habe) mußten alle Klappenhebel sehr genau neu ausgerichtet werden damit die neuen Klappenbeläge auch schön dicht an der Füllung anliegen. Ich wollte die immer noch solide Verbindung aus Originalitätsgründen nicht lösen. Wenn man die Klappen gelöst hätte wäre das Ausrichten der Klappen nicht nötig gewesen da man dann „einfach“ erst die Klappen an ihre Stelle gebracht und dann in dieser Position die Klappenhebel angeleimt hätte, bei anderen Instrumenten wird dafür auch Wachs benutzt.

Für die Klappenausrichtung nach Neubelegung bei Akkordeons mit Holzfüllung (welche meist durchgebogen ist!) ist es generell sinnvoll daß die Stimmstöcke auf ihrem Platz sitzen und mit normaler Spannung befestigt sind. Nur so ist sichergestellt daß das Ausrichten der Klappen Erfolg hat und sie nachher auch dicht sind. Auch schon dadurch ist die Reihenfolge beim Restaurieren etwas vorgegeben. Es war also einfach nötig stimmstockseitig vorher alles in Ordnung zu bringen.

Hier nun das Bassgehäuse mit den neu belegten und wieder an ihrem Platz befindlichen Bass- und Akkordklappen. Die Bass- und Akkordklappenebel werden durch ihre rechtwinklig abgebogenen Enden und jeweils zwei Senkkopfschräubchen als Lager geführt. Durch gefühlvolles Anziehen der Schräubchen wird die Leichtgängigkeit der Hebel justiert:


Nun mit montierten Wellen – bis hierher ging es ja noch…..


Die Montage der Knopfdrücker für die Bassklappen (Grundreihe + Terzreihe) war auch dank des herausnehmbaren Knopfbrettes noch nicht sehr heikel:


Um die Bassmechanik jedoch wieder so zu komplettieren wie hier war enorm zeitraubend, komplex, Pingelsarbeit und auch wirklich schwierig – zum Verzweifeln. Die Knopfschieber hängen ja alle an einem Ende zusammen in der Alu-leiste müssen aber jede für sich einzeln so eingefädelt werden daß die Mitnehmerstifte an den Knopfschiebern auch richtig vor den jeweiligen Wellenstiften liegen. Und natürlich muß man „erahnen“ welcher Knopfschieber in welches Loch gehört, nicht immer so einfach das herauszufinden. Um die richtig zu platzieren muß man erst mal alles verstanden haben, dann eine gehörige Geduld aufbringen um die einzelnen Knopfschieber richtig anzuordnen ohne daß die schon richtig platzierten wieder herausrutschen. In der dieser Phase habe ich im Eifer des Gefechtes glatt vergessen Photos zu machen, es wäre aber auch kaum möglich gewesen da ich die ganze Zeit beim Einfädeln das Bassteil in der Hand halten mußte und die Innereien in einem gewissen Winkel halten mußte damit überhaupt der Platz da war um die Knopfschieber zu positionieren. Aber letztlich nach ca. 5 sehr konzentrierten Stunden war alles richtig an seiner Stelle:





Die ganze Mechanik , Wellen, Wellenhaken, Klappenhebel habe ich gereinigt, von Scharten an abgenutzten Stellen befreit und am Ende poliert damit alles gut gleitet und sich leicht dreht.

Hier sieht man eine Scharte an einem Wellenhaken welcher Folge von Verschleiß ist:


Und natürlich wurden auch alle Knöpfe gereinigt und poliert:


Die Wellen der Bassmechanik sind nach oben hin in der Mitte ihrer Länge mit einem quer über sie laufenden Drahtbügel geführt. Um diese Klapperquelle ein wenig zu dämpfen habe ich diesen Drahtbügel mit einem Filzstreifen unterfüttert:


Hier als Détail die interessante Art des „Dämpfungsanschlag“ der Knopfdrücker:


Das Justieren der Bassmechanik kann nicht einfach beschrieben werden. Wie bei jeder Neujustage einer Bassmechanik müssen erst nach Einbringen der Knopfschieber der Grund- und Terzreihe alles so genau wie möglich auf maximale Spielfreiheit eingestellt werden wobei immer wieder auch darauf geachtet werden muß daß die Knöpfe schön in einer Ebene liegen. Dann nach Einbringen der Akkord-Knopfschieber sind nun diese mit ihren dazugehörigen Wellenstiften auszurichten. Immer dabei die Ebene der Knöpfe im Blick behalten. Ich mußte mir ein paar improvisierte Werkzeuge dazu basteln damit ich überhaupt an manche Wellenstifte gelangen konnte um sie zu richten.



Durch drei kleine seitlich eingetriebene Nagelspitzen wird die noch leicht verzogene Bassabdeckung in eine bündige Position zu Ihrer Auflage im Bassgehäuse gehalten:
imgp7450.jpg


Hier nun das komplettierte Bassgehäuse, darunter ein Eindruck des nun bis auf die Stimmstöcke komplett überholten und neu einjustierten ganzen Akkordeons:
imgp7536.jpg


imgp7537.jpg


Alles läuft nun perfekt präzise und nahezu spielfrei, die Mechanik ausgesprochen solide ausgeführt mit relativ starken Drahtstärken, heutige Mechaniken benutzen meist dünneren Draht.

Natürlich produziert eine alte Bassmechanik immer mehr Neben-/Störgeräusche als eine eines heutigen guten Akkordeons. Aber ich glaube daß das Ergebnis auch spieltechnisch absolut akzeptabel ist .
Ich bin froh diese doch etwas heiklen Arbeiten an der Bassmechanik doch zu einem guten Ende gebracht zu haben.

Da nun Diskantteil, Balg als auch nun das Bassteil fertiggestellt sind wird der nächste Schritt sein sich mit den Stimmstöcken, den Stimmplatten, Ventilen etc. zu beschäftigen.

Auch dies ist leider bei diesem Akkorden keine Routine da einerseits die Stimmstöcke teils gelitten haben und zum anderen die Stimmplatten mit Lederdichtung auf die Stimmstöcke genagelt sind. Was erwartet mich wenn ich die Nagelung entferne, ein völlig mit Nagellöchern geschädigter Stimmstock? Es ist nahezu sicher daß bereits mindestens einmal diese neu aufgenagelt wurden.

Einmal traue ich mich nicht wirklich die Stimmplatten neu zu nageln, rein aus mangelnder Erfahrung, zweitens wird es sehr schwierig sein noch intakte Stellen an den Kanzellenwänden zu finden an denen man noch neu nageln kann. Dies ist meine Befürchtung.

Eine Alternative – aber nicht im Sinne der originalen Restauration- wäre das Einwachsen der Stimmplatten.



Fortsetzung folgt…


Liebe Grüße,

Roland
 
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@cantulia :hail: Respekt!!
Zum Thema Stimmplatten wieder aufnageln bekam ich vom Sondelfinger Meister den Tipp, das alte Nagelloch mit einem Tröpfchen Wasser (Pipette) anzufeuchten, sodass das Holz quillt und der Nagel im alten Nagelloch wieder hält. Selbst habe ich es noch nicht probiert, da ich mangels Werkstatt (noch) nicht in der "Restaurierungsphase" befinde. Die Info bezog sich auf eine Cooperativa aus Stradella, ähnliches Baujahr wie deine Bertone.
 
@cantulia, meine Güte. Was für eine Herausforderung. Freut mich riesig für Dich, dass Du ordentliche Fortschritte gemacht hast. Ich würde die Krise kriegen, wenn mein ganzer Tisch voller Einzelteile liegt. So langsam wird aus deimem Instrument ein richtiges Schätzchen. Wahnsinn. Respekt.👍

Mich würde interessieren, ob sich auch der Klang verändert hat. Vom Handling schätze ich ja, dass es bestimmt besser ist...
 
@cantulia

Da machtst du dir ja eine Menge Arbeit. :eek::hail:

Super, dass du diese so detailreich und bebildert schilderst. :cheer:
Da versteht man super, wie so ein Akkordeon funktioniert, und lernt viel über Materialien und Arbeitsschritte. Vor allem die Zelluloidverarbeitung fand ich sehr interessant.

Beim Thema 'Probleme des mehrfachen Lösens von Holzschrauben'
und der Lösung für die Balgnägel kam bei mir eine Frage auf:

Wie halten solche Balgnägel eigentlich? Einfach ins Holz genagelt, dürften die zwar genug Reibung haben, aber mehrfaches (De)montieren wird die Löcher ausleiern. Aber fehlt mit den eingelassenen 'Metalllöchern' im Balg nicht die Reibung, damit die Nägel halten? :unsure:

Dein 'Passen die Leser wirklich auf'-Testbild ist natürlich aufgefallen. ;)
(Das Bild nach "Hier nun das komplett überholte und neu einjustierte Bassgehäuse" zeigt natürlich nicht den Endzustand. Dort sind bspw. noch die Alu-Inlays unvollständig. Da waren die Detailfotos schon weiter.)
 
Aber fehlt mit den eingelassenen 'Metalllöchern' im Balg nicht die Reibung, damit die Nägel halten?

Wenn man Holz unter Druck verformt, dann wird das Holz verdrängt. Und wenn man dann das Holz wieder feucht macht, dann "erinnert" sich das Holz und nimmt dann wieder die ursprüngliche Form an...und bleibt dan auch zurückgeformt, wenn das wieder trocken ist - Schreiner nutzen das um Dellen in der der Tischfläche wieder rauszubekommen. Allerdings bezweifle ich dass das wieder rückgequollene Loch dann auch die gleiche Haltekraft hat, wie beim erstmaligen nageln.

Aber beim nageln ist das eh die Krux - wie kräftig der Nägel hält , hängt immer davon ab, ob das Holz beim nageln einen Riss bekommen hat oder nicht... Und bevor man jetzt noch mals nach ner noch ungelochten Stelle am Stimmstock sucht, würd ich die Wasser -Loch-Zurückquellmethode ausprobieren und hoffen, dass das auch nicht weniger hält als ein Nagel im gerissenen Loch
 
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@maxito

Mir gings um die Balgnägel, da ich hier immer lese, dass die zur Begutachtung von Akkordeons 'ständig' gezogen werden müssen. Da wundert es mich, dass die dann wieder halten. Werden die Stellen dann auch befeuchtet?
 
Also die Balgnägel werden nicht genagelt, sondern in angefertigte Bohrungen gedrückt. Optimal mit leichter Presspassung, d.h. die Bohrungen z.B. mit 1,8-1,9mm gebohrt für Balgnägel mit 2mm Durchmesser. Dann kann man, weil Holz ja relativ leicht zusammendrückbar ist, den Balgnagel gut dichtend eindrücken. Natürlich weitet sich die Bohrung mit jedem Entfernen und Wiedereindrücken des Balgnagels immer ein wenig und irgendwann hat er nur noch eine Wackelpassung und auch ein gewisser Luftverlust geht damit einher. Als Abhilfe kann man z.B. einen kleinen Tropfen Ponal auf den Balgnagel vor dem Eindrücken geben oder ihn vorher mit etwas Antik-Wachs für Möbel einreiben. Dann sitzt er wieder dicht. Bei völlig ausgeleierten Balgnagelbohrungen muß man dann entweder ausbuchsen und neu bohren oder man benutzt dickere Balgnägel z. B. 2,5er statt 2mm. Davor muß aber geprüft werden ob die größere Bohrung dort möglich ist.

Gruß
Roland
 
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Aloha .-)

Auch wenn Akkordeon gar nicht meine 'Baustelle' ist schaue ich speziell in diesen Bericht hier immer wieder gerne rein...

Mein grösster Respekt für dieses Projekt !!

Gegen das hier komme ich mir mit meinem Rhodes-/ Wurlitzer-Zeug immer wie ein Grobschlosser vor ;-)



Jenzz
 
Die Nägel in der Bassabdeckung werden vermutlich ausreissen. Die Abdeckungen verziehen sich weil ihnen die Gegenspannung fehlt.
Aussen beschichtet, innen roh. Innen Holz einfach lackieren und das ganze bis zum trocknen pressen. Damit es nicht verklebt Frischaltefolie verwenden.
 
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Die Nägel in der Bassabdeckung werden vermutlich ausreissen. Die Abdeckungen verziehen sich weil ihnen die Gegenspannung fehlt.
Aussen beschichtet, innen roh. Innen Holz einfach lackieren und das ganze bis zum trocknen pressen. Damit es nicht verklebt Frischaltefolie verwenden.
Hallo,

an für sich ist das natürlich ein guter Tip mit dem Lackieren der inneren Seite um dem Holz auch auf dieser Seite etwas an Atmungsaktivität zu nehmen und dadurch das Verwinden zu versuchen in den Griff zu bekommen.
Doch hier war das sicherlich nicht das Problem:) Denn wie bei so vielem an diesem Akkordeon sit auch hier nicht alles so wie üblich sondern etwas aufwändiger hergestellt. Denn hier wurde beidseitig mit Celluloid überzogen. Die wußten schon warum sie das taten, aber wie es sich zeigt hat das auch letzlich nicht geholfen.


Vielleicht ist das Sperrholz nicht richtig gesperrt, aber wenigstens sind es drei Schichten.
Die meisten Cantulia Akkordeons haben das gleiche Problem der durchgebogenen Bassabdeckungen. Da komme ich halbwegs klar damit sie mit einem feuchten Lappen von der Holzseite zu befeuchten und dann leicht anders herum vorgespannt in einer Buchpresse trockenen zu lassen. So konnte ich schon einige Male die Verwindung nahezu beseitigen. Danach lackiere ich die Innenseite mit Nitrolack.

Doch hier ist wie gesagt auch die Innenseite mit Celluloid beschichtet. Da habe ich versucht das Holz von den offenen Kanten aus mit Feuchtigkeit zu versorgen, habe immer wieder mit einem feuchten Lappen die Kanten bewässert. Dann wie schon beschrieben in der Buchpresse unter leichter Vorspannung in die Gegenrichtung gepresst und dort trockenen lassen. Ich habe die Verwindung auch, auf vielleicht die Hälfte der Durchbiegung, reduziert bekommen.
Da ich drei Nagelspitzen seitlich angebracht habe gehe ich davon aus, zumal die Spannung wirklich nicht mehr groß ist, daß sie nicht ausreißen werden.

Danke für den Tip und
liebe Grüße
Roland
 
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Wenn von beiden Seiten Zelluloid ist muss es an der Holzverleimung liegen. Sperrholz besteht ja auch Splintholz und es müssen bei Sperrholz oder
Leimbinder bestimmte Laufrichtungen usw. beachtet werden. Unterschiedliche Hölzer könnten auch Grund sein.
Die Italiener sehen das nicht so eng. :)
 
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